Versailles Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 113 Min | Kinostart: 27.05.2010 | Release: 01.02.2011 (DVD)
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Schauspieler:Guillaume Depardieu, Max Baissette de Malglaive, Judith Chemla, Patrick Descamps, Aure Atika, Franc Bruneau, Philippe Dupagne, Brigitte Sy, Matteo Giovanetti
Die Story:Majestätisch erhebt sich das Schloss von Versailles inmitten gepflegter Gärten. Doch die weltberühmte Barockanlage grenzt an dichte Wälder. Und in denen leben Menschen, die sich freiwillig oder unfreiwillig hierhin zurückgezogen haben. So auch der noch junge Damien, der mitten im Wald in einer Einsiedlerhütte haust. Eines Tages taucht hier die obdachlose Nina mit ihrem fünfjährigen Sohn Enzo auf. Sie freundet sich mit Damien an, verbringt eine Nacht mit ihm, nur um am nächsten Morgen heimlich zu verschwinden und das Kind bei Damien zurückzulassen. Zwischen dem Mann und dem kleinen Jungen entwickelt sich eine spröde Zuneigung, in der beide Vertrauen und Geborgenheit finden. Doch die Wohnstätten der Aussteiger im Wald sind in der reichen Gemeinde von Versailles nicht gern gesehen und außerdem droht der Winter, den ein Kind hier draußen nicht überleben würde. Es ist klar: Damien und Enzo müssen ihre Hütte verlassen. Damien versucht eine Rückkehr ins bürgerliche Leben. Das Gleiche versucht auch Nina, denn sie hat ihr Kind nicht vergessen. Aber es wird für alle kein einfacher Weg...
Hintergrund:Guillaume Dépardieu, der im Oktober 2008 tragisch ums Leben gekommene Sohn von Star Gerard Dépardieu, verkörpert in einer seiner letzten Rollen grandios den ruppigen Aussteiger Damien, der sich als Ersatzvater öffnen muss. Und der kleine Max Baissette als Enzo ist eine echte Entdeckung. Einmal rennt er in Panik vom Wald direkt in den Palast, in dem Diener im Rokoko-Kostüm Touristen unterhalten. Ein starkes Bild für Zeiten, denen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit abhanden gekommen zu sein scheinen.
Technikinfos:Originalfassung mit deutschen Untertiteln
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Interview mit Pierre Schoeller
Versailles ist ein Film der starken Kontraste, angefangen mit dem Kontrast zwischen Titel und Inhalt.
Der Titel war der Ausgangspunkt des Projekts. In Frankreich gibt es über 900.000 Obdachlose, und einige leben auch in den Wäldern rings um Versailles. Die Begegnung mit ihnen war ein entscheidendes Erlebnis, auch wenn der Film nicht eigentlich ihre Geschichte erzählt. Aber unser Land ist in einem Zustand der sozialen Disintegration. Ich stellte mir die Frage: Was, wenn Frankreich immer noch eine Gesellschaft sozialer Klassen und Privilegien geblieben ist? Wenn man über die Gegenwart spricht, dann muss man sich auch auf die Vergangenheit beziehen, die mit diesem Palast, seiner Größe und Embleme ja weiterhin präsent ist. Ich wollte über das reden, was in Frankreich heute nicht in Ordnung ist, und dabei auf seine Goldene Epoche verweisen, Versailles. Aber gleichzeitig wollte ich ein modernes Drama, eine alltägliche Tragödie, bei der die Protagonisten nicht einer vorgegebenen Filmstory folgen, sondern sie quasi erst hervorbringen. Beim Schreiben bestand für mich die Herausforderung darin, in die Charaktere der drei Hauptfiguren einzudringen. Die Mutter, das Kind, und der unerschütterliche Außenseiter.
Nina und Damien erleben ihre gesellschaftliche Rolle als Außenseiter aber sehr unterschiedlich.
Damien, genau wie seine Nachbarn im Wald, hat sich bewusst von der Gesellschaft abgewandt. Er gehört zu den rebellischen Naturen, die irgendwann aus ihrem heimischen Umfeld ausbrechen müssen. Nachdem er Tod und Gefängnis entronnen ist, hat er im Wald sein eigenes Territorium gefunden. Die Hütte ist der einzige Ort, wo er wirklich leben kann. Tief im Innern ist er ein stabiler Mann, der nicht mehr flieht, sondern auf seine Lebenskraft, Stärke und Gesundheit stolz ist. Nina hat eine ganz andere Geschichte. Sie ist seit ihrer Kindheit nie wirklich geliebt oder anerkannt worden. Sie hat nur Gleichgültigkeit oder Ablehnung erfahren. Mit dieser Bürde existiert sie und versucht ein Leben zu führen, das diesen Namen auch verdient. In der Zwischenzeit zieht sie trotz allem ihr Kind auf und gibt ihm all die Liebe, zu der sie fähig ist.
