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Greenberg Film Trailer

FSK Film: 16 | Länge: 107 Min | Kinostart: 01.04.2010 | Release: 23.09.2010 (DVD)
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Schauspieler:Ben Stiller, Greta Gerwig, Rhys Ifans, Jennifer Jason Leigh, Chris Messina, Brie Larson, Juno Temple

Die Story:Der New Yorker Ex-Musiker Roger Greenberg (Ben Stiller) ist wohl das, was man einen ausgemachten Loser nennen kann: alleinstehend, ohne Job und gerade 40 geworden. Na, herzlichen Glückwunsch! Da kommt ihm das Angebot seines jüngeren und wesentlich erfolgreicheren Bruders Phillip (Chris Messina) gerade recht: Greenberg soll ein paar Wochen auf dessen Haus in Los Angeles aufpassen. Auf diese Weise kann er bei freier Kost und Logis seiner absoluten Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die in nicht viel mehr als ausgiebigem Nichtstun besteht. Nebenbei ergibt sich auch noch die Möglichkeit, alte Freunde wiederzusehen. Die sind allerdings mittlerweile ziemlich alt und spießig geworden, findet Greenberg: Jugendliebe Beth (Jennifer Jason Leigh), inzwischen geschieden und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, kann oder will sich an die wilde Jugendzeit irgendwie kaum noch erinnern. Und Ivan (Rhys Ifans), der ehemalige Band-Kollege, macht jetzt irgendwas mit Computern. Laaaangweilig! Allein Florence (Greta Gerwig), die während der Abwesenheit von Phillips Familie als Mädchen für alles auch im Haus ein- und ausgeht, versprüht ein wenig jugendliche Frische. Grund genug für Greenberg, die meiste Zeit mit ihr zu verbringen. Da jedoch auch die 25-Jährige nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, ergänzen sich die beiden bald zu einem ziemlich schrägen Chaos-Duo. Und bei so mancher Katastrophe wie z.B. einem überlaufenden Swimming-Pool, einem kollabierenden Hund sowie diversen krampfhaften Beischlafversuchen entwickelt sich langsam eine recht eigenartige Romanze, die womöglich aber ganz neue Perspektiven mit sich bringen könnte...

Hintergrund:Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach und die an GREENBERG auch als Produzentin beteiligte Schauspielerin Jennifer Jason Leigh arbeiteten bereits an Baumbachs letztem Film MARGOT AT THE WEDDING (2007) mit dem Produzenten und Oscar-Preisträger Scott Rudin sehr erfolgreich zusammen. Bereits kurz nachdem dieser Film, der Leigh unter anderem eine Independent-Spirit-Award-Nominierung einbrachte, abgedreht und veröffentlicht war, begann das Trio mit den Planungen für ein neues gemeinsames Kinoprojekt. Baumbach und Leigh konzipierten den neuen Film als einen, der Baumbach wiederum die Möglichkeit bieten sollte, emotionalen Tiefgang mit beißendem Witz zu verbinden, eine Mischung, für die der Regisseur seit seinem Debüt KICKING AND SCREAMING (1995) berüchtigt ist und die auch seinen Oscar-nominierten Kinoerfolg DER TINTENFISCH UND DER WAL (2005) prägt.



Alleinstehend, arbeitslos, ohne konkrete Zukunftsperspektive und gerade 40 geworden: Na, herzlichen Glückwunsch! In Roger Greenbergs (Ben Stiller) Leben ist keineswegs „alles Roger“. Vielmehr könnte man ihn mit gutem Grund fragen: „Ist das alles, Roger?“ Diese Frage hat sich der einst so erwartungsvolle Ex-Musiker natürlich selbst auch schon gestellt und mit einer waschechten Midlife-Crisis beantwortet, welche bislang allerdings keine verhaltensverändernden Effekte gezeigt hat. Als Rogers jüngerer und – Kunststück! – erfolgreicherer Bruder Phillip mit seiner Familie nach Vietnam reist, um dort ein Hotel zu eröffnen, nimmt Roger gerne das Angebot wahr, einige Wochen auf dessen großes Haus in Los Angeles aufzupassen. Denn auf diese Weise bietet sich ihm die verlockende Aussicht, bei freier Kost und Logis eine Zeit lang ausgiebig seiner Lieblingsbeschäftigung zu frönen, die im absoluten Nichtstun besteht. Und nebenbei ergibt sich auch noch die Gelegenheit, in der ehemaligen Heimat alte Freunde wieder zu treffen.

Die alten Freunde sind jedoch natürlich auch älter geworden und dadurch nicht zwangsläufig die Alten geblieben. Rogers Jugendliebe Beth (Jennifer Jason Leigh) zum Beispiel ist inzwischen geschieden und Mutter zweier Kinder. An die gemeinsame wilde Vergangenheit kann oder will sich die höflich distanzierte Alleinerziehende nicht recht erinnern. Schade! Und auch Ivan (Rhys Ifans), der ehemalige beste Freund und Bandkollege, wirkt etwas abgeschlafft und ausgebrannt. Die ersehnte Karriere als gefeierter Rock- Star hat um den geschiedenen Vater eines Sohnes ebenfalls einen großen Bogen gezogen: Er macht jetzt irgendwas mit Computern. Wie spannend!

Außerdem wirft Ivan seinem alten Mitstreiter immer noch vor, damals den lukrativen Plattenvertrag einfach ausgeschlagen und damit das Ende der Band besiegelt zu haben. Roger war damals nämlich strikt gegen alles Kommerzielle und Etablierte und wollte lieber „independent“ bleiben. Immerhin, das ist ihm unzweifelhaft auch gelungen, nur das „independent“ mittlerweile „haltlos, perspektivlos und finanziell unabgesichert“ bedeutet. Frustrierend! Einen Lichtblick jugendlicher Frische stellt allein Florence (Greta Gerwig) dar, Phillips persönliche Assistentin und Mädchen für alles, die auch während der Abwesenheit der Familie im Haus nach dem Rechten sieht. Die sympathische 25-Jährige wirkt bei genauerem Hinsehen allerdings stets etwas verloren und weiß mit ihrem Leben im Grunde genommen auch nichts Rechtes anzufangen. Nichtsdestoweniger - oder gerade deshalb? - kommt es zwischen ihr und dem fast doppelt so alten neurotischen Housesitter allmählich zu einer Annäherung. Die etwas eigenartige Romanze, wenn es sich denn überhaupt um eine solche handelt, verläuft dabei selbstredend nicht ohne Turbulenzen, Nervenkrisen, ungelenke Beischlafversuche und sonstige Katastrophen. Und worauf sie letztlich zusteuert bleibt ziemlich unklar. Die überwiegende Mehrheit aller Vernunftbegabten würde sicherlich auf ein Desaster wetten.

Denn vor allem Roger, der seine Absicht, nichts zu tun, oft mit geradezu bewundernswerter Konsequenz verfolgt, stellt sich zuweilen einfach unglaublich rücksichtslos, ungeschickt und dämlich an. Er verfasst lieber ebenso wütende wie unsinnige Beschwerde- und Leserbriefe an die Adressen von Fluggesellschaften, Coffee-Shop-Ketten, an die Stadtverwaltung von L.A. und die New York Times, anstatt sich um die dringendsten und naheliegendsten Probleme zu kümmern. Kann beispielsweise ein Swimmingpool bei starkem Regen wirklich überlaufen und den Garten überfluten? Ja, er kann, wie Roger erst von seinem entnervten Bruder im Verlauf eines kostspieligen Telefonats nach Vietnam erfahren muss. Und ist ein Hund womöglich ernsthaft erkrankt, wenn er die Frisbee-Scheibe nicht apportiert, sondern stattdessen außer angestrengtem Hecheln keinen Mucks mehr von sich gibt? Höchstwahrscheinlich, wie ihm erst die eigens herbeizitierte Florence bescheinigen muss.

Da Roger aufgrund seiner nervösen Störung nur als Fußgänger unterwegs ist, muss Florence, die ihn ohnehin ständig hierhin und dorthin kutschiert, den Familienhund anschließend auch noch gemeinsam mit ihm in die Tierklinik verfrachten. Dass das Tier schließlich überlebt, durfte man für die stattlichen Behandlungskosten von über 3000 Dollar auch erwarten. Wenig später muss Roger dann Ivan engagieren, um Florence in die Klinik zu fahren. Sie will dort das Resultat eines unbedachten und unbedeutenden One-Night-Stands entfernen lassen. Nach der erfolgreichen Abtreibung bietet Roger der aus der Vollnarkose Erwachten, die - wie er messerscharf folgert - zweifellos Hunger haben muss, als erstes keinen Trost, sondern einen mitgebrachten Burger an.

Dass kurz darauf Phillips blutjunge Stieftochter Sarah (Brie Larson) in Begleitung ihrer Busenfreundin Muriel (Juno Temple) unerwartet im Haus auftaucht, wirkt sich auf Rogers seelischen Zustand auch nicht gerade stabilisierend aus. Denn die beiden quirligen Blondinen, in denen Roger unweigerlich Inkarnationen seiner nun endgültig verlorenen Jugend erblicken muss, wollen zwar bereits anderntags wieder nach Australien aufbrechen, jedoch vorher noch eine zünftige Poolparty schmeißen. Im Verlauf der ausschweifenden Sause kommt Roger unvernünftiger Weise in Kontakt mit Alkohol und Kokain, woraufhin er sich vor den belustigten Teens unfreiwillig lächerlich macht: Ein 40-Jähriger, der so tut, als sei er noch 20. Zu allem Überfluss verscherzt der enthemmte Roger es sich nun endgültig mit seinem alten Kumpel Ivan, der ihm vorwirft, sich selbst permanent zum Opfer zu stilisieren, während er anderen rücksichtslos vor den Kopf stößt. Hat Ivan etwa Recht?

Darüber möchte Roger jetzt bitte nicht nachdenken! Stattdessen entschließt er sich am nächsten Morgen spontan, alles stehen und liegen zu lassen und Sarah und Muriel nach Australien zu begleiten! Ist er nun endgültig verrückt geworden? Wird Roger tatsächlich vor Ivan, Florence und nicht zuletzt auch vor sich selbst davonlaufen und damit seine lebenslange Flucht vor der Realität fortsetzen?


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Eure Kommentare zu "Greenberg":

jesus freak Depression:unerfüllte herzenswünsche in der Lebenspraxis,warum existiert du?jemand hat ein perfecten plan für dich,Jesus Christus ist Gott.

lol sieht gut aus, freu mich schon drauf

Langweilig Langweilig

 


Baumbach und Leigh dachten sich eine Geschichte aus, die den Regisseur für seine Dreharbeiten diesmal nach Los Angeles brachte. Einige Jahre zuvor hatte Leigh in dieser Stadt bereits ihre Geschlechterkomödie BEZIEHUNGEN UND ANDERE KATASTROPHEN (The Anniversary Party, 2001) realisiert. In GREENBERG sollte die Stadt aber mehr darstellen, als nur den Hintergrund für die glänzend ausgearbeiteten Figuren des Drehbuchs. Für die terminlich eng kalkulierten Dreharbeiten wurden sieben Wochen angesetzt, eine Zeitspanne, die ungefähr der Aufenthaltsdauer des Titelhelden der Filmgeschichte, Roger Greenberg, in Los Angeles entspricht.

„Los Angeles spielt in GREENBERG eine so große Rolle, dass man die Stadt fast als einen weiteren Filmcharakter, betrachten könnte, der ihm eine eigene atmosphärische Note hinzufügt“, meint Location-Manager Stephenson Crossley. „Ich brauchte Noah gar nicht so viele Fotos zu zeigen, um ihm geeignete Drehorte vorzuschlagen, denn er wusste zum größten Teil bereits, wo er seine Aufnahmen machen wollte. Viele Drehorte waren bereits durch das Skript festgelegt, so dass ich mehr oder weniger nur noch dafür sorgen musste, Drehgenehmigungen einzuholen.“

„Viele der bereits im Drehbuch erwähnten Locations sind noch nie in einem Film gezeigt worden oder erscheinen auf den ersten Blick überhaupt dafür geeignet bzw. dafür in Frage zu kommen. Doch da wir keine Großproduktion mit dreistelligem Millionenbudget darstellten und auch nicht durch pyrotechnische Effekte sowie sonstige Spezialeffekte großen Schaden anrichten konnten, verhielten sich die Leute überall äußerst entgegenkommend. Wir hatten also nirgendwo das Problem, nicht drehen zu dürfen.“

Das berühmte Restaurant „Musso & Frank Grill” am Hollywood Boulevard, bereits 1919 eröffnet und seither eine lokale Institution, sollte beispielsweise den Schauplatz für Roger Greenbergs bescheidene und ruhige, dann aber doch, aufgrund seines eigenen Verschuldens, sehr hitzige kleine Geburtstagsfeier dienen.

Obwohl dort bereits andere Filme gedreht wurden, „waren wir die ersten, die den Inhaber dazu bewegen konnten, das Restaurant an einem Dienstag komplett zu schließen“, berichtet Crossley stolz. „Es gelang uns, ihn davon zu überzeugen, wie wichtig dieser Schauplatz für uns war, und dass er entscheidend dazu beitragen könnte, den Film und dessen Charaktere zum Leben zu erwecken. Noahs künstlerisches Credo lautete nämlich: Echte Menschen in authentischer Umgebung!“ Dementsprechend treten im Film auch die echten Kellner in Erscheinung, und bei allen Restaurantgästen, die man sieht, handelt es sich nicht etwa um Statisten, sondern um Leute, die dort auch normalerweise ein- und ausgehen.

Auch andere, bereits durch das Drehbuch festgelegte Schauplätze in Los Angeles sorgen für Wirklichkeitsnähe, darunter das „Lucy’s El Adobe Restaurant” schräg gegenüber den Paramount-Studios, die Wanderwege des „Runyon Canyons”, ein 64 Hektar großer Teil der „Santa Monica Mountains” und ein Refugium für Spaziergänger und Hunde, der „Fairfax district“, wo man an jedem Freitag und Samstag orthodoxe Juden zum Tempel eilen sehen kann, aber auch hippe Trendsetter, die in die schicken Restaurants und Boutiquen an der Melrose Avenue strömen, sowie das „Highland Gardens Hotel“.

Die meisten Schauplätze des Films liegen in Hollywood oder West Hollywood. Sie umreißen ziemlich genau das Gebiet, welches der Nicht-Autofahrer Roger Greenberg vom Wohnhaus seines Bruders fußläufig erreichen kann, inklusive der Tierarztpraxis, in die Leigh und Baumbach auch ihre eigenen Haustiere für den Dreh mitgebracht haben.

Die im Quartier „Silverlake“ gelegene Galerie „Machine Project” ermöglichte dem Team, im Film eine echte Kunstinstallation erscheinen zu lassen. Diesbezüglich erläutert Crossley: „Die Künstler hatten in einem der Räume einen künstlichen Wald erstehen lassen – und wir konnten eine ganze Nacht lang dort drehen, bevor anderntags die Ausstellung eröffnet wurde.“

„Unser Ausstatter Ford Wheeler arbeitete die ganze Zeit über sehr eng mit mir zusammen, das heißt., er stimmte seine Entwürfe stets ganz genau mit den jeweiligen Drehorten ab. Ich hoffe inständig, dass die Zuschauer einen Eindruck davon bekommen, wie es hier wirklich aussieht.“

Nachdem er bereits 2007 an Noah Baumbachs Vorgänger MARGOT AT THE WEDDING arbeitete, fing Kameramann Harris Savides Los Angeles für GREENBERG im Breitbildformat ein. Die Stadt wirkt deshalb ebenso cinematografisch wie real, und dank der vielen Außenaufnahmen gewinnt der Film insgesamt einen fast dokumentarischen Touch.

Nachdem die Crew sich kreuz und quer durch die Stadt bewegt hatte, fand die zweite Hälfte der Dreharbeiten in einem während der 1920er Jahre in den Hollywood Hills erbauten Haus statt, das im Film das Zuhause der Familie Phillip Greenberg darstellt.

Wheeler und sein Team gestalteten es so um, dass es sowohl eine glaubhafte Hülle für die gesetzte und geregelte Welt der Familie Phillips, als auch für die flüchtige und improvisierte Existierweise seines Bruders Roger bilden konnte. Auf Empfehlung eines Kollegen holte Wheeler für die Ausgestaltung des Hauses die Szenenbildnerin Elizabeth Keenan mit ins Boot. „Die Zusammenstellung der Einrichtung des Hauses“, berichtet sie, „erforderte vier siebentägige Arbeitswochen. Aber auf dem Set dieser Produktion herrschte eine wirklich wundervolle Kollegialität und Kameradschaft.“

„Noah und Jennifer hatten so genaue Vorstellungen darüber, was sie zum Ausdruck bringen wollten, und wer diese Filmcharaktere waren. Man merkte deutlich, dass sie sehr lange über ihre Figuren nachgedacht hatten, was die Sache für uns sehr viel einfacher machte. Mit den beiden zusammen zu arbeiten bedeutete, die Figuren nach und nach besser kennenzulernen, damit wir schließlich die Geschichte auch mit unseren Mitteln ein Stück weit voran bringen konnten. In meinem Fall bedeutete das konkret, dass ich mich mit allem auseinander zu setzen hatte, das kein Fußboden und keine Wand war, von der richtigen Bettlektüre über die passenden Toilettenartikel im Bad bis hin zur – mit der Kostümabteilung abgestimmten – geeigneten Kleidung im Schlafzimmerschrank.“

Wenn an dem Sprichwort „Kleider machen Leute“ wirklich etwas dran ist, „dann“, so Kostümbildner Mark Bridges, „muss Roger Greenbergs Kleidungsstil widerspiegeln, dass er ein wenig in der Vergangenheit lebt und sich seit vielen Jahren nicht wirklich weiter entwickelt hat. Er denkt, anders als sein Freund Ivan, immer noch, dass er sich im Aufbruch befindet, aber inzwischen ist viel Zeit vergangen. Sein Look trägt Anzeichen der späten 80er und frühen 90er Jahre und ist in Farben gehalten, die man heutzutage nicht mehr so häufig sieht: Man betrachte nur einmal seinen caramelfarbenen Baumwollpulli oder diese unsägliche braune Steppweste, die er bei vielen Gelegenheiten trägt. Für mich galt es also, vergangene Zeiten durch einzelne Details subtil anzudeuten, ohne dabei allzu dick aufzutragen. Sogar Greenbergs Schuhen schenkte ich meine Aufmerksamkeit, obwohl man sie wahrscheinlich kaum oder nie im Film zu sehen bekommt, denn ich gehe immer sehr gründlich vor.“

„Greenbergs L.A.-Erfahrung wird noch unangenehmer und surrealer, als sie es ohnehin schon ist, wenn er beispielsweise auf der Party am Ende des Films mit den 80er-Retro-Fashion-Vorlieben der 20-jährigen Kids konfrontiert wird. Wenn die Zuschauer dies nicht so deutlich merken, dann habe ich meinen Job gut gemacht. Denn es ist die Aufgabe von Noah und Harris, den Blick der Zuschauer zu lenken und zu leiten.“

Um deutlich zu machen, wie sehr er am Filmemachen gerade die Teamarbeit zu schätzen weiß, merkt Bridges an: „Nachdem ich das Skript gelesen hatte, lief der Film bereits vor meinem inneren Auge ab. Als später die Zusammenarbeit mit dem Regisseur begann, verglichen wir unsere Vorstellungen und Ideen und stimmten sie immer wieder aufs Neue miteinander ab, wenn eine weitere Rolle besetzt worden war. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich den Regisseur bei der Ausgestaltung einer Rolle unterstützen kann.“

Um den Titelcharakter Roger Greenberg zum Leben zu erwecken, klopften die Filmemacher bei Ben Stiller an. „Ich war zu der Zeit, als Noah und Jennifer mich kontaktierten, bereits ein großer Fan von DER TINTENFISCH UND DER WAL (2005), dessen Realismus, Atmosphäre und Emotionalität mich beeindrucken, und auch MARGOT AT THE WEDDING (2007) sowie KICKING AND SCREAMING (1995) gefielen mir sehr. Noah versteht es, Humor ins Spiel zu bringen, ohne auf plumpe Weise nach Lachern aus zu sein.“

„Deshalb war ich sehr neugierig darauf, das Drehbuch zu lesen und anschließend mit Noah darüber zu sprechen. Als wir später mit dem eigentlichen Arbeitsprozess anfingen, war ich mir sicher, dass ich es mit einem Filmemacher zu tun habe, der eine klare Vision verfolgt und genau weiß, was er will – und der dennoch für spontane Einfälle und Vorschläge offen geblieben ist.“

Dafür berühmt, ein Meister der Improvisation zu sein und auf diese Weise aus jeder zunächst noch so banal erscheinenden Szene etwas Besonderes machen zu können, konstatiert Stiller mit Erstaunen, dass „Noahs Drehbuch so überaus detailliert war und das Verhalten der einzelnen Charaktere bereits sehr treffend und genau beschrieb. Es stand alles schon auf der Seite. Improvisation war also überhaupt nicht von Nöten, und ich fand es sehr entspannend, einmal nicht ständig überlegen und einbringen zu müssen, damit eine Szene besser wird. Das Einzige, was ich zu tun hatte, war, mich in den Rhythmus seiner Dialoge einzufühlen. Manche Sequenzen, vier bis sechs Seiten lang im Skript, wirken regelrecht wie kleine Theaterstücke.“

„In diesem Film kann man zwei Menschen, die wie alle von Sorgen und Problemen gequält werden, dabei zusehen, wie sie allmählich eine Beziehung zueinander aufbauen. Greenberg und Florence bringen es fertig sich einander anzunähern, indem sie Barrieren einreißen, mit denen sie sich selbst umstellt haben. Bis jetzt habe ich noch nie an einem Film mitgewirkt, der mich so stark an Hal Ashbys und Robert Altmans Filme der 70er Jahre erinnert hat; an Filme, die ihre Figuren regelrecht erforschen und dabei deren subtilste und verborgendste Charakterzüge freilegen, wie man sie normalerweise nicht im Kino zu sehen bekommt.“

„Noah gelingt es“, staunt Stiller, „auf dem Set genau das zu bekommen, was er sich vorgestellt hat, ohne dabei auf den Kontrollblick auf ein Video-Playback angewiesen zu sein. Er merkt auch so, wenn etwas falsch läuft und gibt dann sehr genaue und hilfreiche Anweisungen wie etwa: ‚Du möchtest etwas schneller den Raum verlassen’ oder ‚Du fühlst Dich von diesem Kerl jetzt wirklich im Stich gelassen’. Er möchte an den Kern der Figuren herankommen.“ „Noah und Harris geben ein paar Szenenanweisungen und schießen dann mit mehreren Kameras gleichzeitig. Es wirkt alles so einfach, aber das, was die beiden da machen, erfordert eine Menge kreativen Mut.“

Savides erklärt dazu schlicht: „Ich mag es eben, wenn alles sehr natürlich und real wirkt. Dennoch habe ich großen Respekt vor dem Drehbuch.“ Und Stiller merkt an: „Noah schreibt so, wie die Leute sprechen, aber er berücksichtigt auch die Tatsache, dass sie in Gesprächen einander meistens nicht zuhören. Während der Dreharbeiten zu diesem Film habe ich realisiert, dass ich Leuten oftmals auch nicht richtig zuhöre: Jemand erzählt mir etwas, und ich nicke dabei nur mechanisch mit dem Kopf, während ich schon überlege, was ich als nächstes sagen möchte.“

„Einen weiteren Genuss“, fährt Stiller fort, „stellte für mich die Tatsache dar, einige Szenen gemeinsam mit Jennifer Jason Leigh spielen zu dürfen. Sie zählt meiner Meinung nach gegenwärtig zu unseren größten Darstellerinnen. Auf dem Set war sie, auch wenn keine Szene mit ihr auf dem Drehplan stand, ständig an der Seite ihres Mitstreiters Noah Baumbach anzutreffen.“

Eine noch wichtigere Filmpartnerin Stillers war Greta Gerwig, für die GREENBERG ihr bislang größtes Filmprojekt darstellt. Gerwig war sich ihres großen Karrieresprungs von Anfang an wohl bewusst: „Ich konnte kaum glauben, dass ich in einer aufwendigen, von Scott Rudin betreuten Focus Features- Produktion vorkommen werde. Als ich von Noah und Jennifer in ihrem Appartement gecastet wurde und für die beiden ein kleines Lied zum besten gab - denn Florence versucht sich im Film auch als Sängerin – da dachte ich nur: ‚Mann, Mann, auch wenn ich die Rolle nicht bekomme, darf ich mich doch freuen, überhaupt so weit gekommen zu sein.’“

„Nachdem ich das Skript durchgelesen hatte, wusste ich exakt, wer diese Florence ist. Noch nie zuvor habe ich etwas gelesen, das so perfekt beschreibt, was es heißt, eine 25-jährige Frau zu sein, die entdeckt, dass auch sie langsam älter wird. Deshalb wollte ich unbedingt an diesem ungewohnt großen Filmprojekt teilhaben, weniger weil es als ein logischer Schritt erschien, sondern vielmehr weil ich Filme dieser Art sehr liebe.“

Gerwig empfindet ihren Filmcharakter Florence als „eine Person mit viel Mut und einem starken Glauben daran, das alles schon irgendwie gut gehen wird, auch wenn eigentlich alles auf das Gegenteil hinausläuft. Sie erlaubt es sich nie, sich total down zu fühlen oder sich in Selbstmitleid zu suhlen. Das finde ich bewundernswert. Außerdem ist sie sehr ehrlich – ein Umstand, der ihr eine gewisse Komik verleiht.“

„In privaten, intimeren Momenten ist sie jedoch in der Lage darüber zu reflektieren, dass ihr Leben nicht so verläuft wie sie einmal geplant oder gehofft hatte. Dennoch schreitet sie mutig weiter voran, was man bewundern darf. Ihre Fähigkeit, auf sich selbst Acht zu geben, wird ihr auch nach dem Zeitpunkt, an dem die Filmhandlung abbricht, nicht abhanden kommen.“

Gerwig selbst fühlte sich von ihren GREENBERG-Kollegen durchaus wohl behütet, beachtet und umsorgt, wie sie selbst zum Ausdruck bringt: „Ich habe herausgefunden, das sich große Produktionen von kleineren, wie ich sie bisher ausschließlich gemacht habe, in einem Punkt jedenfalls nicht von einander unterscheiden: Alle Team-Mitglieder fühlen sich wie eine große Familie und verhalten sich auch so. Es gab auch keine spürbare Hierarchie auf dem Set. Nichtsdestoweniger hat sich Rhys Ifans regelmäßig wieder darüber erstaunt, wie viel zu Essen täglich vom Catering herangekarrt wurde. Er hat extra Fotos davon geschossen, um sie an seine Freunde in London zu schicken.“

„Wir verbrachten einige Wochen mit Proben. Noah, Ben und Jennifer, die alle so viel erfahrener sind als ich, sorgten durch ihre große Unterstützung sofort für eine Atmosphäre der Geborgenheit, so dass ich mich jederzeit absolut sicher fühlen konnte bei dem, was ich tue, sogar im Verlauf der schwierigsten Szenen zwischen Ben und mir. Ben, der sich für diesen Film maßlos engagierte, half mir in diesen Szenen ungemein, indem er auch dann weiterspielte, wenn die Kamera nicht auf ihn gerichtet war.“

„Wenn man mit Greta vor der Kamera steht“, schwärmt Stiller, „dann denkt man nicht, dass man spielt, sondern dass man sich mit ihr im normalen Leben befindet. Sie scheint geradezu unfähig zu sein, vor der Kamera unecht oder gekünstelt zu wirken. Nichts, was sie tut, wirkt irgendwie angestrengt oder gezwungen. Sie ist eine sehr schöne Frau, und das artikuliert sich vor allem in dem, was sie tut, in ihren Handlungen. Sie zeigte durchweg eine große Verbundenheit mit dem Thema des Films und mit ihrer Figur.“

Kostümbildner Mark Bridges kleidete Florence wie eine junge Frau ein, „die nicht viel Geld hat und sich in ihrer Haut ein wenig unwohl fühlt. Ich entschied mich in diesem Zusammenhang für eine Art eklektizistischen Kleider- Mix. Greta ist sehr groß. In der Rolle der unsicheren Florence wirkt sie deshalb wie ein ungelenkes Fohlen, manchmal atemberaubend anmutig und in anderen Situationen immer noch wie eine Heranwachsende.“

Die Rolle Ivans, des (ehemals) besten Freundes Greenbergs, spielt der gebürtige Waliser Rhys Ifans. Ifans meint, dass „wir alle Zeit damit verbringen uns unsere eigenen ‚Greenbergs’ erfolgreich vom Leib zu halten. Ivan setzt in seinem Leben mittlerweile andere Prioritäten und stellt dementsprechend auch andere Ansprüche an Greenberg, ist sich aber vollkommen bewusst, wer sie beide einmal waren. Noahs unglaublich gut geschriebenes Drehbuch macht sehr klar, woher mein Charakter kommt und welchen Weg er seit damals gegangen ist. In nahezu allen seinen Szenen, sagt Ivan nicht das, was er eigentlich sagen möchte.“

„Es wurde beschlossen, dass mein Charakter Engländer sein sollte, was mir einerseits die Sache wesentlich erleichtert hat und Ivan auf der anderen Seite eine gewisse Andersartigkeit verleiht, die den Film bereichert. Ich kenne übrigens eine Menge ‚Ivans’ in L.A., die lustigerweise alle Briten sind. Meiner Ansicht nach sind alle Figuren des Films ein wenig isoliert, Greenberg sicherlich am meisten. Anders als er scheint Ivan diesen Umstand jedoch weitaus besser bewältigen zu können.“

„Ich bin genau so alt wie Ivan“, fährt Rhys Ifans fort, „und diese Geschichte stellt Fragen an die 40-Jährigen, unter anderem die, ob sie in ihrem Leben das erreicht haben, was sie erreichen wollten. GREENBERG ist eine sehr witzige Komödie mit einem sehr ernsten Hintergrund.“

„Noahs Skript ist sehr analytisch, aber niemals verurteilend. Seine Dialoge wirken sehr nuanciert, sie resultieren aus einer sehr genauen Beobachtung der Art und Weise, wie wir miteinander sprechen. Mit Noah als Regisseur zu arbeiten war genauso, wie ich es mir erhofft hatte, meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Obwohl wir dem Drehbuch sehr treu blieben, gab es eine Erkundungsphase, in der wir viele Takes gedreht haben.

Auf diese Weise konnten wir immer tiefer in unsere Charaktere eindringen.“ „Rhys und ich spielen alte Freunde, die sich seit über 20 Jahren kennen“, erklärt Ben Stiller, „doch im Vorfeld der Dreharbeiten hat sich nie die Möglichkeit ergeben, dass wir uns einmal persönlich treffen. Glücklicherweise ist Rhys ein unglaublich zugänglicher Mensch. Wir waren deshalb sofort in der Lage, die Dynamik zu ergründen, die zwischen Greenberg und Ivan nach all den Jahren immer noch besteht.“

„In GREENBERG geht es um Menschen, die ihre Träume nicht verwirklicht haben, und Träume sind etwas, womit man sich sehr stark identifizieren kann. Wie kommt man nun damit zurecht? Greenberg hat sich so viele Schutzschichten zugelegt und ist von so vielen Barrieren umgeben, dass er alle anderen Menschen von sich fern hält. Doch dann entwickelt sich zwischen ihm und Florence doch noch eine sehr eigentümliche Liebesgeschichte, an der die Zuschauer hoffentlich regen Anteil nehmen werden.“

Und Greta Gerwig ergänzt abschließend: „Der Ton des Films ist zugleich melancholisch, lustig, bittersüß und lebendig. Ich glaube, die Zuschauer werden sich darin selbst wiedererkennen, und ich hoffe, dass Noahs Fans GREENBERG als eine vertiefende Weiterführung seiner bisherigen Arbeit empfinden werden.“

„Auch dem Soundtrack ist anzumerken, dass GREENBERG - in mehrfacher Hinsicht - eine Liebesgeschichte darstellt. Für diejenigen, die Noahs Werk noch nicht kennen bietet dieser Film einen guten Einstieg, denn er repräsentiert genau das, was er machen will: Filme über echte Menschen.“