Coco Chanel Und Igor Stravinsky Film Trailer
Freigegeben ab 6 Jahre | Länge: 132 Min | Kinostart: 15.04.2010
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Darsteller:Mads Mikkelsen, Anna Mouglalis, Elena Morozowa, Natacha Lindinger, Grigori Manoukov, Rasha Bukvic, Nicolas Vaude, Anatole Taubman, Eric Desmarestz, Clara Guelblum, Maxime Danielou, Sophie Hasson, Nikita Ponomarenko, Catherine Davenier, Olivier Claverie
Die Story:Paris 1913: Im Théâtre des Champs-Élysées in Paris findet die Uraufführung von Igor Stravinskys - Le sacre du printemps - (Die Frühlingsweihe) statt. Coco Chanel besucht die Vorführung und ist fasziniert. Aber das revolutionäre Stück ist zu modern, zu radikal: Die Premiere wird zu einem gigantischen Skandal. Stravinsky ist am Boden zerstört. Sieben Jahre später - Coco Chanel ist inzwischen wohlhabend, angesehen und erfolgreich - begegnen sich die beiden wieder. Die Anziehungskraft zwischen ihnen ist sofort spürbar und elektrisierend. Coco Chanel bietet Stravinsky, der seit der russischen Revolution als Flüchtling im Pariser Exil in ärmlichen Verhältnissen lebt, an, in ihre Villa in Garches bei Paris zu ziehen, um dort in Ruhe arbeiten zu können. Stravinsky nimmt Chanels großzügige Offerte an und zieht mitsamt seiner vier Kinder und seiner schwindsüchtigen Gattin in die Villa. Und so entwickelt sich zwischen den beiden kreativen Giganten eine leidenschaftliche Liebesaffäre.
Hintergrund:Die Produktion Coco Chanel & Igor Stravinsky wurde unterstützt von Karl Lagerfeld und CHANEL, die dem Team großzügig ihre Archive und ihre Kollektionen zur Verfügung stellten. CHANEL stattete Anna Mouglalis für die Rolle der Coco Chanel mit einigen Original-Kleidern und -Accessoires von Coco Chanel aus. Zusätzlich entwarf Karl Lagerfeld einen ‚zeitlosen’ Anzug und ein besticktes Abendkleid für die Szenen rund um die legendäre Premiere von - Le sacre du printemps -. Um die Welt der Coco Chanel möglichst exakt wiedergeben zu können, ermöglichte CHANEL den Filmemachern außerdem freien Zugang zu allen Archiven und zum berühmten Apartment von Coco Chanel in der Rue Cambon 31 in Paris.
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Das Leben von Chanel
Großartig, schillernd, ereignisreich, voller Herausforderungen und Überraschungen – das Leben der Gabrielle Chanel ist ein schier unglaubliches Schicksal inmitten eines sehr ereignisreichen Jahrhunderts. “Manchmal ist die Realität spannender als die Fiktion”, dieser von Filmemachern gerne zitierte Satz trifft auf die Vita der Gabrielle Chanel voll und ganz zu.
Mehr als vierzig Biografien wurden bisher über diese bemerkenswerte Frau verfasst. Ihr Leben spiegelt das 20. Jahrhundert wider, in ihren Wünschen und Liebesbeziehungen, in ihrer Rebellion und ihrem Stil. Die kleine Gabrielle, am 19. August 1883 in sehr bescheidenen Verhältnissen geboren, verliert früh ihre Eltern. Auf einer Klosterschule wird sie unterrichtet, unter anderem im Nähen, und gleich nach Schulabschluss beginnt sie als Lehrling in einer Strumpfwarenfirma. Sie stickt, sie näht – und sie langweilt sich, weshalb sie Zerstreuung bei Konzerten und in diversen Cafés sucht. Die attraktive junge Frau erfährt schnell überall Aufmerksamkeit, und wenn sie selbst gelegentlich die Bühne erklimmt und als Sängerin auftritt, ist das Publikumsofort begeistert. Die Zuhörer lieben sie und bedenken sie bald mit dem Spitznamen “Coco”.
Etienne Balsan, ein reicher Rennpferd-Züchter, entdeckt sie und verliebt sich sofort in sie. Mit seiner Hilfe entdeckt sie die Welt des Reitsports, die ihr bald zu einer großen Inspirationsquelle wird. Besonders die Hüte, die von den Damen dieser Gesellschaft getragen werden, erinnern sie an Fleischpasteten. In Balsans Bekanntenkreis lernt sie Arthur ‘Boy’ Capel kennen, die große Liebe ihres Lebens. Capel ermutigt sie und gewährt ihr auch die notwendige finanzielle Unterstützung für ihren ersten Hut-Laden, den Coco Chanel 1910 in der Rue Cambon in Paris eröffnet. Schnell folgen weitere Läden in Deauville, Biarritz und Cannes. Chanels Erfolg ist rasant, und sehr bald ist sie in der Lage, Capel das geliehene Geld bis auf den letzten Centime zurückzuzahlen.
Die junge Coco Chanel ist eine Hutmacherin und Modedesignerin, wie es sie bisher noch nicht gab. Als die ersten amerikanischen Modemagazine über sie berichten, ist das wie ein Donnerschlag, und die Auswirkungen ihrer Kollektionen sind weltweit zu spüren. Die maskuline Energie ihrer Entwürfe, die sich immer weiter entwickelnden und vereinfachenden Ideen werden schnell mit dem Attribut ‘androgyn’ versehen. Sie verarbeitet bislang typisch männliche Kleidungsstücke zu einer auch für Frauen tragbaren Variante: Hosen, Pyjamas, Seemannspullover, Shirts. Ihre Liebhaber haben stets einen direkten Einfluss auf die jeweils aktuelle Kollektion: Vom russischen Großherzog Dimitri borgt sie sich die ‘roubachka’, den berühmten Russenkittel, dazu die bestickten und mit Pelz besetzten Mäntel. Der Ausstattung der Yacht des Duke ofWestminster entlehnt sie die Marinehemden, die Goldknöpfe, die weißen Aufschläge an den Jacken und die Tweedjacketts.
1921 startet Chanel ihre erste Parfüm-Serie, das legendäre CHANEL Nº5, das aus einem Mix aus Mairosen und Jasminessenzen besteht. Als erste Parfumeurin verwendet Chanel zur Fertigung Aldehyde, also künstlich hergestellte Duftstoffe. Der Erfolg dieses Parfüms ist bis jetzt weltweit unerreicht. Heute noch wird alle 55 Sekunden irgendwo auf der Welt eine Flasche CHANEL Nº5 verkauft. Und Marilyn Monroe antwortete einst auf die Frage, was sie eigentlich im Bett tragen würde, nur lakonisch: “CHANEL Nº5 natürlich.”
Coco Chanel entwickelte ihren ganz unverwechselbaren Stil, der bis heute das Haus CHANEL kennzeichnet. Ihr “Kleines Schwarzes” von 1926 etwa ist ein wahrer Geniestreich. “Frauen denken an alle Farben, nur nie an die Abwesenheit von Farbe. Ich finde, Schwarz hat alles. Weiß ebenso. In beiden liegt die absolute Schönheit. Die perfekte Harmonie und Klarheit”.
1932 präsentiert sie der vor Ehrfurcht ergriffenen Pariser Gesellschaft erstmals eine eigene Schmuck-Kollektion, ausschließlich aus Platin und aus Diamanten, ihren persönlichen Lieblingssteinen, gefertigt. Chanel umgab sich stets mit den größten Genies ihrer Zeit: Sie arbeitet für Theaterinszenierungen mit Cocteau und Picasso zusammen, sie unterstützt Stravinsky, Diaghilew, Raymond Radiguet und Pierre Reverdy. Sie ist überall, in Venedig mit Freunden wie Misia Sert, in Paris, natürlich im Ritz, wo sie eine ständige Wohnung besitzt. Sie ist die vollendete Businessfrau, die nichts dem Zufall überlässt. Ihre Entscheidungen klingen wie Aphorismen: “Wenn man ohne Flügel geboren wird, sollte man sie später nicht am Wachsen hindern.” oder “Ich will nichts hören über Mode von CHANEL. CHANEL ist ein Stil. Mode vergeht, Stil bleibt.”
1939 schließt sie ihr Geschäft. Erst im Alter von 71 Jahren wird sie wieder zurückkehren in die Modewelt. Im Februar 1954, mit einer Modenschau, die für immer unvergesslich bleiben wird und die CHANEL im Nu wieder an die Spitze der Branche katapultierte. Es ist die zweite Revolution aus dem Hause CHANEL: Coco erfindet das Tweed-Kostüm, die “2.55”-Tasche aus gestepptem Leder, die Kamelienblüte und den zweifarbigen Schuh...
Auf einen Schlag ist sie wieder die Kaiserin der Mode in einer Welt, die sich einbildete, ohne sie auskommen zu können. Sie startet den Herrenduft “Pour Monsieur” und wird in Dallas mit dem Fashion Oscar als “einflussreichste Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts” ausgezeichnet.
Ihr gesamtes Leben, ihre Liebesbeziehungen und ihr Stil sind in ihrer Arbeit lebendig. Sie errichtete keine Grenzen, alles steht miteinander in Verbindung: Ihre Mode ist deutlich durch ihr eigenes Leben bestimmt und geformt worden. Die Sportarten, die sie selbst ausübte, spiegeln sich in ihren Entwürfen wider, in der Einfachheit ihrer Kleidung. Die Schmuckstücke, die man ihr schenkte, kehren in ihren Entwürfen zurück, ihre Reisen, ihre Freundschaften, ihre Begleiter, ihr Aberglaube – alles ist enthalten. Jedes Detail ihres Lebens hat sie umgedreht, um daraus Mode erfinden zu können.
Am10. Januar 1971 stirbt Coco Chanel, wenige Tage vor ihrer großen Frühjahr-Sommer-Haute Couture-Show. Die Welt verabschiedete sich von einer der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Das große Buch über die Geschichte von CHANEL ist noch längst nicht zu Ende geschrieben.
Grasse, Südfrankreich, 1921
Die bereits überall gefeierte Coco Chanel überträgt Ernest Beaux, dem früheren Hofparfümeur des russischen Zaren, die Komposition ihres ersten Parfüms. IhrWunsch: “ein Frauenduft, der nach Frauen riecht”.
Chanel träumt von einem revolutionären Parfüm, ganz in ihrem eigenen, unverwechselbaren Stil. Nicht nur “hübsch”, sondern einzigartig und ungewöhnlich soll der Duft sein. Umdas so überzeugend wie möglich hinzubekommen, greift Chanel zur Künstlichkeit: “Es ist ein künstliches Parfüm, und ich meine künstlich in der Weise, wie auch ein Kleid künstlich ist. Weil es ja erst hergestellt wurde.” Ernest Beaux präsentiert ihr schließlich zwei Reihen mit Proben, die von 1 bis 5 und von 20 bis 24 durchnummeriert sind. Sie entscheidet sich schließlich für die No 5. Es ist das erste Parfüm, das natürliche Duftstoffe und Aldehyde, also synthetische Essenzen, kombiniert.
Für Chanel ist das Wichtige der Inhalt. Sie selbst entwirft den minimalistischen Flakon, um diese Aussage zu betonen: eine möglichst schlichte Glasflasche mit einem klaren, nur schwarz und weiß beschrifteten Etikett. Der Avantgarde-Status des Parfüms ist so enorm, das Aussehen des Duftes so ungewöhnlich und neuartig, dass CHANEL Nº5 bereits 1959 im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wird. Fünf Jahre, nachdemMarilynMonroe ihr berühmtes Statement zu dem Duft abgab und damit Coco Chanels erstes Parfüm in Höhen größter Popularität katapultierte.
Nach Marilyn gab es noch eine Vielzahl anderer Schauspielerinnen, die ihr Gesicht für einWerbeplakat mit CHANEL Nº5 liehen: Candice Bergen, Ali MacGraw, Lauren Hutton, Catherine Deneuve, Carole Bouquet, Nicole Kidman und Audrey Tautou. Gefeierte Regisseure wie Ridley Scott, Gérard Corbiau, Luc Besson, Baz Luhrmann und Jean-Pierre Jeunet haben es gepriesen, und durch Andy Warhol wurde das Parfüm selbst zu einer Ikone des 20. Jahrhunderts. “Eine Frau ohne Parfüm ist eine Frau ohne Zukunft”. (Coco Chanel)
Das Leben von Stravinsky
Drei unterschiedliche Vaterfiguren bestimmen die ersten Jahre im Leben des Igor Stravinsky.Geboren am17. Juni 1882 inOranienbaum, während seine Eltern dort zur Sommerfrische wohnten, wächst Igor imnahen St. Petersburg auf. Sein Vater ist Opernsänger, und obwohl der junge Stravinsky nach Aussagen seines Vaters wie auch nach der Meinung einiger Lehrer wenig musikalisches Talent aufweist, möchte er unbedingt Musik studieren, um anschließend Komponist werden zu können.
Sein Vater drängt ihn zum Jurastudium, doch er stirbt bereits 1902, und der Sohn kann seinen eigenen Traum verwirklichen. Stravinsky trifft bald auf Nikolai Rimsky-Korsakow, den berühmten Komponisten, der ihm vom Konservatorium abrät und ihn selbst unterrichtet. In dieser Phase komponiert Stravinsky bereits sein erstesWerk. 1907 entsteht die “Symphonie in C”. Rimsky-Korsakow stirbt ein Jahr später und Stravinsky widmet ihm eine Totenklage. DasManuskript ist in denWirren der Russischen Revolution verloren gegangen.
1906 heiratet er seine Cousine Catherine Nossenko, die ihn stets ermutigt und stützt. Théodore wird im folgenden Jahr geboren, danach eine Tochter namens Ludmilla. Igor Stravinsky komponiert weiter – später nennt man diese Phase seine Russische Periode. Der dritte Mann, der in Igor Stravinskys Leben eine enorme Rolle spielt, ist Sergei Diaghilew, ein berühmter Kunstkritiker, Theaterdirektor und Begründer des Russischen Balletts. Diaghilew bittet Stravinsky, dessen bislang veröffentlichte Stücke ihn stark beeindruckt haben, um einige Kompositionen. Die erste Saison von Diaghilews Russischem Ballett in Paris wird ein grandioser Triumph. Während dieser Zeit wird Stravinsky, der zwischenzeitlich in der Schweiz lebt, zum dritten Mal Vater. Sohn Soulima wird geboren. Stravinsky steckt mitten in der Arbeit an seiner Oper “Le Rossignol”, als Diaghilew ihn um ein Ballett bittet: “Der Feuervogel”. Das Stück markiert den Beginn von Stravinskys an westlicher Kultur orientierter Phase und macht ihn über Nacht zum Liebling der Pariser Gesellschaft.
Paris Und Die Belle Époque
Als Stravinsky in Paris eintrifft, ist die “Stadt der Lichter” das unangefochtene kulturelle Zentrum der Welt. Zwei Weltausstellungen, der Eiffelturm, die Metro, 175 Kinos, Petit und Grand Palais und Montmartre und Montparnasse, zwei ganze Stadtviertel voller künstlerischer Unruhe und Kreativität. Fauvismus, Kubismus, Expressionismus haben die Hauptstadt deutlich beeinflusst.
Paris und Diaghilews Angebote, für das Russische Ballett zu arbeiten, befreien Stravinsky endgültig aus dem künstlerischen Einfluss seines Ziehvaters Rimsky-Korsakow.
Die nächste Auftragsarbeit, “Petruschka”, zeigt bereits eine deutliche künstlerische Veränderung. Doch erst die nächste Ballettmusik, “Le sacre du printemps”, weist sämtliche musikalische Neuerungen Stravinskys auf. Seiner außergewöhnlichen rhythmischen und klanglichen Strukturen wegen gilt das Ballett noch heute als Schlüsselwerk der Musik des 20. Jahrhunderts. Stravinskys Werk ist von maßgeblichem Einfluss auf die moderne Klassik, auf Jazz und viele zeitgenössische Musiker. Die Uraufführung von “Le sacre du printemps” endet in einem riesigen Eklat. Stravinsky erkrankt an Typhus und verbringt sechs Wochen in einem Sanatorium. Kurz danach wird sein viertes Kind geboren, Tochter Maria Milena. Seine Frau erfährt in dieser Zeit, dass sie an Tuberkulose leidet und keine Hoffnung auf Besserung mehr besteht.
Gemäß seiner Erkenntnis, dass “immer in dieselbe Richtung gehen einen Rückschritt bedeutet”, ändert Stravinsky bereits wieder seinen Stil. Er fügt seiner bereits fertig gestellten Oper einen Prolog hinzu. Diaghilews Tätigkeit wird durch den Krieg jäh beendet. Stravinsky komponiert in der Phase von 1914 bis 1917 Bühnenwerke wie das Ballett “Les Noces” und die Oper “Le renard (Reinecke Fuchs)”. Die folgende Oper “Histoire du soldat” (Die Geschichte vom Soldaten) leitet bereits in seine nächste schöpferische Phase, die “neoklassische Periode” über.
Imvon Jazz, Art Deco und Dada beeinflussten Paris arbeitet Stravinsky mit anderen Künstlern wie Pablo Picasso, Jean Cocteau oder George Balanchine zusammen. Das berühmte Klaviermusik-Label Pleyel schließt mit ihm einen ersten Vertrag und stellt weitere Aufnahmen in einem Tonstudio in Aussicht.
Dann macht ihn Diaghilew mit einer Bewunderin bekannt, die selbst keine Unbekannte ist im Paris der Zwanzigerjahre: Coco Chanel. Stravinsky verliebt sich sofort in sie. Und sie wird seine Arbeit auch noch lange Zeit nach dem Ende ihrer kurzen, aber heftigen Affäre großzügig unterstützen.
1934 erhält Stravinsky die französische Staatsbürgerschaft. Aber ab 1938 folgen in seinemLeben die Tragödien kurz nacheinander: Erst stirbt seine Tochter Ludmilla an Tuberkulose, kurz danach seine Frau und anschließend auch noch seineMutter. Der ZweiteWeltkrieg bricht aus. Stravinsky zieht in die USA.
Er hält Vorlesungen in Harvard, und mit seiner Freundin und späteren Frau Vera de Bosset lässt er sich in Hollywood ganz in der Nähe von Arnold Schoenberg nieder. Stravinsky, der sich als Künstler stets der unterschiedlichsten Kulturkreise und Sprachen bediente, gilt als eines der Genies seiner Zeit. In Kalifornien hat er Kontakt zu den kreativsten Europäern im Exil: Otto Klemperer, Thomas Mann, Franz Werfel, George Balanchine, Arthur Rubinstein und einigen englischsprachigen Autoren, die ihn besonders verehrten wie beispielsweise Dylan Thomas, Aldous Huxley und W.H. Auden.
Mit Auden plant er gemeinsam eine Oper, und Charlie Chaplin berät er bei musikalischen Fragen für seine Filme. Walt Disney machte die Musik von Stravinsky schließlich einembreiten Publikumbekannt: In demFilmFANTASIA von 1940 setzten Disney und sein Zeichnerteam dieMusik aus “Le sacre du printemps” in die Bilder der Schöpfungsund Dinosauriersequenz um.
Unbeirrt am Experimentieren, sucht Stravinsky auch mit fortgeschrittenen Jahren immerwieder nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Seine dritte Schaffensperiode, der Serialismus, ist deutlich von Arnold Schoenbergs Bewegung der Zwölftonmusik beeinflusst. Parallel zu seinen Kompositionen gibt er Konzerte und dirigiert die Los Angeles Philharmoniker in der Hollywood Bowl.
1945 wird der Kosmopolit Igor Stravinsky amerikanischer Staatsbürger. Beeinflusst von Kino und Fernsehen komponiert er 1962 die TV-Oper “The Flood” (Die Sintflut), die noch im selben Jahr von CBS uraufgeführt wird.
Präsident J.F. Kennedy lädt ihn zum Abendessen ein, Papst Paul VI. gewährt ihm nach einem Konzert im Vatikan eine Audienz. Zum letzten Mal tritt Stravinsky 1967 vor Publikum auf, aber er kann das Orchester nur noch im Sitzen dirigieren. Er zieht nach New York um, wo er zwei Jahre später stirbt. Sein Leichnam wird nach Venedig gebracht, wo man ihn auf der Insel San Michele neben seinem Freund Diaghilew begräbt.
Stravinsky hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. In Paris ist vor dem Centre Georges Pompidou ein Platz nach ihm benannt, auf dem der Stravinsky-Brunnen steht.
Le Sacre Du Printemps - Eine Musikalische Revolution
Während er 1910 an “Der Feuervogel” arbeitete, hatte Igor Stravinsky eine Vision: “Ich stellte mir eine große heidnische Feier vor: Alte weise Männer sitzen im Kreis und schauen dem Todestanz eines jungen Mädchens zu, das geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen.” Er berichtet einem Freund darüber, dem Experten für heidnische Kunstformen Nicolas Roerich, der Sergei Diaghilew davon erzählt. Diaghilew gibt bei dem Tänzer und Choreograph Vaslas Nijinsky ein Ballett-Libretto in Auftrag, das auf eben dieser Idee basieren soll. Er wünscht parallel dazu eine enorme Orchestrierung, die Stravinsky zu komponieren hat. Der macht sich sofort ans Werk.
Das gewaltige, ungewöhnliche, alle Zuhörer in Aufruhr versetzende, unfassbar moderne Werk “Le sacre du printemps” entsteht über weite Teile in dem winzigen Zimmer einer kleinen Pension, in der Stravinsky in dieser Lebensphase mit seiner Frau und den Kindern auf engstem Raum zusammen lebt.
Ein Jahr später ist das Libretto fertig, dieMusik folgt imNovember 1912. Die ersten Proben beginnen Ende des Jahres in Berlin, anschließend inWien, London und Monte Carlo. Sehr schnell entlässt Stravinsky den deutschen Pianisten, um selbst spielen zu können. Doppelt so schnell, um die Tänzer an die Grenzen ihres Leistungsvermögens zu bringen. An seine Mutter schreibt er: “Diaghilew und Nijinsky sind verrückt nach meinem neuesten Kind, ‘Le sacre’.” Nicolas Roerich ist für Dekoration, Ausstattung und die Kostüme verantwortlich. Die Proben für die Aufführung verlaufen nicht ohne Schwierigkeiten. Zwischen Diaghilew und Nijinsky, aber auch beinahe zwischen allen anderen Beteiligten kommt es zu Auseinandersetzungen. Manche sind so heftig, dass die Probenarbeit für einige Zeit brach liegt. Erst imApril 1913 werden die Vorbereitungen wieder aufgenommen. Am 28. Mai 1913, einen Tag vor der Premiere am Théâtre des Champs-Élysées, klappt alles wie am Schnürchen. Die Kostümproben verlaufen reibungslos vor einem neugierigen, äußerst illustren Publikum: Maurice Ravel, Claude Debussy, die gesamte Intelligenzia der Zeit und die ganze Pariser Presse haben sich im Theater versammelt.
Aber am nächsten Tag herrscht das totale Chaos: Die Musik, die Choreographie und selbst die Kostüme erweisen sich als viel zu wagemutig für das völlig überforderte Publikum. Bereits vom ersten Ton des für damalige Verhältnisse extrem hohen Fagottsolos an war erst Gelächter zu hören, das schließlich in lauthals geäußerte Wut überging. Es kommt zu einer Eruption der Empörung. Es war der stoischen Ruhe des Dirigenten Pierre Monteux zu verdanken, dass die Aufführung überhaupt zu Ende gespielt werden konnte.
Der Abend geht in die Geschichte ein als einer der größten künstlerischen Skandale des 20. Jahrhunderts.
Auch wenn diese Uraufführung Stravinsky endgültig zur Berühmtheit machte, verletzte ihn die Reaktion der Zuschauer sehr und er gab nicht zuletzt Nijinsky die Schuld daran, der in seinen Augen das Ballett choreographisch nicht bewältigte. Der große Erfolg, den das Werk 1914 dann in einer konzertanten Aufführung hatte, scheint Stravinsky sogar Recht zu geben, wobei sich inzwischen allerdings auch die Erwartungshaltung des Publikums geändert haben dürfte, da es auf die Besonderheiten und Novitäten des Stücks bereits vorbereitet war.
Das Ballett wurde insgesamt nur sechs Mal aufgeführt. Aber diese sechs Vorführungen markierten den Abschied von den Ideen der alten Werte und Traditionen und deuteten den Aufbruch an zu Neuem, zur Moderne.
Coco & Igor, Der Roman
Mit zwei Gedichtbänden und mehr als einer renommierten Auszeichnung im Gepäck suchte der britische Autor Chris Greenhalgh eine neue Herausforderung. Er fand sie in der bisher in den Biografien eher als Fußnote erwähnten Liebesgeschichte zwischen einem der berühmtesten Komponisten und dem damals gefeierten enfant terrible der Modewelt. Sein Roman “Coco und Igor” aus dem Jahre 2002 ist eine romantische Rekonstruktion der Leidenschaft, die in der Villa von Coco Chanel einen Sommer lang statt gefunden haben könnte. Der Roman verbindet die historisch belegbare Liebesgeschichte gekonnt mit der kreativen Entwicklung der beiden Künstler: “Le sacre du printemps” und der Kreation des Parfüms CHANEL Nº5.
Während seiner Recherche im Vorfeld fand Greenhalgh einmal Stravinskys Musik beschrieben als “Russischer Wodka mit einem französischen Parfüm”.
Sieben Jahre nachdem sich bei Greenhalgh die Liebenden trennten, um jeweils auf anderen Lebenswegen weiterzugehen, bringt Jan Kounen sie nun für einen Film wieder zusammen. Wirklich große Liebe ist eben unsterblich.


