Lebanon Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 92 Min | Kinostart: 14.10.2010
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Schauspieler:Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, Michael Moshonov und Zohar Strauss
Die Story:Sommer 1982 – Der erste Libanon-Krieg. Ein einzelner Panzer wird zu einer Routinemission abkommandiert, die sich zu einem Albtraum entwickelt. Völlig unvorbereitet findet sich die vierköpfige Panzerbesatzung gefangen in einer Gewaltsituation, die sie in jeder Hinsicht überfordert. Nur noch ihrer Angst und ihrem Instinkt gehorchend, versuchen die vier jungen Männer im Chaos des Krieges zu überleben...
Hintergrund:LEBANON setzt die klaustrophobische Erfahrung des Gefangenseins in einem engen, heißen, unter Beschuss stehenden Panzer – einem rollenden Sarg – mit fast brutaler Konsequenz um: Der Film ist aus der Innensicht der vier Panzerinsassen erzählt. Den Krieg und die beklemmende Bedrohung sieht man nur durch den Sucher des Zielfernrohrs. Der Zuschauer erlebt die Situation als Beteiligter mit. LEBANON ist ein sehr persönlicher Film, der die Geschichte von vier jungen Männern erzählt, die nie zuvor mit Gewalt konfrontiert waren und plötzlich realisieren, dass sie Menschen töten müssen, wenn sie nicht selbst getötet werden wollen. Ein Film, der das Überleben in ständiger Todesangst thematisiert und in dem der Konflikt zwischen Instinkt und Menschlichkeit seine Opfer fordert. Der israelische Filmemacher Samuel Maoz verarbeitete eigene traumatische Erlebnisse in seinem ersten, verstörend intensiven und von der Kritik hochgelobten Spielfilm, der mit dem Goldenen Löwen in Venedig 2009 und weiteren internationalen Preisen ausgezeichnet wurde.
Technikinfos:Bildformat: 1,85:1; Ton: Dolby Digital
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Eure Kommentare zu "Lebanon":
mera Hat der Hauptschauspieler nach Drehschluss eine Teraphie machen müssen? ...
nodal das wird kein film für die masse, aber es sieht nach einer ausgewogenen u intelligenten geschichte aus. der trailer hat mich nach den kritiken bestätigt den film sehen zu wollen ...
DIE DREHARBEITEN ZU LEBANON:
Samuel Maoz, Drehbuch und Regie
Am 6. Juni 1982, morgens um viertel nach sechs, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Mann getötet. Es war weder meine freie Entscheidung, noch wurde es mir befohlen. Ich reagierte in einem Akt instinktiver Notwehr, einer Reaktion ohne intellektuelle oder emotionale Motivation – nichts als purer Überlebenswille, der sich jede menschliche Regung versagt. Ein Instinkt, der sich einer Person bemächtigt, die sich in unausweichlicher Todesangst befindet. Am 6. Juni 1982 war ich 20 Jahre alt.
25 Jahre nach jenem traurigen Morgen, an dem der Libanon-Krieg begann, schrieb ich das Drehbuch zum Film LEBANON. Ich hatte mich mit dem Inhalt bereits ausführlich beschäftigt, aber immer wenn ich anfing zu schreiben, kehrte der Geruch verkohlten menschlichen Fleisches in meine Nase zurück und ich konnte nicht weitermachen. Ich wusste, dass der Geruch undeutliche Bilder heraufbeschwören würde, die ich tief in meinem Unterbewusstsein begraben hatte. Nach Jahren durchlittener seelischer Traumata und heftigen Wutattacken, lernte ich deren drohenden Ausbruch zu erkennen und ihm rechtzeitig auszuweichen. Besser mit der Verdrängung leben als gar nicht.
Posttraumatische Belastungsstörung
Das Jahr 2006 entpuppte sich als ein besonders schwieriges. Fünf Jahre waren seit meinem letzten Projekt vergangen und ich fühlte mich ausgebrannt. Hin und wieder produzierte ich einen kurzen Spot oder Werbefilm, aber abgesehen davon – nichts. Wieder einmal litt ich unter finanziellem Druck, Antriebsschwäche und einem geradezu verrückten Mangel an Verantwortungsgefühl. Einmal fragte mich jemand: „Das klingt nach posttraumatischer Belastungsstörung. Hast du Albträume wenn du dich an den Krieg erinnerst?“ Ich wünschte es wäre so einfach, dachte ich bei mir.
Wenn jemand das Gefühl hat, nichts mehr verlieren zu können, ist er bereit, Risiken einzugehen. So fühlte ich mich Anfang 2007, als ich begann das Drehbuch zu LEBANON zu schreiben. Ich war definitiv an einem Tiefpunkt angekommen und hatte beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen. Diesmal würde ich wie immer vor dem Geruch fliehen, der immer zuerst kam, aber ich würde mich von ihm zu den verschwommenen Erinnerungen führen lassen. Ich wollte sie scharf stellen, mitten hinein tauchen und mich ihnen stellen! Plötzlich fühlte ich einen Auftrieb, ein eigenartiges Gefühl von Euphorie.
Noch bin ich also nicht verloren! Ich habe noch Kampfgeist. Ich ging früh schlafen, stand morgens früh auf und begann zu schreiben. Ich war vorsichtig. Ich ging das Thema nicht direkt an, sondern schrieb drum herum: Eine Einführung, ich streckte die Fühler aus... ich wartete auf den Geruch, aber er kam nicht. Ich beobachtete mich bei ersten Versuchen, ihn in mein Gedächtnis zurück zu holen, aber er war nicht mehr da. Die Bilder waren auch verschwunden. Geblieben war eine vage Folge komplizierter, entsetzlicher und seltsam weit entfernter Geschehnisse. Nach ungefähr einer Woche stellte ich fest, dass ich mich emotional gelöst hatte. Der Junge in meiner Erinnerung war nicht länger ich. Ich fühlte mit ihm, aber der Schmerz war stumpf geworden, der Schmerz, den ein Drehbuchautor mit der Figur fühlt, über die er schreibt. Es war ohne Bedeutung für mich, ob ich geheilt war oder lediglich versuchte, den Weltrekord im Verdrängen einzustellen. Ich wurde überschwemmt mit Adrenalin und fühlte mich wie eine Rakete auf der Abschussrampe unmittelbar vor dem Start. In drei Wochen hatte ich die erste Fassung ausgespuckt.
Die Entscheidung für einen experimentellen Film
Ich schrieb LEBANON direkt aus dem Bauch heraus – ohne jegliches intellektuelle Erkenntnisinteresse. Meine Erinnerung an die Geschehnisse selbst war inzwischen trübe und verschwommen geworden. Drehbuch-Konventionen wie Etablierung der Figuren, deren Hintergrund oder eine dramatische Struktur waren mir egal. Die emotionale Erinnerung dagegen war frisch und schmerzhaft. Ich schrieb was ich fühlte.
Ich wollte über emotionale Verwundungen sprechen, von einer abgeschlachteten Seele erzählen, eine Geschichte, die nicht auf der Oberfläche des Plots stattfand, sondern sich tief verzweigt aus dessen Innereien herleiten ließ. Aber wie sollte ich das verdammt noch mal auf Filmmaterial bannen? Mir war klar, dass ich grundlegende Prinzipien über den Haufen werfen, einige starre filmische Regeln aushebeln und ein totales Experiment eingehen musste, anstatt ein traditionelles Handlungskonstrukt zu entwerfen.
Die Entscheidung für einen experimentellen Film ließ schließlich Konturen eines filmischen Konzepts aufblühen. Meine Grundbedingung war eine persönliche, subjektive Erzähl-perspektive. Das Publikum sollte nicht zuschauen, wie sich eine Geschichte vor ihren Augen abspielt, sondern diese gemeinsam mit den Darstellern erleben. Der Zuschauer sollte keine Zusatzinformationen bekommen, sondern mit den Schauspielern im Panzer gefangen sein und deren eingeschränkte Sicht auf das Kriegsgeschehen haben und nur das hören, was die Besatzung hört. Wir wollten sicherstellen, dass sie es riechen und schmecken könnten und sowohl die visuelle Ebene wie den Soundtrack dazu benutzen, nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern das Publikum an einer Erfahrung teilhaben zu lassen. Mir wurde klar, dass ich ein echtes Erlebnis kreieren musste, um ein tiefes Verständnis auf Gefühlsebene zu erreichen.
Beim Cinemart in Rotterdam, zu dem wir eingeladen wurden, traf ich Michel Reilhac von ARTE France, der mich fragte, wie ich Schauspieler dazu bewegen wollte, derartig traumatisierende Erlebnisse zu verinnerlichen. Diese eigentlich einfache Frage traf mich mit voller Wucht. Denn wer verstand und fühlte schließlich besser als ich, dass wir es hier nicht mit einer „schwierigen Erfahrung“ im konventionellen Sinne zu tun hatten? Wie konnte ich einen Schauspieler aus Tel Aviv engagieren und dazu bewegen, ein so extremes Trauma zu internalisieren? Mir wurde klar, dass ich dem Prinzip des Experimentellen treu bleiben musste. Der Darsteller würde nur verstehen und verinnerlichen was er auch fühlen konnte.
Ich fing mit dem Wesentlichen an: Anstatt dem Schauspieler zu erklären, dass es stickig und heiß im Inneren des Panzers ist, sperrte ich ihn in einen dunklen und verteufelt heißen Container. Anstatt die extreme Panik zu beschreiben; die ausbricht, wenn ein Panzer aus allen Richtungen beschossen wird, schlugen wir mit Eisenstangen gegen die Wände des Containers. Er schmorte einige Stunden im Inneren und wartete voller Anspannung auf den nächsten Schock – Artillerie-Feuer! Der Container wurde hin und her gerüttelt! Und plötzlich – noch Nerven aufreibendere Stille. Als er herauskam, schweißnass und erschöpft, war niemandem nach Reden zumute.
