Two Lovers Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 106 Min | Kinostart: 2009 (USA) | Release: 17.02.2010 (DVD)
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Schauspieler:Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini
Die Story:Eigentlich ist er seiner Umgebung längst entwachsen. Trotzdem schläft Leonard mit Mitte 30 immer noch in seinem alten Jugendzimmer im Apartment seiner Eltern. Dass er mit Vater und Mutter unter einem Dach wohnt und in ihrem kleinen Reinigungsgeschäft im New Yorker Stadtteil Brighton Beach aushilft, hat freilich einen ganz bestimmten Grund: Nach dem traurigen Ende seiner langjährigen Beziehung und dem anschließenden Selbstmordversuch soll Leonard mit elterlicher Hilfe ins Leben zurückzufinden. Um seinen Heilungsprozess zu beschleunigen, versuchen die Eltern, ihn mit Sandra zu verkuppeln, der liebenswerten und mitfühlenden Tochter eines Geschäftsfreundes. Leonard findet Sandra nicht unsympathisch. Doch nur einen Tag nach ihrer ersten Begegnung trifft er im Treppenhaus eine andere Frau, die ihn auf Anhieb in ihren Bann schlägt: Michelle wohnt seit kurzem eine Etage über ihm in einem Apartment, dessen Miete von dem verheirateten Anwalt bezahlt wird, mit dem sie eine Affäre hat. Während die vernünftige Sandra sich in Leonard verliebt, sieht die neurotische Michelle in ihm eine Art Bruder, bei dem sie ihre Probleme abladen kann. Leonard ist verzweifelt - denn zwischen Vernunft und Verlangen eine Wahl zu treffen, scheint unmöglich. So geht er eine Beziehung mit Sandra ein, vielleicht auch, weil er seine Eltern nicht enttäuschen will. Gleichzeitig träumt er davon, Michelle zu erobern. Hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen, verstrickt sich Leonard in Lügen und Täuschungen – und droht, in jene Dunkelheit zurückzufallen, die ihn fast umgebracht hätte...
Hintergrund:Mit seinem vierten Spielfilm lässt Autor und Regisseur James Gray das Thriller-Genre hinter sich und erzählt eine melancholische Liebesgeschichte aus dem New York von heute, zu der ihn Dostojewskis Novelle Weiße Nächte inspirierte. Als sich der labile Leonard Hals über Kopf in seine geheimnisvolle Nachbarin Michelle verliebt, ist er überzeugt, dass sie der Schlüssel zu seinem Glück ist. Doch Michelle erwidert seine Liebe nur platonisch und nutzt seine Zuneigung aus. Unterdessen spürt Leonard zunehmend den elterlichen Druck, sich mit der harmlos-freundlichen Sandra zu verloben. Kein Wunder, dass es für ihn, der schon mehrere Selbstmordversuche hinter sich hat, überlebenswichtig wird, endlich jene Bande zu lösen, an denen er zu ersticken droht. Doch in den Filmen von James Gray – auch in seinem ersten ausgesprochenen Liebesfilm – entkommt keiner dem Schicksal namens Familie. TWO LOVERS ist ein trauriges Märchen über das, was der Mensch Liebe nennt. Dank Grays ebenso atmosphärischer wie präziser Inszenierung verwandelt sich die einfache Geschichte eines Mannes zwischen zwei Frauen in ein bewegendes Melodram über Einsamkeit, Entfremdung und Egoismus. Eine Dreiecksbeziehung zwischen Flüstern und Schreien, realistisch gefilmt und doch poetisch zugespitzt auf den Kern der Dinge – dass nämlich Gefühle, die wir für andere empfinden, selten mit der gleichen Intensität erwidert werden. In seinem dritten Film unter Regisseur James Gray beweist Joaquin Phoenix erneut seine Ausnahmestellung: Sein Leonard ist eine zerrissene Figur jenseits aller Klischees – depressiv und mutig, verstockt und liebestoll, feige und aufbegehrend –, die man nicht so schnell vergisst.
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Die Dreharbeiten begannen Anfang November 2007 und endeten kurz vor Weihnachten. Gedreht wurde in Manhattan, Brooklyn und Queens. Einige der bekanntesten New Yorker Örtlichkeiten sind im Film zu sehen, darunter der Central Park, das Metropolitan Museum of Art, Lincoln Plaza und Coney Island. Anfang Dezember zog das Team in ein Apartmenthaus – jenes Haus, in dem Leonard und Michelle wohnen. Drei Wochen lang drehten Schauspieler und Stab in engen Räumen, die mit Möbeln und technischem Material zugestellt waren. Hier entstanden die meisten der in Innenkulissen spielenden Szenen. Der Drehplan war eng gesteckt, und innerhalb kurzer Zeit musste sehr viel erledigt werden, doch James Gray und seine Mitarbeiter arbeiteten zügig.
„James kann sich unglaublich gut konzentrieren“, erläutert Donna Gigliotti, „und er weiß genau, was er will. Das ist enorm wichtig, wenn man einen so knappen Drehplan hat wie wir. Er besitzt nicht nur einen ausgeprägten Sinn fürs Visuelle, er schielt mit einem Auge stets auf die Monitore und weiß auf Anhieb, wie er eine Szene schneiden wird. Man könnte sagen, dass er den Film schon beim Drehen schneidet – eine sehr effiziente Arbeitsweise, wie sie früher häufig praktiziert wurde. Und wenn man keine 75 Drehtage vor sich hat, ist es letztlich die einzige, die etwas taugt.
„Dass wir so schnell drehen konnten, haben wir auch dem Talent unserer Schauspieler zu verdanken. Wir wussten, dass es eine Herausforderung war, den Film unter den gegebenen Umständen zu drehen. Aber die Arbeit mit so außergewöhnlichen Schauspielern hat alles erleichtert. Wenn Joaquin, Gwyneth und Vinessa am Set waren, entstand pure Magie!“
TWO LOVERS ist der zweite Film nach HELDEN DER NACHT, für den James Gray Joaquín Baca-Asay als Kameramann engagierte. Auf der Suche nach der Optik des Films sahen sich die beiden Männer zunächst viele Gemälde an. „Durch die Kamerabewegungen“, erklärt James Gray, „wollten wir eine ganz bestimmte visuelle Dynamik erreichen, eine gewisse Poesie. Ich wollte die Schönheit im Banalen finden. Und weil die Geschichte bereits ein paar fantastische Elemente enthält, mussten die Bilder sehr pragmatisch, beinahe naturalistisch wirken. Die Liebe an sich ist gewissermaßen schon eine fantastische Erfahrung, denn verliebte Menschen befinden sich in einem leicht übersteigerten Zustand. Insofern übernahm die Geschichte selbst bereits einen Teil der Kameraarbeit.“
Dass Gray und Baca-Asay erneut zusammenarbeiteten, half dem Team, unter den schwierigen Bedingungen, die der Drehplan diktierte, perfekt zu funktionieren. „Joaquín und ich“, sagt James Gray, „verstehen uns mittlerweile so gut, dass der eine die Sätze des anderen beenden kann. Wir mussten häufig schnell überlegen, schnell handeln. Wenn eine Szene nicht funktionierte, mussten wir sofort eine Lösung finden. Das ist einerseits sehr schwierig, hat aber auch etwas Befreiendes... Kunst ohne Disziplin gibt es nicht. Schnell zu überlegen und rasche Entscheidungen zu fällen, dafür zu sorgen, dass die Dinge im Fluss blieben, erwies sich bald als eine unserer besten Übungen!
„Beim Dreh von TWO LOVERS konnte ich als Regisseur ein wenig Ballast abwerfen. Als ich meinen ersten Film drehte, war ich noch extrem pingelig, was die Platzierung der Kamera anging oder welche Objektive benutzt werden sollten, welche Art von Filmmaterial... Inzwischen habe ich gelernt, dass der kreative Prozess ein Geben und Nehmen ist, dass es Momente gibt, die einfach danach schreien, dass einem der Kameramann gute Ratschläge erteilt und so die eigene Arbeit beeinflusst. Joaquín Baca-Asay hat mehr als nur seine Erfahrung als Kameramann und seinen untrüglichen Blick eingebracht. Er ist ein großartiger Mensch mit viel Lebenserfahrung, der Gefühl und Verstand aufs Schönste verknüpft. Das sind seltene und wertvolle Eigenschaften.
„Ich möchte von den Dingen überrascht werden, die am Set passieren“, fährt Gray fort. „Wenn man mich fragt, ob ich zwingend meine Vision auf der Leinwand sehen möchte, antworte ich immer: ‚Auf gar keinen Fall!„. Das ist wirklich das Letzte, was ich in einem fertigen Film sehen möchte, denn das hieße ja, dass ich unfähig war, Teamarbeit zu leisten und das Beste aus den Leuten herauszuholen, die mich umgeben. Ich möchte, dass jeder einzelne, der an meinen Filmen mitarbeitet, seinen Teil dazu beiträgt. Der Kameramann steuert etwas bei, genauso der Kameraschwenker, der Ausstatter, der Produzent – sie alle können einen anregen und inspirieren, ganz zu schweigen von den Schauspielern, die einem so wunderbare Dinge schenken. Es wäre dumm, ausschließlich seine ureigene Vision realisieren zu wollen, wenn man in der Lage ist, etwas viel Besseres zu kreieren, indem alle ihre Ideen einbringen.“
James Gray bei der Arbeit zu beobachten, heißt unweigerlich, einen jener Lachanfälle zu erleben, von denen Gwyneth Paltrow sprach. „Ich muss lachen, wenn ich Dinge sehe, die mir gefallen“, erklärt der Regisseur, „die mir authentisch und ehrlich erscheinen – und mit denen ich vielleicht gar nicht gerechnet hatte. Das menschliche Verhalten ist amüsant, eigentümlich und eher lächerlich... Der große Regisseur Ernst Lubitsch hat einmal gesagt, dass selbst der würdevollste Mensch auf Erden mindestens zwei Mal am Tag absolut lächerlich ist. Davon erzählen Filme. Sie zeigen die würdevollsten Menschen in solchen Augenblicken, denn sie erzählen von den Extremen menschlichen Verhaltens. Die Leute sagen, dass sie Realismus wollen, aber Realismus an sich ist uninteressant. Was sie wirklich wollen, ist verdichtetes, intensives Leben. Und das nennt man Kino.“
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Seine ersten drei Filme waren dramatische Thriller: LITTLE ODESSA („Little Odessa“, 1994), THE YARDS – IM HINTERHOF DER MACHT („The Yards“, 2000) und HELDEN DER NACHT („We Own the Night“, 2007). Deshalb markiert TWO LOVERS einen Wendepunkt in der Karriere des Drehbuchautors und Regisseurs James Gray. Im Übrigen ist es sein dritter Film in Folge, der in Cannes im Wettbewerb gezeigt wurde, und außerdem seine dritte Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Joaquin Phoenix.
„Verschiedene Dinge haben mich zu TWO LOVERS inspiriert“, sagt James Gray, „unter anderem ‚Weiße Nächte„, eine Erzählung von Dostojewski über einen Mann, der sich auf platonische, geradezu obsessive Weise in eine Frau verliebt, die er zufällig auf der Straße trifft. Mich hat diese Novelle sehr berührt. Der Mann leidet offensichtlich an einer psychischen Störung, aber in der Geschichte geht es hauptsächlich um seine Art zu lieben. Geschildert wird sie aus einem ungewohnten Blickwinkel, den ich sehr interessant fand. Es ist nicht leicht, sich ernsthaft mit dem Thema Liebe auseinanderzusetzen. Meistens kommen dabei Liebeskomödien heraus, denn die Liebe ist ja nun wirklich ein Zustand, dem man eine gewisse Absurdität nicht absprechen kann. Häufig ist es doch so, dass wir uns in ein Hirngespinst, einen Traum verlieben. All das hat mich dazu gebracht, eine Liebesgeschichte zu schreiben, und zwar von einem – wie mir scheint – sehr persönlichen Standpunkt aus.“
Nach ein paar Monaten hatte James Gray die Arbeit an seinem Drehbuch TWO LOVERS beendet, einem modernen romantischen Drama, das in einer Umgebung spielt, die aus Grays früheren Filmen bekannt ist: Brighton Beach im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Auch wenn Gray erneut zeigt, wie die sozialen Hintergründe und Eigenarten seiner Figuren ihr Schicksal bedingen: Der Unterschied zwischen dieser Liebesgeschichte eines verzweifelten, zwischen zwei Frauen stehenden Mannes und den vorangegangenen schwarzen Thrillern des Regisseurs ist gewaltig.
James Gray schrieb die Hauptrolle des Leonard ausdrücklich für Joaquin Phoenix, mit dem er bereits THE YARDS – IM HINTERHOF DER MACHT und HELDEN DER NACHT gedreht hatte. „Joaquin ist wie ein Bruder für mich“, sagt Gray. „Wir stehen uns auf außergewöhnliche Weise sehr nahe. Gemeinsam haben wir uns überlegt, welche Aspekte des menschlichen Daseins uns noch interessieren. Joaquin hat ein ausgeprägtes Gespür für Menschen und weiß, wie sie ticken und was sie antreibt. Außerdem interessiert er sich für dieselben Dinge wie ich, deshalb arbeite ich so gern mit ihm zusammen.“
TWO LOVERS erzählt die Geschichte von Leonard Kraditor, einem jungen Mann, der zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen ist. Alles beginnt damit, dass er in die Wohnung seiner Eltern in Brighton Beach auf Coney Island zurückkehrt, hinter sich eine gescheiterte Beziehung, unter der er immer noch leidet. „Dies ist der dritte Film, den ich mit Joaquin drehe“, sagt James Gray, „deshalb wusste ich beim Schreiben, dass ihm diese Rolle gefallen würde.“ Nachdem er eingezogen ist, begegnet Leonard zwei sehr unterschiedlichen Frauen. Sandra lernt er über seine Eltern kennen, Michelle trifft er zufällig im Treppenhaus.
„Die Rolle von Leonards schöner, sprunghafter Nachbarin Michelle“, so James Gray, „habe ich für Gwyneth Paltrow geschrieben. Sie ist eine der intelligentesten und interessantesten Schauspielerinnen ihrer Generation. Man kennt ihre Arbeit in britischen Filmen, jeder erinnert sich an ihre Rolle in SHAKESPEARE IN LOVE („Shakespeare in Love“, 1999), für die sie einen Oscar erhielt. TWO LOVERS ist ein untypischer Gwyneth-Film, aber ich war mir sicher, dass sie in dieser Rolle großartig sein würde. Im Übrigen war es Gwyneth, die mich dazu inspirierte, ein neues Genre zu erforschen und ein Buch über die Liebe zu schreiben. Eines Tages hatte sie zu mir gesagt: ‚Ich würde gern einen Film mit dir drehen, aber nur, wenn es darin nicht von Waffen wimmelt und von Typen, die Schimpfwörter durch die Gegend brüllen.„ In gewisser Weise ist sie also für dieses Drehbuch verantwortlich, mit dem ich meine Kriminalgeschichten hinter mir lassen konnte.“
James Gray hatte die erste Fassung von TWO LOVERS bereits geschrieben, als die Dreharbeiten zu HELDEN DER NACHT begannen. Nach deren Abschluss gab er das Buch der Produzentin Donna Gigliotti zu lesen, die für SHAKESPEARE IN LOVE mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. „Donna und ich“, so James Gray, „hatten an einem Projekt gearbeitet, das schließlich nicht zustande kam, was im Filmgeschäft ständig passiert. Aber in dieser Zeit habe ich eine brillante Produzentin und einen wunderbaren Menschen kennengelernt, der meine Vorlieben und Geschmäcker in Sachen Kino teilt. Deshalb habe ich mich an sie gewandt, um TWO LOVERS zu produzieren. Außerdem fand ich es wichtig, dass sich eine Frau mit mir zusammen der Geschichte annimmt. Immerhin wird sie aus Leonards Blickwinkel erzählt, und ich wollte verhindern, dass die Sicht der Dinge zu männlich ausfällt.“
„Als wir zum ersten Mal über den Film sprachen“, erinnert sich Donna Gigliotti, „sträubte sich James gegen die Vorstellung, gleich ein neues Projekt anzuschieben. Er hatte gerade erst HELDEN DER NACHT beendet, und er zweifelte noch, ob TWO LOVERS wirklich sein nächster Film sein sollte. Ich habe ihn dazu ermuntert. Es wird immer schwieriger, die Finanzierung eines Films zu stemmen, und deshalb vergehen bei vielen Regisseuren zwischen zwei Filmen mehrere Jahre. Ich bin aber der Meinung, dass Regisseure möglichst viele Filme drehen sollten. James war von seiner Geschichte begeistert, die Hauptfigur war bemerkenswert, und das Budget lag im Rahmen dessen, was ich finanzieren konnte. Wir mussten das Eisen also schmieden, solange es heiß war.“
James Gray beschloss, eine zweite Version der Geschichte zu schreiben – zusammen mit Drehbuchautor Richard Menello, der ihm als kreativer Berater bei HELDEN DER NACHT zur Seite gestanden hatte. Nach ein paar Monaten war die neue Fassung des Drehbuchs fertig. Sie wurde sofort an die wichtigsten Darsteller geschickt. „Joaquin war der Erste, der das Drehbuch zu lesen bekam“, sagt James Gray, „und er mochte es sehr. Er war sofort einverstanden, den Film zu drehen.“
Die letzte Unterhaltung zwischen James Gray und Gwyneth Paltrow über die Möglichkeit, einen gemeinsamen Film zu drehen, war schon eine Weile her. Deshalb nutzte Gray einen E-Mail-Kontakt über Pasta-Soßen, um ihr bei dieser Gelegenheit das Drehbuch zu schicken. „Ich muss heute noch darüber lachen“, erinnert sich Gwyneth Paltrow. „Damals war ich gerade in London. Mitten in einer E-Mail, in der es um Tomatensoße ging, meinte er: ‚Ich habe einen Film für dich geschrieben und fände es klasse, wenn du das Drehbuch liest.„ Ich mochte es auf Anhieb, es unterschied sich sehr von seinen früheren Filmen, und ich fand die Geschichte sehr schön, sehr tiefgründig, traurig und zugleich sehr hoffnungsvoll.
„Michelle steckt in einer unmöglichen, endlosen Beziehung mit einem verheirateten Mann“, beschreibt Gwyneth Paltrow ihre Rolle. „Sie ist verrückt nach ihm, weil sie ihn nicht haben kann – etwas Ähnliches ist uns allen schon mal auf die eine oder andere Weise passiert. Als sich Leonard und Michelle begegnen, entwickelt er für sie die gleiche Obsession. Für mich handelt dieser Film von unserer Fähigkeit, Distanz zu uns selbst zu gewinnen und uns von unseren Obsessionen zu befreien.“
Nachdem feststand, dass Joaquin Phoenix und Gwyneth Paltrow mitspielen würden und dass 2929 Productions den Film finanzierte, musste James Gray nur noch die Schauspielerin finden, die Sandra darstellen sollte – eine hübsche, freundliche junge Frau, die sich unsterblich in Leonard verliebt, den Sohn eines Geschäftspartners ihres Vaters. Donna Gigliotti erinnert sich: „Als ich James fragte, wer ihm für die Rolle der Sandra vorschwebte, antwortete er: ‚Claudia Cardinale„. Zwei Tage zuvor hatte ich TODESZUG NACH YUMA („3:10 to Yuma“, 2007) gesehen, und darin spielte Vinessa Shaw mit, die mich sehr an Claudia Cardinale erinnert hatte. Logisch, dass ich ihm daraufhin sagte, wen wir für die Rolle brauchten.“
„Kaum hatte Donna Vinessa erwähnt“, ergänzt James Gray, „war ich von ihrem Vorschlag überzeugt. Ich hatte sie in EYES WIDE SHUT („Eyes Wide Shut“, 1999) und in DAS GEWICHT DES WASSERS („The Weight of Water“, 2000) gesehen, und darin spielte sie wirklich wunderbar. Eigentlich ist sie blond, aber für TODESZUG NACH YUMA hatte man ihr die Haare brünett gefärbt, was sie völlig anders aussehen ließ. Das hat meine Wahrnehmung von ihr ebenfalls verändert.“ Zwei Tage später verabredeten sich James Gray und Vinessa Shaw zum Mittagessen. „Ich traf eine sehr sensible, einfühlsame und ausdrucksstarke Person“, so Gray, „was für die Rolle natürlich perfekt war.“
„Nach einer aufwändigen Produktion wie TODESZUG NACH YUMA wollte ich unbedingt wieder in einem kleineren Film mitspielen“, sagt Vinessa Shaw. „Außerdem fand ich die Rolle der Sandra sehr reizvoll. Das Drehbuch las ich am Vorabend meines Treffens mit James. Es erinnerte mich an die warmherzigen, menschlichen Filme von Mike Nichols. Die Beziehung zwischen Sandra und Leonard berührte mich sehr, aber was mir besonders gut gefiel, war, auf welche einfache Weise die Figuren miteinander verbunden sind. So etwas sieht man in modernen Filmen kaum noch, heute kommt alles immer gleich gigantisch daher, ständig explodiert etwas... Dieser Film erzählt von sehr intimen, wahrhaftigen Dingen. Und es war sehr erfrischend“, fügt Vinessa Shaw hinzu, „eine Liebesgeschichte zu lesen, die keine romantische Komödie ist. Die ganze Welt liebt gute romantische Filme, aber meistens handelt es sich dabei um Komödien. Die Zuschauer sehnen sich nach Gefühlen, möchten sehen, wie sich Menschen verlieben. Aber romantische Komödien werden meist sehr schablonenhaft erzählt. TWO LOVERS ist anders, denn er folgt keinem Vorbild, er erzählt die Geschichte von Leonards Herz und welchen Weg es einschlägt. Am Anfang ist es ein konfuses Herz, doch zuletzt schlägt es im Takt mit dem Herzen jener Frau, die am besten zu ihm passt.
„Sandra zu spielen war fantastisch“, erzählt Vinessa Shaw. „Ich mag ihre Hinwendung zu den Menschen und ihre Fähigkeit, in jedem Einzelnen Schönheit und Potenzial zu sehen. Als sie Leonard kennenlernt, möchte sie, dass er sich der Welt gegenüber öffnet und zu dem Menschen wird, der er sein möchte. Sie nimmt seinen Schmerz und seine Verzweiflung wahr, und sie spürt, dass aus ihm der Mann werden könnte, den sie lieben kann und der im Gegenzug auch sie liebt. Sandra ist eine sanfte und zugleich extrem starke Person. Als sie sich begegnen, ist sie sehr direkt zu Leonard. Sie wirkt zwar weder frech noch respektlos, ist es aber ein bisschen – auf ihre eigene elegante, warmherzige Art.“
Was die Besetzung der Nebenrollen anging, arbeitete James Gray erneut mit Douglas Aibel zusammen, der schon für das Casting von THE YARDS – IM HINTERHOF DER MACHT und HELDEN DER NACHT zuständig war. Da sich der Film bereits im Stadium der Vorproduktion befand, mussten die Schauspieler sehr schnell gefunden werden. „Die Rolle von Leonards Vater habe ich für Moni Moshonov geschrieben“, sagt James Gray. „Ich hatte ihn in HOCHZEIT WIDER WILLEN („Hatuna Me?Uheret“, 2001) entdeckt, einem sehr schönen Film, in dem er großartig spielte. Anschließend engagierte ich ihn für HELDEN DER NACHT. Kein Wunder, dass er mir die ganze Zeit für diese Rolle vorschwebte. Für Leonards Mutter brauchte ich jemanden wie Isabella Rossellini. Sie strahlt Wärme, aber auch eine gewisse Düsternis aus – Eigenschaften, die sich für diese Rolle perfekt eigneten. Leonards Mutter liebt ihren Sohn und wünscht ihm alles Glück der Erde, aber sie versucht auch, ihn an sich zu binden, was nicht unbedingt das Beste für ihn ist. Isabella ist es gelungen, diese beiden Aspekte ihrer Figur in den Vordergrund zu stellen.
„Bei Michelles Liebhaber Roland wollte ich das Klischee des fiesen, untreuen Ehemanns vermeiden. Das wäre langweilig gewesen und hätte dem Niveau der Geschichte geschadet. Auch wenn es sich nur um eine kleine Rolle handelt – sie war sehr wichtig, denn alle reden ständig von ihm. Douglas Aibel war es, der mir Elias Koteas vorschlug. Ronald hat keinen blassen Schimmer, ob es ihm eines Tages gelingen wird, seine Frau zu verlassen, deshalb brauchten wir einen Schauspieler, der fähig war, uns diesen inneren Konflikt spüren zu lassen. Als Douglas Elias erwähnte, musste ich sofort an dessen Rolle in DER SCHMALE GRAT („The Thin Red Line“, 1998) denken. In diesem Film war er fantastisch.
„Am Set“, erklärt James Gray, „kann es zwischen Joaquin Phoenix und mir schon mal krachen. Denn Joaquin geht immer in seinen Rollen auf. Wenn er einen Streit spielen muss, wird Joaquin genauso wütend wie seine Figur. Und falls es sich um eine Szene voller Zärtlichkeit handelt, ist er zu allen am Set total nett, was bei diesem Film häufig der Fall war. Joaquin ist brillant und einer dieser Schauspieler, die sehr viel und sehr intensiv arbeiten. Er will ständig wissen, was er verbessern kann, welches Detail er hinzufügen kann, um eine Szene wahrhaftiger zu spielen. Das spornt mich natürlich an, noch mehr Details und Nuancen zu finden, damit seine Darbietung einzigartig wird.“
Während der Dreharbeiten verbrachten James Gray und Joaquin Phoenix die Wochenenden gemeinsam, probten und sprachen stundenlang über die Szenen der kommenden Tage. „Joaquin ist sehr auf seine Figur konzentriert“, sagt James Gray. „Er schaut sich seine fertigen Filme nie an, denn seine Arbeit als Schauspieler, der kreative Prozess an sich, ist für ihn das Allerwichtigste. Insofern ist er ein echter Künstler, denn er schert sich nicht darum, was andere von seiner Darbietung und seiner Figur halten. So etwas gibt es nur noch selten. Als Joaquin und Gwyneth ihre ersten gemeinsamen Szenen spielten, war ich ziemlich nervös, denn ihre Arbeitsweisen sind sehr unterschiedlich. Joaquin improvisiert gern und liebt es, mehrere Aufnahmen hintereinander zu drehen. Er will ungehindert neue Dinge ausprobieren, seiner Inspiration freien Lauf lassen. Gwyneth ihrerseits arbeitet ungeheuer präzise, und sie wiederholt eine Szene ungern mehr als zwei oder drei Mal. Beide Techniken sind gleichwertig, und ich schätze beide gleichermaßen, aber sie sind sehr, sehr unterschiedlich. Und sie ergeben eine seltsame, aber spannende Mischung.“
„Mit Joaquin Phoenix zu arbeiten“, erzählt Gwyneth Paltrow, „war eine der schönsten beruflichen Erfahrungen meines Lebens. Er spielt unglaublich gut und kreativ und hat mich sehr beeindruckt. Mit James Gray zu arbeiten, war ebenfalls eine wunderbare Erfahrung. Er ist ein außergewöhnlicher Regisseur, der seine Schauspieler wirklich mag, er gibt einem das Gefühl, dass man wichtig und bei ihm gut aufgehoben ist. Wenn ihm gefällt, was man gerade gespielt hat, fängt er haltlos an zu lachen. Seinetwegen mussten wir tatsächlich einige Szenen wiederholen. Mich hat das sehr berührt. Es ist großartig, mit einem leidenschaftlichen, enthusiastischen Menschen zu drehen, dessen Einfallsreichtum so originell ist.“
„Ich fand es beängstigend“, räumt Vinessa Shaw ein, „am Set zu erscheinen und ganz ohne Proben sofort zu drehen. Meine allererste Szene spielte in einem Café. James sagte zu mir: ‚Okay, deine Figur steckt mitten in ihrer Affäre mit Leonard. Auf geht's!„ Ich war an dem Tag sehr nervös, weil ich nicht wusste, wie James und Joaquin arbeiten. Ihre Methoden sind sehr unterschiedlich, und ich fand das ziemlich verwirrend. James meinte nur: ‚Egal, lass uns drehen.„ Ich wurde richtig panisch, nahm aber schließlich all meinen Mut zusammen und packte die Rolle mit beiden Händen an.
„James Gray beobachtet sehr genau, was du tust. Man sollte annehmen, dass alle Regisseure so sind, aber leider geben sich viele keine Mühe und helfen ihren Schauspielern nicht dabei, in den Film hineinzufinden und ihre Rollen zu begreifen. James legt viel Wert auf Details und will sichergehen, dass die Leidenschaften und Gefühle seiner Figuren richtig gespielt werden. Bislang habe ich immer nur mit Regisseuren gearbeitet, die mich baten, noch einen draufzulegen. James hingegen wollte, dass ich mich zurücknehme. Er forderte mich auch nicht auf, lauter zu sprechen, sondern wollte, dass ich flüstere. Er hat mir sehr geholfen, mich in Sandra hineinzufühlen.
„Joaquin“, so Vinessa Shaw weiter, „gibt immer sein Bestes und ist mit Begeisterung bei der Sache. Ich finde es toll, wenn man einem Schauspieler in die Augen sehen und darin erkennen kann, wie eine Rolle Gestalt annimmt. Unsere Figuren sind sanfte, freundliche Menschen, und mir fiel es leicht, diese Verbindung zu spielen, diese Chemie, die zwischen den beiden entsteht, denn das Gleiche passierte zwischen Joaquin und mir auch als Schauspieler.“
