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Hochburg Der Sünden Film

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Länge: 79 Min | Kinostart: 11.03.2010
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TRAILER-TIPPS

 

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Schauspieler:Aysel Kilic , Annabella Akcal, Hülya Özkaner, Selda Vogelsang, Volker Lösch, Beate Seidel, Suzan Ögünc, Fatma Gülcan Genc, Leyla Ibaoglu, Ruhsar Aydogan, Yasmin Sen, Bernd Freytag, Lale Asasi, Aynur Sahin, Nuray Kahraman, Senay Yilamz, Sebnem Maier,Tülay Deniz, Jessica Foitzik, Serap Yadigar

Die Story:Aysel ist gläubige Muslima und lebt seit vielen Jahren ein wohl behütetes Leben als Hausfrau und Mutter in der schwäbischen Provinz. Als sie erfährt, dass am Stuttgarter Staatstheater türkische Laiendarstellerinnen für die Tragödie Medea gesucht werden, sieht sie die Chance ihrer Langeweile zu entfliehen und bewirbt sich. Was sich am Anfang nach ein wenig Abwechslung anhört, stellt Aysels Weltbild bald auf eine harte Probe. Der Regisseur Volker Lösch will die Narrenfreiheit des Theaters nutzen, um in die teils sehr verschlossene Welt der muslimischen Frauen vorzudringen. Während der Entstehung des Stücks wird Aysel so mit den tragischen Lebensgeschichten anderer muslimischer Frauen konfrontiert, die sie bisher nur vom Hörensagen kannte. Als einzige Kopftuchträgerin muss sie ihre Werte und ihren Lebensstil gegenüber moderneren Türkinnen verteidigen. Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der eigenen Tradition, gerät Aysel in einen Glaubenskonflikt und wird gezwungen, ihr eigenes Leben zu hinterfragen. Aysel beginnt zu kämpfen, gegen Klischees, gegen die Sittenlosigkeit am Theater und zuletzt gegen sich selbst.

Technikinfos:Bildformat: 4:3; Ton: Stereo



Autorenstatement
Als mir Volker Lösch von seiner Idee erzählte, Medea mit muslimischen Frauen zu inszenieren, habe ich lange überlegt, welche Berührungspunkte es in meinem Leben mit der türkische Frauenkultur gibt und ich musste mir eingestehen, dass, außer einer Hand voll Klischees nichts da war. Was mich aber von Anfang reizte war das Aufeinandertreffen dieser zwei doch sehr unterschiedlichen Lebenswelten, und genau an dieser Reibefläche wollte ich den Film ansetzten. Die vielfältigen und beeindruckenden Lebensgeschichten dieser türkischen Frauen können in einem Film gar nicht wiedergegeben werden. Letztlich habe ich mich für die Geschichte von Aysel entschieden, eine Frau die sich so herrlich in Situationen reinsteigern konnte. Oft hat sie mich mit ihrer Engstirnigkeit zurückgestoßen und mich schon kurze Zeit später durch ihre Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, wieder für sich eingenommen.


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Eure Kommentare zu "Hochburg Der Sünden Film":

lale schöne doku hab ich schon was von gehört

 


„Vielleicht ist das, was ich mache nur ein verzweifelter Trick.“ sagt der erfolgreiche Theaterregisseur Volker Lösch. Im eng angelegten Zeitplan des Kulturbetriebs bleibt ihm kaum noch Zeit sich außerhalb des Theaters mit Leben aufzuladen und das führt in seinen Augen zwangsläufig zu Beschränkung des eigenen Horizonts. Für seine nächste Inszenierung will er die Narrenfreiheit des Theaters nutzen, um in die teils sehr verschlossene Welt der muslimischen Frauen vorzudringen. In einem Casting am Stuttgarter Staatstheater wollen Volker und seine Dramaturgin Beate Seidel die Besetzung für die Figur der Medea finden. Sie soll von 17 türkischen Laiendarstellerinnen verkörpert werden, die später als Chor auftreten.

30 km weiter südlich von Stuttgart, in Nürtingen lebt Aysel Kilic. Sie ist gläubige Muslima, hat mit 16 Jahren geheiratet, und drei Kinder großgezogen und hatte in all den Jahren keinen Freiraum für Selbstverwirklichung. Inzwischen sind ihre Kinder groß und Aysel verspürt mehr und mehr eine Sehnsucht, sich auch außerhalb der vertrauten Mutter- und Hausfrauenrolle auszuprobieren. „Putzen und kochen habe ich satt.“ Was soll ich nur machen? - fragt sich Aysel immer wieder. Vieles von dem was sie spannend findet, kollidiert mit ihrem Religionsverständnis. Als sie erfährt, dass am Stuttgarter Staatstheater türkische Laiendarstellerinnen gesucht werden, sieht sie eine Möglichkeit, ihrer Langeweile zu entfliehen. Trotz großer Bedenken, siegt ihre Neugierde und Aysel bewirbt sich.

Hier beginnt unser Film.
Als Aysel zum ersten Mal in ihrem Leben ein Theater betritt, ahnt sie noch nicht, dass diese Erfahrung ihr bisheriges Weltbild auf eine harte Probe stellen wird. „Theater, das ist doch zum Träumen“ dachte sie immer. Doch damit hat der politisch engagierte Dauerprovokateur Volker Lösch wenig im Sinn. Die Konfrontation mit dem Negativen, stärkt im Menschen das Positive“, davon ist Lösch überzeugt und wenn man sich einen Stoff wie Medea aussucht, kann es nur um die Befreiung der Frau aus dem Patriarchat gehen. Doch mit solchen Fragen hat sich die wohlbehütet aufgewachsene Aysel noch nie beschäftigt. Während der Entstehung des Stücks wird sie mit den tragischen Lebensgeschichten anderer muslimischer Frauen konfrontiert, die sie bisher nur von Hörensagen kannte. Als einzige Kopftuchträgerin muss sie ihre Werte und ihren Lebensstil gegenüber moderneren Türkinnen verteidigen. Aysels lebensfrohe und sympathische Art baut im Verlauf der Proben viele Vorurteile und Berührungsängste vor Kopftuchträgerinnen ab. Doch wenn sie in voller Überzeugung Männer als die besseren Menschen preist, ertönt in der Gruppe der Frauen ein lauter Aufschrei.

Annabella kann diese Meinung unmöglich teilen. Ihr Exmann hat sie und ihren gemeinsamen Sohn für ihre Schwester sitzen lassen und ihr noch eine Beziehung zu dritt angeboten. „Meinst du, das hätte er bei einer Deutschen auch so gemacht?“ fragt Nuray dazwischen. Für Aysel ist der Fall klar: „deine Schwester ist verdorben, mit klaren Regeln und Gesetzen wäre so etwas nicht passiert.“ Diese Regeln und Gesetze wirken auch auf Aysel und da nach ihrem Koranverständnis die Stimme der Frau in der Öffentlichkeit und auch das Präsentieren auf einer Bühne als eine Sünde gilt, ist Aysel unter ständiger Anspannung. „Das ist der Teufel in mir“ gibt Aysel in einer Runde mit den anderen Frauen zu. „Nur weil es mir Freude macht auf der Bühne zu stehen, sollte ich das Ganze eigentlich nicht machen.“

Ganz anders hingegen empfindet Hülya. Sie ist die Alterspräsidentin der Gruppe und als sie voller Mut das erste Mal ihre eigene Lebensgeschichte vorliest, kann sie ihre Tränen nicht verbergen. Jahrelang musste Hülya eine Spirale der Gewalt und Unterdrückung durch die eigene Familie und fremde Männer ertragen. Mit ihrem Engagement am Theater will sie anderen Frauen Mut machen, sich zu wehren. „Ich möchte dass dieses Stück das wird, was dieses Wort Medea bedeutet, die Frau die um das kämpft, was sie will.“

Trotz vieler tragischer Lebensgeschichten versprüht die Gruppe der türkischer Frauen eine Lebensfreude und Kraft die ansteckend wirkt, das spürt auch Aysel. Ob das Stück etwas in ihr verändere, will eine der Frauen von Aysel wissen, und nach einer langen schweren Pause gesteht sich Aysel erste Zweifel ein. Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der eigenen Tradition, gerät Aysel in einen Glaubenskonflikt und wird gezwungen, ihr eigenes Leben zu hinterfragen. Aysel beginnt zu kämpfen, gegen Klischees, gegen die "Sittenlosigkeit" am Theater und zuletzt gegen sich selbst.