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Nine Film Trailer

 

Länge: 118 Min | Kinostart: 25.02.2010
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Meinung der Redaktion:
Opulente Musicalverfilmung, die vor allem durch üppige Ausstattung und viele Stars begeistert. Die Story um die Sinnkrise eines Regisseurs im Italien der 60er-Jahre ist für puren Film-Spaß aber etwas zu komplex und die Musik leider nur Broadway-Standard. Trotzdem sehenswert. MF

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Darsteller:Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Penélope Cruz, Judi Dench, Nicole Kidman, Kate Hudson, Sophia Loren, Stacy Ferguson

Die Story:Ein neuer Film von Guido Contini – das sorgt in Rom 1965 für jede Menge Wirbel. Die letzten Filme des gefeierten Regisseurs mögen zwar Flops gewesen sein, doch unter Kinogängern in Italien und auf der ganzen Welt bringt die Erinnerung an seine stilvoll-eleganten Meisterwerke noch immer jeden zum Strahlen. Nun sollen in wenigen Tagen die Dreharbeiten zu seinem nächsten Film mit dem gewaltigen Titel Italia beginnen; in den legendären Cinecittà-Studios wird bereits an den Kulissen gearbeitet und auch die resolute Kostümbildnerin Lilli steht ihrem langjährigen Wegbegleiter und Vertrauten Contini wieder mit Rat und Tat zur Seite. Es könnte keinen schlechteren Zeitpunkt geben für den Filmemacher, in die größte Schaffenskrise seiner Karriere zu geraten. Noch immer weiß er nicht, wovon sein neuer Film eigentlich handeln soll, selbst seine wunderschöne Muse und regelmäßige Hauptdarstellerin Claudia Jenssen hat in Ermangelung eines Drehbuchs noch nicht zugesagt. Kein Wunder also, dass es für Contini unerträglich wird, als er auf Wunsch seines Produzenten und dessen skeptischen Buchhalters das Projekt auf einer Pressekonferenz vorstellen muss und von neugierigen Journalisten mit Fragen bombardiert wird. Noch bevor die Veranstaltung zu Ende ist, nutzt er die erstbeste Gelegenheit, springt in seinen hellblauen Alfa Spider und lässt Rom hinter sich. Nach einer stürmischen Fahrt entlang der sonnigen Küste checkt Contini im eleganten Bellavista Hotel im kleinen Kurort Anzio ein, wo er hofft ein wenig Ruhe und vor allem Inspiration zu finden. Seine Gedanken kreisen dabei nicht zuletzt um die Frauen in seinem Leben – und die ebenso unterschiedlichen wie tiefen Beziehungen, die ihn mit ihnen verbinden. Um seine liebevoll-fürsorgliche Ehefrau Luisa etwa, die einst seine Hauptdarstellerin war und schließlich ihren Beruf an den Nagel hängte, um ihm treu, ergeben und trotz aller Seitensprünge zur Seite zu stehen. Ihr gilt sein erster Anruf, doch ihr Angebot, ihm in Anzio Gesellschaft zu leisten, lehnt der Regisseur trotz alledem ab. Stattdessen ist es seine Geliebte Carla, die ihm wenig später mit dem Zug an die Küste nachreist. Aus Angst, die ohnehin mehr schlecht als recht verheimlichte Affäre könnte öffentlich werden, bringt er sie zu ihrer Enttäuschung in einer kleinen Pension weit weg von seinem Hotel unter. Doch niemand kann ihn so spielend um den Finger wickeln und verführen wie die anhängliche und durchaus fordernde Carla – und so kann er es natürlich trotzdem nicht lassen, die Nächte mit ihr zu verbringen. Von Kreativitätsschüben kann trotz Leidenschaft und wilder Tagträume keine Rede sein, zumal der Druck auf Contini wächst, als ihn schließlich auch sein Produzent in Anzio auftreibt. Mitsamt Lilli, die alles daran setzt, die Lebensfreude und den Humor ihres Regisseurs wieder zu wecken, seiner schauspielenden Mätresse und der gesamten Crew fällt er im Hotel ein, um die Arbeit am Film voranzutreiben. Sogar geistlichen Beistand würde Contini auf seiner Suche nach zündenden Filmideen deswegen in Anspruch nehmen – doch der ebenfalls im Hotel weilende Kardinal, dem er sich im Dampfbad anvertraut, ist ihm ebenso wenig eine Hilfe wie seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend. Weder seine verstorbene Mutter, die ihren Jungen stets mit Liebe und Geborgenheit überhäuft hat, noch die alles andere als mütterliche Hure Saraghina, die früher am Strand den kleinen Guido und seine Freunde in die Geheimnisse der Leidenschaft einweihte, scheinen die geeignete Inspiration für Italia zu sein. Die Zeit drängt unaufhörlich – und immer mehr überschlagen sich die Ereignisse. Dass Lilli die verständnisvolle Luisa nach Anzio einlädt, scheint nur kurzzeitig eine gute Idee zu sein. Denn es dauert nicht lange, bis auch Carla im Hotel auftaucht, was schließlich selbst Luisas Nachsicht an ihre Grenzen bringt. Continis Verzweiflung wächst ins Unermessliche, so dass auch die charmant flirtende Journalistin Stephanie von der amerikanischen Vogue, die den Regisseur und seine Filme vergöttert wie keinen zweiten und ihm an der Bar näher kommt, keine Linderung verspricht. Zurück in Rom bleibt ihm eine letzte Hoffnung: Claudia Jenssen, die doch bislang noch jeden seiner cineastische Einfälle zum Leuchten gebracht hat. Doch auch sie ist nicht in der Lage, ihrem Regisseur einen Weg aus seiner Schaffenskrise zu deuten, und sagt ihm schließlich sogar die Hauptrolle ab. Guido Contini scheint endgültig gescheitert – und mit ihm ganz Italia...

Technikinfos:Ton: Dolby Digital


Federico Fellini hat mir einmal erzählt, was das Thema seines Lebens wie auch seiner Arbeit gewesen sei: „Träume sind die einzige Realität“!
„Keiner von uns nimmt die Welt so wahr, wie sie wirklich ist“, sagte er. „Die Wahrheit besteht für jeden einfach aus privaten Fantasien und persönlichen Wahrnehmungen. Der Unterschied ist dabei nur, dass ich mir darüber bewusst bin, dass ich in einer Fantasiewelt lebe! Ich würde es nicht anders haben wollen – und sträube mich gegen alles, was mich in dieser Vision stört.“

„Meine Filme basieren oft auf meinen Träumen. Wenn ich aufwache, bringe ich sie so schnell wie möglich in Form kleiner lustiger Zeichnungen zu Papier“, erzählte er weiter. „Für mich ist Filme machen wie Liebe machen! Wenn ich inszeniere, fühle ich mich am lebendigsten. Aber bevor ich damals ACHTEINHALB drehte, passierte mir etwas, wovor ich immer Angst hatte. Es war schlimmer als alles, was ich mir je hätte vorstellen können: ich litt an einer Regie-Blockade!“

„Eine Regie-Blockade ist wie die Schreibblockade eines Schriftstellers, nur dass sie eine wesentlich öffentlichere Angelegenheit ist. Mein ACHTEINHALB-Team nannte mich den ‚Zauberer?, doch der Film, den ich eigentlich drehen wollte, war einfach aus meinem Kopf verschwunden. Ich dachte daran, ihn einfach sein zu lassen, doch ich konnte diese Leute nicht im Stich lassen, die mich für einen Zauberer hielten. Da kam mir schließlich der Gedanke, einen Film über einen Regisseur zu drehen, der an einer Regie-Blockade leidet.“ Und er fasste zusammen: „Man sagt oft, dass meine Filme autobiografisch seien. Das stimmt! Ich bediene mich tatsächlich sehr oft eigener Erlebnisse.“

„Als ich etwa sieben Jahre alt war, nahmen mich meine Eltern mit in den Zirkus – und ich hatte das ganz starke Gefühl, dass ich dort erwartet wurde!“ Ich weiß, dass Fellini sehr geschmeichelt gewesen wäre, dass Guido in NINE von Daniel Day-Lewis gespielt wird. Da Guido letztlich für Fellini steht, hätte Federico sicherlich geschwärmt: „So ein fantastischer Schauspieler, so gut aussehend... so dünn.“

Sowohl in ACHTEINHALB als auch in NINE ist Guido zwar von Fellini inspiriert, aber natürlich nur ein Teil von ihm. In Wahrheit war Fellini eher schüchtern und ein wenig unsicher. Aber in seiner Vorstellung konnte er wie Guido sein. Durch Marcello Mastroianni und nun Daniel Day-Lewis konnte Fellini indirekt dieser Mann aus seiner Fantasie sein, ohne das weit weniger turbulente Privatleben mit seiner hingebungsvollen Ehefrau und Hauptdarstellerin Giulietta Masina aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Ich bin ihr bester Regisseur, wenn nicht sogar ihr bester Ehemann“, sagte er mal zu mir.

Fellini wäre natürlich auch sehr angetan gewesen von den Schauspielerinnen, die als Frauen in Guidos Leben ausgewählt wurden: Nicole Kidman, Kate Hudson, Penélope Cruz, Marion Cotillard und Judi Dench. Fellini war längst nicht der Casanova, für den er manchmal gehalten wurde – teilweise, weil er selbst das Gerücht streute. „In meiner Vorstellung bin ich ein frecher Ehebrecher“, lachte er. „Im Kopf werde ich nicht müde, all meine sexuellen Fantasien auszuleben. Im echten Leben würde das dagegen meiner Arbeit im Weg stehen.“

Außerdem wäre Fellini ausgesprochen zufrieden und sicherlich auch amüsiert gewesen, dass Sophia Loren nun seine Mutter spielt. Er wollte sie damals als Hauptdarstellerin für REISE MIT ANITA, einen Film über einen Regisseur und ein Mädchen, den er dann schließlich nie gedreht hat. Er wurde später von einem anderen Regisseur inszeniert, mit Goldie Hawn – der Mutter von Sophias NINE-Co-Star Kate Hudson – als Anita.

Fellini hat die Bühnenversion von NINE am Broadway nie gesehen, denn er hasste es zu fliegen. Aber ihm gefiel die Vorstellung, dass seine Filme eine bleibende Wirkung haben, deswegen erfreute es ihn, dass sowohl ACHTEINHALB als auch DIE NÄCHTE DER CABIRIA, aus dem „Sweet Charity“ wurde, als Musical-Vorlage dienten. Fellini wuchs als Fan des Hollywood-Musicals auf, nicht zuletzt von jenen mit Ginger Rogers und Fred Astaire, die seinen Film GINGER UND FRED („Ginger e Fred“, 1986) inspirierten. Ich bin sicher, dass Federico es sehr geschätzt hätte, dass NINE in der Tradition dieser großen Musicals steht, ohne sie bloß zu imitieren. Musik war ihm für seine eigenen Filme immer wichtig und es hätte ihn begeistert, dass Rob Marshall für NINE verantwortlich zeichnete. Seine Inszenierung ist nie aufdringlich, aber er hat immer alles unter Kontrolle.

Marshall hat uns eine bedeutende Fellini-Hommage geschenkt, die dem Geist dieses großartigen italienischen Regisseurs immer treu bleibt, ohne ihn dabei zu kopieren. Es hätte Fellini sehr gefreut, dass NINE nicht ein Remake von ACHTEINHALB ist, sondern wirklich eine Huldigung seiner Arbeit, die gleichzeitig für sich selbst bestehen kann. Ich kann natürlich nicht für Federico sprechen. Aber ich höre ihn sagen, wie er es so oft tat: „Was denkst Du, Charlottina?“

Einmal hätte ich beinahe ACHTEINHALB zusammen mit Federico gesehen. Bei einem meiner Besuche in Rom erzählte Fellini mir, dass der Film in einem kleinen Kino lief, viele Jahre nach seiner Erstaufführung. Wir machten uns gemeinsam auf den Weg, nur um dann festzustellen, dass es sich um ein heruntergekommenes Kino mit uralten Projektoren, schlechtem Ton und einer zerkratzen Filmkopie handelte. Abgesehen von einem schnarchenden Mann und einem aufmerksamen Hund, dem der Film durchaus zu gefallen schien, war der Saal leer.

Fellini verließ das Kino ziemlich panisch sofort wieder und rief mir noch zu: „Bleib ruhig, wenn du möchtest.“ Aber ich lief ihm hinterher und folgte ihm ins Café Rosati, wo wir uns mit Kaffee und Gebäck über die Enttäuschung hinwegtrösteten. Das war der Tag, an dem ich um ein Haar zusammen mit Federico Fellini sein Meisterwerk ACHTEINHALB gesehen hätte.

Ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er genüsslich in seinem Kinosessel versunken wäre, um NINE zu gucken, und den Saal auf keinen Fall verlassen hätte. Dieses Versinken im Kinosessel war noch ein Überbleibsel aus seiner Kindheit, die er im Kino Fulgar in Rimini verbrachte. Wenn er einen Film sah, der ihm wirklich gefiel und er auf keinen Fall wollte, dass seine Mutter ihn finden und mit nach Hause nehmen konnte, rutschte er so tief in den Sessel, dass man ihn von hinten nicht mehr sah.

Ich wünschte, Fellini wäre noch hier, um selbst über NINE sprechen zu können, und ich bin mir sicher, dass es Ihnen allen ähnlich geht. Aber genauso sicher bin ich mir, dass er dem Film sein höchstes Kompliment ausgesprochen hätte: er hätte NINE „felliniesk“ genannt.

Fellinis Leben übertraf sogar seine Träume. „Das Leben ist die Verbindung aus Magie und Pasta“, sagte er einmal zu mir. Deswegen glaube ich, dass er uns allen geraten hätte, einen Teller köstlicher Nudeln essen zu gehen, nachdem wir im Kino Zeuge der Magie von NINE werden durften.

Charlotte Chandler, Autorin von „I, Fellini“


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Take It All: Von der Leinwand über den Broadway zurück zum Film
Wenige Musical-Erfolge sind so tief – und gleichzeitig so sexy – im Kino verwurzelt wie NINE, eine Geschichte über Kunst, Träume, Liebe sowie den Gefühlsrausch und die Inspiration, die man nur auf der Leinwand finden kann. Jetzt schließt sich der Kreis, denn in einer vollkommen neuen Adaption von Regisseur Rob Marshall, der mit CHICAGO („Chicago“, 2002) berühmt wurde, kehrt NINE von der Bühne genau dorthin zurück: ins Kino. Marshall präsentiert das Drama einer künstlerischen Midlife Crisis in einer ganz eigenen filmischen Sprache, die Emotionen, Musik, Einfallsreichtum und schwungvolle Kameraarbeit miteinander vereint und das Seelenleben des Regisseurs Guido Contini und der Frauen, die ihn inspirieren, in visuell mitreißende Fantasien verwandelt.

Es begann alles mit Federico Fellini. Dessen mit dem Oscar® ausgezeichnetes Meisterwerk ACHTEINHALB („8 1/2“, 1963), eine ebenso gewagt surreale wie magische Fabel über einen Regisseur in der Schaffenskrise, wurde einer der am meisten diskutierten und analysierten sowie einflussreichsten Filme aller Zeiten. Für viele wurde er mit seinen überbordenden Bildern der Erinnerungen, Träume, Wahnvorstellungen, Ängste und Ausgelassenheit eines einzigen Mannes zum vielleicht ersten Film, der wirklich ein Gefühl vom Irrsinn und der Rätselhaftigkeit des Menschseins vermitteln konnte. Ganz zu schweigen davon, dass der Film – genau wie andere Fellini-Werke – die Menschen auf der ganzen Welt davon träumen ließ, ein Leben so unwiderstehlich und sinnlich wie in einem italienischen Film zu führen.

Viele moderne Filmemacher haben seither ACHTEINHALB auf ihre jeweils eigene Weise Respekt gezollt. Bob Fosse etwa webte aus seinem eigenen Leben den surrealen Stoff von HINTER DEM RAMPENLICHT („All That Jazz“, 1979), einer Tanzgeschichte über einen brillanten, aber selbstzerstörerischen Choreografen, der versucht, mit seiner Vergangenheit, seinen Frauen und seiner Sterblichkeit zurechtzukommen. Woody Allen hingegen ging für STARDUST MEMORIES (‚Stardust Memories“, 1980) einen ganz anderen, humorvollen Weg und inszenierte sich selbst als desillusionierten Regisseur, der von Halluzinationen und Begegnungen mit Außerirdischen heimgesucht wird, als er sich mit der Bedeutung seines eigenen Werks und den Erinnerungen an seine großen Lieben auseinandersetzt. Und mit NINE liefert nun Rob Marshall eine eigene, persönliche ACHTEINHALB-Variation ab, in der er erneut seine unterschiedlichen Talente für Theater, Kino und Musik in einem einzigen Meisterwerk vereint.

Die Broadway-Version von NINE, mit einem Skript von Arthur Kopit sowie Musik und Texten von Maury Yeston, fand ihren Anfang mit der Fellini-Begeisterung eines anderen jungen Künstlers. Yeston nämlich verliebte sich schon in ACHTEINHALB, als er den Film als Teenager zum ersten Mal sah. Jahre später, als er in den siebziger Jahren Musik an der Yale University unterrichtete, verwandelte er die vor allem von den Bildern lebende Geschichte des Films in ein genreübergreifendes Bühnenmusical – und flog nach Rom, um Fellini zu treffen und dessen kreativen Segen zu erhalten.

Yeston war sich sicher: Wenn er ACHTEINHALB, die unvergessliche Vision vom Kampf eines Mannes mit den Frauen, der Lust, spiritueller Sehnsucht und kreativer Erfüllung, um Musik und Tanz ergänzen würde, käme in der Summe NINE heraus.

Als das Stück am 2. Mai 1982 am 46th Street Theatre seine Premiere feierte, ging die Rechnung auf: NINE wurde ein riesiger Erfolg. Unter der Regie von Tommy Tune bot das Musical das seltene Bild eines einzelnen männlichen Hauptdarstellers, umgeben von 24 Schauspielerinnen, die jede Facette weiblicher Macht, Stärke und Schönheit verkörperten. Insgesamt wurden 729 Vorstellungen gegeben, und NINE avancierte zum Pflichttermin der Saison, der das Publikum nicht nur mit fantastischen Musicalnummern, sondern auch mit seinem einfallsreichen, visuell atemberaubenden und enorm stilvollen Design begeisterte. Im gleichen Jahr gewann das Musical fünf Tony Awards und zog später zahlreiche Tourneen und regionale Inszenierungen sowie ein ebenfalls Tony-prämiertes Broadway-Revival im Jahre 2003 nach sich.

Doch NINE hatte noch eine weitere künstlerische Verwandlung vor sich, zurück in das Medium, das einst seine Entstehung inspiriert hatte: das Kino! Die Idee dazu entstand, als Rob Marshall und Harvey Weinstein nach einem Folgeprojekt für CHICAGO suchten, jener spektakulären Geschichte eines Verbrechens in der Prohibitionszeit, die das Genre des Filmmusicals revolutionierte und mit sechs Oscars® ausgezeichnet wurde, darunter dem als Bester Film. Anschließend drehte Marshall die mit drei Oscars® bedachte Bestseller-Adaption DIE GEISHA („Memoirs of a Geisha“, 2005), doch schon 2006 kündigten er und Weinstein an, sich als nächstes NINE zu widmen.

Genau wie Fellini damals Maury Yeston komplette künstlerische Freiheit hinsichtlich der Verwendung von Versatzstücken aus ACHTEINHALB für seine Bühnenarbeit gewährt hatte, ließ nun auch Yeston selbst Marshall für seine Leinwand-Adaption freie Hand.

„Ich war hoch erfreut zu hören, dass Harvey Weinstein aus NINE einen Film machen wollte, und noch erfreuter, als ich erfuhr, dass Rob Marshall ihn inszenieren wird“, erinnert sich Yeston. „Meiner Überzeugung nach ist Kino vor allem die Kunst des Regisseurs, deswegen sollte Rob in seiner Adaption vollkommen frei sein und mein Bühnenstück ganz den Anforderungen des Mediums Film entsprechend verändern können. Ich habe ihm sogar geraten, so zu tun, als sei ich tot, denn er sollte die Sache mit radikalem Erneuerungswillen und vor allem seiner ganz eigenen Persönlichkeit angehen. Jeder weiß doch, dass man nicht eine Bühne abfilmen und daraus einen Film machen kann. NINE musste in all seinen Einzelheiten neu zusammengesetzt werden – und genau das hat Rob getan.“

„Fellini gegenüber fühlte ich mich immer zu Dank verpflichtet“, fährt er fort, „weil er mir so großzügig erlaubt hatte, sein Meisterwerk zu adaptieren und nie daran zweifelte, dass ich es ehren und respektieren würde. Rob hat nun im Gegenzug mir dieses Geschenk gemacht – und gleichzeitig auch Fellini, dessen Film er ebenfalls gerecht geworden ist.“

Marshall und Weinstein betrauten zwei visionäre Ausnahme-Drehbuchautoren mit der Aufgabe, ihre Vision von NINE als Drama mit Musik umzusetzen: den Oscar®-nominierten Filmemacher Michael Tolkin (THE PLAYER – „The Player“, 1992) und Oscar®-Gewinner Anthony Minghella (DER ENGLISCHE PATIENT – „The English Patient“, 1996), DER TALENTIERTE MR. RIPLEY – „The Talented Mr. Ripley“, 1999), der selbst italienischer Abstammung war und eine große Leidenschaft für italienische Filme hatte. Ihre Arbeit wurde dabei nicht nur durch Fellini, Kopit und Yeston inspiriert, sondern auch von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Filmemachen, dem Druck als gefeierter Regisseur und der eigenen Vorstellungskraft. Minghella verstarb, bevor die Produktion des Films beendet werden konnte, was NINE zu seinem letzten Werk macht.

Gleichzeitig ließ Marshall so ziemlich jede prominente Schauspielerin in Hollywood und darüber hinaus für die Rollen im Film vorsprechen, denn er war überzeugt davon, dass das Drehbuch eigens für das Ensemble geschrieben werden sollte. Mit sämtlichen weiblichen Stars hielten Marshall und sein Kreativpartner John DeLuca Gesangs- und Tanzstunden ab, während gleichzeitig am Skript gefeilt wurde.

Yeston hatte Marshall angeboten, er könne jederzeit anrufen, wenn er etwas von ihm brauche, und nur drei Wochen nach ihrem ersten Treffen war der Regisseur tatsächlich am Apparat. Wenig später setzte sich Yeston für Marshall und DeLuca ans Klavier und begann damit, seinem einmaligen und ausdrucksstarken Score drei vollkommen neue Songs hinzuzufügen.

Der Gedanke an neue Lieder bereitete Yeston große Freude: „Wir unterhielten uns darüber, dass die Bühnenshow einige in der Realität verankerte Songs beinhaltete, die verändert werden mussten. Es war wichtig, dass sie in das Konzept des Films passen, denn dort kommen die Songs nur als Fantasien in Guidos Vorstellung vor. An neuen Kompositionen führte also kein Weg vorbei. Für mich war das die Möglichkeit, meine eigene Arbeit für den Film zu verändern – und ich hätte mir kaum Aufregenderes vorstellen können, als neue Songs für ein anderes Medium und vor allem für so fantastische Stars zu schreiben.“

Trotz der jahrzehntelangen Pause erschienen Yeston die Figuren auf Anhieb genauso lebendig wie damals, nicht zuletzt dank des dynamischen Casting-Prozesses. Er schrieb das Schlaflied „Guarde La Luna“ mit Sophia Loren als Guidos geliebter Mutter vor Augen. „In der Bühnenversion ist der Song für Guidos Mutter für einen hohen Sopran geschrieben, aber weil Sophia gar nicht Sopran singt, hätte die Nummer überhaupt nicht den gleichen Effekt gehabt“, erklärt der Komponist. „Mein Ziel war deswegen ein Song für sie, der musikalisch und textlich die gleiche Funktion erfüllt, aber ihrem Stimmvolumen besser entspricht. Und vor allem sollte er zu dieser außergewöhnlichen Frau passen, die wie keine andere Bestandteil der italienischen Kinogeschichte ist. Ich nahm mir eine eindringliche Passage aus dem Musical-Song ‚Waltz From Nine? und verwandelte sie in diesen Song.“

Darüber hinaus schrieb er auch ein neues Stück für Marion Cotillard als Guidos abgekämpfte Ehefrau Luisa: den kraftvollen Song „Take It All“. Ursprünglich war das Lied als Trio für Cotillard, Nicole Kidman und Penélope Cruz geplant, doch weil dieser Plan nicht recht zur Handlung passen wollte, kam eine neue Idee auf. „Rob und John hatten einen Einfall für den Song, der mir eine ganz neue Welt eröffnete“, erinnert sich Yeston. „Plötzlich hatte ich die Chance, einen herzzerreißenden Auftritt für die bemerkenswert talentierte Marion Cotillard zu schreiben – und genau den liefert sie im Film auch ab.“

Der dritte neue Song ist „Cinema Italiano“, eine verspielte Ode an das italienische Kino und dessen unermesslichen Einfluss auf die internationale Popkultur, die von Kate Hudson als stilbewusster Vogue-Journalistin gesungen wird. „Kate hat eine unglaubliche Stimme und ist eine tolle Tänzerin, deswegen wollten wir für sie eine schnelle Nummer mit viel Gesang und Tanz“, erinnert sich Yeston. „Der Song entpuppte sich aus den verschiedensten Gründen als ideal. Er ist ein sehr amüsanter Weg, dem heutigen Publikum zu vermitteln, dass italienische Filme 1965 überall für Aufsehen sorgten und die absolute Spitze cineastischen Schaffens waren. Außerdem können wir durch ihn klar machen, dass diese Filme der Welt nicht nur einen Film-, sondern auch einen neuen Mode-Stil verpassten, denn diese schmalen Krawatten und schicken Sportwagen wollte plötzlich jeder haben. Kate hat all das ganz wunderbar verkörpert.“

Auch abgesehen von den drei neuen Songs nahm Yeston hier und da Veränderungen an seiner Musik und seinen Texten vor: „Schließlich musste ja jede Nummer bis ins kleinste Detail zu den Figuren passen, wie Rob sie sich vorstellte. Und natürlich zu den Schauspielern, die sie verkörperten.“ Doch obwohl, wie bei solchen Adaptionen üblich, auf einige Stücke des Musicals zugunsten der Handlungsflusses des Films verzichtet werden musste, hat der Komponist nicht das Gefühl, dass ihm etwas verloren gegangen ist. „Die Lieder sind ja nicht weg, sondern immer noch Teil meines Bühnen-Musicals. Vielmehr habe ich eine ganz neue, veränderte Form meiner Arbeit hinzugewonnen“, schwärmt Yeston. „Seit dem Moment, als meine Liebe für ACHTEINHALB entflammte, ist NINE das Projekt meines Lebens. Ich liebe diesen Stoff und sehe ihn als eine Art work in progress, die nie wirklich beendet ist. Im Grunde ist meine Arbeit wie eine Theorie, die von den Künstlern eines bestimmten Mediums für das Publikum in die Praxis umgesetzt wird. Eine neue Version macht dabei die vorhergehende nie ungültig oder überflüssig – das macht die Sache so spannend.“

„Mit Rob Marshall und John DeLuca an NINE zu arbeiten, war die lebendigste, inspirierendste und angenehmste Erfahrung meines künstlerischen Lebens“, fährt er fort. „Sie sind unglaublich akkurat und brillant; alles, was sie anfassen, wird besser!“ Zu den Höhepunkten seiner Arbeit am Film gehört es außerdem, seinen neu überarbeiteten Score in der Interpretation eines 50-Mann-Orchesters zu hören. Dirigiert wurde es von Paul Bogaev, einem Music Supervisor des Films, der auch schon an CHICAGO mitgearbeitet hatte. „Es war richtig aufregend mitzuerleben, wie die Musik plötzlich nicht mehr von einem kleinen Broadway-Ensemble, sondern von einem großen Orchester gespielt wurde“, gibt Yeston zu. „So klingt sie viel reichhaltiger, voller und mitreißender. Meine Musik mal auf diese Weise zu hören, war eine einmalige Erfahrung, für die ich enorm dankbar bin.“

Harvey Weinstein fasst es zusammen: „NINE ist ein zeitloses Meisterwerk. Inspiriert durch Fellini, einen der tiefsinnigsten Autoren des Kinos, wurde ihm nun durch das packende Schreibtalent von Tolkin und Minghella sowie durch die schwungvolle Inszenierung von Rob Marshall und John DeLuca neues Leben eingehaucht. Niemandes Tanznummern sehen so aufregend und sexy aus wie die von Rob. Und gemeinsam mit diesen Ausnahme-Schauspielern hat er etwas auf die Beine gestellt, was wir so vorher noch nie erlebt haben. Ich kann mir keinen besseren Filmemacher vorstellen, um diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen!“

Folies Bergère: Rob Marshall ruft „Action!“
„Die Leinwand-Version von NINE ist eine komplette Neuerfindung der Geschichte. Sie entspringt so uneingeschränkt der Vorstellungskraft von Rob Marshall, dass sie eine ganz eigene kreative Entstehungsgeschichte hat“, betont Produzent Marc Platt, der jede Menge Erfahrung sowohl mit Film als auch mit Broadway-Musicals wie „Wicked“ hat. „Obwohl er natürlich dem Geist des Musicals verbunden ist, wurde der Film zu einem ganz eigenständigen Werk. All das, weswegen wir uns damals in diese Geschichte verliebt haben, spielt noch immer eine Rolle, aber Rob hat daraus sein eigenes Ding gemacht. Seine Version von NINE ist eine wundervolle Fantasie, die von ganz realen Ideen und Gefühlen handelt.“

Natürlich ist Rob Marshall kein Neuling, wenn es darum geht, einen Broadway-Klassiker mit cineastischem Elan aufzubereiten: bereits mit CHICAGO war ihm das gelungen. Sein feines Gespür für Bühnendynamik ist hinlänglich bekannt, nicht zuletzt dank sechs Tony-Nominierungen für Shows wie „Cabaret“ und „Kiss of the Spider Woman“. Doch auch als Filmemacher hat sich Marshall bereits viel Respekt erarbeitet, zuletzt etwa mit seiner Leinwandadaption des Bestsellers DIE GEISHA, die mit mehreren Oscar®-Nominierungen bedacht wurde.

„Rob hat einen einzigartigen Hintergrund, der wie geschaffen ist für dieses Projekt“, ergänzt Platt. „Er kommt aus der Welt des Theaters, wo er erst Tänzer und Choreograf war, bevor er zum Bühnen- und schließlich Filmregisseur wurde. NINE ist ein Film über einen Regisseur, über das Kino und den künstlerischen Schaffensprozess. Rob ist jemand, der Kunst schafft, deswegen ist dies eine sehr persönliche Geschichte für ihn. Er ist ein Mann, der das Kino versteht, seine Geschichte, seine Wissenschaft, die technischen Aspekte des Regieführens genauso wie die ästhetischen. Gleichzeitig ist er auch in der Welt des Musicals groß geworden und versteht, wie Musik eine Erzählung vorantreiben kann. Die nahtlose Verknüpfung von Musik, Tanz und Design mit dem Geschichtenerzählen beherrscht er perfekt. Deswegen ist NINE die ideale Symbiose eines Stoffes mit einem Regisseur.“

Guidos Song: Guido Contini und seine Frauen
Im Zentrum der Geschichte von NINE steht die künstlerische Reise von Guido Contini, dem sanften, feinfühligen, an Fellini erinnernden Regisseur, der allgemein als größter Filmemacher der Welt gilt – und sich trotzdem plötzlich auf der verzweifelten Suche nach Inspiration für seinen neuen Film befindet. Er verliert sich in seinen stürmischen Beziehungen zu einer Heerschar von Frauen, die ihn verführen und verwirren, seine Erinnerungen wecken und ihn immer wieder in jenen Traumzustand versetzen, wo die Kreativität zu Hause ist.

Die Rolle verlangt nach kühner Intelligenz und brodelnder Sexualität gepaart mit spürbarer künstlerischer Verletzlichkeit – und ging, zur Überraschung vieler, an den zweifachen Oscar®-Gewinner Daniel Day-Lewis. Day-Lewis wurde schon mehrfach als bester Schauspieler seiner Generation bezeichnet und ist bekannt dafür, völlig in einer ganzen Reihe unvergesslicher Rollen wie jüngst etwa dem kalifornischen Öl-Magnaten in THERE WILL BE BLOOD („There Will Be Blood“, 2007) zu verschwinden. Doch singend und tanzend hatte man ihn noch nie auf der Leinwand gesehen. Dennoch stürzte sich der Schauspieler mit der ihm typischen Intensität auf seine Aufgabe und lernte sogar fließend Italienisch, um seine Figur mit Haut und Haar zum Leben zu erwecken.

Maury Yeston, der schon eine ganze Bandbreite von Schauspielern in der Rolle des Guido erlebt hatte, war nicht nur beeindruckt von dieser Intensität, mit der sich Day-Lewis in seine Figur hinein versetzte, sondern auch von dessen bisher unentdecktem Gesangstalent: „Es stellte sich heraus, dass Daniel ein sehr begabter Sänger ist und schon immer war. Das wusste nur im Vorfeld keiner von uns.“

Auch Kameramann Dion Beebe war begeistert von Day-Lewis? Leistung in dieser ungewohnten Rolle: „Sein Spiel hat eine enorme Eindringlichkeit, aber gleichzeitig auch eine gewisse Leichtigkeit, einen Sinn für Humor und Ironie. Guido mag ein Mann sein, dessen Welt gerade zusammenbricht, aber sein Geist ist allzeit bereit, in die Fantasie abzuheben.“ Ergänzend spricht Sophia Loren dem gesamten Ensemble aus der Seele, wenn sie sagt: „Daniel ist einer der besten: unheimlich, furchteinflößend, hypnotisch, wunderschön, anziehend... einfach unvergesslich!“

Umgeben – und natürlich verführt und verwirrt – ist der Star in NINE von einem unübertreffbaren Ensemble starker, glamouröser, sexy Frauen, die jede für sich eine entscheidende Rolle dabei spielen, Guido durch seine kreativen Untiefen zu geleiten.

Die erste von ihnen ist Oscar®-Gewinnerin Marion Cotillard, die mit ihrer verblüffend genauen Darstellung der Edith Piaf in LA VIE EN ROSE („La môme“, 2007) weltweit ihr Publikum faszinierte und nun in die Rolle von Guidos ergebener, aber lange leidender Ehefrau schlüpft. Luisa war einst seine Hauptdarstellerin und ist noch immer die Frau, ohne die Guido nicht leben kann, doch neben all den anderen Versuchungen in seinem Leben spielt sie längst nur noch die zweite Geige. Darüber, dass es immer einen Preis zu zahlen gilt, wenn man einen Künstler wie Guido liebt, ist sie sich schmerzlich im Klaren, wie sie in ihrem Song „My Husband Makes Movies“ sowie dem neuen, herzerweichenden Stück „Take it All“ gesteht. Doch sein Verhalten bringt sie an den Rand einer folgenschweren Entscheidung.

In der Vorbereitung auf die Rolle dachte Cotillard viel über die Motivation ihrer Figur und ihr Leben vor Guido nach. „Luisa war Schauspielerin, als sie Guido traf“, erläutert Cotillard. „Sie hat ihm ihr Leben gewidmet, weil ihre Liebe – zumindest früher – größer war als ihre beruflichen Ambitionen. Doch nun fühlt sie sich, als hätte sie für ihn alles aufgegeben.“

Die Französin fährt fort: „In ihrer gemeinsamen Zeit hat Luisa gelernt, vieles an Guido zu akzeptieren. Er ist ein Regisseur, der die Frauen liebt und sie braucht. Er schöpft aus ihnen seine Liebe und seine Energie. Aber er braucht auch Luisa, wobei er nicht wirklich verstanden hat, dass er auch ihr etwas bieten muss. Schließlich hat sie ihm alles gegeben. Nun allerdings ist sie an einer Kreuzung angelangt und muss sich entscheiden.“

Guidos unwiderstehlich lustvolle, aber gleichzeitig auch feinfühlige und empfindliche Geliebte Carla wird von Penélope Cruz gespielt, die Anfang 2009 mit dem Oscar® als Beste Nebendarstellerin für ihre Funken sprühende Rolle in VICKY CRISTINA BARCELONA („Vicky Cristina Barcelona“, 2008) ausgezeichnet wurde.

Cruz war auf Anhieb begeistert von der komplexen Rolle, die Carla im Leben von Guido spielt. Sie kämpft um ihn, egal, was es kostet. „Hoffnung, Konflikt und Schmerz definieren Carlas Beziehung zu Guido“, stellt Cruz fest. „Wenn sie in seiner Nähe ist, fühlt sie sich lebendig und speziell, aber die Beziehung gleicht einer Achterbahn, und er ist auch für viel Leiden in ihrem Leben verantwortlich. Sie sind schon seit einigen Jahren ein Paar, und ich habe das Gefühl, dass sie einfach nicht loslassen kann. Carla sieht in ihm nur das, was sie sehen will. Sie ist sich sicher, dass sie bis zum bitteren Ende um ihn kämpfen wird.“

Mit Leib und Seele stürzte sich Cruz auf ihre Rolle in NINE und ging dabei dank ihres Regisseurs sowie ihrer Kollegen immer bis ans Äußerste. „Der Film war für mich eine unglaubliche Erfahrung, vor allem durch die Arbeit mit Rob Marshall“, fährt sie fort. „Sein Talent ist genauso herausragend wie seine Großzügigkeit. Er nimmt alles wahr und ist zu jedem immer ehrlich. Ihm geht es nur darum, das Beste aus uns herauszuholen. Obwohl er hier mit so vielen verschiedenen Frauen gleichzeitig arbeiten musste, schaffte er es zu jedem Zeitpunkt, dass sich jede einzelne von uns wie etwas ganz Besonderes gefühlt hat.“

Cruz genoss die Chance, zu singen und zu tanzen, nicht zuletzt in der provokanten Nummer „Call From the Vatican“: „Wir haben wochenlang geprobt, was ich geliebt habe. Und als wir die Szene dann drehten, war ich richtig traurig, weil ich wusste, dass sie danach wirklich vorbei sein würde.“

Eine weitere Frau, die schon lange eine komplizierte, symbiotische Beziehung mit Guido hat, ist seine Muse Claudia Jenssen. Sie verdanken einander ihre fantastischen Karrieren, und Claudia liebt Guido, wie sie in „Unusual Way“ singt, auf ihre ganz spezielle Weise. Doch gerade, als Guido mehr denn je auf Inspiration angewiesen ist, tut Claudia das Undenkbare: Sie lehnt die Hauptrolle in seinem Film ab.

Claudia wird gespielt von Oscar®-Gewinnerin Nicole Kidman, deren abwechslungsreiche Filmografie so unterschiedliche Rollen wie die von Virginia Woolf in THE HOURS („The Hours“, 2002) bis hin zur modernen Karrierefrau in DIE DOLMETSCHERIN („The Interpreter“, 2005) umfasst. Davon abgesehen spielte sie natürlich die Hauptrolle in einem Film, der ebenfalls dazu beitrug, das Genre des Hollywood-Musicals in eine neue Ära zu katapultieren: Baz Luhrmanns MOULIN ROUGE („Moulin Rouge!“, 2001).

Von den Kernthemen in NINE fühlte sich Kidman auf Anhieb angesprochen: „Es ist die Beobachtung eines Mannes, der einen Zusammenbruch erleidet und sich nach einer Art Auferstehung sehnt, sowie all der Frauen in seinem Leben. Es geht um die Natur des Künstlers ebenso wie um die des Menschen, um die Sünden und die Lügen, die Guido sich hat zu Schulden kommen lassen, und um die Suche nach seiner verloren gegangenen Identität und seiner Ehre.“

Genauso begeistert war sie vom Regisseur des Films. „Jeder in Hollywood wollte in NINE dabei sein“, erinnert sich Kidman. „Rob Marshall hatte die freie Auswahl. Als er zu mir kam und mir die Rolle der Claudia anbot, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich saß mit ihm in der Polo Lounge des legendären Beverly Hills Hotels, mitten an einem langen Interview-Tag. Ein echter Filmstar-Moment!“

„Zu jenem Zeitpunkt stand noch kein männlicher Hauptdarsteller fest“, fährt sie fort. „Wir drückten alle die Daumen – und wie es das Schicksal wollte, wurde Daniel Day-Lewis dafür gewonnen. Er geht seiner Kunst mit so unglaublicher Leidenschaft nach, dass es eine Ehre ist, zu seinem Umfeld zu gehören und eine seiner vielen Frauen zu sein.“

Auch Lilli, Guido fürsorgliche Vertraute und Kostümbildnerin, ist eine dieser Frauen. Verkörpert wird sie von Judi Dench, der ehrwürdigen britischen Bühnen- und Leinwandlegende, die für SHAKESPEARE IN LOVE („Shakespeare in Love“, 1998) mit dem Oscar® ausgezeichnet wurde und fünf weitere Male dafür nominiert war. Dench fand großen Gefallen an dieser sehr anderen Art der Beziehung, die Lilli mit Guido pflegt. Und natürlich an ihrer flamboyanten Persönlichkeit, die vor allem in der spektakulären Nummer „Folies Bergère“ zum Vorschein kommt. „Lilli ist älter als Guido und kennt ihn sehr, sehr gut, schließlich hat sie schon unglaublich oft mit ihm zusammengearbeitet. Trotzdem ist sie, genau wie die anderen Frauen, noch immer von ihm verzaubert“, fasst sie zusammen. „Aber wer wäre das nicht?“

Lilli versteht sich, in den Augen ihrer Darstellerin, als Guidos selbst ernannte Beschützerin: „Sie will ihn immer daran erinnern, dass er sich nicht so wahnsinnig viele Sorgen machen muss. Sie versucht, seine Fantasie wieder zu wecken und ihn an den Spaß zu erinnern, den sie bei der Arbeit an all den schönen Filmen hatten. Natürlich sieht sie, dass er in ein Loch gefallen ist. Aber ihr Ziel ist es, ihn dort wieder herauszuholen, damit er wieder zu dem Menschen werden kann, den sie eigentlich kennt.“
Für Dench gab es sogar eine echte Parallele zu ihrer Rolle: „Lustigerweise habe ich selbst mal eine Ausbildung zur Kostümbildnerin am Theater begonnen. Es war schön, die Welt zu verstehen, in der meine Figur sich bewegt. Natürlich kann ich heute nichts mehr von dem, was ich mal gelernt habe, und dank der wunderbaren Colleen Atwood musste ich mir um unsere Kostüme ja nun auch wirklich keine Sorgen machen. Aber trotzdem kenne ich diesen Beruf sehr gut.“

Mit Daniel Day-Lewis hatte Dench bereits unter ganz anderen Umständen zusammengearbeitet, als sie in einer Inszenierung von „Hamlet“ am Royal National Theatre seine Mutter spielte. Sie wusste daher genau, wie vollständig er in seine Rollen schlüpft. „Es war einfach wunderbar, noch einmal mit ihm arbeiten zu können“, begeistert sie sich. „Er wurde ganz und gar zum Italiener! So ist er einfach, das ist seine Arbeitsweise. Für uns andere ist das herrlich, denn wenn man eine Szene mit ihm spielt, macht das die Sache enorm einfach.“

Einen neckischen Flirt hat Guido mit der bis ins kleinste Detail modebewussten Vogue-Journalistin Stephanie, die in seinen Fantasien eine bedeutsame Rolle spielt. Kate Hudson, Oscar®-nominiert für ihre lebhafte Rolle in ALMOST FAMOUS (‚Almost Famous“, 2000), nahm sich dieses schillernden Parts an: „Stephanie ist ein riesiger Fan von Guido Contini. Sie liebt seine Filme und überhaupt die italienische Kultur. Wie so viele Frauen will auch sie ein Stück von Guidos Kuchen abhaben.“

Für Hudson war es neu und aufregend, ein Musical zu drehen, wobei sie sich besonders darüber freute, einen von Maury Yestons neuen Songs singen zu dürfen: die beschwingte Stil-Hymne „Cinema Italiano“. „Ich hatte vorher noch nie die Gelegenheit, etwas wie NINE zu drehen“, meint Hudson. „Ich habe schon Tanzunterricht genommen und mit verschiedenen Choreografen zusammengearbeitet. Aber so eine richtig große Nummer, mit allem Drum und Dran, musste ich noch nie machen. Zum Glück probte Rob mit uns sechs Wochen lang, in einer Art Trainingslager. Wir sangen und tanzten jeden Tag auf einer Bühnenattrappe.“ Und dann kam der Tag der Wahrheit vor der Kamera, an den die Schauspielerin gerne zurückdenkt: „Das war eine wirklich ganz neue, eigentlich furchterregende Erfahrung. Aber sie war auch unglaublich toll. Um keinen Preis in der Welt hätte ich darauf verzichten wollen.“

Auch eine wahrhaftige Legende des italienischen Kinos gehört zum Ensemble von NINE: Oscar®-Gewinnerin Sophia Loren, der es die Sprache verschlug, als Rob Marshall ihr die Rolle einer der prägendsten Frauen in Guidos Leben anbot. Er ließ den gefeierten Weltstar wissen, dass er NINE nicht drehen wolle ohne sie als Guidos Mutter. „Er erklärte mir, dass die Rolle zwar klein sei, er aber unbedingt wolle, dass ich Mamma spiele, weil er sonst den Film nicht machen würde“, freut sich Loren. „Ich habe dann gescherzt, dass ich das nur machen würde, um seine Karriere zu retten, weil ich so ein großer Fan von CHICAGO bin. Aber in Wahrheit war das natürlich ein Angebot, das mich enorm gereizt hat. Als Italienerin in einem amerikanischen Musical mitzuspielen, das ist schon was.“

Loren zeigte sich begeistert von der Gelegenheit, Yestons dritten neuen Song singen zu dürfen: das Schlaflied „Guarde La Luna“. Ebenso angetan war sie außerdem natürlich von der Zusammenarbeit mit ihren berühmten Kolleginnen. „Ich war gespannt, ob Nicole Kidman, Penélope Cruz, Judi Dench und ich uns an die Gurgel gehen würden“, lacht Loren. „Aber das Gegenteil war der Fall. Wir waren wie eine Familie. Es war wirklich eine wundervolle Arbeit, denn kaum eine von uns hatte schon mal ein wirkliches Hollywood-Musical gedreht, so dass wir uns immer gegenseitig Mut gemacht und uns angefeuert haben. Wir schlossen wirklich Freundschaft!“

Abgerundet wird die Besetzung des Films durch Grammy-Gewinnerin Stacy Ferguson, besser bekannt als Fergie. Sie spielt die packende Rolle der Saraghina, einer römischen Prostituierten, deren romantische Ratschläge einen bleibenden Eindruck auf den jungen Guido hinterließen, wovon die kraftvolle Ballade „Be Italian“ zeugt.

Nachdem Ferguson die Rolle in einem hart umkämpften Vorsprechen erhalten hatte, tauchte sie komplett in die Rolle ein und machte sich an ihre cineastische Recherche. „Ich schaute mir viele verschiedene Filme aus dieser Zeit an, um ein Gespür für Saraghinas ungezügelte Körperlichkeit zu bekommen“, erklärt Ferguson. „Ich wollte, dass diese Figur Besitz von mir ergreift. Als wir dann die Tanznummer mit den Mädels übten und ich außerdem mit den Jungs am Strand arbeitete, fügte sich alles zusammen. Dadurch bekam ich ein Gefühl dafür, wer sie wirklich ist und welche Rolle sie in Guidos Leben spielt.“

Die Sängerin macht keinen Hehl daraus, wie sehr sie ihre Figur bewundert: „Saraghina ist in ihren Bewegungen und ihrer Haltung eine sehr bodenständige, beinahe derbe Frau, voller Leben und Feuer! Aber sie hat durchaus auch eine spezielle Feinsinnigkeit. Sie liebt Guido und ihre Jungs und bringt ihnen gerne etwas bei, doch gleichzeitig nimmt sie sich dabei selbst nie zu ernst.“ Wie Ferguson all diese Eigenschaften verkörperte, ließ Maury Yeston staunen: „Ich glaube, dass Fergies Leistung das Publikum von den Socken hauen wird. Natürlich ist sie eine anerkannte Sängerin. Aber die eigentliche Offenbarung ist, was für eine enorme Leinwandpräsenz sie obendrein hat.“

All diese einzigartigen Frauen stimmen darin überein, dass die Arbeit an NINE ungewöhnlich viel Spaß gemacht hat und eine bereichernde Erfahrung war. Penélope Cruz fasst es zusammen: „Wenn es am Set richtig gut läuft, dann ist das ansteckend. NINE setzt sich aus so vielen verschiedenen Elementen zusammen, aber Rob Marshall hat daraus ein Ganzes gezaubert! Es wird die Leute umhauen, was er aus diesem Film gemacht hat, und wir alle sind überglücklich, dass wir unseren Teil dazu beitragen durften.“

Yeston ist noch immer begeistert darüber, wie spielend das Musical-unerfahrene Ensemble seine Songs und Texte geschultert hat: „Die fantastischen Gesangsleistungen dieser Schauspieler haben mich enorm beeindruckt. All ihre Auftritte sind wahrhaft poetisch und sehr bewegend.“

Auch Marc Platt ist voll des Lobes: „Das Können von Rob Marshall, John DeLuca sowie ihren Mit-Choreografen und Gesangslehrern machte es jedem unserer Darsteller möglich, sein oder ihr Potenzial voll auszureizen. In ihnen schlummerte natürlich schon vorher das Talent zum Singen und Tanzen. Aber entscheidend war es, ihnen das Gefühl von Sicherheit sowie genug Selbstvertrauen zu geben, um diese Leistungen abzuliefern. Das Publikum erwartet echte Aha-Momente!“

Doch mindestens so sehr wie die Schauspieler verdient auch der Regisseur Lob, wie Harvey Weinstein findet: „Abgesehen von unserem Kernteam aus Dion, Colleen und John, deren Zusammenarbeit mit Rob bei CHICAGO begann, war ich der Einzige, der mit ihm schon gearbeitet hatte. Bereits bei CHICAGO hatte ich die Gelegenheit, Rob bei der Arbeit zuzusehen, was eine richtig schweißtreibende Angelegenheit ist. Und bei NINE war es fast noch anstrengender! Wenn er nicht gerade mit den Tänzern an einem Auftritt arbeitet, geht er mit dem Musik-Team die Gesangsnummern durch, trifft sich mit seinen Designern oder steckt mit den Schauspielern die Köpfe zusammen. Bei CHICAGO setzte er drei große Filmstars in Szene, dieses Mal sind es acht! Aber Rob hat dieses seltene Talent: ob er nun mit fünf oder mit 500 Menschen arbeitet – jeder Einzelne bekommt von ihm seine volle Aufmerksamkeit und seinen Respekt, so dass jeder von ihnen für Rob immer das Beste geben wird.“

Cinema Italiano: Der Look von NINE
Um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, NINE wirklich als cineastisches Ausnahmeerlebnis zu erfahren, wollte Rob Marshall ihm das Gefühl vermitteln, sich wirklich in einem italienischen Film zu befinden. Dabei bewegt er sich hin und her zwischen den engen Gassen des Sechziger-Jahre-Roms, durch die Guido mit seinem hellblauen Alfa Spider rast, und seinen traumartigen Fantasien, in denen sich seine Lust und seine Liebe, seine Kreativität und Nostalgie, aber auch seine Frustration und seine Zukunftsängste manifestieren.

Um das so überzeugend wie möglich hinzubekommen, umgaben sich Marshall und sein langjähriger Partner, Choreograf und Produzent John DeLuca mit vielen der einzigartigen Künstler, die ihnen schon bei der Entstehung von CHICAGO und DIE GEISHA geholfen hatten. Dazu gehörten der Produktionsdesigner und zweifache Oscar®-Gewinner John Myhre, die ebenfalls zweimal mit dem Oscar® ausgezeichnete Kostümbildnerin Colleen Atwood sowie Kameramann Dion Beebe, der auch schon einen Oscar® im Regal stehen hat.

Das Trio war begeistert, wieder zusammenarbeiten zu können, vor allem an einem Film, der so stark geprägt ist von der emotionalen Kraft und der einzigartigen Schönheit des Kinos. „Wenn für CHICAGO die Bühne unsere Spielwiese war“, sagt Beebe, „dann war es für NINE das Kino. Wir alle wollten so viel wie möglich aus dem Fundus filmischer Ideen schöpfen, um die Cinecittà Studios so fantasievoll wie möglich zum Schauplatz der Fantasien dieses Mannes zu machen.“

Myhre fügt hinzu: „Das Einzige, was wir noch aufregender fanden, als einen Film über das Filmemachen zu drehen, war die Tatsache, dass Rob Marshall dafür Musical im Sinn hatte. Seine einzige Ansage war, dass es eine sichtbare Verwandlung geben müsse, wenn Guido von seiner realen in die vorgestellte Welt wechselt. Das reichte, um die Ideen aus uns heraussprudeln zu lassen.“

Selbstverständlich unterschied das Team ganz klar zwischen diesen beiden Welten: Guidos tatsächlichem, höchst komplizierten Leben in Rom sowie dem luxuriösen Badeort, von dem er vergeblich hofft, dass er sich dort verstecken kann, und seiner äußerst wilden Fantasie freien Lauf zu lassen. Letztere hat ihren Platz auf einer halb fertig gebauten Tonbühne in den Cinecittà Studios – dem Grund für Guidos berufliche Beklemmung –, die sich in die unterschiedlichsten Welten verwandelt.

„Wir entschieden uns dafür, dass diese Tonbühne ein echtes Filmset sein musste, und nahmen dafür die Studiobühne H der Shepperton Studios in England, die ein ideales Double war für Fellinis historische Bühne 5 in der Cinecittà in Rom“, erklärt Myhre. „Rob wollte, dass wir wirklich herausarbeiten, dass diese Bühne das Zentrum von Guidos Leben ist und von ihr alles abhängt. Wir entwarfen das Set, als ging es um ein Bühnenbild am Theater, mussten die Lichter entsprechend positionieren und den Platz für die Tänzer berechnen. Die eigentliche Herausforderung war, dass diese Bühne insgesamt zehnmal komplett verwandelt werden musste, mitunter über Nacht. Denn sie ist ja der Schauplatz all seiner verschiedenen Tagträume, also musste sie sowohl als das Folies Bergère in Paris als auch als Strand, als Sechziger-Jahre-Disco oder Platz in Rom herhalten. All diese unterschiedlichen Schauplätze zu entwerfen war fantastisch.“

Der Erfindungsreichtum des Designteams wurde dabei wirklich bis ins Letzte beansprucht: „Jede der Fassaden wurde von uns so entworfen, dass sie in eine ganz bestimmte Szene passt, aber auch jederzeit für eine andere umgebaut werden konnte.“ Einige der Tanzszenen verlangten nach besonderen Vorrichtungen. „Für Carlas Song wollte Rob, dass Penélope Cruz an einem 25 Meter langen pinken Tuch heruntergleitet“, erinnert sich der Designer. „Es war eine ziemliche Herausforderung, das so zu entwerfen, dass sie diesen Auftritt wirklich immer wieder gefahrlos hinter sich bringen konnte.“

Was die opulente, sinnliche Kameraarbeit angeht, ließ sich Dion Beebe zunächst vom sehr persönlichen Ton und der lebhaften Ästhetik des italienischen Kinos nicht zuletzt während seiner von Fellini, Antonioni, Pasolini und Bertolucci geprägten Hochphase in den sechziger Jahren inspirieren. Doch natürlich entwickelte er daraus seinen ganz eigenen Stil. „Meine Liebe fürs Kino hatte immer auch mit italienischen Filmen zu tun und natürlich hatte ich die stets im Sinn“, führt Beebe aus. „Rob und ich sahen uns auch viele dieser Meisterwerke noch einmal an, aber es ging nie darum, Fellini zu imitieren. Auf keinen Fall wollten wir es exakt so machen wie er. Vielmehr ging es uns um eine Hommage, um gewisse Referenzen hier und da. Aber NINE ist visuell und stilistisch unbedingt ein ganz eigenständiges Werk, fest verankert im Musical-Genre. Es vereint Kino- und Bühnen-Elemente, und wie immer bei Rob finden die auf magische Weise zusammen.“

Von Beginn an setzten sich Beebe und Marshall intensiv darüber auseinander, wie ihre Version von NINE durch neuartige Beleuchtung und flüssige Kamerabewegungen den Zuschauer mit einbinden könnte, berichtet der Kameramann: „Wir führten sehr lange Gespräche darüber, wie wir die Musicalnummern drehen und ausleuchten. Ähnlich wie bei CHICAGO setzten wir viel Theaterlicht ein, damit diese Szenen wirklich als Momente der Fantasie erkennbar sind. Auf die Augenblicke, in denen sich die Bühne in eine Traumwelt verwandelt, legten wir besonderen Wert.“

LET’S DANCE – Choreografie im Film
„Tanz ist die versteckte Sprache der Seele eines Körpers“, sagte einmal Martha Graham, die unvergessene Tänzerin und Choreografin. Wenn sie recht hat – und wer würde dieser Ikone des Modern Dance widersprechen wollen? – dann würde das, zumindest beim Film, den Choreografen zum Drehbuchautor der Seele machen.

Tatsächlich lässt sich in NINE auf den ersten Blick erkennen, von welch enormer Bedeutung die Arbeit der Choreographen ist. Rob Marshall und sein Partner John DeLuca, die sich diese Aufgabe für den Film geteilt haben, lassen in jeder der Tanzszenen die Seelen ihrer Schauspieler sprechen. Ob Penélope Cruz als Carla akrobatisch an Seilen und pinken Tüchern turnt oder sich auf einem riesigen Spiegel räkelt, Kate Huson als forsche Journalistin auf der Bühne für Partystimmung sorgt oder Stacy „Fergie“ Ferguson als Saraghina umgeben von Dutzenden Tänzerinnen mühelos die kompliziertesten Schrittfolgen beherrscht – jede dieser sorgfältig einstudierten Bewegungen sagt in einem Musical wie NINE etwas aus über seine Charaktere.

Für den Moment einer Tanzszene hat der Choreograf kaum weniger Einfluss auf das Gelingen eines Films als der Regisseur selbst. Von der räumlichen Begrenzung bis hin zu den Fahrten und Blickwinkeln der Kameras, vom Einsatz des Lichtes bis zur Bewegungsfreiheit der Kostüme, vom Können der Darsteller bis hin zu den kleinsten Feinheiten der jeweiligen Musik muss der Choreograf – oder wie in diesem Fall: müssen die Choreografen – alle Aspekte einer Szene im Blick und stets unter Kontrolle haben.

So viel Talent legen Marshall und DeLuca an den Tag, wenn es darum geht, alle Fäden solcher Sequenzen in den Händen zu behalten, dass es für sie nur noch ein kleiner Schritt war, auch eine gesamte Filmproduktion zu verantworten. Überhaupt entdeckt Hollywood immer häufiger, wie hervorragend Choreografen mit ihrem vielseitigen Können geeignet sind, eine Geschichte zu inszenieren. Neben Marshall ist auch Kollegen wie Kenny Ortega (HIGH SCHOOL MUSICAL 3 – „High School Musical 3“, 2008), Adam Shankman (HAIRSPRAY – „Hairspray“, 2007) oder Anne Fletcher (SELBST IST DIE BRAUT – „The Proposal“, 2009) längst der Wechsel auf den Regiestuhl gelungen.

Doch ganz gleich, ob sie an vorderster Front oder hinter den Kulissen verantwortlich sind: Jeder Film – egal ob Musical, Tanzfilm oder auch nur ein Liebesfilm mit Walzer-Szene – wäre ärmer ohne die Arbeit der Choreografen. Denn wer sonst sollte die Sprache der Seele verständlich machen?






 
 
 
 
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