Renn Wenn Du Kannst Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 112 Min | Kinostart: 29.07.2010 | Release: 04.02.2011 (DVD)
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Schauspieler:Robert Gwisdek, Anna Brüggemann, Jacob Matschenz, Franziska Weisz, Leslie Malton
Die Story:Benjamin sitzt im Rollstuhl. Er ist intelligent, lustig und verzweifelt. Liebe kommt für ihn nicht in Frage, das erklärt er zumindest seinem neuen Zivi Christian. Christian (Jacob Matschenz) nimmt das Leben leicht: Er wird ein halbes Jahr bei Ben bleiben und dann seiner Wege gehen. Annika studiert Cello, doch das Musikstudium und der gnadenlose Zwang zur Perfektion lasten schwer auf ihr. Sie fährt jeden Tag mit dem Fahrrad an Benjamins Wohnung vorbei, und er schaut ihr jeden Tag vom Balkon aus sehnsüchtig hinterher. Doch erst als sie eines Morgens mit Christian kollidiert, lernen die drei sich kennen und werden Freunde. Zu dritt erschaffen sie sich eine Welt aus Sehnsucht und Fantasie. Doch natürlich wollen beide Jungs mehr von Annika als nur Freundschaft. Annika kann sich nicht entscheiden. Sie mag Christian und seine Verspieltheit, aber eigentlich fühlt sie sich eher Ben verbunden. Was für alle drei wie ein Spiel beginnt, wird für Ben eine Reise zu seinen größten Ängsten, in Abgründe, aus denen er allein nicht mehr herausfinden wird.
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Weitere Infos zum Film:
Mit seinem ersten Kinofilm gelingt Dietrich Brüggemann (Absolvent der HFF „Konrad Wolf“ in Babelsberg) ein außergewöhnlicher Brückenschlag: Selten hat ein Film mit solcher Konsequenz von einer schweren Behinderung und dem Umgang damit erzählt. Zugleich aber entfaltet er visuellen Ideenreichtum, absurden Dialogwitz und eine erzählerische Leichtigkeit, wie sie im deutschen Kino nicht oft zu finden sind.
Das Drehbuch entwickelte Regisseur Dietrich Brüggemann gemeinsam mit seiner Schwester Anna Brüggemann, die auch die weibliche Hauptrolle übernommen hat. Ihr zur Seite stehen Jacob Matschenz und Robert Gwisdek, der die sperrige Hauptfigur, ihren misanthropischen Humor und nicht zuletzt auch die körperlichen Auswirkungen der Tetraplegie mit unsentimentaler Präzision spielt. Immer nah am Herzen der Figuren und doch mit Mut zum großen Kino erzählt RENN, WENN DU KANNST eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst.
RENN, WENN DU KANNST lief als Eröffnungsfilm der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ auf der 60. Berlinale 2010 und avancierte zum Publikumsliebling. RENN, WENN DU KANNST (Zorro Film) gewann beim Filmfest Emden-Norderney den "NDR Filmpreis für den Nachwuchs". Darüber hinaus wurde er beim Filmkunstfest M-V in Schwerin mit dem Nachwuchsförderpreis der DEFA-Stiftung und mit demCinestar Award ausgezeichnet.
Regisseur Dietrich Brüggemann erhielt zudem beim 6. Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen den Publikumspreis. Außerdem wurde Hauptdarsteller Robert Gwisdek in der Kategorie "Besondere Einzelleistung" mit dem Filmkunstpreis 2010 prämiert. Diese Auszeichnung begründete die Jury folgendermaßen: "Robert Gwisdek spielt die facettenreiche Rolle des querschnittsgelähmten Benjamin mit der 'kalten Flamme' eines Darsteller-Artisten. Seine alle Charakterbereiche durchmessende Leidenschaft, Mensch zu sein, ohne je sentimental zu werden, erwärmt uns als seine Zuschauer."
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Regiestatement von Dietrich Brüggemann:
Ein Rollstuhl ist ein wahnsinnig uncooles Requisit, im Film wie im Leben. Man kommt damit keine Treppe hoch, er macht Wellen in den Teppichboden, man wird mitleidig angeguckt, und Rollstuhlfahrer im Film gelten ohnehin als Kassengift. Es war keine bewusste Entscheidung, sich diesen und anderen Herausforderungen zu stellen, es war eher eine Idee, die schon sehr lange da war und die irgendwann Gestalt annehmen musste.
Unsere jüngste Schwester sitzt im Rollstuhl, wir wuchsen mit einer anderen Normalität auf, als die meisten Menschen. Ich selber war Zivi in der Individuellen Schwerstbehindertenbetreuung, und eines Tages, irgendwann in meiner Zivizeit, war da einfach dieser Satz: Ein Rollstuhlfahrer und sein Zivi verlieben sich in die gleiche Frau.
Was das nach sich ziehen würde, war mir damals noch nicht so klar. Jahre vergingen, immer wieder sah ich Filme, die mit Behinderung hantierten, und sehr oft dachte ich: Hier stimmt etwas nicht. Es gibt eine Haltung, die ich im Leben kenne, aber im Film nicht wiederfinde. Es gibt eine Realität, von der noch nicht viel erzählt worden ist. Aber es gibt auch jenseits der Rollstuhlthematik größere Strömungen in der Gesellschaft, die sich am Beispiel unserer Dreiecksgeschichte sehr klar erzählen lasen. Wir sind umgeben von perfekten Körpern.
Schönheitsideale sind viel mehr in unseren Köpfen verankert als bei den Generationen vor uns. Unser Körper ist nicht mehr sterbliche Hülle einer unsterblichen Seele, sondern Visitenkarte, Repräsentationsfläche und Schauplatz unseres möglichst perfekten Lebens. Für einen Behinderten ist der Kontrast zwischen den medial unterfütterten Wunschvorstellungen und der eigenen Realität natürlich besonders krass, aber das ist nur die gesteigerte Variante von Problemen, die wir alle kennen.
Andererseits ist ein klassisches Instrument, das man immer als schweren Kasten mit sich herumschleppt und an dem man jeden Tag acht Stunden üben muss, auch eine Art Behinderung. Da ergibt sich die Frage: Was ist eigentlich Behinderung? Ist sie, wie manche sagen, ein ausschließlich soziales Konstrukt? Wie weit können wir uns durch die Kreativität unseres Geistes aus unserer Situation befreien, bevor unsere biologische Natur uns befiehlt, Sex zu haben und uns fortzupflanzen, und uns so wieder auf unseren Körper zurückwirft?
All diesen Fragen muss ein Film sich stellen, wenn er so ein Thema anschneidet. Und trotzdem wollte ich um alles in der Welt keinen tiefernsten Thesenfilm machen. Ich glaube fest daran, dass Kino beides gleichzeitig kann, nachdenken und unterhalten. Ich glaube auch, dass Filme, die beides hinkriegen, die spannendsten sind, die am längsten beim Betrachter nachwirken. Zumindest sind es die Filme, die ich am liebsten sehe.
Musik und Kunst und Sprache und Animation und höherer Blödsinn, all das hat seinen Platz im Leben unserer Protagonisten und damit auch im Film. Der Rollstuhl und seine Folgen spielen eine gewichtige Rolle, aber im Kern geht es um drei Freunde, die Liebe und den Rest des Lebens und mir persönlich ging es einfach darum, einen Film zu machen, wie ich ihn selber gern sehen würde.
Dietrich Brüggemann
