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The Kids Are All Right Film Trailer

Länge: 106 Min | Kinostart: 18.11.2010 | Release: 31.03.2011 (DVD)
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Schauspieler:Annette Bening, Julianne Moore, Mark Ruffalo, Mia Wasikowska, Josh Hutcherson Produktion: Gary Gilbert, Jeffrey Levy-Hinte, Celine Rattray, Jordon Horowitz, Daniela Laplin Lundberg

Die Story:Ärztin Nic und Jules sind ein verheiratetes lesbisches Paar und führen in einer gemütlichen Vorstadt in Südkalifornien eine harmonische Ehe. Den bei-den Kindern, dem 15jährigen Laser und der 18jährigen Joni, fehlt es an nichts. Nic und Jules - oder Mütter, wie Joni sagt, wenn sie sich auf beide bezieht - ließen sich künstlich befruchten, trugen jeweils eines der Kinder aus und bauten zu viert ihr Familienleben auf. Da Joni nun bald aufs College gehen wird, bittet Laser sie inständig um einen großen Gefallen: Joni soll ihm helfen, ihren gemeinsamen biologischen Vater aufzuspüren. Obwohl sie der Aktion eher kritisch gegenübersteht, tut Joni ihrem (Halb-)Bruder diesen Gefallen und schafft es auch, Kontakt zu ihrem Bio-Vater Paul herzustellen, ein entspannter und freundlicher Restaurantbesitzer. Die Teenager sind sofort vom lockeren Lebensstil des eingefleischten Junggesellen begeistert - ist er doch der genaue Gegensatz zu Nic, der prinzipientreuen Ärztin, die schon immer die strengen Regeln im Haus festlegte. Jules, die danach strebt eine neue Karriere im Bereich der Landschaftsgärtnerei zu starten, versteht sich mit Paul ebenfalls ziemlich gut. Als Paul nun immer mehr am Leben dieser so ausgeglichenen vierköpfigen Familie teilnimmt, beginnt völlig unverhofft ein ganz neues Kapitel in ihrem Leben: Familienbande werden definiert, neu definiert, und dann wieder ganz neu definiert...

Hintergrund:The Kids Are All Right war der Film, über den auf dem Sundance Film Festival 2010 am meisten gesprochen wurde. Und auch auf der diesjährigen Berlinale sorgte er für Aufsehen und gewann den Teddy Award als Bester Film. Regie führte Lisa Cholodenko (Laurel Canyon) basierend auf einem Originaldrehbuch, das sie gemeinsam mit Stuart Blumenberg (Keeping the Faith) verfasste. Die beiden weiblichen Hauptrollen spielen die viermal für den Oscar nominierte Julianne Moore (A Single Man) und Annette Bening (Being Julia), die drei Oscar-Nominierungen vorweisen kann. Außerdem mit von der Partie ist der amerikanische Charakterdarsteller Mark Ruffalo (Zodiac - Die Spur des Killers).



Filmmusik:

Carter Burwell machte 1977 seinen Studienabschluss in Harvard. Er studierte dort auch Animation bei Mary Beams und George Griffin, das Fach Elektronische Musik mit Ivan Tcherepnin und widmete sich unabhängigen Forschungen am MIT Media Lab, damals noch als Architecture Machine Group bekannt. Nach seinem Abschluss wurde er Lehrassistent im Harvard Electronic Music Studio.

Er hat oft mit den Regisseuren Joel und Ethan Coen zusammen gearbeitet, darunter z.B. für „Blood Simple”, „Arizona Junior“, „Miller’s Crossing“, „Barton Fink“, „Hudsucker – Der große Sprung“, „Fargo“, „The Big Lebowski“, „The Man Who Wasn’t There“, „Ein (un)möglicher Härtefall“, „Ladykillers“, „No Country for Old Men“, „A Serious Man“ und „Burn After Reading“, der ihm den Preis der International Film Music Critics in der Kategorie Best Original Score for a Comedy Film einbrachte. Er komponierte auch die zusätzliche Musik für „O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee“, durch die ihm eine Nominerung zum BAFTA zuteil wurde.

Zu seinen weiteren Filmkompositionen gehören z.B. Julian Schnabels „Before Night Falls“, der ihm 2000 auf den Filmfestspielen in Venedig den Nino Rota Soundtrack Award einbrachte, Spike Jonzes „Being John Malkovich“, „Adaptation“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“, Bill Condons „Kinsey“ und „Gods and Monsters“, für den er von den Los Angeles Film Critics Association geehrt wurde, John Lee Hancocks „Die Entscheidung – Eine wahre Geschichte“ und „Alamo – Der Traum, das Schicksal, die Legende“, David O. Russells „Three Kings“, Todd Haynes’ „Velvet Goldmine“, David Mamets „Die unsichtbare Falle“, Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans „Die Kammer“ und „Der Schakal“, Sidney Lumets „Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You’re Dead“, Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ und John Lee Hancocks „Blind Side – Die große Chance“.

Zu seinen Arbeiten für das Theater gehören u.a. die Kammeroper „The Celestial Alphabet Event“, Ariel Dorfmans Stück „Widows“, Henry Millers „The 14th Ward“ und Mabou Mines’ Produktion von „Mother“ (1994). Außerdem komponierte er die Begleitmusik zu William Burroughs Lesung seines Romans Junky für Penguin Audiobooks.

Als Vokalist, Akkordeonist und Synthesiser-Spieler trat Burwell mit dem Harmonic Choir, Big Joe und dem Litwinski Ensemble in New York City auf, außerdem in Frankreich, Italien, Deutschland und Australien.

Aufnahmen seiner Werke sind bei folgenden Labels erhältlich: Universal Music, Virgin, Varèse Sarabande, Factory und Les Disques de Crepescule.


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ÜBER DIE PRODUKTION – EIN INTERVIEW

Die Anfänge und die Geburtsstunde

Infotexte zu „The Kids Are All Right“ scheinen darauf hinzuweisen, dass Sie dieses Drehbuch gemeinsam mit Lisa Cholodenko geschrieben haben. War das der Fall?

Drehbuchautor Stuart Blumberg (SB): Wir waren uns sehr nah. Wir haben uns gehasst. Wir haben uns wirklich gemocht. Und wenn wir müde waren, haben wir gemeinsam ein Nachmittagsschläfchen gehalten.

Regisseurin Lisa Cholodenko (LC): Es war ein langer Prozess, der über vier Jahre gedauert hat.

SB: Wir sind da gemeinsam durchgegangen. Ich würde es allerdings nicht als Bruder-Schwester-Verhältnis bezeichnen…

LC: Unsere Geschichte war die, dass wir uns schon lange Jahre in New York kannten…

SB: …und wir haben uns immer richtig gut verstanden. Ich hatte Lisa über einen gemeinsamen Freund kennen gelernt, und so wurden wir Freunde.

LC: Dann haben wir uns zufällig in einem Coffee Shop in Los Angeles getroffen, und Stuart fragte mich, was ich gerade so tat. Ich erzählte ihm, dass ich an einem Drehbuch schrieb, aber gerade erst angefangen hatte und schon unter einer Schreibblockade litt. Dann wollte ich wissen, woran er gerade arbeitete… Mein zweiter Spielfilm „Laurel Canyon“ war gerade herausgekommen, und ich führte im Fernsehen Regie. Aber eigentlich wollte ich wirklich ein Originaldrehbuch schreiben; all die Vorlagen, die man mir so schickte und die ich las, waren nicht wirklich Dinge, mit denen ich mich beschäftigen wollte. Nach meinem Gefühl war ich schon in diesen Prozess gestartet, in dem man persönlichere Themen bearbeiten will; deshalb haben mich eher die Drehbücher mit starken Charakteren und Persönlichkeiten angesprochen.

SB: Sie sagte: ‚Ich möchte einen Mainstream-Film über Mütter schreiben, die Kinder von Samenspendern bekommen’, und ich meinte: ‚Das ist witzig, denn ich möchte Dinge tun, die eher so sind wie deine Filme’, also eher unabhängige Produktionen.

LC: Ich habe ihm die Idee in groben Zügen vorgetragen. Er hatte seine guten Gründe, daran interessiert zu sein…

SB: Während meiner College-Zeit war ich auch selbst Samenspender.

LC: Aus meinem Freundeskreis kannte ich Menschen, die mit diesem Thema auf die verschiedensten Weisen in Berührung gekommen waren, und meine Partnerin und ich versuchten gerade schwanger zu werden. Es hatte viele Geschichten um Kinder gegeben, die aus künstlicher Befruchtung stammen – in der The New York Times, bei „60 Minutes“ -, und diese Kinder werden nun erwachsen. Das ist eine ganz neue Welt für Familien. Während Stuart also glaubte, es werde Spaß machen, sich einer eher unabhängig geprägten Produktion anzuschließen, war mir daran gelegen, für dieses Projekt jemanden ins Boot zu holen, der ein ausgeprägtes kommerzielles Gespür hat. Wir waren davon überzeugt, dass dies eine gute Ehe sein würde.

SB: Keiner von uns hatte jemals zuvor als Ko-Autor gearbeitet.

LC: Gleich am nächsten Tag haben wir uns getroffen und beschlossen, es zu versuchen.

Haben Sie einfach damit begonnen, bestimmte Szenen zu schreiben, oder lief die Zusammenarbeit ganz anders?

SB: Wir verbrachten Monate damit, die Story zu skizzieren, Monate mit der ersten Version. Wir saßen monatelang Seite an Seite und arbeiteten alles gemeinsam aus. Jede einzelne Szene, jede Figur, jede Textzeile wurde mindestens zehn Mal umgeschrieben.

LC: Wir haben dieses Drehbuch bis aufs Mark zerpflückt und wieder aufgebaut. Wir haben uns gegenseitig Fragen zu diesen Figuren gestellt, sie ausgeformt und in Kontrast zueinander gesetzt. Sobald ich das Gefühl hatte, das Skript gleitet in Oberflächlichkeiten ab, oder driftet in politisch korrektes Gewässer, mussten wir die Zügel wieder herumreißen.

SB: Es war eine interessante Dynamik, denn Männer und Frauen sind sehr verschieden. Ich fand die Zusammenarbeit mit Lisa toll. Manchmal saß ich am Computer und meinte: ‚Also, die Zeit ist knapp, lass uns loslegen’, aber sie sagte: ‚Nein, erzähl mir doch, wie dein Wochenende war. Was war denn so los?’ Darauf ich: ‚Wir müssen wirklich anfangen!’ Und sie: ‚Ach was, wir sollten uns erst auf den neuesten Stand bringen…’

LC: Wenn ich mich bei meiner Partnerin darüber beklagte, dass ich nicht gar wusste, ob das Skript überhaupt taugte, sagte sie: ‚Schreib weiter, bis du dir selbst das Herz brichst. Wenn es dich anspricht, dann ist es auf dem richtigen Weg.’ Stuart und ich hatten schon über anderthalb Jahre lang geschrieben, und gleichzeitig versuchte ich, schwanger zu werden – was dann auch klappte. Wir dachten, wir würden den Film und alles fertig stellen noch bevor das Baby geboren würde. Das war die erste Inkarnation des Films; wir versuchten, die Produktion 2005-2006 über die Bühne zu bringen. Das Timing hat aber nicht geklappt. Als die Finanzierung stand, war ich zu hochschwanger um den Film zu verwirklichen. Also bekam ich meinen Sohn und verbrachte die nächsten paar Jahre damit, mein Leben neu zu orientieren und Zeit mit ihm zu verbringen. Doch Stuart und ich haben weiter geschrieben. Überarbeitungen haben das Drehbuch besser gemacht. Und weil wir so lange daran gearbeitet hatten, las es sich auch sehr visuell.

Stichwort visuell: Sie haben auf Film gedreht, oder?

LC: Ja, Kameramann Igor Jadue-Lillo und ich haben einen 35-Millimeter-Film eingesetzt. Ich liebe Filmrollen, und ich wollte nicht unbedingt diese dichte, hyperrealistische Ausstrahlung von Digitalfilmen. Der Film sollte ruhig körnig sein. Nach meinem Gefühl sollte er photorealistisch wirken, wie die Filme, mit denen ich aufgewachsen bin.

Lag Ihnen von Anfang an sehr daran, dass die Zuschauer auch eine Botschaft aus dem Film ziehen?

SB: Es geht nicht um eine Botschaft über gleichgeschlechtliche Ehen. Vielleicht findet sich etwas von dem alten Witz: „Homosexuelle Paare verdienen es, genauso unglücklich zu sein wie die Heteros…“ Als Lisa und ich damit begannen, „The Kids Are All Right“ zu schreiben, ging es wohl darum zu sagen: ‚So etwas geschieht, lass uns die Geschichte ausloten, die sich daraus ergibt.’ Wir haben uns auf menschliche Wesen konzentriert, nicht auf Themenkreise.

LC: Ich sehe mich selbst nicht als übermäßig politisch engagierte Person, teilweise weil ich der Ansicht bin, dass es hier um Menschenrechte geht. Ich weiß, Menschenrechte sind sehr wohl ein politisches Thema, aber meine Beziehung und mein Beitrag dazu stammt aus der kreativen und künstlerischen Perspektive. Mir ist bewusst, dass manche sagen werden: ‚Oh, das ist eine unkonventionelle Familie, zwei Mütter und ihre Kinder.’ Auf mich wirkt diese Familie sehr typisch. Wir bringen sie auf eine Weise auf die Leinwand, die nichts mit dem politisch engagierten Umfeld zu tun hat. Es ist einfach eine Familie.

SB: Sie haben ein wunderbares Leben à la „Ozzie and Harriet“ (eine amerikanische Real-Life TV-Sitcom; 1952 – 1966; Synonym für die typisch heile US-Familie) geführt, doch wir erwischen diese Figuren gerade in einer Zeit des Umbruchs. Hoffentlich ist diese Geschichte reichhaltig und komplex genug, um aus eigener Kraft zu bestehen.

LC: In dieser Geschichte soll es darum gehen, die Themen anzusprechen, denen sich alle Familien stellen müssen, besonders Familien mit Kindern: die Ängste, das Witzige, der Schmerz und das Pathos, wenn man mit ansehen muss, wie sich die eigene Familie verändert. Ganz egal, ob man homosexuell oder heterosexuell oder allein erziehend oder sonst was ist – jeder macht einen ähnlichen Weg durch, alle Familien stehen vor ähnlichen Herausforderungen: die emotionalen Rituale des Übergangs in eine neue Phase, die getroffenen Entscheidungen, ob man Dinge einfach aussitzt oder als Familie zusammenhält. Die Elemente, die bei gewissen Entscheidungen eine Rolle spielen, und die Kreuzungen, an denen man aus der Bahn geworfen werden kann – auch diese Themen wollten wir hier ausloten.

SB: Unsere Filmfamilie ist genauso wunderbar und gestört oder beschädigt wie jede andere Familie auch. Mit solchen Geschichten hat man die Gelegenheit, in die Motivationen einzutauchen, weshalb sich menschliche Wesen so verhalten, wie sie sich eben verhalten. Obwohl ich Actionfilme und Thriller wirklich sehr mag, kann es sehr spannend und erfüllend sein, auch Zeit mit der menschlichen Natur zu verbringen.

LC: Als ich beschloss, es mit dem Filmemachen zu versuchen, haben die Filme, die ich als Heranwachsende gesehen hatte, den Ausschlag gegeben; das waren Filme, die ein echtes Gespür für Komödie und Tragödie hatten. Sie offenbarten die menschliche Seite und die Komplexität der Charaktere, und das eigene Mitgefühl wurde stark angesprochen.

SB: Wenn ich an die Filme denke, die ich vorher gemacht habe, gibt es da unterbewusst vielleicht ein Muster? So etwas wie ‚eine neue Figur betritt eine etablierte Situation und bringt alles durcheinander’… Ich interessiere mich also für Menschen, die versuchen, einen Sinn in ihrer jeweiligen Lebenssituation zu finden - und dann betritt eine weitere Person den Platz und dient als Katalysator, damit diese Menschen sich wirklich Gedanken um diese Fragen machen.
Mark Ruffalo trägt in der Rolle des Paul sehr viel dazu bei. Er geht dabei sehr tief, und er ist richtig witzig. In dieser Rolle erinnert er mich an andere, die er am Anfang seine Karriere spielte.

LC: Der Charakter von Paul wurde durch Mark Ruffalo viel reicher. Schon von Anfang an hatte ich mir Mark in dieser Rolle vorgestellt. Er hatte andere Angebote, für größere Filme, doch ich glaube, dass einige der großen Schauspieler der Überzeugung sind, der Genuss in der Schauspielerei findet sich darin, auch in kleineren Filmen mitwirken zu können, denen man sich mit Haut und Haar hingeben kann. Julianne Moore war großartig, denn ich sagte: ‚Ich werde Mark ansprechen, könntest du mich dabei unterstützen? Ihn vielleicht mal anrufen?’ Und sie hat ihn angerufen.

War Julianne Moore stets Ihre erste Wahl?

SB: Natürlich, die Rolle von Jules haben wir Julianne auf den Leib geschrieben. Es war wunderbar, genau die Person, die man visualisiert hatte, dann den Text sprechen zu hören.

LC: Am Set war Julianne für alles zu haben, inklusive der Sex-Szenen. Zum ersten Mal habe ich Julie vor zehn Jahren getroffen. Im Laufe der Jahre haben wir uns immer mal wieder unterhalten, und sie meinte: ‚Schreib doch etwas für mich!’ Ich habe ihr eine frühe Version von „The Kids Are All Right“ geschickt, und schon 2005 war sie mit von der Partie, als der Film ursprünglich gemacht werden sollte. Vier Jahre lang hat sie sich dafür bereitgehalten. Sie hielt sich bereit, hielt an mir fest, und hat Wort gehalten. Ich fuhr nach New York, traf sie und wir redeten viel. Es gab etliche Gespräche mit Julianne darüber, wie sich das Drehbuch entwickelte, wie sich die Rollen verändert hatten und weshalb. Julianne hat ihre Rolle auf organischere Weise kennen gelernt, währen Jules sich weiterentwickelte.

SB: Unserer Ansicht nach sollte dies etwas anderes werden als das, was wir zuvor von ihr gesehen hatten; normalerweise spielt Julianne ja sehr starke Frauen. Das soll nicht heißen, dass Jules keine starke Frau ist – aber in dieser Filmbeziehung ist sie doch weitaus verletzlicher.

Während der Arbeit am Drehbuch stand Julianne also schon fest, es gab aber noch keine Besetzung für Nic. Steckt deswegen viel von Lisa in Nic?

LC: Es gibt Teile von mir in Nic, einige meiner Persönlichkeitsmerkmale. Aber in meiner Familie bin ich nicht diejenige, die die Brötchen verdient… Um die Rolle der Nic zu besetzen, brauchten wir eine Yin-Figur, die Juliannes Yang ergänzen konnte. Ich habe sehr lange gebraucht, um festzulegen, wen wir für Nic besetzen sollten. Mir war klar, dass es eine große Schauspielerin sein sollte, die witzig, dramatisch, stark, sexy, über 40 ist und einen großen Wiedererkennungswert hat. Außerdem wusste ich, dass ich nicht in der Lage sein würde, mich mit irgendjemandem einfach probehalber dafür zusammenzusetzen; es sollte ein einziges Angebot sein, also habe ich die Auswahl sehr ernst genommen! In New York haben Julie und ich eine kurze Liste von Schauspielerinnen ausgewertet. Wir konzentrierten uns darauf, dass Annette Bening eine Schauspielerin ist, die wir beide großartig finden; also wandte ich mich an sie mit diesem Angebot. Julie hat Annette eine E-Mail geschickt, in der stand: ‚Ich würde es lieben, wenn du zusagst!’ Es war wie eine arrangierte Hochzeit; sehr viel von den Vorbereitungen für den Film wurde durch die Besetzung mit Annette entschieden. Beide Darstellerinnen wussten, dass sie füreinander ausgewählt worden waren, und dass der Film durch sie entstehen musste. Außerdem gefiel ihnen die Herausforderung, tief in die Psychologie dieses Paares und in die dazugehörigen emotionalen Untiefen einzutauchen.

SB: Annette ist überwältigend. Sie hat wortwörtlich eine Schauspielklinik auf die Beine gestellt; jeder Tag am Set war ein beeindruckender Beweis ihrer Kunst. Sie engagiert sich mit jeder Faser für die Figur! Sie hat unglaublich viele Hausaufgaben dafür gemacht; es war eine große Inspiration, einen Profi dabei zu beobachten, dieses Unterfangen so ernst zu nehmen. Sie hat die Rolle der Nic mit absoluter Hingabe verkörpert.

LC: Da Annette in Los Angeles war, haben Stuart und ich mit ihr etliche Drehbuch-Meetings abgehalten und gemeinsam einige wichtige Überarbeitungen vorgenommen. Die Arbeit am Skript ist ihr wichtig, und sie ist darin sehr gut. Annette ist formidabel – sehr intensiv, smart und methodisch. Ich habe festgestellt, dass sie die Figur ist, über die ich geschrieben habe – denn auch im wahren Leben ist sie eine Löwenmutter. Also fiel es ihr leicht, für die Rolle auf diese Eigenschaften zurückzugreifen, durch die sie sich mit Leib und Seele dem Leben ihrer Kinder widmet. Die Zusammenarbeit mit Annette in der Zeit, bevor Julianne nach Los Angeles zurückkam, hat mir ein tieferes Verständnis für die Figuren und ihre Beziehungen gegeben – was dann wiederum beiden Schauspielerinnen dabei half, Schlüsselmomente herauszuarbeiten, die auf der Leinwand eine authentische Beziehung entstehen lassen. Gerade die Normalität und Menschlichkeit ihrer Figuren und ihrer Ehe machte sie frei, um ganz natürlich zu bleiben und alles Erzwungene oder Aufgesetzte beiseite zu schieben.

Wie und auf welche Weise haben die jungen Darsteller Sie überrascht?

SB: Nun, Mia Wasikowska mag zwar wie eines dieser „It-Girls“ wirken, die über Nacht ins Rampenlicht katapultiert werden – aber sie ist in Wahrheit unglaublich bodenständig und ausgeglichen. Diese Eigenschaften hat sie auch in der Rolle der Joni zur Geltung gebracht, die ja eine ziemlich reife 18jährige ist. Josh Hutcherson hat einen tollen Job gemacht; im wahren Leben ist er völlig anders als Laser. Wir konnten ihn dabei beobachten, wie er sich vor der Kamera vom extrovertierten Burschen zu einem Teenager verwandelte, der sehr in sich zurückgezogen ist und dabei fast implodiert.

Wie waren die ersten Reaktionen der Zuschauer? Der Film lief zunächst ja im Januar und Februar 2010 jeweils auf dem Sundance Film Festival und auf der Berlinale…

LC: …worauf ich gar nicht hingearbeitet hatte. Wir haben den noch unfertigen Film als Weltpremiere in Sundance gezeigt – es war ziemlich nervenaufreibend, die Temp-Mixes noch rechtzeitig hinzukriegen -, aber dennoch hatten wir eine unglaublich tolle Resonanz. Tatsächlich wurde der Film begeistert aufgenommen. Auch die Erfahrungen auf der Berlinale waren überaus positiv. Meiner Meinung nach waren die Menschen erleichtert, einen Film sehen zu können, der sich um reale und komplizierte Dinge dreht, gleichzeitig aber witzig ist. Sie fanden das aufrichtige Porträt einer Ehe und des Familienlebens erfrischend, und der Aspekt einer gleichgeschlechtlichen Ehe mit Kindern führte manche Zuschauer wohl auf unbekanntes Terrain. Das Publikum auf beiden Festivals wusste diese Erfahrungen zu schätzen – und zwar weitaus mehr, als ich jemals erwartet hätte. Dieser Film nimmt uns mit auf eine Abenteuerfahrt, die ehrlich und überraschend ist, und man landet an einem Ort, der voller Hoffnung ist.

Erwarten Sie noch mehr Rückmeldungen und Diskussionen dazu?

LC: Selbstverständlich! Das wird Spaß machen!
Eine vierköpfige Familie - plus Eins

Annette Bening (AB): Im Film ergibt sich alles aus dem Drehbuch. Meiner Meinung nach ist „The Kids Are All Right“ eine großartige und prägnante Geschichte über eine Familie, in der man sich sehr liebt, und die genau das durchmacht, was viele Familien auch durchmachen. Es geht um Dinge, die wir alle gemeinsam haben, und mit denen wir uns alle identifizieren können. Darin steckt so viel Herz, so viel aufrichtige Emotion – und nichts ist zuckersüß oder nimmt sich zu ernst. Ernsthaftigkeit ist langweilig.

Julianne Moore (JM): Einer der Gründe, weshalb mich das wundervoll witzige Drehbuch so angesprochen hat, war die Tatsache, dass es von der Phase handelt, in der man sich befindet, wenn man über lange Zeit in einer Beziehung ist und Kinder hat. Annette und ich sind im Film schon seit langem ein Ehepaar, haben Kinder und wissen, was es bedeutet, Eltern zu sein. Wenn eins deiner Kinder erwachsen wird und die Familie verlässt, ist das für alle Beteiligten ein großer Umbruch.

Mia Wasikowska (MW): Die Familiendynamik verändert sich, wenn Personen erwachsen werden und beginnen, ihr eigenes Leben zu führen.

AB: Alle Figuren im Film machen eine Veränderung durch. Nic und Jules sind wirklich gute Mütter; sie haben ihre Kinder in einer liebevollen, unterstützenden Umgebung großgezogen. Sie sind menschlich, genau wie wir alle in unseren Familien. Beide Frauen sind sehr unterschiedlich; am Drehbuch gefiel mir besonders gut, dass sie so verschieden gezeichnet sind.

JM: Jules hat unterschiedliche Jobs ausprobiert; sie hat Architektur studiert, ein Geschäft gehabt und versucht sich jetzt als Landschaftsgärtnerin. Aber insgesamt war sie das Elternteil, das meist zuhause war, also ist es für sie ein großes Thema, dass Joni nun aufs College gehen wird. Denn ihr ganzes Leben drehte sich bisher eigentlich darum, zuhause zu sein und die Kinder großzuziehen. Das verursacht eine komplizierte Dynamik. In Filmen haben die Charaktere oft eine ganz klare Vorstellung davon, wo es hingehen soll; im wahren Leben aber kenne ich viele Leute, die solche Vorstellungen eben nicht haben. Genau das wollte ich in Jules darstellen; sie hat Schwierigkeiten, weil sie das Gefühl hat, festzustecken. Und damit muss Nic umgehen, sie müssen sich gemeinsam damit auseinandersetzen. Es hat mir gefallen, dass sich Jules an einem so amorphen Punkt in ihrem Leben befindet – das macht diese Rolle umso interessanter zu spielen.

AB: Ich hatte das Gefühl, Nic gut zu verstehen; ich sah sie als gesunde, stabile, kluge Frau. Sie sieht sich dann in einem Dilemma, macht harte Zeiten durch – und eine der großen Freuden in der Schauspielerei ist es, sich so gut wie möglich in eine andere Person hineinzuversetzen und die Welt dann durch deren Augen zu betrachten.

MW: Nic und Jules bringen jeweils andere Merkmale in Jonis Persönlichkeit ans Tageslicht. Auf mich wirkte Joni stets wie eine von großer innerer Kraft angetriebene Person; sie ist sehr ehrgeizig und will in der Schule stets die besten Noten haben. Sie interessiert sich mehr für intellektuelle Dinge und wohl nicht so sehr für Mode.

Josh Hutcherson (JH): Laser versteht sich mit seinen Müttern sehr gut, doch als er dann Paul kennen lernt, wird klar, dass er bisher kaum männliche Rollenvorbilder in seinem Leben gehabt hat. Zu Beginn der Geschichte ist Laser derjenige, der Kontakt zu seinem biologischen Vater aufnehmen will. Lisa, Julianne, Annette, Mia und ich haben gemeinsam darüber gesprochen: ‚Was würdest du tun, wenn Laser dein Sohn wäre? Würdest du ihm erlauben, seinen Erzeuger zu treffen?’

Mark Ruffalo (MR): Paul interessiert sich zum Teil dafür, dort in die Bresche zu springen, wo die Mütter eine kleine Lücke hinterlassen haben. Meiner Meinung nach erwartet Laser eher einen traditionellen Vater, aber Paul ist da weitaus eklektischer. Paul gibt ihn nicht völlig auf, wendet sich dann aber dorthin, von wo er mehr Reaktionen bekommt – also zu Joni.

JH: Laser lässt sich nicht in die Karten schauen, aber Joni ist Paul gegenüber viel offener.

MW: Anfangs ist Joni sehr zurückhaltend, denn sie findet sich in einer völlig unerwarteten Beziehung wieder.

MR: Paul hat nie wirklich gelernt, wahre emotionale Bindung gegenüber Frauen zuzulassen – abgesehen von seinen Betthasen. Als er dann den Anruf bekommt mit der Information, dass aus seiner Samenspende vor so vielen Jahren wirklich Kinder entstanden sind, ist er wohl auch ziemlich stolz. Es kommt eine gewisse Fantasie auf: ‚Vielleicht fange ich jetzt an, ein Vater zu sein.’ Denn er wird sich ja nicht um ein Baby kümmern müssen.

JM: Der Kern der Familie ist die Beziehung zwischen den Eltern. Das Interessanteste an dieser Filmfamilie ist die Tatsache, dass ihre Beziehung so überaus normal ist. Im Drehbuch wird erwähnt, dass Nic an der UCLA war und dort Jules kennen lernte. Sie trafen sich und gründeten schon sehr bald eine Familie.

AB: Beide Elternteile verbrachten ihr gesamtes erwachsenes Leben bisher miteinander, was ja eine sehr typische Familiengeschichte ist. Im Film wird nie besonders betont, dass hier zwei Frauen miteinander verheiratet sind, und genau das gefällt mir daran so. Dass es zwei Mütter sind, ist einfach ein Bestandteil dieser gezeigten Familie.

MR: Für Paul stellt Jules die ultimative Eroberung dar: Sie ist nicht nur verheiratet, sondern auch lesbisch (lacht). Jules ist die verbotene Frucht, praktisch tabu. Dennoch fühlen sie sich gleich vertraut und verbunden, denn sie haben ja ein gemeinsames Kind. Ich habe schon vorher mit Julianne zusammengearbeitet (bei „Die Stadt der Blinden“), also kannten wir uns gegenseitig schon ziemlich gut. Unsere Freundschaft machte auch die sexy Szenen einfacher, und außerdem (lacht) ist sie mit meiner Ehefrau befreundet, was die Dinge noch leichter macht.

JM: Ich war dankbar dafür, dass wir uns schon so gut kannten, denn dadurch wurde alles weniger kompliziert. Die ganze Besetzung ist toll, und es das kraftvolle Drehbuch, das sie an „The Kids Are All Right“ angesprochen hat. Lisa habe ich zum ersten Mal vor Jahren auf einer Veranstaltung zu Women in Film getroffen. Ich hatte „High Art“ gesehen und fand diesen Film brillant. Tatsächlich habe ich zu ihr gesagt: ‚Warum habe ich dieses Drehbuch nicht bekommen?’ Lisa ist meiner Meinung nach eine wunderbare Autorin und Regisseurin; wir blieben in Kontakt und suchten nach einer möglichen Zusammenarbeit. Dann schickte sie mir das Skript, das sie mit Stuart geschrieben hatte, und ich habe zugesagt. Darauf folgte ein langer Prozess, um den Film zu verwirklichen. Ich bin dabeigeblieben, denn ich glaubte an Lisa als Filmemacherin, und ich glaubte an ein schönes Drehbuch.

JH: Ich war ein Fan von Lisas zweitem Spielfilm „Laurel Canyon“. Dieses Drehbuch nun war vom Feeling, der Ausstrahlung und dem Rhythmus her ganz ähnlich. Während ich es las, pochte mein Herz so stark, als Nic das Haar im Abfluss fand. Ich dachte nur: ‚Nein, bloß nicht!’ Für einen Schauspieler gibt es darin viele saftige Szenen, in denen man emotional und persönlich sehr weit gehen muss.

MW: Als ich das Drehbuch las, fand ich darin vieles, womit ich mich identifizieren konnte. Jodi nahm in meiner Vorstellung ganz konkrete Formen an. Bei der Vorbereitung auf diese Rolle habe ich dann diese Vorstellung übernommen und nachgeahmt; ich habe das Drehbuch wieder und wieder gelesen, und mir dann zu den Dingen, die ich mir vorstellte, Notizen gemacht.

MR: Lisas und Stuarts Skript war so ausgeklügelt, und auf jeder Seite kamen viele Anweisungen vor. Lisa versteht Schauspieler wirklich gut, und ich habe eine tolle Zeit mit ihr verbracht. Bei einem Film wie diesem haben wir pro Tag rund sechs bis sieben Seiten gedreht; aber es war ein sanftes Set. Lisa strahlt in jeglicher Hinsicht so viel Selbstvertrauen aus.

JM: Lisa war hervorragend vorbereitet; nachdem wir so lange darauf gewartet hatten, um diesen Film Wirklichkeit werden zu lassen, hat sie jeden einzelnen Moment genossen und all ihre Fähigkeiten zur Geltung gebracht.

AB: Die Joni Mitchell/Dinner-Party-Sequenz war perfekt geschrieben, und Lisa wusste vorab ganz genau, wie dieser spezifische Moment für Nic dramatisiert werden sollte. Sie wusste, wo die Kamera stehen und wann die Musik einsetzen sollte. Sie ist wie ein Romanschriftsteller, der einem die Geschichte offenbart. Die Art und Weise, wie sie das Set handhabt, ist sehr gesund. Sie ist entspannt und nimmt die Ereignisse vor Ort offen auf. Gute Regisseure wissen, dass sie schon mit der Besetzung die wichtigsten Entscheidungen getroffen haben, und sie vertrauen auf die Instinkte der Mitwirkenden während der Dreharbeiten. Sie kommt zum Beispiel auf einen zu und flüstert dir ins Ohr: ‚Versuch doch mal folgendes…’

JH: Lisa setzt auf Teamarbeit, hat aber auch eine klare Vision, die sich wie ein roter Faden durch den Dreh zieht.

MW: Lisas Ausgeglichenheit und Gelassenheit übertrug sich auf die gesamten Schauspieler und den Stab. An manchen Sets herrscht eher Anspannung, aber sie sorgt für eine wirklich entspannte Atmosphäre, und das ist eine große Leistung.

JM: Die Crew war fantastisch, und der gesamte Arbeitsablauf war ein Genuss. Es waren 21 Tage Dreharbeiten, doch wir hatten vorab ein paar Tage, in denen alle gemeinsam Leseproben machten.

AB: Wir hatten ihre Beziehung und gemeinsame Geschichte im Detail besprochen, und manche dieser Details flossen dann ins Drehbuch ein; ich als Schauspielerin muss in jedem Fall eine Gesamtgeschichte im Kopf haben, die nicht unbedingt auch alle anderen kennen müssen. Es ist nicht ausschlaggebend, dass alle die gleichen Grundvorstellungen haben. Lisa und Stuart waren sehr aufmerksam und arbeiteten über die ganze Zeit weiter am Script; das finde ich toll, denn während der Dreharbeiten erfährt und lernt man ja so vieles. Zu diesem Zeitpunkt des Arbeitsablaufs können ganz kleine Details sehr viel zu einem Film beitragen, ob das nun der Kamerawinkel für eine Einstellung ist oder die Art und Weise wie man sich entscheidet, eine Szene zu spielen. Man versucht, sich auf die anderen Schauspieler einzustellen, damit die Ereignisse glaubwürdig und natürlich bleiben; das habe ich in diesem Film unmittelbar gemacht. Und das wiederum wegen Lisa: Sie weiß genau, wie man eine Atmosphäre schafft, in der Menschen agieren können statt nur zu repräsentieren. Bei diesen Dreharbeiten habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

JM: Es war sehr leicht für uns, uns als Familie zu fühlen. Mia und Josh arbeiten seit Jahren als professionelle Schauspieler; es war eine Freude, mit so erfahrenen und begeisterungsfähigen jungen Darstellern zu arbeiten.

AB: Sowohl Mia als auch Josh verstanden, dass ein gutes Verhältnis zur Kamera darin besteht, zuzuhören und zu empfangen, um die Geschichte wirken zu lassen. Die Momente, an die sich viele von uns bei einem Film erinnern, sind diejenigen, in denen Menschen auf etwas reagieren – denn wenn man eine Performance liefert, weiß man noch nicht, welche Szenen am Ende wirklich im Film landen, also ist das Beste, was man tun kann, sich in jedem Moment voll einzubringen. Ja, du bist zwar nicht du selbst, du schauspielerst, es ist eine Szene – aber trotzdem will man so gut wie nur möglich wirklich überrascht sein. Das ist der schmale Grat, auf dem man jeden Tag wandelt, während man dreht.

MW: Die Gelegenheit, neben Julianne Moore und Annette Bening vor der Kamera zu stehen, sie bei der Arbeit beobachten und von ihrer Arbeit lernen zu können, war eine großartige Erfahrung.

JH: Es war unglaublich. Als ich mit der Schauspielerei begann, hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages Szenen mit Schauspielern drehen würde, die zusammen insgesamt sieben Oscar-Nominierungen haben. Man muss sich nur anschauen, was sie bereits geleistet und wie viel sie schon gemeistert haben – sie waren alles und viel mehr, als ich mir hätte erhoffen können.

MR: Wenn das eigene Ego nicht zu aufgeplustert ist, schließt man sich einem Ensemble an und ab da ist es ein Kreislauf von gegenseitigem Geben und Nehmen. Auf ein Set zu kommen, an dem jemand wie Annette arbeitet, gibt einem ein Gefühl, als würde man wieder nach Hause kommen. Diese Darsteller nehmen die Arbeit ernst; es geht darum, dem Stoff zu dienen.

AB: Ich war sehr beeindruckt von Marks Großzügigkeit; wir haben vor dem ersten Drehtag telefoniert und er wusste, dass ich eine Szene drehen musste, in der ich über ihn (Paul) sprach. Mark verkörpert Pauls Aufrichtigkeit, und das macht die ganze Story noch authentischer, denn er ist sehr mitfühlend. Ich denke, die Zuschauer werden sich in diesen Figuren wieder erkennen. „The Kids Are All Right“ fühlt sich an wie das wahre Leben, mit all seinen Komplikationen, Freuden, Enttäuschungen, Neurosen und Intimitäten.

JM: „The Kids Are All Right“ erzählt eine universal gültige Geschichte auf einzigartige Weise. Der Film erzählt darüber, was es bedeutet, Teil einer Familie zu sein; wir alle haben Verständnis dafür, ganz egal aus welcher Kultur wir stammen oder zu welcher Generation wir gehören.

MR: Ich bin wirklich richtig stolz auf diesen Film. Er zeigt Familie auf eine schöne Weise – und ist dazu auch noch lustig.