Der Räuber Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 90 Min | Kinostart: 04.03.2010
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Schauspieler:Andreas Lust, Markus Schleinzer, Roman Kettner, Hannelore Klauber-Laursen, Tabea Werich, Nina Steiner, Josef Romstorffer, Franziska Weisz, Wolfgang Petrik, Florian Wotruba, Johannes Handler, Katharina Hülle, Tony Nagy, Michaela Christl, Georg Mlynek, Alexander Fennon, Alex Scheurer, Friedrich Stindl, Walter Huber, Leopold Böhm, Gerda Drabek, Marcus Bauer, Hannes Ipirotis, Robert Müllner, Christian Buchmayr, Martin Prinz, Jürgen Köllner, Karin Köllner, Michael Steinbrecher, Johann Bednar, Max Edelbacher, Cobra, Michael Welz, Erwin Reichel, Peter Vilnai, Bernd-Christian Althoff, Swintha Gersthofer
Die Story:Rettenberger ist ein Mann auf Bewährung. Nach Jahren im Gefängnis wird er in die Freiheit entlassen. Er steht unter Beobachtung, aber das, was er vorhat, erscheint zuerst einmal harmlos. Rettenberger läuft. Schon in der Haft hat er intensiv trainiert, nun hat er endlich Auslauf, er kann endlos durch die Landschaft laufen, manchmal nimmt er auch an einem Wettbewerb teil. Zum großen Erstaunen wird er bester Österreicher im Wien-Marathon – ein Mann, mit dem niemand gerechnet hat, von dem niemand Genaueres weiß, vielleicht nicht einmal er selbst. Wenn er sich den Pulsmesser umschnürt, bevor er jeden Tag irgendwohin losläuft, dann wirkt das auch ein wenig, als würde er sich die Identität messen. Ein Dasein, das aus Fitnesswerten besteht, und aus den nicht messbaren Veränderungen, die in seinem Körper vorgehen, wenn die Endorphine ausgeschüttet werden. Rettenberger ist abhängig von diesem Hochgefühl, das ihm ganz allein gehört. Wenn er nicht unterwegs ist, wenn er mit jemandem spricht, wenn er einen Behördengang zu erledigen hat, dann wirkt er teilnahmslos, ganz so, als würde er sich selbst nicht viel angehen. Das dunkle Geheimnis, das Rettenberger nicht zuletzt vor seinem Bewährungshelfer verbirgt, hat mit dem Laufen zu tun: Er überfällt Banken, einmal gleich drei an einem Tag, und flüchtet in der Regel zu Fuß. Niemand ist schnell genug, um ihn zu stellen. Die Beute verstaut er, ohne sich weiter darum zu kümmern. Das Verbrechen ist für den Räuber nur ein Spiel, eine Herausforderung, die er sucht, und bei der er wie beim Laufen seine Leistung ständig steigern muss. Aber auch ein Einzelgänger wie Rettenberger ist noch nicht ganz vor dem Leben davongelaufen. Auf dem Arbeitsamt, wo er sich pflichtgemäß melden muss, trifft er eine frühere Bekannte wieder. Erika lebt allein in einer großen Wohnung. Sie scheint ohne große Erwartungen zu sein, als sie Rettenberger ein Zimmer überlässt. Und nur deswegen lässt er sich darauf ein – er taucht bei ihr unter. Die Bewährung hat er nicht bestanden. Er hat sich nicht eingegliedert, sondern hat nur eine Tarnung für seine unangepasste Existenz gesucht. Irgendwann zählt auch die Polizei die Indizien richtig zusammen, und von diesem Moment an ist Rettenberger der meistgesuchte Mann in Österreich. Zu Fuß und mit gestohlenen Fluchtautos schlägt er sich durch, die freie Wildbahn ist sein Ziel, aber genau genommen kann einer wie er kein Ziel haben. Denn das Prinzip seines Lebens geht über den Marathon noch hinaus: Reine, beständige Bewegung ist der Extremzustand, auf den der Räuber zuläuft. Niemals innehalten, sicher nicht im Gewahrsam der Polizei, aber auch nicht in den Armen von Erika. Weiter, immer weiter führt ihn seine Flucht, an ein Ankommen ist nicht zu denken. Der Räuber ist eine paradoxe Figur, er lebt ein unmögliches Leben, er ist der Anti-Sisyphos.
Hintergrund:DER RÄUBER erzählt die Geschichte eines vielseitig begabten Mannes: Johann Rettenberger, erfolgreicher Marathonläufer und Serienbankräuber. Nüchtern und präzise misst er Herzfrequenz, Belastung, Ausdauer und Effektivität – bei Trainingsläufen ebenso wie bei den Banküberfällen, von denen er, aberwitzig maskiert und mit einer Pumpgun bewaffnet vor der Polizei flüchtet. Er lebt unentdeckt mit seiner Freundin Erika in Wien, zieht immer wieder aus, leidenschaftlich und gierig nach dem Trip, der Bewegung und der Schönheit des Raubzugs, bis zu drei Mal an einem Tag. Als er entdeckt wird, tragen ihn seine Beine vor einem gewaltigen Polizeiaufmarsch davon. Einer wie er kann kein Ziel haben: Weiter, immer weiter führt ihn seine Flucht. Ende der 80er Jahre endete die Flucht eines Mannes, dem die Medien den Namen Pumpgun-Ronnie gegeben hatten. Auf diesem spektakulären Fall der österreichischen Kriminalgeschichte beruht das Buch Der Räuber von Martin Prinz, das Benjamin Heisenberg, nach seinem preisgekrönten Erstling SCHLÄFER, nun verfilmt hat: Er portraitiert den Räuber als Hochleistungssportler seines Fachs, als Endorphin-Junkie, als Liebenden und Freiheitssucher, als eine Art Naturphänomen, getrieben von einer inneren Energie. Ein Thriller mit philosophischen Zwischentönen über einen rätselhaften Außenseiter, dessen Weg wir gebannt verfolgen.
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Eure Meinung zu "Der Räuber"

♥: Eine wahre Geschichte in realistischer Optik, packende Verfolgungsjagden
−: Deprimierend, wortkarg. Unterkühlte, emotionslose Stimmung
Die Jagd auf den Serienbankräuber “Pumpgun-Ronnie” war die bis dahin größte Fahndung in der Geschichte Österreichs. In den 80ern hielt er das ganz Land in Atem.Der Film orientiert sich aber nur teilweise an dessen Lebensgeschichte und stellt mehr Fragen als er Antworten liefert.
Der echte Pumpgun-Ronnie Johann Kastenberger heißt hier Rettenberger. Nach einer langen Haftstrafe für seinen ersten Banküberfall wird er freigelassen. Endlich muss er nicht mehr im Kreis laufen, kann sein Training in freier Natur absolvieren.
Denn Rettenberger (Andreas Lust) ist ein exzellenter Langstreckenläufer. Statt sich einen soliden Job zusuchen, nimmt er lieber an einem Marathon statt und kassiert tatsächlich die Siegprämie. Aber an einer soliden Existenz hat er kein Interesse. Schon nach kurzer Zeit überfällt er wieder eine Bank. Mit Gummimaske und Pumpgun stürmt er die Kreditinstitute und ist Minuten später schon wieder verschwunden. Die Überfälle sind wie eine Sucht. Kriminelle Energie nennt man das wohl. Einen anderen Inhalt hat sein Leben nicht. Nach den Coups sitzt er gelangweilt rum, selbst für das Geld hat er offenbar keine Verwendung.
Als seine Ex-Freundin (Franziska Weisz) den einsilbigen Ex-Knacki bei sich aufnimmt ist das eher eine Zweckgemeinschaft. Sie ist nicht mehr allein, er muss sich nicht um eine Wohnung kümmern. Liebe oder auch Leidenschaft sehen anders aus. Selbst beim Kinobesuch bleibt er bei der wildesten Action reglos. Nur ein kleines Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht, aber mehr über die Ahnungslosigkeit seiner Begleitung, die nicht weiss , dass er in seinem Leben ganz andere, reale Action hat.
An einem Tag überfällt er gleich drei Bank auf einen Streich. Er hat einen Lauf, könnte man sagen. Seine Geschwindigkeit lässt die Ermittler immer wieder ziemlich blöd dastehen. Was ihn antreibt, ist schwer zu sagen. Sein Gesicht ist fast genauso reglos wie die Gummimaske, die er bei seinen Überfällen trägt. Er wirkt wie eingefroren. Aber darunter spürt man auch eine Wut, deren Ursprung jedoch im Dunkeln bleibt. Rettenberger lässt niemanden nahe an sich heran, nicht seine Freundin, nicht den Bewährungshelfer, und auch nicht den Zuschauer.
Was ihn offenbar antreibt, ist das Adrenalin. Er läuft und läuft, beim Training durch lauschige Wälder, beim Marathon in Wien, oder im Gebirge beim Bergmarathon. Glücklich sieht er aber selbst beim Laufen und beim Siegen nicht aus. Eine persönliche Entwicklug im klassischen Sinn macht er auch nicht durch. Ein kurzer Gewaltausbruch, der alles ändert, kommt völlig überraschend. Auch für das Opfer. Aber danach wird die Fahndung gestartet. Johann Rettenberger wird endgültig zum Gejagten. Vielleicht ist er dabei sogar am glücklichsten. Ein permanenter Adrenalinkick. Aber auf Dauer kann das natürlich nicht gutgehen. In jedem Rennen kommt irgendwann der Zielstrich. Oder der Besenwagen, der die Gescheiterten einsammelt.
"Der Räuber" ist kein Krimi im klassischen Sinn. Es ist fast eher eine Doku. Auch der Regisseur Benjamin Heisenberg vergleicht den Räuber mit einem Wolf. Dazu passt die gigantische Treibjagd der österreichischen Polizei, die Rettenberger durch die Wälder des Landes hetzt. Aber es werden nur einzelne Fakten aus der Bigraphie übernommen, seine Rennsiege, seine Serienüberfälle, seine Flucht beim Polizeiverhör. Aber die Geschichte wird in die Gegenwart verpflanzt, die Optik der 80er hätte sicher das Budget gesprengt. Die Realität war allerdings auch erheblich brutaler. Der echte Pumpgun-Ronnie hatte vier Menschen erschossen, bevor er sich auf der Flucht selbst tötete.
Vielleicht war das den Machern zu hart - und hätte verhindert, dass die Zuschauer überhaupt versuchen, seine Motive zu verstehen. Das ist aber auch im entschärften Film so gut wie unmöglich denn Heisenberg liefert kaum Erklärungen. Er zeigt nur, das aber mit symbolstarken Bildern, den unvermeidlich fatalen Weg eines Soziopathen, der in seiner Entwicklung eingefroren ist und dem andere Menschen egal sind, und für den man auch kaum Mitleid oder gar Sympathie empfinden kann. Geredet wird nicht viel, und wenn, dann meist über Alltägliches und außerdem derart nuschelig auf östereichisch, dass man die Untertitel zuschalten sollte.
Ähnlich spröde wie der Film sind die Extras. Das Making-of ist nur eine unkommentierte B-Roll. Genau wie im Film wird hier nichts erläutert. Das tun dafür ein paar informative Interviews. Höchst nervig ist dagegen der sogenannte "Klappenfilm", in dem offenbar sämtliche Aufnahmen der Filmklappe von den Dreharbeiten in einer Collage zusammengeschnippelt wurden. Eine extrem nervige Angelegenheit, für die sich offenbar ein Praktikant am Schnittcomputer austoben durfte. Schön dagegen, dass einige Filmssongs als Mp3s auf der DVD abgelegt wurden.
Der Vergleich mit "Lola rennt" drängt sich auf, liegt aber völlig daneben. "Der Räuber"ist nichts für den Massengeschmack, auch wenn einige Überfälle und Verfolgungsjagden Spannung aufkommen lassen. Benjamin Heisenberg erklärt die Motive seines Räubers nicht.und will offenbar unbedingt den Eindruck vermeiden zu wollen, dass sein Film als unterhaltender Thriller mißverstanden werden könnte. Stattdessen ist "Der Räuber" auch für den Zuschauer ein anstrengender Dauerlauf. Man muß versuchen sich nicht ablenken zu lassen, und trotz Ermüdung versuchen bis zum Zielstrich durchzuhalten.
