Auftrag Rache Film Trailer
FSK Film: 16 | Länge: 117 Min | Kinostart: 11.03.2010 | Release: 21.10.2010 (DVD)
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Schauspieler:Mel Gibson, Danny Huston, Ray Winstone, Caterina Scorsone, Shawn Roberts, Peter Hermann, Denis OHare, Bojana Novakovic, Gbenga Akinnagbe, Jay O. Sanders, Frank Grillo, Wayne Duvall, David Aaron Baker, Tom Kemp, Scott Winters, Kevin DeCoste, Rick Avery
Die Story:Ein malerischer See in der Dämmerung, umgeben von unberührter Natur, nur im Hintergrund sieht man die Lichter einer Fabrik. Drei Leichen treiben an die Oberfläche des Wassers, eine nach der anderen, ganz langsam... Thomas Craven ist ein Veteran der Mordkommission des Boston Police Department. Im Lauf der Jahre hat er sich einen Ruf erarbeitet als unbestechlicher und aufrichtiger Beamter – und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Seit dem Tod seiner Frau lebt der bescheidene Mann zurückgezogen, allein in seinem Haus. Geblieben ist Craven nur noch seine Tochter Emma. Doch sie ist 24 Jahre alt und lebt längst ihr eigenes Leben, weit weg von ihrem Vater, der sie über alles liebt, aber seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hat. Vor seinem geistigen Auge ist sie dennoch immer noch das kleine Mädchen, das er beim Spielen am Strand gefilmt hat. Nun hat Emma ihren Besuch angekündigt. Thomas Craven ist aufgeregt, sie endlich wiederzusehen. Er möchte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, ihr endlich zu zeigen, was sie ihm wirklich bedeutet, wie sehr er sie liebt. Doch schon auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause fällt ihm auf, dass sie verschlossen ist, dass sie innerlich mit etwas ringt. Als sie sich unvermittelt übergeben muss, sind seine Sorgen unübersehbar. Nein, sie sei nicht schwanger, versichert Emma ihm. In Cravens Haus verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand rapide. Noch bevor sie sich ihm anvertrauen kann, bekommt sie heftiges Nasenbluten und muss sich erneut erbrechen. Craven gerät in Panik und will sie sofort ins Krankenhaus bringen. Er stützt sie, als er die Haustür öffnet. Dann geht alles blitzschnell. Von der Straße dringt der Ruf CRAVEN, dann fällt ein Schuss. So gewaltsam wird Emma von der Kugel in der Brust getroffen, dass es sie förmlich von den Beinen reißt. Vor den Augen ihres entsetzten Vaters stirbt die junge Frau, bevor sie noch etwas sagen kann. Thomas Craven steht unter Schock, ist wie paralysiert. Während um ihn herum Kollegen der Bostoner Polizei den Tatort untersuchen und die Leiche seiner Tochter abtransportiert wird, bewegt er sich wie in Zeitlupe durch sein Haus. Er schickt die Kollegen weg, er wäscht sich, hebt ein Handtuch auf, sieht, wie das Blut seiner Tochter von seinen Händen in den Abfluss rinnt. In Emmas Zimmer klingelt ihr Handy, doch als er den Anruf entgegennimmt, bleibt es am anderen Ende der Leitung still. Am nächsten Tag wird er von einem Albtraum geweckt. Doch im Wachzustand ist es nicht besser: Emma ist immer noch tot und wird tot bleiben. Als Craven ins Polizeirevier geht, können seine Kollegen seinen Blick nicht erwidern. Sein Vorgesetzter rät ihm, er solle Urlaub nehmen, Abstand gewinnen. Weil er persönlich in die Angelegenheit involviert sei, könne er nicht mit den Ermittlungen betraut werden. Offenkundig habe die Kugel ihm gegolten, jemand habe eine Rechnung begleichen wollen. Craven lehnt ab: Kein anderer als er kommt für den Fall in Frage. Allein sitzt Craven auf einer Parkbank. Als er aufblickt, hat er eine Erscheinung: Er sieht Emma, wie er sie in Erinnerung behalten hat: als schönes, junges, dynamisches Mädchen. Und er weiß in diesem Moment, dass er den Mörder suchen und finden wird. Koste es, was es wolle. Am Meer verstreut er ihre Asche, an dem Ort, den sie immer am meisten gemocht hat. Dann macht er sich an die Arbeit. Er muss sich eingestehen, dass er nicht viel über sie und ihre Arbeit als Ingenieurin in der Nuklearindustrie weiß. In der Hoffnung, Hinweise zu finden, durchsucht Craven ihre Tasche und findet eine geladene Pistole. Sie ist auf einen David Burnham zugelassen, der offenbar ihr Freund war. Während die Polizei weiterhin auf ihre Weise nach dem Mörder fahndet und in der Nähe des Tatorts immerhin eine Skimaske mit Haaren gefunden hat, die nun analysiert werden soll, sucht Craven die Wohnung von Burnham auf. Sofort wird er von dem jungen Mann mit 7 einem Messer angegriffen. Erst nach längerer Rangelei kann Craven die Oberhand gewinnen. Burnham wirkt auf ihn wie ein gehetztes Tier: Er lebt in ständiger Todesangst und hat seine Wohnung seit Tagen nicht mehr verlassen. Permanent wird er beobachtet. Deshalb will er Craven auch nichts erzählen – außer dass seine Tochter ein Leben geführt habe, von dem der Vater nichts weiß. Und Burnham gibt ihm die Schlüssel zu Emmas Wohnung und Sachen von ihr, die sie bei ihrem Freund gebunkert hatte. In Emmas Wohnung ist offenkundig eingebrochen, ihr Computer entwendet worden. Als Craven einen Geigerzähler einschaltet, den er findet, schlägt das Gerät bei der Kleidung Emmas an. Darius Jedburgh ist eine imposante Erscheinung, ein großer Kerl, der sich so souverän und geschmeidig bewegt, dass er gar nicht auffällt. Wenn er spricht, redet er leise, aber so bestimmt, dass nie der Hauch eines Zweifels besteht, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Jedburgh tritt auf den Plan, wenn aufgeräumt werden muss. Wer genau sein Auftraggeber ist, weiß man nicht. Wem seine Allianzen gehören, ebenso nicht. Nun soll er wieder aufräumen: Der Fall Craven bereitet Herrschaften in exponierter Stellung längst Kopfzerbrechen. Jedburgh soll dafür sorgen, dass sie nicht größer werden. Thomas Craven weiß von all dem nichts. Er wird bei Northmoor vorstellig – die Firma, bei der Emma gearbeitet hat. Der Vorstandsvorsitzende Jack Bennett heißt Craven willkommen und spricht ihm sein Beileid aus. Emma sei eine geschätzte Mitarbeiterin gewesen. Auf Cravens bohrende Fragen, was sie bei Northmoor gemacht habe, weicht Bennett aus. Das sei streng geheim, ebenso wie überhaupt die Funktion und Tätigkeiten der Firma, die als Forschungseinrichtung im Bereich Nuklearenergie eng mit der Regierung zusammenarbeitet. Craven spürt, dass er in ein Wespennest gestochen hat und auf der richtigen Fährte ist, auch wenn die Polizei glaubt, den Mörder von Emma gefunden zu haben – ebenfalls tot. Die DNS stimmt mit den Haaren überein, die man an der Skimaske gefunden hat. Craven hat seine Zweifel. Als er abends in seinem Garten die radioaktiv verseuchten Kleider Emmas verbrennt, steht unvermittelt Jedburgh neben ihm. Es ist gespenstisch, wie ungezwungen die beiden Männer in dieser kuriosen Situation ins Gespräch kommen. Im Plauderton macht Jedburgh sein Gegenüber auf die ungeahnten Dimensionen des Todes seiner Tochter aufmerksam, die in Sicherheitskreisen als potenzielle terroristische Gefahr gehandelt wurde. Er zeigt Craven Fotos der drei Leichen, die ertrunken in einem See in der Nähe von Northmoor aufgetaucht sind. Sie sind der Schlüssel zu dem ganzen Fall. Was ist Northmoor, fragt Jedburgh provozierend. Und weist damit Craven den Weg, wohl wissend, dass dieser Mann, wenn losgelassen, nicht mehr aufzuhalten sein wird. Bei Burnham erhält der Polizist weitere wichtige Hinweise. Die drei Leichen waren Mitglieder der Aktivistengruppe Nightflower, die es sich zur Aufgabe macht, die Machenschaften verbrecherischer Konzerne aufzudecken. Emma war es, die sie bei Northmoor eingeschmuggelt hatte – und sich damit in Lebensgefahr brachte. Craven weiß, was er zu tun hat. Er heftet sich an die Fersen von Northmoor-Chef Bennett. Nachdem er dessen Leibgarde abgeschüttelt hat, konfrontiert er den mächtigen Mann auf offener Straße und droht ihm. Damit löst Craven eine Kette von Ereignissen aus, die er nicht mehr kontrollieren kann. Als potenzielle Zeugen vor seinen Augen getötet werden, setzt er alles daran, Bennett und seine Hintermänner hochgehen zu lassen, und nutzt damit alle Mittel, die ihm als Polizeibeamter zur Verfügung stellen. Er kann nicht wissen, dass auch er bereits im Fadenkreuz der Killer ist. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Jedburgh, von dem nicht ganz klar ist, auf wessen Seite er steht und welche Absichten er verfolgt.
Hintergrund:Mel Gibson ist wieder da! Nach achtjähriger Pause spielt der Superstar wieder eine Hauptrolle, in einem hochgradig spannungsgeladenen Action-Thriller um Intrigen und Macht, Korruption und Vergeltung. Gibson brilliert als Polizist, der den mysteriösen Mord an seiner Tochter aufklären will. Angetrieben von der Verzweiflung eines Vaters, begibt er sich auf einen gefährlichen Rachefeldzug und muss erkennen, dass es Geheimnisse gibt, die einen Menschen an seine Grenzen bringen können. Nach dem Erfolg von James Bond 007 – Casino Royale hat Regisseur Martin Campbell erneut einen harten Krimi geschaffen. In der Leinwandadaption der britischen BBC-Miniserie aus den Achtzigerjahren, die damals ebenfalls von Campbell inszeniert worden war, schickt er Mel Gibson auf eine brisante Mission – ein mitreißender Part für den Oscar-Gewinner.
Technikinfos:Bildformat: 2.35:1; Ton: Dolby Digital
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Eure Meinung zu "Auftrag Rache"
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Eure Kommentare zu "Auftrag Rache":
Schlafanzug Klasse Film alter Schule,einfach grandios!!Die beiden Mimen machen einfach Spass,sowas ist doch leider sehr selten geworden...
oiram Klasse Film und schön spannend!!War nur etwas erstaunt wie alt uns Mel geworden ist...
Chrissi Guter Film, kann ich nur empfehlen!
Radul Sieht interessant aus. Weiß nicht warum aber es erinnert mich ein wenig an Payback.

♥: Mel hats noch drauf, sowohl die Action, als auch die dramatischen Momente.
−: Altbekannte Story, routinierte Inszenierung, schablonenhafte Schurken.
Mel Gibsons Karriere ist derzeit auf einem neuen Tiefpunkt. Nach einem öffentlichen Proteststurm wurde er von den Machern von "Hangover 2" unsanft gefeuert. Grund ist seine öffentliche Schlammschlacht mit Oksana Grigorieva, seiner Ex-Freundin, mit der er sich ums Sorgerecht für die gemeinsame Tochter streitet, und die ihm Mißhandlungen vorwirft. Paradoxerweise haben sie beide gemeinsam noch einen Song zum Soundtrack von "Auftrag Rache beigesteuert".Bleibt zu hoffen, dass Mel Gibson seine privaten Probleme bald geregelt kriegt. Immerhin hat er mittlerweile zwei weitere ebenfalls eher kleinere Filme, unter anderem mit Jodie Foster gedreht. Es ist also nicht so, dass er keine Arbeit mehr findet. Dabei könnte er sich mit seinem auf 600 Millionen Dollar geschätzten Vermögen jedes Filmprojekt selbst finanzieren. Scheint also, das Geld ihm nicht alles bedeutet. Das ist doch schonmal was.
Vor seinen Augen wird die Tochter von Detective Thomas Craven (Mel Gibson) erschossen. Die Kollegen ermitteln zunächst im Umfeld des altgedienten Cops. Mit Sicherheit hat er sich doch im Laufe seiner Karriere Feinde gemacht. Craven verfolgt aber noch eine andere Spur. Kurz vor ihrem Tod wollte seine Tochter ihm etwas Wichtiges erzählen. Hat das vielleicht mit ihrem Job bei einem großen Atomkonzern zu tun ? Und dann ist da auch noch ihr neuer Freund. Warum hat sie den ihrem Vater nicht vorgestellt ? Jede Menge Anhaltspunkte für den traumatisierten Vater. Dabei darf Craven als Betroffener bei den Ermittlungen gar nicht dabei sein. Aber wer sollte ihn aufhalten ?
2002 hat Mel Gibson seine letzte Hauptrolle gespielt, damals in "Signs- Zeichen". Danach kam der unerwartete Karrierehöhenflug mit "Die Passion Christi" und der komplette Absturz mit Alkoholproblemen und antisemitischen Sprüchen. "Auftrag Rache" ist also sowas wie ein Comeback, ein solider Thriller. Allerdings ist es kein großer Wurf geworden. Mel Gibson ist gut, auch als gealterter Held, der deutsche Titel ist jedoch übertrieben. Gibson ist hier trotz einiger Bibelzitate erst zum Schluß hin als sprichwörtlicher Racheengel unterwegs. Der Originaltitel "Edge of darkness" trifft es etwas besser, aber so richtig düster ist der Film auch nicht. Allein durch sein Spiel vermittelt Gibson, dass seine Rolle die eines gebrochenen Mannes ist. In solchen Momenten halluziniert er dann rührende Erinnerungen an seine tote Tochter herbei.
"Auftrag Rache" basiert auf einer BBC-Miniserie aus den 80ern. Der Plot um politische Intrigen und Plutonium wirkt jedoch heute etwas antiquiert. Damals war der Atomschmuggel in den Nahen Osten vielleicht noch spektakulär, im Remake kommt jedoch nie das Gefühl auf, die Bedrohung wäre real, der Plot ist nur Mittel zum Zweck und Mel Gibson Unruhe unter glatten Managern stiften zu lassen. Was hier los ist, ahnt man schon nach wenigen Minuten. Spannung kommt so kaum auf. Den außer Kontrolle geratenen Privatkonzern mit mächtigen Freunden im Pentagon, die alles vertuschen wollen - das hat man schon dutzendfach in Thrillern und Agentenserien gesehen. In der Miniserie konnten die Protagonisten noch ausführlich vorgestellt werden, hier bleiben sie auf Grund der kurzen Spieldauer eindimensionale Schurken. Die mit Literaturzitaten gespickten Unterhaltungen zwischen Craven und dem zwielichtigen Agenten Jedburgh (Ray Winstone), der Cravens Suche unterstützt wirken etwas aufgesetzt als Versuch, dem Plot Tiefgang zu verpassen. Dazu passt auch die zwar hochwertige aber doch ziemlich routinierte Optik des Films. Dass hier der "Casino-Royale"-Regisseur Martin Campbell am Werk war, erkennt man leider nicht. Im Making of betonen die Macher, wie sehr sie die Politthriller der 70er bewundern. Genau wie damals sollen auch hier nicht die Knalleffekte im Vordergrund stehen. Immerhin gibt es sie, sie wurden allerdings teilweise erst nachträglich eingefügt, weil die erste Fassung dem Studio nicht gefiel. Über die Jahre gab es zahlreiche Drehbuchentwürfe, an denen ständig herumgeschraubt wurde. Vielleicht war das der Grund , dass Mel Gibson in letzter Minute an Bord kam, nachdem Robert DeNiro wegen "kreativer Differenzen" das Handtuch warf. Vielleicht war Campbell als Regisseur des Originals auch zu dicht am Stoff, um das Material nüchtern auf Spielfilmlänge einzudampfen. Was bleibt ist ein düsteres Thrillerdrama um einen traumatisierten Vater. Dessen im Titel versprochener Rachefeldzug gestaltet sich aber schwierig. Denn alle am Mordkomplott auch nur entfernt Beteiligten sind geübt im Lügen, Vertuschen und Verantwortung abwälzen, sei es aus Profitgier oder für die vermeintliche Nationale Sicherheit. Ein immer noch aktuelles Thema, das eine besseren Plot verdient hätte.
Als Extras gibts eine Menge Featurettes über Motive, Locations, Musik und andere Aspekte des Dreh, die aber mit maximal 4 Minuten alle nicht sonderlich lang sind.
"Auftrag Rache" ist weder "Lethal Weapon 5" noch eine Neufassung von "Payback-Zahltag". Es ist ein solides Thrillerdrama und angesichts der Schwierigkeiten durchaus passabel geraten, wie die Macher sagen "a thinking mans thriller", mit einigen deftigen Actioneinlagen, ein paar knackigen Sprüchen, für einen gepflegten Heimkinoabend bestens geeignet.
WEITERE INFOS ZUM FILM:
Im Mittelpunkt des Thrillers AUFTRAG RACHE steht Thomas Craven, ein
Mann, der von seiner Trauer angetrieben wird nach der Wahrheit zu
fahnden, nachdem sein einziges Kind, Emma, vor seinen Augen
niedergeschossen wird - getroffen von einer Kugel, die für ihn bestimmt
gewesen sein soll, wie die Polizei vermutet. Durch den gewaltsamen Tod
seiner Tochter jeglicher Illusion beraubt, macht sich der mit allen
Wassern gewaschene Beamte der Bostoner Polizei auf die Suche nach
Antworten für das Unerklärliche. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Und
er wird sich von Nichts und Niemandem aufhalten lassen - koste es, was
es wolle...
Mel Gibson, der nach einigen erfolgreichen Filmen
als Regisseur nach längerer Schauspielpause wieder vor die Kameras
tritt, übernahm die Rolle des Thomas Craven - seine erste Hauptrolle
seit acht Jahren! „Die Geschichte hat mich fasziniert", sagt Gibson.
„Für mich ist das die Hauptsache: Wenn ich sie für spannend halte und
glaube, dass sich das Publikum von ihr unterhalten lässt, bin ich mit an
Bord."
„Mel war unsere erste und einzige Wahl für Craven. Für
diese Rolle braucht man einfach einen Darsteller seines Kalibers. Es
gibt nicht allzu viele Schauspieler, die diese Entschlossenheit so
überzeugend ausstrahlen wie er", erklärt Regisseur Martin Campbell. Und
Produzent Graham King führt an: „Wir wollten Mel unbedingt haben, und
wir hatten das unglaubliche Glück, ihn wieder vor die Kamera locken zu
können - in einer Rolle, die absolut perfekt für ihn war." „Mich packte,
dass einen die Geschichte einfach nicht mehr loslässt", meint Gibson.
Der Schauspieler traf sich mit King und Campbell und fand, dass sie
„zwei clevere Jungs sind, die eine klare und kluge Vorstellung von dem
Film hatten. Ich wusste, dass es viel Spaß machen würde, mit ihnen
zusammen zu arbeiten."
Festzuhalten ist zudem die ungewöhnliche
Tatsache, dass Martin Campbell AUFTRAG RACHE nunmehr nicht einmal,
sondern zweimal inszeniert hat. Vor der Spielfilmfassung war er bereits
vor mehr als 20 Jahren der Regisseur der preisgekürten britischen
BBCFernsehminiserie „Edge of Darkness", die dem Film als Vorbild diente.
Aufgrund des Erfolgs der Serie hatte BBC mit der Entwicklung einer
Filmfassung der Geschichte begonnen. Campbell war es, der Graham King
auf den Stoff aufmerksam machte. Gemeinsam mit Tim Headington übernahm
er die Produktion des Films mit seiner GK Films. „Jemand schlug vor
ungefähr fünf Jahren vor, dass es doch eine spannende Idee sei, daraus
einen Film zu machen", erinnert sich der Regisseur. „Ich war sofort
Feuer und Flamme. Ich fand die Geschichte immer schon absolut
überzeugend: Ein Vater verliert seine Tochter und begibt sich auf eine
Reise, in deren Verlauf er nicht nur herausfinden will, wer hinter ihrem
Tod steht und warum, sondern auch, wer sie wirklich war. Er hat seine
Tochter immer geliebt und hat geglaubt, er verstünde sie, aber jetzt
findet er heraus, dass sie einen Lebensweg eingeschlagen hatte, von dem
er nichts wusste." „Ich fühlte mich emotional von der
Vater-Tochter-Geschichte angesprochen", überlegt der Oscar®-prämierte
Drehbuchautor William Monahan. „Ich habe selbst eine kleine Tochter. Es
fiel mir also nicht schwer, mich in die Hauptfigur zu versetzen und mich
zu fragen, wie ich an ihrer Stelle handeln würde."
1985 erwies
sich die sechsteilige Miniserie als regelrechter Straßenfeger: Ein
ganzes Land, das gerade gewaltige innen- und außenpolitische Spannungen
überstehen musste, verfolgte die Ereignisse wie gebannt. Damals war der
Kalte Krieg noch in vollem Gange, die nukleare Bedrohung durch die
Sowjetunion war regelrecht greifbar. Der internationale Terrorismus nahm
Form an und manifestierte sich in Gestalt von Militärführern wie dem
Libyer Muammar Gaddafi. In der Öffentlichkeit war die Angst vor einer
Eskalation des nuklearen Aufrüstens so groß wie seit der Kubakrise nicht
mehr. Und es herrschte Unmut über die Geheimniskrämerei, mit der sich
die Atomindustrie umgab.
In dieser Atmosphäre traf „Edge of
Darkness" einen Nerv und hatte seine Finger präzise am Puls der Zeit:
Die Ängste und Sorgen der Menschen wurden in einer Weise in der Handlung
widergespiegelt, dass die Miniserie sowohl das Publikum als auch die
Kritik begeisterte. Wenig später folgten die Auszeichnungen: Bei den
British Academy of Film & Television Awards (BAFTA) holte sich „Edge
of Darkness" sechs Preise, darunter als Beste dramatische Serie. Auf
der Top-100-Fernsehliste des British Film Institute wird die Miniserie
auf Platz 15 geführt. Allgemein sieht man sie als eines der besten und
einflussreichsten britischen Fernsehprogramme aller Zeiten an. Gibson
weiß noch: „Es war eine Mystery-Story, ein Krimi, ein Politthriller. Und
es spielte in einer Zeit im UK, als politische Unruhen das Königreich
erschütterten. Die Serie spiegelte ihre Zeit sehr gut wider."
„Die
Serie in den Achtzigerjahren hing unmittelbar zusammen mit der
Atompolitik der Regierung", erläutert Campbell. „Plutonium und die
Herstellung von Plutonium sowie die Institutionen, die sie überwachten,
standen im Interesse der Öffentlichkeit. Das war ein heißes Eisen. Und
,Edge of Darkness' war eine Serie, die diese wichtigen Themen sehr ernst
nahm. Doch im Grunde ist es vor allem eine Geschichte über einen Vater,
der seine Tochter verliert und keine Ruhe findet, bis er herausfindet,
warum sie ermordet wurde." Für den neuen Spielfilm war es wichtig, den
politischen Hintergrund auf den heutigen Stand der Dinge zu bringen,
gleichzeitig aber auch dafür zu sorgen, dass das Herz der Geschichte
unberührt bliebe. Der preisgekrönte australische Autor Andrew Bovell gab
die Initialzündung, aus der sechsstündigen Serie, damals von Troy
Kennedy Martin geschrieben, einen zweistündigen Kinofilm zu machen.
„Ich
war ein großer Fan der Miniserie, als sie damals im Fernsehen lief",
sagt Bovell. „Troy Kennedy war seiner Zeit wirklich voraus. Seine
Warnung vor einer gefährlichen Verstrickung von großen Konzernen und
geheimen Regierungsoperationen ist heute noch ebenso relevant wie damals
1985. Martin Campbells Einladung, an einer Adaption zu arbeiten, war
eines der aufregendsten Angebote, das man mir jemals unterbreitet hat."
„Boston wurde von Andrew als Ort der Handlung ins Spiel gebracht",
berichtet Martin Campbell. „Es ist eine Stadt mit ausgesprochen
englischen und irischen Wurzeln. Der Held des Originals stammte aus dem
Norden von England, aus der Nähe von Leeds. Uns erschien es als perfekte
Evolution, unseren Craven zu einem Iren aus Boston zu machen."
Vermutlich gibt es gegenwärtig keinen anderen Drehbuchautor, der in
seinen Büchern erfolgreicher und eindringlicher mit Boston und seinen
Einwohnern geschrieben hat als William Monahan. Er wurde von Produzent
Graham King an Bord gebracht. 2006 hatten sie gemeinsam Oscars® für
ihren DEPARTED - UNTER FEINDEN („The Departed") gewonnen.
King
wollte, dass der gebürtige Bostoner dem Drehbuch von AUFTRAG RACHE mit
seinem unverkennbaren Stil den nötigen Schliff verpasste. „Bill hat die
Essenz des für Boston typischen Pfiffs drauf. Einerseits schreibt er mit
Ecken und Kanten, gleichzeitig beherrscht er die höchste Form des
legendären Geschichtenerzählens", meint Mel Gibson. „Bill hat ein
untrügliches Ohr für Dialoge. Die schreibt er wie kein anderer. Und er
hat ein bemerkenswertes Gespür für Figuren", merkt Campbell an. „Er
wählte einen neuen Blickwinkel für sein Drehbuch. Das ist auch der
größte Unterschied zwischen der Serie und dem Film."
„Ich bin
ein bisschen misstrauisch, dass man mich als Boston-Spezialist handelt",
meint Monahan. Er hat nämlich in Los Angeles, New York und London
länger gewohnt als in seiner Heimatstadt. Dennoch merkte er sofort, auf
einer Wellenlänge mit dem Stoff zu liegen. „Craven ist einer dieser
Roslington-Typen. Er ist ein gut organisierter Mann mit
durchschnittlichen Gewohnheiten. Er erlaubt sich selbst keinen großen
Luxus. Er arrangiert sich mit seinem Leben, seinem Haus, seiner
Einsamkeit. Er ist ein Witwer mit einer Tochter, die ihm unendlich viel
bedeutet. Als er sie verliert, verliert er alles."
JEDBURGH
Mr. Craven, wir müssen über ein paar Sachen reden.
CRAVEN
Wie Sie heißen und was Sie hier machen, zum Beispiel.
JEDBURGH
Wer Ihre Tochter erschossen hat, zum Beispiel.
Im
Mittelpunkt von AUFTRAG RACHE steht mit Thomas Craven eine höchst
komplexe Figur. Er ist ein erfahrener Beamter der Mordkommission des
Boston Police Department und alleinerziehender Vater, der immer sicher
war, seine Tochter wirklich zu kennen, nun aber entdeckt, dass er von
vielen Aspekten ihres Lebens keine Ahnung hatte. Weil die Geschichte von
der Reise und der Erlösung dieser Figur abhängt, musste die Besetzung
perfekt sein. „Ich denke, Mel fühlte sich von der Rolle eines trauernden
Vaters, der den Verlust nur dadurch kompensieren kann, dass er die
Mörder seiner Tochter findet und zur Strecke bringt, direkt
angesprochen", meint Martin Campbell. Thomas Craven ist ein Mann, der
unsagbare Schmerzen durchleidet, ein Vater, der mit dem Tod seiner
Tochter nur fertig werden kann, indem er das eine macht, was er sein
ganzes Leben über gemacht hat: Er muss das Verbrechen aufklären. Er ist
ein Cop, er kennt das System, und er war immer ein rechtschaffener Mann.
Er hat immer nach den Regeln gespielt. Aber nun stellt er zum ersten
Mal in seinem Leben fest, dass es keine Gerechtigkeit geben wird, wenn
er sich an die Regeln hält. Er muss die Dinge in die eigenen Hände
nehmen.
„Craven ist ein stinknormaler Kerl", stellt Gibson fest.
„Er ist ein Typ, der sich so durchschlägt, jeden Tag aufs Neue. Er war
vielleicht nicht der beste Vater aller Zeiten, aber er hat sich immer um
seine Tochter gekümmert. Die Reise, auf die er sich begibt, erweist
sich als Zermürbungskrieg. Was passiert, setzt ihm immer mehr zu, nagt
an seinem Selbstverständnis. Der Stress, die traumatische Erfahrung, ein
Kind auf diese Weise zu verlieren, lässt ihn die Kontrolle über sich
verlieren. Die meiste Zeit befindet er sich am Rande des Zusammenbruchs.
Er steht kurz davor, direkt am Abgrund, aber er darf sich nicht
überwältigen lassen, weil er erst noch einen Job zu erledigen hat." „Mel
hat herausragend gespielt, hat eine anstrengende Rolle großartig
gemeistert, die ihn beinahe jeden Tag vor der Kamera stehen ließ",
berichtet Martin Campbell bewundernd. „Er hatte nicht einen freien Tag -
seine Figur ist im Grunde in fast jeder Szene zu sehen. Er hat sehr
hart gearbeitet, und das hat sich ausgezahlt." Graham King gefiel, wie
Gibson an die komplexe Rolle heranging. „Ein Cop macht sich zwangsweise
viele Feinde, also geht man davon aus, dass der tödliche Schuss
eigentlich ihm gegolten hat und seine Tochter nur zufällig im Weg
stand", erklärt Graham King. „Dazu kommt noch, dass man sich nur
vorstellen kann, wie man sich wohl in Cravens Situation verhalten würde,
wie man mit all der Schuld und der Emotion umgeht, wenn man auf einmal
feststellt, dass man keine Familie mehr besitzt. Er ist fertig mit sich
und der Welt, am Ende. Er will herausfinden, wer hinter der Sache steckt
und sie dann hinter sich lassen, aber andere stellen sich ihm in den
Weg."
Als größte Herausforderung bei der Darstellung des Thomas
Craven empfand Mel Gibson „die Stille. Stille war mir immer
ausgesprochen fremd, und er ist ein sehr stiller Mensch. Ich musste mich
arg am Riemen reißen, durfte keine Grimassen schneiden oder mich zu
stark bewegen, denn er ist ein ungemein introvertierter Mensch." Craven
muss obendrein acht geben, wohin er tritt, speziell als mit Darius
Jedburgh ein imposanter Typ unvermittelt ohne Ankündigung bei ihm im
Garten auftaucht. Der englische Schauspieler Ray Winstone spielt den
einzigen Briten in einer ansonsten komplett amerikanischen Besetzung. In
der originalen Miniserie war Jedburgh dagegen der einzige Amerikaner
unter Briten.
Martin Campbell hat mit dem Schauspieler bereits
zu Beginn ihrer Karrieren vor etwa 30 Jahren gearbeitet. Er sagt: „Ray
lässt die Figur des Darius Jedburgh auf einer sehr mächtige, greifbare
Weise bedrohlich wirken, obwohl er bis zum Schluss des Films ein
ungelöstes Rätsel bleibt." „Das sind die Rollen, die ich spielen will.
Ich halte Jedburgh für einen sehr klugen Mann, der auch ein durch und
durch kaltblütiger Killer sein kann", gesteht Winstone. „Er weiß, wie
man Menschen manipuliert, wie man mit ihnen umspringt. Ich hatte das
Gefühl, er müsste auch eine gewisse Faszination auf Mels Figur ausüben.
Wie könnte er sich sonst einfach neben diesen von Gram und Trauer
gebeutelten Mann stellen und einen Plausch mit ihm beginnen?"
Jedburgh
arbeitet für einen nicht weiter gekannten Auftraggeber, seine Agenda
ist unklar. Er sucht den Kontakt zu Craven, um herauszufinden, in was
für Angelegenheiten seine Tochter verwickelt war, über welche
Informationen sie wohl verfügt haben mag. Man könnte ihn als Ausputzer
bezeichnen. Seine Auftraggeber haben ihm die Erlaubnis erteilt, dass er
alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen kann, wenn er
glaubt, damit seine Mission erfüllen zu können. Er ist, wenn man so
will, Richter, Geschworener und - wenn nötig - auch Vollstrecker in
Personalunion.
„Jedburgh ist ein mächtiger Mann, der
unverkennbar seit Jahren für die Regierung arbeitet", berichtet
Campbell. „Man weiß allerdings nicht, bei welcher Behörde er in Lohn und
Brot steht, oder ob er wirklich für eine Behörde arbeitet, oder warum
man ihn mit all seinen Befugnissen ausgestattet hat. Er wird
mobilisiert, wenn es gilt, die Schwere heikler Situationen zu bemessen
und den Dreck aufzuräumen - in diesem Fall geht es um eine drohende
Katastrophe für die Firma Northmoor, über die Beweise an die
Öffentlichkeit gelangen sollten, was sich dort wirklich hinter
verschlossenen Türen abspielt." Northmoor, zur Zeit ihrer Ermordung der
Arbeitgeber von Emma Craven, ist ein streng geheime, privat finanzierte
Forschungsanlage mit Verbindungen zur Regierung, die die Firma großzügig
gewähren lässt und gerne in die andere Richtung blickt. Northmoor wird
von einem Mann namens Jack Bennett geleitet. „Bennett ist der ultimative
Bösewicht für unsere Zeit", meint Produzent Graham King. „Er ist ein
charismatischer Geschäftsmann mit gelacktem Auftreten, ein wirklich
schmieriger Anzugträger mit viel Macht."
Danny Huston spielt den
durch und durch korrupten Bennett. „Ich spiele mit Vorliebe Figuren,
die böse und verdorben sind, aber doch stets eine Rechtfertigung für
ihre Handlungen finden", sagt der Schauspieler. „Ich glaube nicht, dass
Bennett politisch motiviert ist, er versteht es nur einfach, diese Welt
für seinen Vorteil zu nutzen. Er ist ganz pragmatisch und nimmt auch den
Tod anderer Menschen in Kauf, denn es gibt einen Grund dafür: Sie haben
sich eingemischt und könnten großen Schaden zufügen. Er hat den
Eindruck, dass er niemandem Rechnung ablegen muss. Für ihn geht es nicht
um Politik. Ihm geht es nur ums Geld." „Danny ist ein großartiger
Schauspieler", sagt Campbell. „Es gibt nicht viele, die so sind wie er.
Ich wollte ihn für die Rolle, weil er zunächst nicht wie ein
offensichtlicher Bösewicht wirkt. Wenn er etwas sagt, dann steckt immer
ein Hauch Belustigung dahinter, was ihn letztendlich nur noch
bedrohlicher macht."
Eine Figur, die allen Grund besitzt, Angst
vor Bennett zu haben, ist Emmas Freund und Kollege bei Northmoor, Daniel
Burnham. Er hält einen entscheidenden Schlüssel für Thomas Craven, um
hinter die Geheimnisse aus der Vergangenheit seiner Tochter zu kommen.
Ihr erstes Treffen ist höchst explosiv und erweist sich als entscheidend
für den Verlauf des ganzen Films. Für die Rolle besetzte man Shawn
Roberts. „Das Drehbuch hat mich nicht mehr losgelassen", erklärt
Roberts. „Man spürt, dass es zu jeder Zeit möglich wäre, dass an der Tür
geklopft und jemand ermordet wird. Diese Spannung hält die Handlung in
Bewegung und motiviert die handelnden Figuren. Wenn man Burnham zum
ersten Mal sieht, hat er sich bereits seit einigen Tagen in seiner
Wohnung verkrochen und wartet förmlich auf dieses Klopfen an der Tür...
und einen Gewehrlauf auf der anderen Seite."
Burnham ist
vielleicht die einzige Figur im ganzen Film, die Cravens Schmerz und
Verlust wirklich verstehen kann, weil er Emma ebenfalls geliebt hat. Die
in Serbien geborene Schauspielerin Bojana Novakovic spielt die Tochter
von Thomas Craven, deren Ermordung die gesamte Handlung in Bewegung
setzt.
„Ich fand die Mischung spannend, eine emotional bewegende
Geschichte, die nur deshalb erzählt werden kann, weil diese junge Frau
eine Entscheidung getroffen und etwas gemacht hat", sagt Novakovic. „Sie
hat instinktiv gehandelt, im festen Glauben an eine gute und moralische
Einschätzung. Sie hat es mit einer Gruppe von Menschen aufgenommen, die
viel größer und einflussreicher als sie ist, mit viel mehr Geld und
Macht im Rücken." „Emma liebt ihren Vater, nimmt ihn aber auch ins
Gebet. Sie bietet ihm die Stirn und behauptet sich gegen ihn, wenn es
sein muss - auch wenn sie ihm bis jetzt keinen Hinweis auf diese andere
Seite in ihrem Leben gegeben hat", merkt Martin Campbell an.
Zu
Beginn des Films kehrt Emma nach Hause zurück, um ihren Vater zu
besuchen. Man spürt sofort, dass es keine gewöhnliche Stippvisite ist.
Die Schauspielerin meint: „Emma braucht ihren Vater, der ihr einen ganz
persönlichen Ratschlag geben soll, aber auch weil er ein Polizist und
ungemein erfahren ist. Vor allem glaube ich, dass diese Tochter ganz
einfach ihren Papa braucht."
Das Schicksal will es, dass Thomas
Craven seine Tochter verliert, bevor sie eine Gelegenheit bekommt, ihm
zu erzählen, was vorgefallen ist. Dennoch sieht er sie auch nach ihrem
Tod weiterhin, sowohl als Kind wie auch als Erwachsene - wenngleich nur
in seiner Fantasie. „Er braucht sie an seiner Seite, um das durchziehen
zu können, was er ihrer Ansicht nach tun muss", erzählt Novakovic. „Er
muss einfach mit ihr reden können, weil ihm sonst nichts geblieben ist.
Sie erscheint ihm, wie er sie in Erinnerung hat, und hilft ihm auf
dieses Weise. Er kann sie nur auf eine Weise retten: indem er weiter zu
ihr spricht, die Beziehung am Leben erhält, wie er sie in Erinnerung
hat, oder einfach neu erschafft, so gut, wie er es kann."
Mel
Gibson sagt: „Emma würde freilich nichts sagen, was Craven sich nicht
selbst hätte ausdenken können, aber er gewinnt trotzdem den Eindruck,
sie im Tod etwas besser kennenzulernen, als es ihm zu ihren Lebzeiten
vergönnt war." Novakovic lernte Gibson während der Vorbereitungszeit bei
den Proben vor dem Drehstart kennen. Sofort war für jeden ihre Chemie
spürbar, was wesentlich dazu beitrug, dass ihre Vater-Tochter-Beziehung
im Film sehr echt und glaubhaft wirkt. „Bojana bringt eine gewisse
Ernsthaftigkeit mit", meint Gibson, „die unzweifelhaft ein Teil von ihr
ist. Sie hat Charisma, Ausstrahlung. Man erinnert sich an sie."
SANDERSON
Sie sind der Sache nicht gewachsen und weit weg von ihrer Jurisdiktion.
AUFTRAG
RACHE wurde vor Ort in und um Boston gefilmt. Zu den Drehorten gehören
die historische Back Bay, die Boston Commons and Public Gardens, eine
herrschaftlicheTudor- Villa in Manchester, Charlestown, Newburyport,
Lincoln, Merrimac und Rockport. Die Innenaufnahmen in Cravens Haus und
Emmas Wohnung wurden in Studiobauten in den Chelsea Stages abgewickelt.
Die Produktion drehte außerdem im westlichen Massachusetts, in den
pittoresken Gemeinden Northampton und Amherst sowie auf dem Mt.
Sugarloaf in Deerfield, während des Höhepunkts der Laubsaison, die man
in New England einfach nur „the colors" nennt.
„Der Dreh in
Boston war großartig - und die Menschen dort auch", sagt Mel Gibson.
„Egal, wohin man den Blick schweifen lässt, stets hat man den
durchdringenden Eindruck von durch und durch lebendiger Geschichte, die
einen unsere hart erkämpfte Freiheit erst so richtig schätzen lässt. Man
fühlt sich wie in der kulturellen Wiege einer jungen Nation mit dem
gealterten Stil und Charme von Europa."
Einer der Aufträge, den
Martin Campbell seinem Kreativteam vermittelte, war das unbedingte
Streben danach, den Film so realistisch wie nur möglich aussehen zu
lassen. „Realismus war für den Film absolut wichtig", betont der
Regisseur. „Beim Mord an Emma hatten wir echte Forensiker, echte Cops,
all das vor der Kamera. Seine Action bezieht der Film aus einer
Beziehungsgeschichte, also war es essenziell, alles sehr echt wirken zu
lassen. Das bedeutete, dass wir stilistisch ganz simpel drehten, sehr
unkompliziert. Es gibt keine prätentiösen Vorzeigebilder."
Zu
Campbells Team gehörte sein langjähriger Kameramann Phil Méheux ebenso
wie Szenenbildner Tom Sanders, der zum ersten Mal mit dem Regisseur
arbeitete. „Eine Aufgabe des Kameramanns ist es zu betonen, was in den
einzelnen Szenen emotional von Interesse ist. Das lässt sich
beispielsweise mit der Lichtsetzung erzielen", erläutert Méheux, der als
Beispiel Cravens Küche und Emmas Wohnung nennt - beides Sets, die im
Lauf des Films immer wieder zum Einsatz kommen. „Craven hat Abschied vom
Polizeiquartier genommen, er arbeitet jetzt von Zuhause aus. Das sieht
man der Küche und seinem ganzen Haus an. Zu Beginn des Films haben wir
etwas mehr Licht hereingelassen, aber je weiter die Geschichte
fortschreitet und je mehr wir über Emmas Leben und Tod erfahren, desto
düsterer wird es. Wir lassen immer weniger Licht in die Sets. Ich glaube
nicht, dass solche Feinheiten dem durchschnittlichen Kinogänger bewusst
auffallen werden, aber ich bin davon überzeugt, dass man es fühlt."
Sanders
und sein Team holten ebenfalls das meiste aus den Bauten und Drehorten
heraus. „Wir wählten Sugarleaf ganz bewusst, weil der ganze Zeitplan für
den Dreh darauf abgestimmt war, dass wir im Herbst drehen würden, wenn
sich gerade die Blätter verfärben, wozu man eher selten die Gelegenheit
hat", erzählt Sanders. „Sugarleaf erstreckt sich über ein wunderschönes,
historisches Tal, wo berühmte Schlachten geschlagen wurden. Wir
platzierten Bennetts Büro bei Northmoor auf dem Gipfel des Berges, so
dass sich während der gesamten Szene der Blick über das Tal erstreckt."
Für
den Rest von Northmoor fand Sanders ebenfalls eine historische Stätte.
„In der Nähe von Amherst hatten wir ein Zentrum für strategisches
Luftkommando zur Verfügung, an das wir anbauen konnten. Das war das
tatsächliche Zentrum, in dem man in den Sechzigerjahren im Fall von
Bombeneinsätzen die Knöpfe gedrückt hätte. Wir modernisierten es etwas,
um es wie die Lobby einer großen Firma aussehen zu lassen, die auf der
Anhöhe eines Berges residiert."
Sanders' Team hatte auch stets
ein Auge auf die Farbpalette. „Wir gaben uns Mühe, alles gedeckt und
gedämpft zu halten, damit die Schauspieler und die Kostüme sofort ins
Auge stechen", sagt der Szenenbildner. „Uns war die Emotion der Szene
wichtiger als der Raum, in dem sie stattfindet."
Die meisten der
emotionaleren Szenen mit Craven spielen in seinem Zuhause und in Emmas
Wohnung. Beide Sets wurden von Grund auf gebaut. „Bei Craven
orientierten wir uns an einem Haus, das wir in einem Außenbezirk von
Boston entdeckt hatten", berichtet Sanders. „Sowohl die Fassade als auch
das Innere errichteten wir auf einer Bühne und in einer Lagerhalle. Das
gleiche gilt für Emmas Wohnung." Und nicht nur die Kreativen hinter der
Kamera arbeiteten hart daran, den richtigen Boston- Ton zu treffen.
Gibson, der in New York geboren wurde und in Australien aufwuchs, musste
klingen, als wäre er in Boston geboren und groß geworden.
„All
meine Vettern kommen aus Queens und Brooklyn. Meine Mutter war eine Irin
aus Brooklyn, also musste ich mich nicht allzu weit strecken. Ich habe
diese gälischen Wurzeln in mir", erklärt der Schauspieler, dem die
Recherchearbeit gut gefiel. „Ich verbrachte Zeit mit Polizeibeamten wie
Tommy Duffy. Er ist klasse. Er klingt wie ein großer, böser Hund in
einem Cartoon", lacht er. „Der Akzent hat ein richtiges Eigenleben.
Dieser typische Zwielaut macht einen förmlich zu einem anderen
Menschen."
WHITEHOUSE
Der ist bewaffnet und brandgefährlich.
CRAVEN
Und was glauben Sie, was ich bin?
Ein
weiteres wichtiges Mittel für Gibson, Thomas Craven als Jedermann
darstellen zu können, war seine Garderobe. Kostümdesignerin Lindy
Hemming erhielt von Regisseur Martin Campbell dieselben Anweisungen wie
auch sein Kameramann und sein Szenenbildner: Mach es so echt wie
möglich. „Martin ist klasse, weil er mit uns wirklich über die Figuren
spricht. Er lässt uns wissen, was er glaubt, wie sie sind, und er redet
über die Schauspieler. Und dann lässt er uns unsere Arbeit machen",
erzählt Hemming.
Ein ikonisches Kleidungsstück aus der Miniserie
von 1985 findet man auch im Spielfilm wieder: Cravens Regenmantel.
„Martin war der Regenmantel wirklich wichtig. Craven schlüpft in ihn,
nachdem Emma niedergeschossen wurde und weil der Mantel, den er in
diesem Moment direkt neben ihr getragen hat, völlig ruiniert ist. Er
trägt den Mantel fast während des ganzen Films. Er isoliert ihn in
gewisser Weise in einem Film, in dem sonst fast alle Männer entweder
Anzüge oder Polizeiuniformen tragen. Oft ist er in seinem zerknitterten
Mac der einzige, der einfarbig und unauffällig gekleidet ist."
Um
die Figur während ihres Kraftakts in allen verschiedenen Stufen in
seinem Mantel zeigen zu können, hatte Hemming, wie sie erzählt, „etwa 25
identische, ganz normale Regenmäntel anfertigen lassen. Sie wurden
entsprechend bearbeitet, um je nach seiner persönlichen Entwicklung so
strapaziert und lädiert auszusehen wie er selbst."
Hemming legte
ihre Farbpalette für den Film mittels Ausschlussverfahren fest. „Ich
versuchte, die Farbe Weiß zu vermeiden, so gut es möglich war. Ich
wollte, dass man sich mehr auf die Gesichter der Figuren und ihre Mimik
konzentriert, weil ich wusste, dass Phil die Szenen mit dem
entsprechenden Bestreben ausleuchten würde." Im Fall von Mel Gibson
versuchte sie zu zudem, eine weitere Farbe komplett zu eliminieren -
Blau. „Mir ging es darum, ihm seine Lebendigkeit zu nehmen, seine
Ausstrahlung zu minimieren. Nur in einer Szene, wenn er am Strand
entlanggeht, ließ ich Blau zu, weil ich fand, dass es gut passen würde.
Aber klar, in dem Moment, in dem er Blau trug, füllten sich seine Augen
mit Leben und er sah auf einmal unglaublich attraktiv aus. Ich dachte
nur: Ich hätte dieses Blau niemals zulassen dürfen!"
Die
Strandszene war nicht die einzige, in der Hemming gegen das attraktive
Aussehen und die Ausstrahlung des Filmstars ankämpfen musste. „Seine
Garderobe für die Beerdigung bestand aus einem 99-Dollar-Anzug. Das war
der billigste, den ich finden konnte und so aussah, als würde er
Jemandem gehören, der nicht allzu viel Geld zur Verfügung hätte und sich
nicht für Mode interessieren würde. Mel schlüpfte hinein und ich
dachte: Oh nein, selbst damit sieht er immer noch zu gut aus."
Bei
der Garderobe von Danny Hustons Figur, Jack Bennett, wählte sie den
entgegengesetzten Ansatz. „Der einzige Darsteller, bei dem ich mir
Extravaganz erlauben durfte, war Danny", berichtet Hemming. „Schöne
Anzüge, etwas Farbe. Alles an ihm musste teuer aussehen. Ich habe schon
früher mit dem Bekleidungshaus Brioni gearbeitet, und sie stellten alle
Outfits für Bennett zur Verfügung, zudem ein paar für Jedburgh. Ich
hatte großes Glück, dass sie uns ein paar wirklich wunderbare Stücke
zuschickten."
Gleichzeitig war sie sich bewusst, bei Jedburgh
zurückhaltender vorgehen zu müssen. „Seine Kleidung muss aussehen, als
wäre sie sehr teuer gewesen. Gleichzeitig sollte sie sehr subtil und
smart wirken. Sie sollte in keinster Form darauf hinweisen, wer er ist,
was für ein Leben er führt. Alles an ihm sollte ein Geheimnis sein. Ich
setzte Stoffe wie Kaschmir ein, die kein Licht widerspiegeln und ihn
sehr unauffällig erscheinen lassen - was das totale Gegenteil von Ray
Winstone ist. Er ist absolut vital und gesellig."
Sehr
unauffällig sollte auch die Erscheinung von Emma Craven sein. „Ich
wollte sie aussehen lassen wie Menschen, die man in Boston oder
Northampton regelmäßig sieht. Ich wollte, dass sie die Kleidung trägt,
die man an ihnen sieht." Weil Emma ihrem Vater auch in einigen Szenen
nach ihrem Tod erscheint, überlegte Hemming mit Martin Campbell, ob man
dafür eine andere Garderobe für sie finden sollte. „Schließlich fanden
wir, dass das zu sehr verwirren würde. Also sieht man sie immer in dem
für sie typischen Outfit. Die Stoffe sehen dann nur fast etwas
verschwommen aus, denn in Cravens Erinnerung sollte sie noch weicher
wirken."
CRAVEN
Ich bin der Typ, der nichts zu verlieren hat.
Regisseur
Martin Campbell empfand es als reizvolle Herausforderung, mit AUFTRAG
RACHE Figuren und Themen wieder aufzugreifen, mit denen er sich vor mehr
als 20 Jahren schon einmal befasst hatte: „Es geht mir heute so wie
damals: Ich bin überzeugt, dass diese zu Herzen gehende Geschichte eines
Mannes, der seine Tochter verliert und sich auf einen Rachefeldzug
begibt, das Publikum begeistert."
Produzent Graham King stimmt
seinem Regisseur zu: „Für mich geht es in AUFTRAG RACHE nicht um die
Politik von heute. Es geht um eine Abrechnung, einen Mann, der
Gerechtigkeit will. Es ist ein fabelhafter Ritt auf dem Wellenkamm ins
Ungewisse. Man weiß nicht, wo genau einen die Reise mit hinnehmen wird,
aber man ist jede Sekunde davon gefesselt."
Trotz der bisweilen
gewalttätigen Mittel, zu denen Thomas Craven greifen muss, um Vergeltung
für die Ermordung seiner Tochter zu finden, empfindet der Star des
Films, Mel Gibson, AUFTRAG RACHE als sehr menschliche Geschichte. „Ich
war fasziniert von den Figuren und wie sie auf all die Dinge, die ihnen
zustoßen, reagieren", meint er. „Gleichzeitig ist es ein mitreißender
Krimi über Themen, die uns unsicher machen. Und Unsicherheit macht den
meisten Menschen Angst."
