Das Weisse Band Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 144 Min | Kinostart: 15.10.2009 | Release: 05.03.2010 (DVD)
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Schauspieler:Christian Friedel, Ulrich Tukur, Burghart Klaußner, Josef Bierbichler, Susanne Lothar, Rainer Bock, Leonie Benesch
Die Story:Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern - ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?
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Eure Meinung zu "Das Weisse Band"

♥: Bedrückende Zeitreise ins deutsche Kaiserreich. Hintergründige Gesellschaftsanalyse
−: Die ruhige Erzählweise erfordert Geduld. Thrillerfans sind hier im falschen Film
In einem norddeutschen Dorf ereignen sich kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs mehrere brutale Zwischenfälle. Der Dorfarzt verletzt sich schwer als sein Pferd zu Fall gebracht wird, ein behinderter Junge wird mißhandelt. In der von strengen Regeln geprägten Dorfgemeinschaft entsteht Unruhe. Schon ein belastendes Gerücht könnte für jeden das gesellschaftliche oder auch berufliche Aus bedeuten. Der junge Dorflehrer macht sich darum mit seinen Aufklärungsversuchen auch keine Freunde.
Die Vergangenheit lebendig werden zu lassen, das versuchen viele Filme. Ob historische Biographien, oder Kriegsfilme aus sämtlichen Epochen der Menschheitsgeschichte. Gerne wird das kombiniert mit einer wahren Ausstattungsorgie, aufwendigen Kostümern und in letzter Zeit natürlich auch üppigen Computeranimationen, die als Plätze und versunkene Städte neu zum Leben erwecken. So gerne ich selber in solche Szenarien eintauche, so wird die Geschichte so aber auch schnell zur Kitschpostkarte. Denn die Vergangenheit war doch in Wirklichkeit wahrscheinlich ganz anders. "Das weisse Band" geht darum einen ganz anderen Weg. Der Film stellt tatsächlich eine glaubwürdige Alltagswelt des frühen 20. Jahrhunderts dar. Dafür wurde er konsequent entschleunigt. In einem norddeutschen Dorf des damaligen Kaiserreichs gabs eben kein Nachtleben, kein Fernsehen oder Radio, ja noch nicht einmal Straßenlaternen. Das Leben war für heutige Verhältnisse langsam und reizarm und spielte sich zwischen Feldarbeit und Hausarbeit ab. So etwas eigennütziges wie Hobbies oder Selbsterwirklichung war dagegen unbekannt.
Das gezeigte fiktive Dorf Eichwald fungiert dabei als Spiegel für ganz Deutschland, mit seiner streng hierarchischen Struktur , in der jeder seinen fest zugewiesenen Platz hat, in der niemand die herrschenden Verhältnisse anzuzweifeln wagt. Gleichzeitig gibt es aber auch einen Mangel an Herrschaft und moralischer Führung. Die eigentliche Autorität, der Kaiser, ist weit weg. Der Dorfpastor herrscht vor allem über seine Familie, und auch der Gutsbesitzer kümmert sich vor allem um seine eigenen Interessen. Das strenge System hat Risse und so dauert es nicht lange bis die Dinge außer Kontrolle geraten.
Aber nicht nur im Szenario und der Ausstattung taucht der Film in eine ferne Zeit ein. Regisseur Michael Haneke wählt zwar sehr bewusst seine Motive, verzichtet aber auf moderne Filmtechniken, wie ausgefuchste Kamerapositionen oder auf Spannung getrimmte Schnittorgien. In der Ruhe liegt hier die Kraft. Und natürlich in den Leistungen der Darsteller wie Ulrich Tukur, Burghart Klaußner, Josef Bierbichler und Susanne Lothar.
Noch nie wurden die bedrückende Atmosphäre und die Folgen einer autoritären Gesellschaft so authentisch inszeniert. Der Druck unter dem hier jede Figur steht ist fast greifbar. Besonders wie sehr die Kinder unter dem Deckmantel fürsorglicher Strenge mißhandelt und gebrochen werden, kann einem Schauer über den Rücken jagen. Kein üppiges Historiendrama, sondern ein karger, verstörender, intellektueller Horrorfilm. Die Oscarnominierung für dieses Ausnahmedrama war hochverdient.
