Mademoiselle Chambon Film Trailer
Länge: 101 Min | Kinostart: 12.08.2010
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Schauspieler:Vincent Lindon, Sandrine Kiberlain, Aure Atika, Jean-Marc Thibault, Arthur Le Houerou, Bruno Lochet, Abdellah Moundy, Michelle Goddet, Anne Houdy, Genevieve Mnich, Florence Hautier, Jocelyne Monier, Jean-Francois Malet
Die Story:Jean ist ein herzensguter Mensch: ein guter Handwerker, ein guter Sohn, ein guter Vater und ein guter Ehemann. Sein ruhiger Alltag zwischen Familie und Arbeit gerät völlig durcheinander, als er eines Tages Mademoiselle Chambon, der Lehrerin seines Sohnes, begegnet. Jean, ein eher wortkarger Mensch, tritt in eine ihm vollkommen unbekannte Welt ein. Es werden Gefühle in ihm wach, die er bislang so nicht kannte.
Technikinfos:Bildformat: 2,35:1; Ton: DTS
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Interview mit dem Regisseur Stephane Brizé
Wie kamen Sie auf die Geschichte?
Florence Vignon, meine Koautorin, begeisterte mich vor ungefähr zehn Jahren für das Buch von Éric Holder. Ich las und liebte es, aber zu der Zeit konnte ich es noch nicht verfilmen. Ich hatte noch zuwenig Erfahrungen gesammelt, als Mensch und auch als Filmemacher, um wirklich zu verstehen, was die Hauptfigur durchmacht. Das Leben sorgte dafür, dass ich jetzt soweit war!
Das ist eine sehr einfache Geschichte. Warum brauchten Sie das Buch für Ihr Szenario?
Ein Maurer, verheiratet mit einer Frau, die er liebt, verliebt sich in die Lehrerin seines Sohnes. Das ist wirklich eine einfache Geschichte. Es ist auch nicht die Handlung, die mich fesselte, sondern mehr die Art, in der Éric Holder die Gefühle dieser einfachen Menschen übersetzt. Mit seinen erzählerischen Fertigkeiten spricht er über diese Menschen in einer Leichtigkeit und Emotionalität, die mir zu sagen schien: „Das musst du verfilmen, damit musst du dich auseinandersetzen.“ Mit Florence Vignon machte ich mich ans Adaptieren des Buches. Letztendlich haben wir das Buch aber nicht adaptiert. Ich schickte das fertige Drehbuch an Éric Holder, und er antwortete mit einem sehr schönen Brief: „Es ist weniger eine Adaption als eine Fortsetzung, eine Anreicherung, die Enthüllung des Gefühls, das der Roman vermitteln wollte.“
Wollten Sie nicht mit dem Autoren zusammen arbeiten?
Nein. Für mich war der Roman eine Inspiration. Wie ein Parfüm oder ein Bild, das ein Gefühl hervorruft. Das Buch von Holder war ideal zum „Benutzen“, da es keine komplizierte Handlung hat. Es gibt die inneren Stimmen der Charaktere inmitten einer sehr einfachen Geschichte wieder. Und so habe ich mit Florence Vignon nicht nur die Handlung aus der Sicht von Jean weiter geführt - im Roman ist die Lehrerin viel stärker im Zentrum -, wir haben auch zumindest den dritten Teil neu entwickelt.
Der Film endet also nicht wie das Buch?
Ja, da die Charaktere dieselben Emotionen erfahren wie im Roman, aber auch nein, da dieses Ende völlig anders konstruiert wurde. Ich glaube, man muss manchmal ein Buch „betrügen“, um das literarische Gefühl genauer in eine Kino-Emotion verwandeln zu können. Unsere erzählerischen Mittel sind so unterschiedlich, dass eine wörtliche Umsetzung oft ein Fehler ist. Auf jeden Fall war das bei diesem Roman so. Wir müssen ja nicht verallgemeinern.
Sie äußern oft, dass Ihre Charaktere sehr psychoanalytisch angelegt seien. Ist das immer noch so?
Ja, absolut. Für mich ist es sehr wichtig zu wissen, wie viele Brüder und Schwestern sie haben, an welcher Geschwisterstelle sie stehen, wie ihre Beziehungen zu ihren Eltern sind etc. Auch wenn dies im Film komplett unerwähnt bleibt. Das sind die Orientierungspunkte für Florence und mich, um zu verstehen, wo die Charaktere am Anfang der Geschichte stehen und warum sie sich in die eine oder andere Richtung entwickeln. Alles muss komplett stimmig sein.
Jean erfährt, wie die anderen Hauptcharaktere Ihres Films, ein Bewusstwerden seiner selbst. Hat er sein Leben verpasst?
Jedes Mal, wenn sich eine Geschichte in meinem Kopf entwickelt, baut sie sich um eine Selbsterkenntnis und eine zu treffende Wahl herum auf. Aber MADEMOISELLE CHAMBON unterscheidet sich von meinen vorherigen Filmen: So sehr, wie die Figuren meiner anderen Filme von einer großen Traurigkeit geprägt waren, so wenig ist Jean zu Beginn des Films unglücklich. Jean ist, wie wir alle, das Resultat seiner Erziehung, eines Milieus mit eigenen Regeln und Prinzipien. Er führt ein einfaches Leben, aber das scheint ihn nicht zu belasten. Natürlich spürt er die Last der alltäglichen Routine - wie kann man der entkommen? -, aber er ist nicht zu Tode gelangweilt. Da ist nur sehr viel in ihm selbst, das er gar nicht kennt, und das bringt eine glückliche Begegnung ans Licht, während gleichzeitig alle seine Sicherheiten ins Wanken geraten. Jeans Alltag zu filmen war für mich im Vergleich zu meinen anderen Filmen sehr schwierig, da ich zum ersten Mal glückliche Menschen drehen sollte. Auf jeden Fall Menschen ohne Spannungen oder echte Not. Ich habe keine Angst davor, Konflikte zu filmen, da ich deren Mechanik beherrsche und sie ja etwas Spektakuläres haben. Aber etwas Harmonisches zwischen zwei Menschen zu drehen, ohne die Zuschauer zu langweilen und gefühlsduselig zu werden, das beunruhigte mich. Um das zu schaffen, musste ich einfach damit aufhören, Angst davor zu haben, dass etwas zu gut läuft.
Wieso drehten Sie in CinemaScope?
Wir machten zuerst ein paar Tests mit einem kleineren Format. Aber während dieser Versuche war ich sehr frustriert, ich wollte dauernd die Grenzen des vorgegebenen Bildrahmens erweitern. Ich fühlte mich total eingeengt durch das Format. Schließlich wollte ich CinemaScope ausprobieren. Und als ich die ersten Bilder damit sah, fühlte ich mich wohl, die Charaktere fanden alle ihren natürlichen Platz im Bild. Das gibt dem Film eine Tiefe, der einfachen Geschichte eine „epische“ Dimension.

