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Min Dit Film Trailer - Die Kinder Von Diyarbakir

FSK Film: 12 | Länge: 102 Min | Kinostart: 22.04.2010
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TRAILER-TIPPS

 

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Schauspieler:Senay Orak, Muhammed Al, Hakan Karsak, Suzan Ilir, Berivan Ayaz, Fahriye Celik, Alisan Önlü, Berivan Eminoglu, Mehmet Inci, Cekdar Korkusuz, Recep Özer

Die Story:Das 10-jährige Mädchen Gulistan und ihr kleiner Bruder Firat leben mit ihren Eltern in Diyarbakir, im Herzen des kurdischen Teils der Türkei. Auf dem Rückweg von einer Hochzeit müssen Gulistan und Firat vom Rücksitz des Autos mit ansehen, wie ihre Eltern bei einer nächtlichen Straßenkontrolle von türkischen Paramilitärs erschossen werden. Gulistan und Firat werden von ihrer politisch aktiven Tante Yekbun aufgenommen, die über ihre Kontakte zum kurdischen Widerstand versucht, für die ganze Familie Flugtickets zu ihren Verwandten in Schweden zu organisieren. Doch eines Tages verschwindet auch Yekbun spurlos. Von nun an sind die beiden Geschwister auf sich allein gestellt. Ihr Weg führt unweigerlich in Armut und soziales Elend. Da sie Strom und Miete nicht mehr bezahlen können, müssen sie die Wohnung ihrer Tante räumen und finden sich auf der Straße wieder. Sie schließen Freundschaft mit der 12-jährigen Zelal, die schon länger als Obdachlose auf den Straßen Diyarbakirs lebt. Nachts schlafen sie in den Ruinen einer alten armenischen Kirche. Als Gulistan in der Stadt den Mörder ihrer Eltern zufällig wieder begegnet, weiß sie, dass der Tod ihrer Eltern nicht ungestraft bleiben darf. Der Mann, dessen Gesicht weder Gulistan noch Firat vergessen konnten, lebt als ungescholtener Familienvater unter ihnen. Niemand ahnt etwas von seinem Doppelleben als Mitglied der türkischen Geheimpolizei. Schließlich erreicht Gulistan ihr Ziel ganz ohne Gewaltanwendung, indem sie – so, wie sie es in einem kurdischen Märchen gehört hatte – dem Wolf eine Glocke um den Hals bindet.

Hintergrund:Während des Bürgerkrieges zwischen türkischer Armee und kurdischen Rebellen befanden sich die kurdischen Provinzen im Ausnahmezustand. Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 18.000 politisch aktiven kurdischen und türkischen Bürgern, die von Paramilitärs ermordet wurden oder spurlos verschwanden. Während in Ländern wie Argentinien und Chile längst eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der grausamen Vergangenheit stattgefunden hat, steht diese für die Türkei noch aus. MIN DÎT ist ein Versuch, ein wenig Licht in diese finstere Periode zu bringen.

Technikinfos:Bildformat: 35mm/2,35; Ton: Dolby Digital



Die Kinder
Alle Kinder in MIN DÎT sind Laiendarsteller. Ich habe einen Monat lang ein Kindercasting gemacht, wobei ich in erster Linie Stadtteilinitiativen in den sozial schwachen Stadtteilen besucht und die Kinder einfach nur beobachtet habe. Ich habe dann ein paar von ihnen ausgewählt und gecastet.

Senay Orak (Gulistan) hat mich durch ihre Selbstsicherheit und ihren unbedingten Willen verblüfft, in dem Film mitzuspielen. Nach einem Treffen mit ihr habe ich in ihrem Stadtteil ein weiteres Casting mit rund zwanzig Mädchen abgehalten. Noch während ich dabei war, den Kindern von den Figuren im Film zu berichten, riss Senay die Tür auf und trat ein. Sie hatte ihre drei jüngeren Geschwister dabei, auf die sie an dem Tag wohl aufpassen musste. Sie unterbrach mich und erklärte den anderen Mädchen, dass sie und niemand anders die Rolle der Gulistan spielen werde. Senay hat anders gelagerte traumatische Erlebnisse in ihr Spiel einfließen lassen und dadurch verarbeiten können. Gleichzeitig ging sie sehr bewusst als Schauspielerin an ihre Rolle heran.

Muhammed Al (Firat) hat mich überzeugt, indem er sich völlig ins Spiel ergeben hat. Es war so, als würde er mit anderen Kindern spielen, statt vor einem Filmteam zu schauspielern. Er versank völlig in seiner Tätigkeit, brachte dabei aber auch ein großes Verständnis für die Figur mit.

Suzan Ilir (Zelal) begegnete mir auf dem Friedhof, wo ich nach einem blinden, alten Mann suchte, der den Großvater spielen könnte. Sie verkaufte dort Wasser. Ich kam mit ihr ins Gespräch. Sie war an dem Filmprojekt interessiert, wollte mir aber partout nicht ihren Namen und ihre Adresse nennen. Ich holte also eine Liste möglicher Darsteller hervor, auf der auch Namen standen, die mir von Dritten empfohlen worden waren. Sie entdeckte ihren Namen auf der Liste und sagte nur knapp: „Du hast ihn doch schon. Wann fangen wir an?“

Gestern und heute
Als Zufluchtsort für die Kinder habe ich die Ruinen der armenischen Kirche St. Grigaros in Diyarbakirs Altstadt ausgesucht. Die Ortswahl sollte darauf verweisen, dass die Spirale der Gewalt weit in die Vergangenheit zurückreicht. MIN DÎT geht nicht auf die genozidale Katastrophe ein, der die Armenier in der gleichen Region vor rund einem Jahrhundert ausgesetzt gewesen sind. Ich wollte lediglich eine Parallele zur Thematik des Filmes aufzeigen: Solange nicht in offenen gesellschaftlichen Debatten darüber geredet werden kann, was geschehen ist, werden die jeweiligen Probleme weiter im Raum stehen. Und wenn es nur in Gestalt einer zerstörten Kirche ist.

Den Alltag bewältigen
Die beiden Geschwister in MIN DÎT finden je einen eigenen Umgang mit ihrer Situation. Firat schließt sich einer Gruppe von Straßenjungs an, die sich mittels Kleinkriminalität durchs Leben zu schlagen versuchen, aber das Erwirtschaftete teilen und eine Gemeinschaft gründen, in der sie Halt finden.

Gulistan wiederum kann die ältere Dilan als einen Menschen mit einer vergleichbaren Geschichte erkennen. Die beiden üben eine stille Solidarität miteinander aus, die auf gegenseitiger emotionaler Unterstützung gründet. Dabei ging es mir durchaus darum, geschlechtsspezifische Reaktionsmuster nachzuzeichnen, die man in der Stadt vorfindet.

Der Alltag der Kinder von Diyarbakir wird sich so schnell nicht ändern. Meine beiden Protagonisten suchen deshalb einen Ort für den Neuanfang. Die Zuschauer wissen aber schon, wohin dieser Weg Firat und Gulistan führen wird. Ich hoffe, der Film verleiht dem Geschehenen ein Gesicht, zu dem auch Zuschauer im Westen der Türkei eine Beziehung aufbauen können. Ich möchte mit MIN DÎT zumindest dafür sorgen, dass sie wissen, woher diese Kinder kommen.

Drehen ohne Geld
Die Idee, in Diyarbakir einen Film zu drehen, entstand nicht nur aus der Faszination für die Stadt und ihrer politischen Brisanz heraus. Ein weiterer Faktor war auch meine Frustration darüber, wie wenig Chancen Deutschland jungen Filmemachern bietet. Ein Äquivalent zum cinema beur z.B. ist hierzulande nie zustande gekommen. Nach ersten Versuchen, einen Spielfilm zu drehen, wurde mir sehr bald klar, dass es in Deutschland kaum möglich ist, ohne großes Geld einen Film zu drehen. Also habe ich die Zelte abgebrochen und bin nach Diyarbakir gezogen. Nach Vorbild des iranischen Autorenkinos wollte ich mit digitaler Technologie einen Film drehen, der wenig kostet und der von dem lebt, was eine Stadt wie Diyarbakir zu bieten hat.

Ich hatte ein mageres, privat akquiriertes Anfangsbudget, mit dem ich gerade mal eine gute Kamera leihen und ein Team zusammenstellen konnte. Nach einigen Wochen Dreharbeiten war das Geld aufgebraucht. Doch wir waren schon zu weit fortgeschritten, um jetzt aufzugeben. Meine Mutter verkaufte ihr Haus und mein Onkel übernahm die Hotelrechnungen für die Crew. So gelang es uns, den Dreh abzuschließen. Ich kehrte mit dem Material nach Berlin zurück, ließ mir von meiner Schwester einen kleinen Heimschnittplatz finanzieren, und fertigte eine erste Rohschnittfassung an, die ich Fatih Akin zeigte, mit dem mich seit meiner Kurzfilmzeit eine enge Freundschaft verbindet. Dank der Unterstützung seiner Firma corazòn international konnten wir den Film fertigstellen.


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Eure Kommentare zu "Min Dit - Die Kinder Von Diyarbakir":

sibel endlich wird mal die realit?gezeigt find ich echt gut

 





Die Stadt
Der Film entstand komplett in Diyarbakir, wo er auch spielt. Seit den Tagen des Bürgerkriegs in den 90er Jahren ist die Stadt von 300.000 Einwohnern auf 1,5 Millionen angewachsen. Die unablässige Zuwanderung von Bürgerkriegsflüchtlingen hat die historische Kleinstadt in eine Metropole verwandelt.

Ich bin Ende 2005 von Berlin nach Diyarbakir gezogen, um dort einen Film zu drehen. Ich kam ohne eine vorgefaßte Geschichte dort an. Ich brauchte diese Unvoreingenommenheit, um mich auf die Stadt einzulassen. Denn sie entsprach überhaupt nicht dem Bild, das ich mir vorher von ihr gemacht hatte. Nicht etwa der Ausnahmezustand bestimmt das Straßenbild in Diyarbakir. Es ist eine Stadt, in der sich die Menschen einen Alltag geschaffen haben, der ihre Narben und Traumata außen vor lässt. Für viele von ihnen ist es scheinbar zur Normalität geworden, mit den Folgen politischer Gewalt zu leben.

Als indirekte Folgen des kriegsartigen Zustandes grassieren Drogenkonsum und Prostitution. Der Krieg hat die Menschen, wie die Protagonisten in meinem Film, ein für alle Mal aus ihrem vorherigen Leben herausgerissen. Aber er hat ihnen auch ihre Zukunft geraubt. Die Menschen erleben ihre Gegenwart als ein auswegloses Chaos ohne Chance auf Entwicklung. Dies gilt insbesondere für die Kinder. Dabei überrascht und fasziniert immer wieder der Wille, dieses Chaos aus eigener Kraft heraus umzugestalten.

Viele Familien bemühen sich nach Kräften, ihren Kindern eine Perspektive jenseits des grausamen Alltags zu bieten. Doch andere Familien sind psychisch so stark zerrüttet, dass sich quasi jeder zuerst um sich selbst kümmern muss. Mit Gewalt und Armut wächst auch der Individualismus. Die traditionellen sozialen Netze reißen. An ihre Stelle treten neue, dynamische, aber auch sehr ambivalente Organisationsformen, wie ich sie in meinem Film versucht habe darzustellen.

Die Geschichte
Nach wenigen Monaten Recherche wurde mir klar, dass es in dem Film um die Opfer staatlicher Morde in den Neunzigern gehen sollte. Ich begann, nach persönlichen Geschichten zu recherchieren, und machte gemeinsam mit meiner Co-Autorin Evrim Alatas einen Termin beim Menschenrechtsverein IHD. Dort wurde mir eine zwanzigjährige Frau vorgestellt, die ich zu meiner Überraschung bereits kannte. Zwei Tage zuvor hatte ich sie zufällig mit einer Gruppe anderer Jugendlicher in einem Straßencafé kennen gelernt. Über sich selbst hatte sie kaum gesprochen. Jetzt erzählte sie mir ihre bewegende Lebensgeschichte, aus der dann später die Hauptidee des Filmes entstand.

Zweifelsohne ist die Zahl der politischen Gewaltakte im Vergleich zu den 90er Jahren stark zurückgegangen. Das heißt aber nicht, dass eine solche dunkle Zeit nicht wiederkehren könnte. Solange das Geschehene nicht gesellschaftlich aufgearbeitet wird, kann die Gewalt jederzeit wieder eskalieren. Hätte diese Auseinandersetzung bereits stattgefunden, so hätte ich den Film für jeden erkennbar in den 90ern angesiedelt. So aber wollte ich den Zeitrahmen der Handlung unbestimmt lassen, damit die Geschichte ihre Allgemeingültigkeit behält.

Film und Fiktion
Alles, was ich in dem Film erzähle, hat in der ein oder anderen Form in Diyarbakir stattgefunden. Speziell der Überlebenskampf zweier Kinder, die ihre kleine Schwester verlieren, weil sie ganz ohne Unterstützung von Erwachsenen für sich selbst sorgen müssen, basiert auf wahren Begebenheiten. Alles, was Sie in dem Film sehen können, können Sie auch auf einem Spaziergang durch die Stadt sehen. Sie sehen im Film allerdings nur Bruchstücke der Realität, die sich im Wahren Leben viel härter gestaltet.

Anstelle epischer Fiktion wollte ich eine Collage dieser Splitter wirklichen Lebens montieren. Ich wollte eine Vielzahl von Themen ansprechen, ohne dabei allerdings einen Kompilationsfilm zu produzieren. Mir war es wichtig, eine Geschichte zu finden, die exemplarisch für alle stehen konnte.

Die Figur
Die Figur des Nuri Kaya ist nicht nur ein kaltblütiger Killer und Folterer, sondern auch ein liebevoller Familienvater. Wie ist es möglich, dass dieselbe Hand tagsüber Andere foltert und abends den eigenen Sohn zärtlich streichelt? Nuri Kaya zieht offensichtlich eine ideologische und moralische Rechtfertigung für sein Tun aus dem Handlungsauftrag, den ihm der Sicherheitsapparat erteilt hat. Er empfindet kein Schuldbewusstsein. Dies gilt für alle Länder, in denen es Bürgerkriege und ähnliche Konflikte gibt. Das Spezielle an der Situation in Diyarbakir war für mich, dass hier die Opfer und die Täter weiterhin miteinander leben.

Im Film findet Gulistan einen Umgang mit dieser Situation. Sie lässt sich von dem Märchen inspirieren, das ihre ermordete Mutter für sie aufgenommen hatte. In der Realität wird leider immer noch auf Gewalt mit Gewalt reagiert. Doch die Hauptfigur in meinem Film durchläuft einen schmerzhaften Prozess, an dessen Ende sie erkennt, dass es einen anderen Weg aus dieser Situation geben kann.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, die Geschichte aus der Sicht zweier Kinder zu erzählen, die mit ihrem subjektiven Erleben im Vordergrund stehen, statt gesellschaftspolitische Thesen zu formulieren. Trauma und Märchen

Das Märchen vom Wolf mit der Glocke ist uns durch die Werke des großen anatolischen Romanciers Yasar Kemal überliefert worden. Im Film wird es von der Mutter der Kinder auf Kurdisch erzählt und überlebt in Form einer Kassettenaufnahme ihren Tod. Das Märchen steht für mich für die traditionelle Weisheit, die seit Hunderten von Jahren mündlich überliefert worden und noch nicht verlorengegangen ist. Insofern steht das Märchen im Film auch für die Dinge, die nicht vom Krieg zerstört werden konnten. Es ist für die Kinder nicht nur eine beruhigende Stimme aus einer vergangenen Zeit, sondern vermittelt ihnen, wie ein böser Wolf gezähmt werden kann. Die Dorfbewohner im Märchen entschließen sich, ihn nicht zu töten, sondern ihn lieber durch eine Glocke weithin erkennbar als Wolf zu markieren.

Somit kann er keinem Lebewesen mehr ein Leid zufügen. Erst dieses Märchen ruft in Gulistan ein Bewusstsein wach, wie sie sich gegen die Gewalt von Außen wehren kann.

Gulistan ist bemüht, Näheres über den Mörder ihrer Eltern zu erfahren, nachdem sie ihm begegnet ist. Diese emotional sehr schwierige Annäherung zu drehen, war eine Herausforderung. Das Kind im Film hat den Wunsch, sich von dem Trauma zu lösen, von dem es getrieben wird, ist sich aber auch sehr bewusst, welche Konsequenzen die eigenen Taten haben.

Leben ohne Sprache
Ebenso wie die kurdische Gesellschaft ist auch MIN DÎT zweisprachig. Zuhause werden die Kinder auf Kurdisch erzogen, in der Schule müssen sie Türkisch sprechen. Auch der Vater arbeitet als Journalist bei einer türkischsprachigen, regimekritischen Zeitung. Die junge Dilan legt sich für ihre Sexarbeit einen türkischen Namen zu und kommuniziert mit ihren Freiern auf Türkisch, mit Gulistan aber auf Kurdisch.

Das Drehbuch für MIN DÎT habe ich ursprünglich auf Türkisch verfasst, da sich die meisten Beteiligten mit dieser Arbeitssprache gut zurechtfanden. Dann ließ ich es ins Kurdische übersetzen. Das Resultat war sehr weit von jenem Kurdisch entfernt, das die Kinder auf der Straße sprachen. Meine Aufgabe als Regisseur war es, mit den Kindern an den Dialogen zu arbeiten, bis sie zu ihrer eigenen Sprache fanden. Letztlich wurde dann deutlich, dass die Kinder viel selbstsicherer im schauspielerischen Ausdruck waren, wenn sie Kurdisch sprachen.