Still Walking Film Trailer
Länge: 114 Min | Kinostart: 18.11.2010
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Schauspieler:Hiroshi Abe, Yui Natsukawa, You, Kazuya Takahashi, Shohei Tanaka, Kirin Kiki, Yoshio Harada
Die Story:Sommer an der Küste. Die beiden Yokoyamas sind alt geworden. Doch heute kommen die erwachsenen Kinder und ihre Familien zu Besuch in das geräumige Heim- zum Gedenken an den vor Jahren verunglückten Ältesten. Sein Bruder Ryota wäre lieber weit weg. Er spürt, dass er es seinem Vater nicht recht machen kann: die falsche Frau, der falsche Beruf, und nun noch keine Arbeit - am besten, er schweigt! Man kocht, man isst - und natürlich kann der pensionierte Arzt das Sticheln nicht lassen. Soll Ryota für immer im Schatten des älteren Bruders stehen?
Hintergrund:Der japanische Meister Hirokazu Kore-eda (After Life, Nobody Knows) dramatisiert nicht, er beobachtet mit gespannter Hingabe vierundzwanzig Stunden aus dem Seelenleben einer Familie: Kann das, was Eltern und Kinder zusammenhält, siegen über das, was sie trennt? Ein psychologisches Meisterstück von sinnlicher Raffinesse!
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Walter Ruggle über den Film:
Unter all seinen wunderbaren Filmen ist Still WALKING vermutlich der persönlichste von Hirokazu Kore-eda. Der Japaner arbeitet seit vielen Jahren konsequent und Still, fernab vom Rummel der Filmbranche, an einem Werk, das einige der zentralen Fragen der menschlichen Existenz stellt. Oder besser vielleicht: Das sich behutsam einigen der wichtigsten Fragen des Daseins annähert. Kore-eda kreist das menschliche Sein ein, betrachtet es von verschiedenen Seiten, immer wieder aus der Perspektive seines Endes. Der Tod ist ein Tabu und doch das, was mit Garantie alle irgendwann ereilt, unausweichlich. Von ihm aus lässt sich das Leben abgeschlossen betrachten, von ihm aus können sich so scheinbar einfache wie schwer zu beantwortende Fragen stellen: Was war es denn, das Entscheidende in deinem Leben?
In Still WALKING blickt Hirokazu Kore-eda ganz einfach hinein in einen Tag einer Familie. Da ereignet sich nichts Spektakuläres, da ist die Sensation in den Zwischentönen, in der einfachen Tatsache zum Beispiel, dass diese Gruppe von Menschen einmal im Jahr zusammenkommt, um an einen Ihrigen zu denken, der früh aus dem Leben scheiden musste. Die Hauptfigur ist der abwesende Sohn, und über ihn ist es präsent: das Leben. Sein Tod weckt es, auch Jahre danach und immer wieder. Kore-eda ist ein Meister im Sichtbarmachen des Unsichtbaren, im Betrachten der kleinen Sensationen, zu denen hier das Zubereiten des Essens gehört, der Zeit, in der nichts geschieht und doch alles ist. Da entfaltet sich seine große Kunst, indem er mit den filmischen Grundelementen Raum und Zeit erzählt, eine friedliche und besinnliche Stimmung schafft, uns Raum gibt, darin aufgehoben und geborgen zu sein. Das ist eine Form des Kinos, die uns als Zuschauende zu uns selber finden lässt - über das Betrachten des Anderen.
Eure Meinung zu "Still Walking"

♥: sorgfältig gewählte Bilder, unaufgeregte Dramaturgie, hintergründige Dialoge und viel Herz
−: nur für geduldige Filmliebhaber, leichte Längen, etwas zu allgemeine Charakterisierung
Es ist fast schon eine Postkartenidylle in der das Ehepaar Yokoyama lebt. In ihrer kleinen Stadt am Meer ist die Welt noch in Ordnung. Der alte Kyohei (Yoshio Harada) war lange aufopferungsvoller Arzt und genießt auch im Ruhestand noch hohes Ansehen, während seine Frau sich in der Küche austobt. Hier gelten Traditionen noch etwas. Und eine ganz besondere Tradition steht bevor. Die ganze Familie kommt zu Besuch. Es ist ein kleines, aber gemütliches Heim, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Die Mutter begrüßt selbst die eigenen Kinder auf Knien an der Schwelle. In der Küche blüht sie auf, das kochen ist ihre Lebensinhalt, was sie nicht hindert sich zu beschweren, dass sie wie eine Haushaltshilfe behandelt würde. Das üppige traditionelle Essen ist der rote Faden des Films. Ständig wird gekocht, gerupft oder gegessen. Und bevor ein Gespräch zu ernsthaft wird, geht man lieber zum nächsten Snack über. Es ist jedoch kein Grund zum Jubeln,der sie zusammenbringt, sondern der fünfzehnte Todestag des ältesten Sohns Junpei.
Das gemeinsame Essen hält auch in Japan Leib und Seele und die Familie zusammen, auch wenn das Familienoberhaupt nur zu den Mahlzeiten aus seinem alten Büro hervorkommt. Ohne Beruf fühlt er sich leer. Um so mehr, da sein ältester Sohn nicht mehr in seine Fußstapfen treten kann.Über den Verlust ist der auch nach 15 Jahren noch nicht hinweg.
Besonders dem zweitgeborenen Ryo (Hiroshi Abe, "Ode an die Freude", Chocolate")) geht der Besuch darum gegen den Strich. Denn wie immer werden Junpeis Vorzüge in den Himmel gelobt, während er selbst seinem Vater nichts recht machen kann. Und dann hat er auch noch eine Witwe geheiratet, die bereits ein Kind hat. In den Augen seiner Eltern ist das keine gute Partie. Dass er derzeit arbeitslos ist, sagt er da lieber gar nicht erst.
Da hat es seine kleine Schwester viel leichter. Sie spricht die Probleme etwas offener an. Ernst genommen wird sie allerdings auch nicht. Kein Wunder, in der japanischen Originalfassung hört man ihre künstlich hohe Stimmlage (in der Synchronisation wurde das nicht übernommen), mit der sie sich immer noch wie ein Kind anhört, was sie in den Augen ihrer Eltern wohl auch noch ist. Beide Kinder haben also ihre ganz eigenen Schwierigkeiten, erwachsen zu werden.
Die Zurückhaltung mit der alle miteinander umgehen ist
typisch japanisch. Da gibt es kaum ein lautes Wort und nur ganz dezente Kritik
an der Autorität der Alten. Umso wichtiger sind hier kleine Gesten und Blicke
und jedes einzelne Wort. Und die offenbaren große Probleme. Nicht nur die
Eltern, auch die Kinder, können die Vergangenheit nicht ruhen lassen, sie
schwelgen in Erinnerungen, kramen aber auch uralte Fehler immer wieder hervor.
Und die Kinder können sich auch nicht von ihren Eltern abwenden. Denn die
werden immer gebrechlicher und werden bald ganz auf sie angewiesen sein. Klingt
alles sehr verfahren und deprimierend.
Dennoch ist "Still Walking" ein sehr warmherziges Familienporträt,
mit Mitgefühl für alle. In sorgfältig ausgewählten Bildern und ruhigen,
alltäglichen Gesprächen wird eine Geschichte erzählt, die jeder nachvollziehen
kann, der sich an die manchmal schwierigen eigenen Familienfeste erinnert.Aber Regisseur Kore-Eda sät auch ein wenig Hoffnung. Drei
Kinder wuseln durchs Haus, zwei Jungen und ein Mädchen, wie die Geschwister
Yokoyama damals. stehen für die Zukunft. Wenn sie sich beim Spielen gemeinsam
nach einem Blütenzweig strecken, das ist pure Kinomagie.
Wer Filme wie Wang Kar Weis "In the mood for Love" oder "Eat
Drink, Man Woman" von Ang Lee mag, sollte damit keine Probleme haben.Die Familiendynamik die hier gezeigt wird ist nicht
japanisch oder asiatisch sondern universell. Darum konnte "Still Walking" auch
auf etlichen Festivals Preise einheimsen.Wenn der Film in Deutschland entstanden wäre hätte er einen
Platz bei allen großen Preisverleihungen hierzulande sicher. Aber man müsste
schon lange suchen um einen deutschen Regisseur zu finden, der die Zustände in
einer Familie so geduldig, feinfühlig beschreibt.
Der Film bewegt sich sehr langsam, unspektakulär. Es gibt
keine dramatische Wende, keinen überraschenden Durchbruch in der festgefahrenen
Familiensituation. Nur kleine Risse und einen Hauch von Fortschritt. Ein
bisschen Geduld erfordert das schon, und die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu
lesen. Aber es lohnt sich.
Weitere Infos über den Regisseur Hirokazu Kore-Eda:
Hirokazu Kore-eda wurde 1962 in Tokyo geboren. Er hat zahlreiche Dokumentarfilme fürs Fernsehen realisiert und produziert, in denen die Erinnerung, das Leben und Sterben zentrale Themen waren, die er später in seinen Spielfilmen weiterentwickelte. AUGUST WITHOUT HIM beschäftigte sich mit solchen Fragen vor dem Hintergrund der Aids-Krankheit, WITHOUT MEMORY nahm sich eines Mannes an, der sein Gedächtnis verloren hatte aufgrund eines Arztfehlers.
Nach Maboroshinohikari folgte After Life , in dem er uns zum Leben führte über eine Gruppe von Menschen, die nach dem Tod entscheiden mussten, welche Erinnerung sie in die Ewigkeit mitnehmen wollen. In seinem meisterlichen Spielfilm Nobody Knows hat Kore-eda das bewegende Bild einer Gesellschaft gezeichnet, in der es für Kinder kaum noch Raum und wenig familiäre Betreuung gibt. Mit Hana realisierte er 2006 seinen ersten Epochenfilm und machte einen augenzwinkernden Abstecher ins alte, umtriebige Edo (Tokyo) und in eine Epoche, in der der ehrenvolle Tod mehr bedeutete als das Leben.
In den vergangenen fünf oder sechs Jahren habe ich beide Elternteile verloren. Als undankbarer ältester Sohn, der seine langen Absenzen von zu Hause mit seinem Eingespanntsein im Beruf rechtfertigte, empfinde ich heute Bedauern: „Wenn ich mich nur mehr um sie gekümmert hätte ... Warum habe ich denn dies oder das gesagt ...?“ Still Walking ist motiviert ist durch diese Erfahrung der Reue, die wohl viele früher oder später erleben.
Die Figuren sind ganz gewöhnliche Leute und der Film spielt sich während eines einzigen Sommertags ab. Im Unterschied zu amerikanischen TV-Dramas passiert nichts Folgenschweres im Laufe dieses Wochenend- Familientreffens. Und doch kommt im Laufe des Tages, der so trügerisch friedlich scheint wie die ruhige See, eine leise Strömung auf und lässt ein permanentes Kräuseln auf der Oberfläche entstehen. Nehmen wir zum Beispiel die Sorge der Hauptfigur über das Altern seiner Eltern, es ist kaum wahrnehmbar und doch da. Oder die Diskussionen über ein Grosskind zwischen Schwiegertocher und Schwiegermutter, sie bleiben deren Geheimnis. In diesem Film habe ich die scheinbar unwichtige und doch bedeutende Minute betrachtet und porträtiert, die dieses Kräuseln verursacht, das sich durch unser ganzes Leben zieht.
Es gibt keine Taifune in Still Walking , es wird nur das Vorher und Nachher eines dramatischen Moments betrachtet. Mit andern Worten habe ich auf die Ankündigung und den Nachhall, auf die Vorahnungen und den Nachklang von Ereignissen fokussiert. Ich denke, dass genau dort die Essenz des Lebens gefunden werden kann.
Und weil am Anfang von Still Walking ein Gefühl des Bedauerns steht, war es meine Idee, einen Film zu machen, der voller Leben ist. Anstatt den Schritt meiner Eltern vom Leben zum Tod hin zu porträtieren, wollte ich vielmehr einen Moment des Lebens selbst einfangen. Und in diesen Moment alle zwiespältigen Gefühle packen, die zu einer Familienerinnerung gehören, wie wenn man ein altes Familienalbum anschaut...
Der Film ist zwar eine Fiktion, ich habe mich aber auf die Persönlichkeit und den Wortschatz meiner Mutter abgestützt, als ich die Figur der Mutter entwarf. Ich wollte einen Film gestalten, in dem ich meine Mutter sofort würde erkennen können. Nicht, um über ihren schmerzlichen Verlust zu trauern, sondern um wieder mit ihr zu lachen. So ist er Film entstanden.
In diesem Film habe ich es geschafft, mehr als in allen anderen, ein Bild des menschlichen Wesens und seines Verhaltens in einer speziellen und nuancierten Art zu zeichnen. Wenn das so ist, dann habe ich dies meinem Vater und, allen voran, meiner Mutter zu verdanken.

