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Das Ganze Leben Liegt Vor Dir Film Trailer - Tutta La Vita Davanti

Länge: 117 Min | Kinostart: 18.03.2010 | Release: 21.10.2010 (DVD)
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TRAILER-TIPPS

 

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Schauspieler:Isabella Ragonese, Sabrina Ferilli, Massimo Ghini, Valerio Mastandrea, Elio Germano, Micaela Ramazzotti, Mary Cipolla, Giulia Salerno, Tatiana Farnese, Caterina Guzzanti, Valentina Carnelutti, Paola Tiziana Cruciani, Niccolo Senni

Die Story:Marta ist jung, klug, gebildet und dabei ein wenig verträumt. Sie stellt sich vor, dass die Menschen mit einer eigentümlich, choreografierten Musicalnummer ihren Arbeitstag beginnen, wobei Marta selbst amüsierte Zuschauerin ist. Tatsächlich ist diese Sequenz eine Vorahnung auf das, was Marta bald erleben wird... Nachdem die junge Sizilianerin ihr Philosophiestudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, macht sie sich auf die Suche nach einem Job. Bei einem Verlag vielleicht? Fehlanzeige! Aber vielleicht bei einer Zeitschrift, bei der ein Kommilitone, der sein Studium abgebrochen hat, jetzt als Society Reporter arbeitet? Nein, das kann es auch nicht sein. Nach einem besonders skurrilen Vorstellungsgespräch erwächst in Marta das unwiderstehliche Bedürfnis sofort ihre schwerkranke Mutter zu sehen. Spontan fährt sie nach Palermo. Ihre Mutter, die bis zu ihrer Krankheit Lehrerin war, rät ihr, ebenfalls in den Schuldienst zu gehen, und sie gibt ihr den schönen Satz Du hast das ganze Leben noch vor dir mit auf den Weg. Wieder in Rom muss Marta feststellen, dass ihr Zimmer in der WG untervermietet wurde und für sie nur das Sofa bleibt. Frustriert bewirbt sie sich jetzt bei der Schulbehörde. Als sie danach traurig und entmutigt in der U-Bahn sitzt, begegnet ihr das kleine Mädchen Lara (gespielt von Giulia Salerno), die ihr einen Zettel in die Hand drückt. Darauf steht: Lara & Sonia suchen einen Babysitter. Marta meldet sich, bekommt die Stelle und damit auch ein neues Zimmer plus einer ganzen Menge mehr... Laras Mutter Sonia (Micaela Ramazzotti) ist selbst fast noch ein Mädchen. Sie arbeitet in der Nachmittagsschicht eines Callcenters und nachts in einem Club. Deshalb bringt Marta die kleine Lara abends mit außergewöhnlichen Gute-Nacht-Geschichten wie z.B. Platons Höhlengleichnis ins Bett. Als im Callcenter ein Job in der Vormittagsschicht frei wird, gibt sich Marta einen Ruck und probiert den Job aus. Ein wenig befremden sie die allmorgendlichen Motivationsgesängen und -choreografien, aber sie lässt sich auf das Abenteuer ein, denn sie will das Treiben im Callcenter verstehen lernen. Sie entdeckt ihr Talent im Umgang mit Menschen und macht ihren Job als Telefonistin so gut, dass sie schnell die Aufmerksamkeit ihrer Vorgesetzen Daniela (Sabrina Ferilli) auf sich zieht. Martas Erfolg beruht auf dem einfachen Trick, die Adressen ihrer Gesprächspartner zu googeln und so ein persönlicheres, nachbarschaftliches Gespräch zu führen, auch wenn sie tatsächlich nie in der betreffenden Straße war. Damit ist ihre Trefferquote im Vergleich zu ihren Kolleginnen wesentlich höher: Marta vereinbart jede Menge Termine für die Hausbesuche der Vertreter von Multiple Italia. Die Vertreter sollen ein Gerät verkaufen, das angeblich alles, und in Wahrheit gar nichts kann. Auch sonst werden Nettigkeit und Fairness im Umgang mit den Mitarbeitern nicht immer groß geschrieben. Regelmässig werden Kollegen vor der versammelten Mannschaft bloßgestellt und verhöhnt. Unter einander sprechen die Mädchen der ausnahmslos weiblichen Belegschaft über die aktuellen Entwicklungen bei Big Brother oder über die (ausschließlich männlichen) Kollegen der Vertreter-Truppe. Ein weiteres Gesprächsthema ist ihr Boss Claudio (Massimo Ghini), der sowohl von den Mädchen wie auch von den Vertretern wie ein Popstar verehrt wird. Immer wieder begegnen die jungen Multiple-Mitarbeiter dem etwas unbeholfenen Gewerkschaftsaktivisten Giorgio Conforti (Valerio Mastandrea), der versucht, die Belegschaft des Konzerns über ihre Rechte als Angestellte aufzuklären. Er hat allerdings wenig Erfolg damit. Martas Vorgesetzte Daniela (Sabrina Ferilli) versteht es, die Mädchen gegen einander auszuspielen. Sie lädt Marta zu sich nach Hause ein, um sie zu belohnen und um sie ganz auf ihre Seite zu ziehen, denn hinter den Kulissen kracht es gewaltig im Multiple-Konzern. Marta vertraut sich Giorgio Conforti an und klärt ihn über die Details, Zusammenhänge und die innere Struktur der Firma auf. Giorgio nutzt die Informationen effektiv und kreativ. Gleichzeitig nähern sich Marta und Giorgio an, sie verlieben sich. Doch das hindert den verheirateten Georgio nicht daran, zusätzlich auch noch in eine Affäre mit Martas Mitbewohnerin Sonia zu stolpern… Unterdessen spannt Konzernchef Claudio (Massimo Ghini) Marta für seine privaten Zwecke ein und offenbart dabei unabsichtlich, seine ganze persönliche Misere. Als der Vertreter Lucio 2, mit dem sich Marta angefreundet hat, in Bedrängnis gerät, weil seine Quote nicht mehr stimmt, gibt Marta ihm ein paar Adressen. Doch sie kann seinen Job auf Dauer nicht mehr retten. Auch Sonias wird gefeuert, denn sie wird verdächtigt, Georgios Informantin zu sein. Die Ereignisse überschlagen sich. Georgio geht mit Martas Insider-Informationen an die Presse, Callcenterleiterin Daniela beansprucht Konzernchef Claudio endgültig für sich und Marta bekommt den Anruf, den sie die ganze Zeit gefürchtet hat: ihre Mutter ist gestorben... Dass das Ende dann doch nur bitter-süß und nicht todtraurig ist, ist Martas Haltung - und nicht zuletzt den Machern des Films, inklusive den Schauspielern – zu verdanken, die diese kleine, große Geschichte so bezaubernd erzählen...

Hintergrund:Das Ganze Leben Liegt Vor Dir ist eine bezaubernde Entdeckung der internationalen Festival-Szene. Ein italienischer Film, der so unitalienisch und italienisch zugleich ist, als hätte man Woody Allen mit Roberto Benigni kombiniert. Paolo Virzì verbindet Traumwelten und Realität, zitiert die Meister Fellini wie Monicelli, und persifliert gleichzeitig das moderne Italien aufs Schärfste. Dabei behält er immer einen leichtfüßigen, entspannten und entspannenden Ton. Dieser Film ist alles in einem: Gesellschaftskritik, leichte Unterhaltung und ein Kunststück! Virzì zeigt Berlusconis Italien, das Italien der Fernsehshows, der Schönheitsoperationen und Klatschblätter, der Motivationsgesänge und –tänzchen; das Italien, das mittlerweile amerikanischer ist, als es Amerika jemals war. Virzì konterkariert es mit dem Italien, das nicht nur die Deutschen gerne sehen, das kultivierte, belesene, augenzwinkernd-humorvolle, genießerische und entspannte Italien. Dazu gibt er eine gesunde Dosis Realität, aber eben nicht zu viel, die Balance bleibt erhalten. Auf dem Filmfest München 2009 wurde der Film als Entdeckung gefeiert. Das Ganze Leben Liegt Vor Dir bietet noch mehr zu entdecken: die wunderbar bezaubernde Isabella Ragonese als Marta und die große Sabrina Ferilli, die vielleicht zum ersten Mal in ihrer Karriere schauspielerischen Tiefgang zeigen kann. Elio Germano ist zwar kein Geheimtipp mehr, seit er 2007 für „Mein Bruder ist ein Einzelkind“ den David Di Donatello gewann und 2008 als Shooting Star geehrt wurde. In Das Ganze Leben Liegt Vor Dir zeigt er einmal mehr, was für ein bemerkenswerter Schauspieler und ein fabelhafter Komödiant er ist. Und schließlich Valerio Mastandrea, der dem deutschen Publikum als erfolgloser Punkrocker aus der Komödie NICHT DARAN DENKEN bekannt ist.

Technikinfos:Bildformat: 2,35:1; Ton: Dolby Digital; Sprache: Deutsch, Ital. OF m. dt. UT




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DAS THEMA DES FILMS
Es ist nicht leicht die eigene Epoche zu erzählen, besonders nicht heute und ganz besonders auch nicht von Italien aus. Es wird so viel Intelligenz und Talent vergeudet, junge Menschen werden gezwungen ins Ausland zu gehen oder sich der Sklaverei des Arbeitsplatzmangels unterzuordnen. Unsere Gesellschaft scheint unbeweglich zu sein, wenn es um ihr alt hergebrachtes Kastensystem oder die Erhaltung bestimmter Privilegien geht. Natürlich gefährde ich mit dieser moralischen, oder wenn man will, verächtlichen Haltung, die leichtfüßige romantische Inspiration für diesen Film und laufe Gefahr am Ende mit einem filmischen Pamphlet voller wütender Vorwürfe dazustehen. Aber wir wollten eben beides machen: einen Film, dem ein gewisses Wunder innewohnt, der Sinn für Abenteuer und ironischen Witz hat, aber auch die Machenschaften dieser „Abzockerfirmen“ aufzeigt. Diese Firmen missbrauchen gezielt die Lücken im aktuellen Arbeitsgesetz für ihre Zwecke und nutzen damit unzählige junge Menschen aus, obwohl wir das als Gesellschaft missbilligen.

Wir erzählen die tragikomische Geschichte einer gebildeten, jungen Frau, die eine ihr völlig unbekannte Welt erkundet. Wir beobachten sie und fühlen mit ihr. Wir zeigen wie diese jungen Leute jeden Morgen aufs Neue für eine handvoll Euro losziehen, um in der fiktiven Firma, die wir allegorisch „Multiple Italia“ genannt haben, die befremdlichen Anforderungen unserer Zeit zu bezwingen.

Tatsächlich wollte ich mit dem Film versuchen, den Zeitgeist unserer Gesellschaft einzufangen: die Kluft zwischen unserer humanistischen Kultur und der heutigen Sprache, der Pop-Subkultur, die das Fernsehen kreiert hat und die inzwischen eine allgemeingültige Ästhetik und sogar Ethik darstellt - zumindest in unserer Arbeitswelt.

DIE ENTSTEHUNG DER GESCHICHTE
Unser Film basiert auf dem Buch „Il Mondo Deve Sapere“, eine amüsante, satirische Reportage der jungen, sardischen Autorin Michela Murgia, die die Welt in ihrem Blog wissen lässt, wie surreal die Arbeit in einem dieser Callcenter ist. In ihrem Fall war es eine Firma, die Staubsauger mit einem ausgeklügelten Telefon- und Vertretersystem verkaufte. Für mich war das sehr wertvolles, dokumentarisches Material, das uns dazu inspiriert hat, in dieser Verfilmung nicht nur die prekäre Arbeitssituation zu zeigen, sondern die Geschichte durch die hellwache, investigative Sicht einer gebildeten, kultivierten, jungen Frau zu erzählen. Wir haben Figuren dazu erfunden, wie den Gewerkschaftsaktivisten Giorgio Conforti, die Telefonistin Sonia und den exaltierten Vertreter Lucio 2. So haben wir unserer Hauptfigur Marta, die so klar, stolz und geradlinig ist, mit ihren neuen Kollegen Figuren an die Seite gestellt, mit denen sie interagieren und mitfühlen kann. Ausgerechnet Marta, die sich jahrelang in Bibliotheken versteckt, Heidegger und Hannah Arendt studiert hat, findet sich plötzlich mit diesem Headset in einem Callcenter wieder, in dem das wichtigste Gesprächsthema in den Zigarettenpausen die aktuelle Entwicklung bei „Big Brother“ ist. Sie taucht in diese Welt ein und verheimlicht ihren Hintergrund. Für sie ist das wie eine philosophische Versuchsanordnung, eine Forschungsreise, die sie in die Realität führt.

DAS CALLCENTER
Wir haben unser Callcenter der fiktiven Firma „Multiple“ in einem System aufgebaut, das man Multilevel Marketing nennt. Es ist eine Art Pyramidensystem, welches vor allem der Firma durch seine Angestellten Profit bringt. Junge Leute werden eingestellt, die in erster Linie Verwandte und Freunde als Kunden anwerben. Dabei nutzt die entsprechende Firma in den meisten Fällen auch moralisch-psychologische Erpressung, um den Freunden und Verwandten ihrer Angestellten ihre Produkte zu verkaufen. Und sobald dieses Reservoir an Kontakten aufgebraucht ist, trennt sich das Unternehmen vom jeweiligen Mitarbeiter.

Dieses Muster beinhaltet neue Bedingungen, unter denen heute viele junge Menschen arbeiten müssen. Man spürt förmlich die pochenden Herzen hinter der ewig lächelnden Fassade. Diese jungen Frauen und Männer zwingen sich dazu, gnadenlose Krieger im Dienst ihrer Firma zu werden. Oft sind sie jedoch nur arme Kreaturen, die dem auf der anderen Seite ausgeliefert sind, der auch selbst wieder zum Opfer seiner Bosse wird. Daraus ergibt sich ein erschreckendes, aber auch witzig-lächerliches und anrührendes Bild einer arbeitenden Schicht, die durch das System keine Kontrolle mehr über ihr Leben hat.

Eine ganze Generation ist dieser Art der Ausbeutung durch Unternehmen ausgeliefert. Dabei kommen die so freundlich und harmlos daher, während sie ihre Arbeitskräfte mit psychologischer Unterwerfung weit über die übliche Arroganz eines traditionellen Arbeitgebers hinaus ausnutzen.

DIE BESETZUNG
Unsere Schauspieler waren von Anfang an so perfekt aufeinander abgestimmt, wie ich es selten erlebt habe. Man könnte meinen, sie hätten sich heimlich abgesprochen, denn sie waren zusammen sofort in der Lage die verschiedenen dramatischen Zwischentöne zu treffen, von tragisch über selbstgerecht bis ironisch und komisch - einfach perfekt. Ich bin wirklich sehr stolz auf meine Schauspieler, zumal ja auch zwei alte Freunde von mir mit dabei waren, Weggefährten aus meiner Anfangszeit, Sabrina Ferilli und Massimo Ghini. Ich glaube, als Sabrina das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hat, war sie schockiert, denn diese Rolle ist so weit weg von den großäugigen Heldinnen, die sie normalerweise spielt. Hier musste sie eine Figur kreieren, die sowohl düster als auch charismatisch ist, und das hat sie mit Hingabe getan. Sie hat ein paar Seiten angeschlagen, die sie selbst an sich nicht kannte. Diese im Grunde sehr armselige, verkorkste Seele der Daniela hat sie ganz sensibel und subtil herausgearbeitet.

Mein anderer alter Freund Massimo Ghini spielt eine kleine, aber wichtige Rolle, nämlich den Geschäftsführer Claudio, zu dem alle aufschauen. Mit seinem jovialen Lächeln und seiner verführerischen Stimme ist er so was wie der Trainer oder besser noch der große Bruder der Telefonistinnen und Vertreter. Natürlich ist er hinter der Fassade ein armer Kerl, der eine Scheidung durchmacht und mit Schulden kämpft. Es gibt diese Szene, in der er vor seinem Handy sitzt und heult; damit hat er die Figur genau getroffen. Die Verzweiflung eines geschlagenen Menschen, der sonst immer nur lächelt.

Isabella Ragonese, die ich nach ausgiebigen Probeaufnahmen besetzt habe, hatte für mich vom ersten Moment an die Qualitäten, die ich mir für unsere Protagonistin vorgestellt habe. Sie ist intelligent, kultiviert, ironisch, witzig, nett und nie arrogant. Und sie hat die Fähigkeit sich in die Situation eines anderen hineinzufühlen.

Micaela Ramazzotti gibt ihrer Rolle „Sonia“ Kraft, Wahrheit, Vitalität und diese Verspieltheit eines jungen Hundes, mit der Sonia ihre Verletzlichkeit kaschiert.

Dadurch ergibt sich aus den beiden, Sonia und Marta, ein wunderbares, warmherziges und witziges Duo: Einerseits die gebildete Marta, die diesen Job quasi undercover macht, und dann diese einfach gestrickte, naive, viel zu früh Mutter gewordene Marilyn Monroe der Vorstadt, gutgläubig, enthusiastisch, liebeshungrig und bereit sich in jeden Idioten zu verlieben, so lange er ihr ein wenig Geborgenheit gibt...

Mit Valerio Mastandrea zu arbeiten war ein Riesenspaß. Er geht mit einer unglaublichen Energie an seine Rollen und manchmal muss man ihn ein wenig bremsen. Er geht sehr hart mit seinen Rollen und eben auch mit sich um. Er macht sich über sich selbst lustig, eine Eigenschaft, die meines Erachtens nur sehr intelligente Leute haben.

Elio Germano ist ein echtes Phänomen. Als ich ihn das erste Mal getroffen habe, für meinen Film „N“, dachte ich, er sei auch im echten Leben genau wie Martino Papucci, der idealistische Protagonist dieses Films. Aber dann entdeckte ich, dass er sich in seine Rollen verwandelt, sogar physisch, und so die Rolle lebt und sie nicht einfach nur spielt.

Paolo Virzi