Carlos Der Schakal Film Trailer
FSK Film: 16 | Länge: 140 Min | Kinostart: 04.11.2010 | Release: 27.05.2011 (DVD&BD)
© NFP | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? |
Trailer kaputt?
TRAILER-TIPPS
Links & Infos
Weiterer Trailer zum Film
Ausschnitte aus dem Film 1
Ausschnitte aus dem Film 2
Neben der regulären Fassung, die mehrheitlich in den Kinos eingesetzt werden wird, bringt der deutsche Verleih NFP marketing & distribution* auch die in Cannes gezeigte Langfassung in ausgewählte Kinos.
Schauspieler:Édgar Ramírez, Julia Hummer, Alexander Beyer, Anna Thalbach, Susanne Wuest, Alexander Yassin, Nora von Waldstätten, Udo Samel, Katharina Schüttler, Alexander Scheer, Farid Elouardi, Karl Fischer, Jule Böwe, Christoph Bach, Olivier Cruveiller, Yanillys Perez, Nicolas Briancon, Timo Jacobs, Istvan Szori, Johannes Richard Voelkel, Aljoscha Stadelmann, Jean-Baptiste Malartre, Simon-Pierre Boireau
Die Story:Sein Name ist Ilich Ramírez Sánchez, doch die Welt kennt ihn als Carlos. Carlos der Schakal. Berühmt. Berüchtigt. Ein Phantom und ein Phänomen. 1975 verantwortet er den Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien, in den Jahren darauf agiert er als kaltblütiger Mörder und effizienter Manager organisierter Gewalt - und macht den Terror zum Business. Er wird zum meistgesuchten Terroristen der Welt, doch Fotos gibt es kaum von ihm. Auf den Fahndungsplakaten ist er nur der Mann mit der Sonnenbrille. Immer wieder schafft er es unterzutauchen, verprasst sein auf Schweizer Konten angehäuftes Vermögen in Luxushotels, macht sich Frauen hörig und nutzt sie für seine Zwecke aus, und lässt seine Kontakte zu den Geheimdiensten in Ost und West spielen. Mit den Jahren verlassen ihn jedoch sein sicheres Gespür und seine Energie - und schließlich auch seine treuen Partner und Unterstützer, die ihn nun als blutbesudeltes Relikt des Kalten Krieges möglichst unauffällig loswerden wollen.
Hintergrund:Drama von Olivier Assayas über den venezuelanischen Revolutionär Ilich Ramirez Sanchez, der eine weltweite Terroristorganisation gründete und den OPEC-Hauptsitz 1975 überfiel, bevor er von der französischen Polizei gefasst wurde.
- Frisch Gepresst Trailer
- Sams Im Glück Trailer
- Als Der Weihnachtsmann Vom Himmel Fiel Trailer und Filmkritik
- Fenster Zum Sommer Trailer
- Mein Bester Feind Trailer und Filmkritik
- Kein Sex Ist Auch Keine Lösung Film Kino Trailer
- Die Zwei Leben Des Daniel Shore Film Trailer
- 66/67 – Fairplay War Gestern Film Trailer
- Ganz Nah Bei Dir Film Trailer
- Schattenwelt Film Trailer
User, die diesen Trailer sahen, besuchten auch diese Seiten:
Mit CARLOS - DER SCHAKAL legt der französische Star-Regisseur Olivier Assayas (Boarding Gate, Demonlover) ein actiongeladenes Portrait über den Aufstieg und Fall eines Mannes vor, der zu Zeiten des Kalten Krieges den internationalen Terrorismus mit erfand und die politischen Machtspiele dieser Jahre auch für seine ganz persönlichen Zwecke zu nutzen wusste. Entstanden ist das Epos einer Ära, in der Ideologie extremste Gewalt legitimierte und der Glaube, die Welt verändern zu können, eine Generation bewegte.
Für seinen Film hat Olivier Assayas jahrelang Recherchen betrieben, das daraus resultierende Drehbuch, verfasst von Assayas gemeinsam mit Co-Autor Dan Franck, basiert ausschließlich auf direkten Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizei-Akten.
Gespielt wird Carlos von Édgar Ramírez (Das Bourne Ultimatum, 8 Blickwinkel), der, genau wie der ,reale’ Carlos, aus Caracas / Venezuela stammt und für seine Rolle eine wahre schauspielerische Tour de Force hinlegt. An seiner Seite spielt ein starkes deutsches Ensemble, darunter Shooting Star Nora von Waldstätten (Parkour, Schwerkraft) als Carlos’ Ehefrau Magdalena Kopp, Alexander Scheer (Sonnenallee, Das wilde Leben) als sein Weggefährte Johannes Weinrich, Christoph Bach (Dutschke, Katze im Sack) als Hans-Joachim Klein, Aljoscha Stadelmann (Die Wölfe) und Julia Hummer (Gespenster). In weiteren Rollen sind zudem u.a. Udo Samel (Alles auf Zucker!), Jule Böwe (Schwarze Schafe) und Katharina Schüttler (Wahrheit oder Pflicht) zu sehen.
Produziert wurde CARLOS - DER SCHAKAL als französisch-deutsche Koproduktion von Daniel Leconte / Film en Stock und Jens Meurer / Egoli Tossell Film in Halle, Sachsen-Anhalt. Gedreht wurde der Film zu großen Teilen in Halle und Naumburg, sowie in Berlin, Leipzig, London, Budapest, Libanon, Jemen und Sudan. Gefördert wurde die Produktion durch den Deutschen Filmförderfonds (DFFF).
Eure Meinung zu "Carlos Der Schakal"

♥: Komplex, detailreich, brisant, aufwändig, klasse Besetzung.
−: zu episodisch, am Ende zu lang und undramatisch.
In den 70ern und 80ern galt er als der gefährlichste und meistgesuchte Mann der Welt: Ilich Ramirez Sanchez war eine Mischung Osama Bin Laden und Neger-Kalle. Sein Leben bietet Stoff für mehr als einen Film. Und darum wurde daraus auch zuallererst eine Fernseh-Miniserie. Die war dann aber so gut, dass sie auch beim Filmfestival in Cannes vorgeführt wurde. In der vollen Länge von 5 Stunden. Im Kino kann sich diese Fassung bei uns nun auch gönnen, wenn man das Sitzfleich hat, und eins der wenigen Kinos mit dieser Fassung im Programm findet. Oder man begnügt sich mit der "nur" 3-stündigen Filmversion, auf der diese Kritik basiert.
Anfang der siebziger Jahre bietet der junge Sanchez (Edgar Ramirez) seine Dienste einer palästinensischen Terrorgruppe an. Die schickt den Venezolanern nach Paris, wo er seinen ersten Mordauftrag erhält. Die sind mehr als bescheiden.Gerade mal eine mickrige Pistole und fünf Kugeln werden ihm ausgehändigt. Der Anschlag ist lausig geplant und durchgeführt und misslingt. Aber immerhin kann "Carlos" unerkannt flüchten. Und er lebt sich in Paris ein. Er genüßt das süße Leben, die Bewunderung linker Studentinnen und Salonkommunisten. Bis er an den französischen Geheimdienst verpfiffen wird. Doch wieder gelingt ihm die Flucht - nicht ohne zwei Agenten und den Verräter selbst umzulegen.
Sein Boss Wadi Haddad in Beirut schäumt vor Wut. Denn Todesurteile werden nur von ihm verhängt. Zur Strafe gehts erstmal ins Ausbildungslager , wo Carlos sich vom gewohnten Komfort und seiner Wohlstandswampe trennen muss.Dafür gewinnt er neue Kontakte: die deutschen Extremisten von der RAF und den Revolutionären Zellen, die nicht nur fanatisch sind, sondern sich auch unauffällig in Europa bewegen können. Das erweist sich beim nächsten Coup als unverzichtbar: Seine Einheit nimmt die versammelten Erdölminister der Opec-Staaten beim Treffen in Wien als Geisel. Ein zäher Nervenkrieg beginnt.Eigentlich ist der Anschlag nur ein Vorwand , um die westlich orientierten Minister von Saudi-Arabien und dem Iran zu töten. Zunächst aber startet Carlos mit seinen Geiseln einen Irrflug durch Nordafrika und den Nahen Osten. Denn kein Land, nicht einmal Libyen oder Syrien will ihn aufnehmen. Schließlich begnügt er sich mit einem stattlichen Lösegeld und lässt die Geiseln laufen. In den Augen seiner Auftraggeber hat er versagt. Carlos sieht das anders und macht sich notgedrungen selbständig. Dabei werden seine Motive immer diffuser und seine Verbündeten immer willkürlicher ausgesucht.
Seine Gruppe zerstreitet und zerstreut sich. Geht es noch um "die Sache" , oder um Profit, um das Image oder um Rache ? Als seine Frau in Frankreich inhaftiert wird, versucht er sie mit einer bis dahin beispiellosen Anschlagsserie freizupressen. Carlos taucht unter, mal in Ostberlin, dann in Damaskus und schließlich, als sich mehr und mehr frühere Verbündete von ihm abwenden landet er im Sudan. Außerdem hat Carlos inzwischen eine Familie, die andere Lebensumstände verlangt. Die Flucht, das Versteckspiel und das Bewußtsein, dass er nicht mehr im Spiel ist, zehren an ihm.. Und schließlich wendet sich auch seine Frau von ihm ab und nimmt die gemeinsame Tochter mit. Am Ende, im Sudan ist er quasi völlig allein. Ein Mann, der seinen eigenen Mythos überlebt hat.
Regisseur Olivier Assayas ist seit 25 Jahren auch als Drehbuchautor im Geschäft und vielfach ausgezeichnet. Hier liefert er aber zweifellos sein Meisterstück, dass alles vorherige in den Schatten stellt.Sein Hauptdarsteller Edgar Ramirez stürzt sich mit vollem Einsatz in die Rolle, spielt Carlos mal drahtig austrainiert, mal rundgefressen dekadent, mal selbstverliebt, mal unterkühlt strategisch, mal unkontrollierbar jähzornig.Dem stehen die anderen Darsteller kaum nach, von denen etliche passend zu Carlos´Begleitern aus Deutschland kommen wie Christoph Bach ("Dutschke"), Julia Hummer ("Northern Star"), Nora von Waldstätten ("Schwerkraft")und Alexander Scheer ("Das wilde Leben").
Der Aufwand, der hier betrieben wurde ist enorm. Detailbesessen wird die Ästhetik und Stimmung der 70er und 80er heraufbeschworen. In der Austattung erinnert der Film an Spielbergs Terrorthriller "München". Aber "Carlos" ist kein Thriller, sondern eher ein Dokudrama wie Heinrich Breloers "Das Todesspiel". Hier soll nicht wie in "Der Baader-Meinhof-Komplex" die verführerische Faszination der Gewalt vorgeführt werden. Und die ebenfalls opulent ausgestattete und ähnliche lange, zweiteilige Gangsterbiographie "Mordinstinkt/Todestrieb" mit Vincent Cassel ist erheblich spannender und als Psychogramm eines Killers schlüssiger. Aber immerhin ist "Carlos" weitaus besser gelungen als Steven Soderberghs dröges Revoluzzer-Biopic "Che" (der übrigens eins der Idole von Carlos war). Der Film legt mehr Wert auf die komplizierten politischen Manöver zwischen Ost und West, zwischen einzelnen Staaten, zwischen Terrorgruppen und Geheimdiensten und nicht zuletzt zwischen unterschiedlich motivierten Einzeltätern. Um Unterhaltung geht es hier also nicht, sondern um eine allerdings sehr authentische historische Lehrstunde.
Man sieht, wie anders der Extremismus damals war. Keine Spur vom religiösen Fanatismus unserer Tage, die Terroristen waren entweder russisch geprägte Militärs oder westlich geprägte Genußmenschen, die zwar Macht aber auch Freiheit und Wohlstand suchten. Carlos war gleichzeitig Killer, Playboy und Revolutionär (zumindest in der eigenen Vorstellung). Auch die Sicherheitsmaßnahmen, ob an Flughäfen, bei Konferenzen oder vor Luxusvillen waren damals ein Witz im Vergleich zu heute. Da sieht man, wie sehr der Terrorismus unser Leben verändert hat. Der Film nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Verstrickungen diverser Staaten in Anschläge zu bennenen. So geben Syrien und Libyen Morde in Auftrag, lassen ihre Konsulate in Europa als Stützpunkte nutzen, die Stasi gewährt Carlos Unterschlupf, die Russen bestellen ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Sadat und in den 80ern sind es dann die frisch an die Macht gekommenen iranischen Mullahs, die Carlos unterstützen, während andere Freunde ihn fallen lassen, um international besser dazustehen. Das Ende des kalten Kriegs ist auch das Ende seiner "Karriere". Im Heimkino sollte man sich sobald wie möglich mal die Langfassung gnnen. Fünf Stunden im Kino sind jedoch eine Zumutung. Aber selbst der Drei-Stunden-Fassung geht zum Schluß die Luft aus. "Carlos" ist ein überwältigendes Historydrama, komplex und durchaus stylisch, ohne übertriebenes Pathos.Regisseur Olivier Assayas hat jede Menge Fakten zusammengetragen. Aber die Psychologie des Killers und die persönlichen Beziehungen der Figuren sind weitgehend spekulativ. Der Terrorist selbst (der in Frankreich seit 1994 eine lebenslange Haftstrafe absitzt, war als Informant nicht dabei, weder er noch die Filmemacher wollten das. Das Innenleben von Carlos, seine Motive muß man sich selbst zusammenreimen.
Das Mammutprojekt zeigt ein vielschichtiges Bild einer interessanten Zeit und eines mysteriösen Mannes der zweifellos Geschichte geschrieben hat. Als Thriller ist "Carlos - Der Schakal" zu kühl und faktenreich. Aber als Dokudrama ist er eine Klasse für sich.

