Goethe! Film Trailer
FSK Film: 6 | Länge: 104 Min | Kinostart: 14.10.2010 | Release: 18.03.2010 (DVD&BD)
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Schauspieler:Moritz Bleibtreu, Alexander Fehling, Volker Bruch, Burghart Klaußner, Vitus Wieser, Miriam Stein, Oscar Weidner, Maxine Göbel, Tristan Göbel
Die Story:Er ist jung und sehr von sich überzeugt: Der bislang erfolglose Dichter Johann Goethe fällt durch sein Jura-Studium und wird deshalb von seinem wütenden Vater ans Reichskammergericht in einem verschlafenen Städtchen verbannt. Dort verliebt er sich unsterblich in die junge Lotte – und muss kurz darauf miterleben, wie sie sich mit seinem Vorgesetzten Gerichtsrat Kestner verlobt. Johann will um Lotte kämpfen, fordert Kestner zum Duell und landet im Gefängnis. Doch er gibt nicht auf – verzweifelt schreibt er seine und Lottes Geschichte für sie auf: Dieser längste Liebesbrief der Welt wird seine Novelle Die Leiden des jungen Werther – und Johann damit der erste Popstar der Literatur.
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Eure Meinung zu "Goethe"

♥: Schwungvolle Inszenierung, mal dramatisch, mal komisch, mal romantisch. Überzeugende Ausstattung, hervorragende Darsteller
−: Moritz Bleibtreu wirkt als verknöcherter Bürokrat nicht immer überzeugend
Es gab kaum etwas, was Goethe nicht gemacht hat. Er war Erfinder, Politiker, Jurist, Wissenschaftler, Reisejournalist und, achja, Schriftsteller. Der berühmteste aller deutschen Dichter war ein Universalgenie. Trotzdem gibts über sein Leben praktisch keine Filme. Offenbar wusste niemand, wie man das facettenreiche Leben zu einer spannenden Geschichte verdichtet. Es war also höchste Zeit. Üblicherweise werden deutsche Berühmtheiten ja von Heinreich Breloer ins Szene gesetzt, aufwändig und historisch akkurat wie in der Miniserie "Die Manns". "Goethe!" ist jedoch erfrischend anders. Regisseur Philip Stölzl hatte zuletzt mit dem Bergsteigerdrama "Nordwand" bewiesen, dass er historische Stoffe spannend aufbereiten kann. Mit seinem ruppig-romantischen Kostümdrama hat er sich aber selbst übertroffen.
Ein Musterschüler ist Johann Wolfgang Goethe (Alexander Fehling) nicht. Statt wie von ihm erwartet eine glänzende Karriere als Jurist zu starten, genießt er lieber das Studentenleben in Straßburg und will als Schriftsteller berühmt werden. Sein erstes Werk wird allerdings vom Verleger nicht nur abgelehnt sondern geradezu zerrissen.Sein Vater (Henry Hübchen) hat genug von den Träumen und Eskapaden seines Sprößlings und verschafft ihm mit seinen Beziehungen einen Job in der Provinz, am Gericht in Wetzlar. Schluß mit lustig. Aber auch in dem trostlosen Kaff und unter dem kritischen Blick seines Vorgesetzten Kestner (Moritz Bleibtreu) weiß Goethe sich zu amüsieren.In dem Kollegen Jerusalem (Volker Bruck) findet er einen schüchternen aber intelligenten Freund - und in der selbstbewußten Lotte (Miriam Stein) seine große Liebe. Goethe ist begeistert von der weltoffenen und doch bodenständigen Frau.
Auf die hat jedoch auch sein Chef ein Auge geworfen. Und der hat auch die Mittel um Lottes verarmte Familie zu versorgen. Für ihren Vater (Burghart Klaußner) ist die Entscheidung also klar. Lotte soll Kestner heiraten. Aber wie wird sie selbst sich entscheiden ? Und hat sie überhaupt eine Wahl ?Goethe trifft es hart, als er erfährt, dass ausgerechnet sein Vorgesetzter sein größter Konkurrent ist. Und noch mehr, dass er ihm ungewollt bei seinen Bemühungen um Lotte geholfen hat. Kestner wiederum fühlt sich von Goethe lächerlich gemacht, weil er nichts von dessen Affäre mit Lotte wusste. Und so fordert der erfahrene Jäger den verhinderten Dichter zum Duell....
Regisseur Philip Stölzl mischt Goethes Biographie virtuos mit seinem ersten literarischen Erfolg "Die Leiden des jungen Werther". Eine Frau muß sich entscheiden zwischen der soliden Existenz und der großen Liebe. Ein junger Mann versucht, sich gegen einen reichen, reifen Konkurrenten durchsetzen und muß sich fragen, was für seine große Liebe das Beste ist. Hunderte Filme haben diesen Konflikt bebildert - aber die bekannteste Vorlage ist zweifellos Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther". Im Film sieht man, wie das Buch entsteht, und welche Erfahrungen Goethe dabei verarbeitet haben könnte.Die Geschichte eines unglücklich Verliebten, der sich das Leben nimmt war ein sensationeller Erfolg und verursachte geleichzeitig angeblich eine Welle von Selbstmorden. Tatsächlich hat der Dichter in dem Buch auch eigene Erfahrungen einfließen lassen - wenn auch nicht ganz so wie im Film beschrieben.
Dabei wirkt der Film erst wie eine ruppige, krawallige Komödie, Goethe rennt viel und stammelt mehr als man von einem Wortkünstler erwartet. Denn hier ist er noch nicht der gefeierte Literaturstar, sondern ein junger Mann auf der Suche nach seiner Bestimmung. Doch nach und nach wirds immer dramatischer. Denn "Goethe!" ist keine standardisierte Beziehungskomödie, sondern nimmt die Sorgen seiner Figuren ernst. Der vergnügungssüchtige Schöngeist kollidiert zwangsläufig mit der starren Gesellschaft, mit Vätern, die sich nur um den Status Quo, um Ansehen und finanzielle Sicherheit sorgen.
Philipp Stölzl hat diese spießige Welt als verstaubtes, morsches Museum inszeniert. Die historischen Panoramen sehen manchmal aus wie alte handcolorierte Postkarten - nostalgisch und nicht perfekt aber auch nicht digital kühl. Die Klamotten sind abgewetzt, die Häuser marode. Das 18 Jahrhundert ist dreckig und stinkt, es gab weder Toiletten noch gepflasterte Straßen und abends sorgten nur Kerzen für Licht in ansonsten stockfinsteren Städten. Das fängt auch die geistige Enge der Zeit ein , ohne zu deprimieren.
In der Titelrolle ist Alexander Fehling zu sehen, der
bereits etlich große Filme wie das Kriegsverbrecherdrama "Sturm und Tarantinos "Inglourious
Basterds" abgedreht hat, ohne dass seine Name vielen geläufig wäre. Das dürfte
sich mit dieser Rolle ändern, in der er auf ganzer Linie überzeugen kann. Er
ist komisch, rebellisch, sensibel, schüchtern und draufgängerisch und vor allem
immer glaubwürdig.
Mit Henry Hübchen und Burghart Klaußner spielen zwei
schauspielerische Schwergewichte die Hauptrepräsentanten der alten Zeit, gegen
die Goethe und Lotte rebellieren. Goethes große Liebe wird von Newcomerin
Miriam Stein eher etwas zu modern gespielt, als selbstbewußte Frau mit einer
romantischen Ader. Aber warum der Dichter sich in sie verliebt ist trotzdem
jederzeit nachzuvollziehen. Goethes Widersacher wird von Moritz Bleibtreu verkörpert.
Der wirkt anfangs fehl am Platz als steifer Bürokrat. Aber er schafft es doch,
den knochentrockenen Kestner als fehlerhaften Menschen zu spielen, nicht als
Karikatur. Denn Kestner ist sich seiner Mängel durchaus bewußt - und leidet wie
jeder unter Zurückweisung und Eifersucht.
Deutsch- und Geschichtslehrer werden mit den Freiheiten, die
sich die Macher erlauben ihre Schwierigkeiten haben. Dabei ist "Goethe!" eine
einmalige Chance, einen verstaubten Klassiker auch Leuten nahezubringen, die
sonst einen Weiten Bogen um klassische Dichtung machen. Notfalls indem man Abweichungen
von der historischen Vorlage sucht, besser aber indem man sich auf eine
Zitaten-Schnitzeljagd macht.
Schon mit seinem vorherigen Film "Nordwand" hat Philip
Stölzl es mit einem ureuropäischen Thema bis in amerikanische Kinos geschafft.
Da auch Goethe weltweit bekannt ist, könnte ihm das auch mit diesem Film
gelingen."Goethe!" erinnert angenehm an den historischen Klassiker
"Amadeus", oder an "Shakespeare in Love" denn er geht ähnlich engagiert und
ruppig mit der historischen Grundlage des Stoffs um.In der deutschen Kinolandschaft kann man ein so
unterhaltsames, aufwändiges und vielschichtiges Kostümdrama lange suchen.
Unbedingt ansehen.
