Almanya Trailer und Filmkritik
FSK Film: 6 | Länge: 97 Min | Kinostart: 10.03.2011 | Release: 06.10.2011 (DVD&BD)
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Schauspieler:Fahri Ogün Yardim, Vedat Erincin, Demet Gül, Rafael Koussouris, Lilay Huser, Aylin Tezel, Denis Moschitto, Petra Schmidt-Schaller, Axel Milberg, Katharina Thalbach, Walter Sittler, Jule Ronstedt, Aglaia Szyszkowitz, Antoine Monot Jr., Saskia Vester, Oliver Nägele, Tim Seyfi
Die Story:Bin ich Deutscher oder Türke? Das ist die Frage, die sich nicht nur der 6-jährige Cenk an seinem ersten Schultag stellt, als er beim Fußballspiel auf dem Schulhof weder von den türkischen noch den deutschen Mitschülern in die Mannschaft gewählt wird. Auch seine 25-jährige Cousine Canan steht zwischen diesen beiden Welten und weiß nicht, wie sie ihrer Familie erklären soll, dass sie mit ihrem englischen Freund ein Kind erwartet. Für Canans Großvater Hüseyin, der vor 45 Jahren nach Almanya kam, ist Deutschland jetzt längst zur Heimat der Familie geworden. Eines Abends beim Familientreffen überrumpelt er seine Lieben mit der überraschenden Nachricht, er hätte in der Türkei ein Haus gekauft und wolle nun mit allen Familienmitgliedern in seine alte Heimat reisen. Widerspruch duldet er nicht. Einige Tage später bricht die ganze Familie wohl oder übel in Richtung Türkei auf. Erinnerungen an die Zeit des Aufbruchs aus der alten Heimat werden lebendig und Cenk erfährt, wie sein Großvater in den 1960er Jahren als einer der ersten Gastarbeiter nach Deutschland kam, wenige Jahre später seine Frau Fatma und die drei Kinder zu sich holte und wie die Familie Deutschland als fremdes und faszinierendes Land erlebte. Doch dann nimmt die Reise eine unerwartete Wendung - und alle Familienmitglieder müssen sich die Frage nach ihrer Identität stellen.
Hintergrund:Wie verläuft das Leben, wenn man als 1.000.001 türkischer Gastarbeiter Ende der Sechziger Jahre nach Deutschland kommt? Man wundert sich über Toiletten mit Sitz, über Riesenratten an der Leine und fühlt sich ausgeschlossen, wenn die eigenen Kinder lieber in der fremden, statt in ihrer Muttersprache reden und Weihnachten toll finden. Doch der Gast blieb und fand zusammen mit seiner Familie eine deutsche Heimat. ALMANYA - WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND erzählt mit viel Humor und Einfühlungsvermögen die Geschichte von Hüseyin Yilmaz und seiner Familie, die ihre Heimat Türkei verlassen, um als Gastarbeiter das deutsche Wirtschaftswunder zu unterstützen. Der sehr persönliche Film der Samdereli-Schwestern beruht zum Teil auf eigenen Erlebnissen, die den Zuschauer auf unterhaltsame Weise teilhaben lassen an einer Welt zwischen Orient und Okzident, an einer großen kultur- und generationenübergreifenden Familie.
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Der Film erzählt mit viel Humor und Einfühlungsvermögen die Geschichte von Hüseyin Yilmaz und seiner Familie, die Mitte der 60er Jahre ihre Heimat Türkei verlassen, um als Gastarbeiter das deutsche Wirtschaftswunder zu unterstützen. Der sehr persönliche Film der Samdereli-Schwestern beruht zum Teil auf eigenen Erlebnissen, die den Zuschauer auf unterhaltsame Weise teilhaben lassen an einer Welt zwischen Orient und Okzident, an einer großen kultur- und generationenübergreifenden Familiengeschichte.
Die beiden Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli sind schon sehr erfolgreich in der deutschen Filmlandschaft unterwegs. Yasemin Samdereli drehte unter anderem die Multi-Kulti-Liebeskomödie „Alles getürkt“ (2002) und arbeitete am Drehbuch einer Folge der preisgekrönten TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ (2006) mit. Nesrin Samdereli schrieb das Drehbuch zu „Alles getürkt“ (2002) sowie zu diversen Episoden der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ (2006). ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND ist für beide der erste Kinofilm.
Neben der hochkarätigen Besetzung mit türkischen und deutschen Schauspielern wie Fahri Yardim („Männerherzen“), Vedat Erincin („Evet, ich will“), Lilay Huser (aus der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“) und Denis Moschitto („1 ½ Ritter“) sowie Petra Schmidt-Schaller („Ein fliehendes Pferd“) stand den Samdereli-Schwestern auch eine starke Crew zur Seite, so unter anderem Kameramann Ngo the Chau („Phantomschmerz“), Szenenbildner Alexander Manasse („Lola rennt“), Kostümbildnerin Steffi Bruhn („Wer früher stirbt ist länger tot“) und Komponist Gerd Baumann („Wer früher stirbt ist länger tot“).
Produziert wurde ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND von ROXY FILM (Andreas Richter, Ursula Woerner und Annie Brunner) in Zusammenarbeit mit INFA FILM. Gefördert wurde die Produktion vom FimFernsehFonds Bayern, dem Deutschen Filmförderfonds, der FFA und dem Bundesministerium für Kultur und Medien.
Eure Meinung zu "Almanya"
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Eure Kommentare zu "Almanya":
Zübeyde Dieser Film erzählt unsere Geschichte. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten...
n? ich hab den film nicht gesehen
rado super lustig ist was für die deutschen
akan43 es soll ja sein wie deutscher film ich sag euch das gucken nur 60% DEUTSCHE 50% AUSL?DER weil es zu grosse mege deutsch gemacht ist
mihriban2423 denn will ick haben den film
gralka-akca guter film scheint es zu werden,nur weshalb werden die deutschen ewig als dreckig dagestellt,in der türkei sind nicht alle sauber und ich habe es selbst gesehen. danke sonst ist es okay
mr russkij cool)))
Emil G. Muhahahahaha. Herrlich! Der wird auf jeden Fall geguckt!
Alois TOTAL GEIL - aber vermutlich hat es sich original so angefühlt im tollen Deutschland.
Hannes Guck ich mir an!

♥: gut bestücktes Ensemble, vielfältiger Humor, mal platt, mal subtil und hintergründig
−: plumpes pseudo-deutsch, dritter Akt zu ernsthaft und staatstragend
Es war einmal ein Land, in dem hießen Menschen mit Migrationshintergrund schlicht Gastarbeiter.
Der Begriff Integration war noch nicht erfunden und schließlich wollte man sich irgendwann auch wieder voneinander verabschieden. Aber es kam anders.
Seit einigen Jahren ist Integration ein Dauerthema in Deutschland.
Auch im Kino gabs da schon einige Beiträge zum Thema, mal ernst wie "Gegen die Wand" oder "Die Fremde", mal komisch wie "Kebap Connection" oder "Evet - Ich will", und mal irgendwo dazwischen wie "Solino". Neuland betritt "Alamanya - Willkommen in Deutschland" also nicht. Aber auch so macht der Film durch treffsicher inszenierte Pointen und ein durchweg überzeugendes Schauspielerensemble richtig viel Spaß. Den Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli ist hier ein wirklich bemerkensweter Film gelungen, in dem sie eigene Kindheitserinnerungen zu einer Cultur-Clash-Komödie verdönert haben, die sich zwar einige Klischees leistet, aber seine Protagonisten nie vorführt.
Irgendwann Anfang der sechziger Jahre zieht Hüseyin Yilmaz (Fahri Yardim) aus der Türkei nach Deutschland. Auf dem Bahnhof herrscht Gedränge wie auf einem Viehmarkt, jeder Neuzugang erhält eine Nummer. Aber in "Alamanya" wirken solche Spitzen nie bitter, sondern bebildern nur eine oberflächliche Gedankenlosigkeit und auch die Türken stören sich nicht an der industriellen Massenabfertigung. Die sagenhaften Geschichten anderer Türken über das reiche Land im Norden erweisen sich schnell als massiv übertrieben. Aber es stimmt, dass es viel Arbeit gibt und man hier gutes Geld verdienen kann. Wenig später holt Hüseyin seine Familie nach. Die fühlen sich zunächst , als wären sie auf einem fremden Planeten gelandet. Was macht der Porzellanstuhl auf der Toilette ? Warum beten die Deutschen ein Folteropfer an und trinken sein Blut ? Solche kulturellen Mißverständnisse werden jedoch nie ausgewalzt - und schließlich haben so nette Erfindungen wie Weihnachten für die Kinder auch ihre Vorteile. Mit viel Humor kann man hier Deutschland mal "von außen" betrachten. Der Kunstgriff, die Deutschen ein Fantasiekauderwelsch plappern zu lassen um auch deutsche Zuschauer im eigenen Land mal fremdeln zu lassen, ist ziemlich platt, und erinnert auch an den französischen Komödien-Hit "Willkommen bei den Sch´tis". Das Vorbild war allerdings Charlie Chaplins "Jibberisch", mit dem er in "Der große Diktator" Hitlers Reden parodierte. Das ist allerdngs ein zu großes Vorbild und und nicht jeder Darsteller in Almanya kommt damit gut klar. Aber allzu oft wird das Gimmick zum Glück nicht verwendet.
Denn zumindest die Hälfte des Films spielt in der Gegenwart, in der die Familie schon bestens integriert ist. Zumindest die nachwachsende Generation. Die Kinder und Enkel haben allerdings ihre ganz eigenen Probleme, mit Arbeitslosigkeit und gemischten Ehen, die im Film auch behandelt werden. Der inzwischen gealterte Hüseyin hadert immer noch mit dem Leben in der Fremde, besonders als er mit seiner Frau den deutschen Pass beantragt. Da stellt sich dann unausweichlich die Frage "was sind wir denn nun, Deutsche oder Türken?" Das fragt sich vor allem Hüseyins Enkel Cenk, der in der Schule auf komische und zugleich rührende Weise mit seiner ausländischen Herkunft konfrontiert wird. Anatolien ? Ist leider auf der Europakarte in der Schule nicht drauf. Besser kann das Gefühl der Fremdheit zwischen Mitteleuropäern und Türken kaum auf den Punkt bringen.
Auch Hüseyin hat seine türkischen Wurzeln nach 40 Jahren in Deutschland nicht vergessen und darum nun ein Ferienhaus in der alten Heimat gekauft - zum Entsetzen seiner Frau.
In den Ferien soll der ganze Clan gemeinsam dorthin reisen. Das ist für die teil-germanisierte Familie ein fast so großer Kulturschock wie damals Hüseyins Reise nach Almanya.
Immer wieder wechselt der Film zwischen den Erinnerungen an die erste Zeit in Deutschland - und der Gegenwart. Canan erzählt ihrem Neffen die Familiengeschichte ("Es war einmal ein junger Mann namens Opa") mit kräftigem Augenzwinkern. Cenk ist nämlich ein bisschen verwirrt, was er nun ist. Er spricht kein türkisch , war nie in der Türkei. Und dass seine deutsche Mutter ihm erklärt, er sei eben beides, Deutsch und Türkisch, hilft ihm nicht. Man kann doch nur in einer Mannschaft spielen !
Ähnlich scharfsinnig wie naiv ist auch der Blick auf die Vergangenheit. Die Türkei ist eine rustikal-ländliche Idylle, Deutschland besteht dagegen nur aus Mietskasernen.
In Deutschland spielen allerdings überraschend wenige Szenen des Films. Abgesehen von Ali´s (Dennis Moschito) Frau Gabi (Petra Schmidt-Schaller) sind die vermeintlichen "Menschenfresser", die die Kinder in den 60ern treffen und einige Beamte die einzigen Deutschen, die man sieht,
Auch alles was das deutsch-türkische Verhältnis derzeit belastet, wird hier ausgeblendet.
Gewalt, Extremismus, Ghetto-Bildung. Familienehre sind hier keine Themen.
Das Plakat wirbt damit, dass hier die Macher von "Wer früher stirbt ist länger tot." am Werk waren. Das trifft aber nur auf die Produzenten zu. Regisseurin Yasemin Samdereli, und ihre Schwester und 2nd-Unit-Regisseurin, Nesrin, haben auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben. Beide haben bereits einschlägige Erfahrungen in TV-Movies zum Thema Integration wie "Alle getürkt", und der Serie ""Türkisch für Anfänger". Der Film wirkt streckenweise wie eine Langfassung der preisgekrönten Serie.
Yasemin Samdereli sammelte außerem Erfahrungen bei zwei Jacky-Chan-Filmen.
Dass es bis zur Entstehung von "Almanya" mehrere Jahre und 50 Drehbuchfassungen brauchte, ist dabei kein Nachteil. Das Skript ist einfach ausgereift. Diese Ausdauer sollten sich andere Produktionen in Deutschland auch mal gönnen. Die zahlreichen Szenenwechsel zwischen der Vergangenheit in der Türkei und Deutschland , dem Familienalltag der Gegenwart und der Reise in die Türkei sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.
Auch wenn das gesamte Ensemble gut harmoniert - das Herz des Films sind Vedat Erincin als "Opa Hüseyin" und Rafael Koussouris als sein Enkel Cenk.
Im letzten Filmdrittel wird die Familie dann von einem Schicksalsschlag getroffen, die der Komödie die Luft ablässt. Aber bis dahin hat man die Familie schon so ins Herz geschlossen, dass man über den Kurswechsel nicht enttäuscht ist, sondern mit der Familie leidet und am Ende mit einer Glanzdarbietung von Rafael Koussouris belohnt wird, bei der die Taschentücher nicht fehlen dürfen. Die echten Probleme einer teilintegrierten Familie kommen hier zwar etwas kurz oder werden zu sehr verharmlost. Trotzdem ist "Almanya" mehr als eine weitere harmlose Multi-Kulti-Komödie. Ein sehr warmherziges, turbulentes Familienporträt mit vielen kleinen und einigen großen Pointen.
Ausführliche Inhaltsbeschreibung zum Film:
Wie für alle Kinder ist auch für den sechsjährigen Cenk Yilmaz (Rafael Koussouris) der Schulunterricht gefüllt von prägenden Erlebnissen - allerdings anders als vermutet. Cenk wird schlagartig bewusst, dass er irgendwie „anders" ist, als er bei einem Fußballspiel weder in die deutsche noch in die türkische Mannschaft gewählt wird. Zum ersten Mal stellt sich für den Sohn einer Deutschen und eines Türken an diesem Tag plötzlich die Frage nach seiner Identität. Wer oder was ist er eigentlich? Deutscher oder Türke?
Cenks ältere Cousine, die 22-jährige Canan (Aylin Tezel), hat derweil ganz andere Probleme: Sie ist schwanger! Und ihre Familie weiß noch nicht einmal von ihrem britischen Freund David (Trystan Pütter). Bei einem Zusammentreffen des Familienclans erfährt Canan von den Problemen, die Cenk in der Schule hat. Um ihn zu trösten, erzählt sie ihm die Geschichte, wie ihr Großvater Hüseyin Yilmaz (Vedat Erincin) vor 45 Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kam.
Auf diese Weise erfährt der kleine Cenk, wie sein Opa damals in den 60er Jahren seine Frau Fatma (Lilay Huser) im fernen Anatolien eroberte. Bald darauf wurden die jungen Eheleute (Fahri Yardim und Demet Gül) Eltern von Veli (Aykut Kayacik), Muhamed (Ercan Karacayli) und Leyla (Siir Eloglu). Nach entbehrungsreichen Jahren auf dem Bau folgte Hüseyin dem Ruf nach Deutschland, weil dort für ihn mehr Geld zu verdienen war. Als 1.000.001 Gastarbeiter kam er in die Fremde und holte schließlich die gesamte Familie nach „Almanya“ nach.
Nach fast 40 Jahren in Deutschland haben Hüseyin und Fatma nun deutsche Pässe beantragt. Doch dann geschieht etwas, womit niemand im Yilmaz-Clan gerechnet hat: Opa Hüseyin überrumpelt die Familie mit der Nachricht, er habe in der Türkei ein Haus gekauft und wolle nun mit der gesamten Familie in die alte Heimat fahren. Selbst Fatma ist von der Entscheidung ihres Gatten überrascht. Nach einigen vergeblichen Protestversuchen geben sich alle Familienmitglieder geschlagen und willigen ein. Die Reise ist beschlossene Sache!
In den folgenden Ferien bricht die ganze Familie in Richtung Türkei auf. Hüseyin ist in bester Stimmung. Er fühlt sich geehrt, weil er kurz vor der Abreise eine Einladung zu einem Festakt nach Berlin bekommen hat. Dort soll er als 1.000.001 Gastarbeiter eine Rede halten – in Anwesenheit der Bundeskanzlerin. Hingehen allerdings will er nicht.
Auf der langen Reise hält Canan Cenk bei Laune, indem sie ihm die Familiengeschichte weitererzählt: Wie sich Fatma und die Kinder ohne Deutschkenntnisse in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden mussten, wie die Familie in eine große Wohnung einziehen konnte, wie sie sich über die merkwürdigen Deutschen (Fatma: „Erst einmal müssen wir die Toiletten putzen – wer weiß, welche Krankheiten die Deutschen haben!“) und ihre Sitten und Bräuche wunderten- warum zum Beispiel haben die Deutschen „ihren“ ans Kreuz geschlagenen Gott im Wohnzimmer an der Wand hängen? - und wie schließlich Cenks Vater Ali (Denis Moschitto) in Deutschland geboren wurde.
In der Türkei angekommen, ist für Cenk alles neu und aufregend, wohingegen Hüseyin müde und geschwächt, aber glücklich wirkt. Während einer Rast bemerkt er, dass seine Enkelin Canan etwas zu bedrücken scheint. In einem vertraulichen Gespräch sagt er ihr auf den Kopf zu, dass sie schwanger ist - er spüre so etwas, schließlich habe seine Frau vier Kinder zur Welt gebracht. Canan ist überrascht und versteht, dass es keinen Sinn hat, zu leugnen. Zu ihrer Erleichterung reagiert Hüseyin aber nach anfänglichem Kopfschütteln sehr besonnen und verständnisvoll.
Auf der Weiterfahrt in dem gemieteten Kleinbus in Richtung Erzincan, im tiefsten Anatolien, wo das von Hüseyin gekaufte Haus steht, erzählt Canan dann die letzte Episode ihrer Geschichte: Bei einem Türkeibesuch, der schon viele Jahre zurückliegt, stellten Hüseyin, Fatma und ihre Kinder erstaunt fest, dass sie sich von ihren türkischen Freunden und Verwandten entfremdet hatten. Mehr noch: Sie hatten sich schon so sehr an das komfortable Leben in ihrer neuen Heimat gewöhnt, dass Hüseyin samt Familie beschloss, für immer in Deutschland zu bleiben. Die Reise in die Vergangenheit führt zu weiteren lustigen Erinnerungen und Anekdoten, dementsprechend heiter und ausgelassen ist die Stimmung im Bus.
Erst als Hüseyin auf einen Scherz nicht reagiert, stellt die Familie fassungslos fest, dass er auf dem Vordersitz friedlich eingeschlafen ist – für immer. Es wird still in der Familie Yilmaz. Noch am Abend desselben Tages – und trotz des allgemeinen Schock-Zustands – führt Hüseyins Tod zu lange fälligen Aussprachen in der Familie, so zwischen den zerstrittenen Brüdern Muhamed und Veli, und auch Canan fasst sich ein Herz und gesteht Mutter und Großmutter endlich ihre Beziehung zu David. Zwar muss sie sich die Frage „hätte es nicht wenigstens ein Deutscher sein können?!“ gefallen lassen, aber letztlich stehen Fatma und Leyla zu ihr.
Hüseyin wird in seiner Heimaterde feierlich beigesetzt. Der kleine Cenk versucht, den Tod seines geliebten Großvaters auf seine Art und Weise zu verarbeiten. Nach einem Gespräch mit seinem Vater über Sein und Vergehen kommt Cenk zu der irgendwie tröstenden Feststellung, dass sein Opa - wie Wasser - „einfach verdampft“ sei. Aber auch das neu gekaufte Haus hält noch eine Überraschung für die Familie bereit. Und Muhamed erkennt, dass sein Platz in der Türkei ist.
Zurück in Deutschland „vertritt“ der in seinem neu erwachten Selbstverständnis gestärkte Cenk seinen Großvater anlässlich der Ehrung des 1.000.001sten Gastarbeiters, Hüseyin Yilmaz, durch die Bundeskanzlerin bei einem großen Festakt und spricht vor dem großen Publikum selbstbewusst ins Mikrophon...
Die Einwanderungswelle in den 60ern:
Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg beklagten einige Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland Arbeitskräftemangel. Grund dafür war u.a. die Kriegszeit, die große Lücken in die Bevölkerung gerissen hatte. Schon Mitte der 50er Jahre wurden die ersten Anwerbeabkommen geschlossen, die sich überwiegend darauf beschränkten, italienische Gastarbeiter in die Bundesrepublik zu holen. Danach folgten Arbeiter aus Spanien und Griechenland.
Ab 1961 warben deutsche Unternehmen auf Grundlage des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei rund 826.000 Männer und Frauen als türkische Gastarbeiter an. Mit diesem Abkommen versprach sich die Türkei auch eine Lösung eigener wirtschaftlicher und sozialer Probleme. Die Bundesrepublik hingegen hatte ihrerseits großes Interesse an diesen „billigen“ Arbeitskräften, da sie so in der Lage war, in der sogenannten Wirtschaftswunderzeit genügend Arbeitnehmer-Potential zur Verfügung zu haben, um den vielgerühmten Aufschwung tatsächlich bewerkstelligen zu können. Hinzu kam, dass die Nato-Mächte im Zeitalter des kalten Krieges großes Interesse an der Stabilisierung der Türkei und somit an der Nato-Südostflanke hatten.
Die meisten türkischen Arbeitsmigranten wurden von Istanbul in Sonderzügen in die Bundesrepublik gebracht. Während der 60er Jahre bedeutete das eine mindestens 50-stündige Zugfahrt – via Griechenland – nach Deutschland. Erst ab den 70er Jahren war eine schnellere Einreise über Bulgarien möglich. Bis zum Anwerbestopp im Jahre 1973 hatte sich die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik von ca. 1 Million auf über 4 Millionen erhöht.
Insgesamt bewarben sich zwischen 1961 und 1973 über 2,6 Millionen Türken um einen Arbeitsplatz in der Bundesrepublik. Wer die Eignungsprüfung der deutschen Behörden (u.a. gesundheitliche Fitness, berufliche Qualifikation, Lese- und Schreibtests) bestand, konnte einreisen und hier arbeiten. Die meisten türkischen Arbeitskräfte siedelten sich damals im Ruhrgebiet an.
Ein deutlicher Anstieg der türkischen Bevölkerung in der Bundesrepublik erfolgte stetig durch den verstärkten Familiennachzug aus der Türkei und durch Eheschließungen in der Bundesrepublik. Heute leben Einwanderer aus der Türkei bereits bis zur vierten Generation in Deutschland.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lebten Ende 2009 in Deutschland insgesamt 6,7 Millionen Ausländer, davon etwa 1,66 Millionen Türken, die damit die größte Gruppe stellen.
