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Winters Bone Film Kino Trailer und Filmkritik

FSK Film: 12 | Länge: 100 Min | Kinostart: 31.03.2011 | Release: 26.09.2011 (DVD&BD)
© Ascot Elite | Genre: Thriller | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

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Schauspieler:Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Garret Dillahunt, Sheryl Lee, Lauren Sweetser

Die Story:Die 17jährige Ree Dolly muss sich alleine um ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern. Ihre Mutter ist psychisch krank und ihr Vater spurlos verschwunden. Als er auch bei der anstehenden Gerichtsverhandlung nicht auftaucht, soll das Haus der Familie verpfändet werden. Getrieben von der Angst, ihr Zuhause zu verlieren und in den Wäldern Missouris zu stranden, stellt sich Ree gegen den Schweigekodex ihrer am Rande der Gesellschaft lebenden Verwandtschaft und riskiert ihr eigenes Leben, um ihre Familie zu retten. Nach und nach lichtet sie das verwandtschaftliche Gestrüpp aus Lügen, Ausflüchten und Bedrohungen und beginnt, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Hintergrund:WINTER’S BONE ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Daniel Woodrell. Die Adaption des Drehbuchs stammt von Debra Granik und Anne Rosellin, von Granik (DOWN TO THE BONE) authentisch wie bewegend inszeniert. Ein spannendes wie anrührendes Familiendrama mit der herausragenden Jennifer Lawrence, sowie John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Garret Dillahunt, Sheryl Lee und Tate Taylor in den Hauptrollen. Nach dem überwältigenden Erfolg auf dem SUNDANCE Filmfestival 2010 folgte eine Welle an weltweit begeisterten Festival-Jurys (Auszeichnungen u.a. auf dem Seattle International Film Festival, Independent Film Festival of Boston, San Francisco International Film Festival und dem Deauville American Film Festival). WINTER'S BONE wurde außerdem auf der BERLINALE 2010 neben dem CICAE Preis des Internationalen Verbands der Filmkunsttheater als Publikumsliebling mit dem Tagesspiegel Leserpreis geehrt.




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♥: Authentische Darsteller. Ungekünstelte, trotzdem sorgfältige Inszenierung,hohe Spannung
−: für den Durchschnittsgucker zu langsam und ereignisarm

Die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das gilt aber nicht nur für die Erfolgschancen, sondern auch für das Scheitern. Der American-Way-of-Life ist eben nicht immer ein Highway, sondern in manchen Gegenden nur ein staubiger Trampelpfad.
Im Herzen der Vereinigten Staaten liegt Missouri. Hier lebt die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) mit ihrer Familie - oder dem was davon übrig ist. Die psychisch kranke Mutter dämmert im maroden Haus vor sich hin, der kriminelle Vater ist schon lange weg. Ree kümmert sich so gut es geht um ihre beiden kleineren Geschwister. Das Geld ist knapp, die Klamotten zerschlissen und der Kühlschrank immer leer. Ree bietet ihrem Bruder und ihrer Schwester aber dennoch so etwas wie ein Heim, sie unterrichtet sie notdürftig - nicht nur im Buchstabieren sondern auch in so wichtigen Dingen wie dem Jagen und Ausweiden von Eichhörnchen, um den Speiseplan auszubessern. Und dennoch könnte die Familie bald noch tiefer sinken.


Ree´s Vater Jessup hat Haus und Grundstück für eine Kaution verpfändet. Wenn er zum bevorstehenden Gerichtstermin nicht auftaucht, ist beides weg und die Familie obdachlos. Ree macht sich auf die Suche nach ihrem drogenfabrizierenden Erzeuger. Dabei stößt sie jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Selbst die eigenen Verwandten wollen sie von der Suche abbringen. Die Männer sind meist schon genervt , weil sie überhaupt angesprochen werden, die Frauen sind extrem misstrauisch, wenn das hübsche Mädchen nach ihren Kerlen fragt. Und überall werden ihr Drogen angeboten, mit denen jeder hier sein Einkommen aufbessert oder das Dasein ertäglich macht- und die Ree immer ablehnt.
Little Arthur ist sowas wie der Pate der Gegend. Wenn jemand was über Jessup weiss, dann er. Aber mit ihm kann man nicht einfach so reden. Schon gar nicht wenn die Polizei in die Sache verwickelt ist.
Ree lässt jedoch nicht locker auch wenn sie den raubeinigen Rednecks physisch nicht entgegenzusetzen hat und immer eindringlicher gewarnt wird. Selbst Jessups Bruder Teardrop (John Hawkes) kann oder will nicht helfen.

Selbstverständlich ist "Winter´s Bone" nicht repräsentativ für die Unterschicht in den USA. Aber dass heißt nicht, dass es solche Gegenden und solche Strukturen nicht geben würde. Die Straßen sind staubige Feldwege, die Pickups bestehen vor allem aus Rost und das Hauptproblem der Menschen ist nicht das Ausrichten der Satellitenschüssel und das Wässern des Vorgarten. Tatsächlich sieht hier offenbar niemand fern, besitzt ein Handy oder einen Computer. Man bleibt lieber unter sich und das betrifft selbst die Bilder von anderen Menschen, anderen Gegenden. Die trostlose Provinz wirkt, als hätte sie sich seit 100 Jahren nicht verändert. Darum ist der Film auch kein aktueller Kommentar zu den Folgen der Wirtschaftskrise. Von der haben die Menschen hier kaum was mitgekommen. Ihnen ging es immer schon schlecht, ihr Leben war immer ein Kampf, wie bei den ersten Siedlern. So ist „Winter´s Bone" auch eine Art später Western. Geschossen wird aber vor allem mit Worten. Als die Geschwister ein mageres Eichhörchen schlachten, fragt Ree´s Bruder: Essen wir auch die Eingeweide" und Ree antwortet „Noch nicht!" Ein Cowboy, der sein Pferd verliert, der war früher so gut wie tot. Wer das weiss, der ahnt wie schwer es Ree fallen muss, das Pferd der Familie wegzugeben. Was bleibt, sind nur die billigen Polyester-Plüschpferde ihrer Schwester (vermutlich „made in China"). Da ist der Mythos des Westens endgültig am Ende.
Tatsächlich leben die Menschen hier nach ihren eigenen Regeln. Der Sheriff hat zwar einen Namen heißt aber trotzdem nur "The Law" - "Das Gesetz". Die Menschen regeln ihre Angelegenheiten lieber selbst. Das betrifft auch Ree und ihre Schützlinge. Wer kann, steckt ihr Geld zu. Zumindest solange bis sie für Unruhe sorgt. Da schlägt die Stimmung schnell um.
Manchmal fehlt nicht viel und man wäre in einem typischen Horrorfilm, in dem Hinterwäldler Jagd auf schnöselige Highschoolstudenten machen. In Ree´s Umgebung ist quasi jeder mit dem verwandt oder bekannt. Eine archaische Welt in der die Hand und die Waffe locker sitzen und die Frauen nichts zu sagen haben. Die Spannung und Gefahr ist hier manchmal unerträglich. Umso großartiger ist die Leistung von Jennifer Lawrence, die eine dickköpfige aber zerbrechliche Heldin ganz ohne Pathos spielt und sich nicht aus Naivität , sondern ganz bewußt der Bedrohung stellt.
Nachdem man den ersten Schock dieser scheinbar asozialen Welt überwunden hat, erkennt man aber dass Regisseurin Debra Granik ein durchaus nuanciertes Bild zeichnet. Die anfangs feindseligen Frauen helfen Ree wenn mal keiner hinsieht, die Männer geben sich zwar öffentlich schroff , nur um dann heimlich Tipps zu geben und selbst der anfangs so einsilbige Teardrop entwickelt sich zum leidenschaftlichen Beschützer. Tatsächlich wäre es wohl kein amerikanischer Film , wenn am Ende nicht wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer auftauchen würde. Aber zumindest das hat sich Ree nach ihrer Leidensgeschichte auch mehr als verdient.

Auch wenn die Regisseurin Debra Granik viele Mißstände zeigt und die offene und unterschwellige Gewalt gegen Frauen anprangert, ist ihr Film nicht als politisches Statement zu sehen. Auch unter widrigsten Bedingungen kann Ree ihren Geschwistern ein Heim bieten, können Menschen sich gegenseitig stützen. Und trotz des Elends hängt auch vor Ree´s Blockhütte ein Sternenbanner und man ist unausgesprochen stolz auf sein großartiges Land.
Das ist allerdings nicht der Grund, warum Ree sich irgendwann beim Militär meldet, um die versprochene Einstellungsprämie - immerhin 40.000 $ - zu kassieren. Für viele Angehörige der Unterschicht in den USA ist die Armee die einzige Chance auf ein geregeltes Einkommen, auf eine Ausbildung und einfach ein besseres Leben. Aber der Rekrutierungsoffizier ist gar nicht so erpicht drauf sie zu verpflichten. Und dann macht er ihr klar, dass sie für die Army ihre Geschwister im Stich lassen müsste und gibt ihr noch eine guten Rat mit auf den Weg: „manchmal ist es mutiger, zu Hause zu bleiben." Das ist aber wohl weniger die typische Reaktion eines Army-Anwerbers als ein Statement der Regisseurin.

Bei den Oscars ging die Romanverfilmung trotz vier Nominierungen leer aus. Eins der bewegendsten Dramen des Jahres ist der Film trotzdem. Dabei hat er gerade mal 2 Millionen Dollar gekostet. Die bislang eher unbekannte Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence hat sich mit ihrer verdienten Oscarnominierungen zu einem der Jungstars hochgespielt, die man im Auge behalten muss und kann: Demnächst spielt sie „Mystique" im kommenden Comic-Spektakel "X-Men - Erste Entscheidung". Viele der anderen Darsteller standen zum ersten Mal vor der Kamera, sie leben tatsächlich in der Gegend und sorgen für enorme Authentizität. Aber kameratechnisch ist der Film alles andere als laienhaft. Vielen Einstellungen sieht man die sorgfältige Planung an. Für die volle Wirkung sollte man allerdings die Originalfassung sehen. In der Synchronfassung wird die Wirkung erheblich abgeschwächt.

„Winter´s Bone" ist eigentlich ein sehr simpler Film. Und ein sehr bedrückender. Und ein langsamer. Aber statt deprimiert zu sein, ist man sehr schnell gefesselt von seiner mutigen Heldin. Sicher werden viele ihn ignorieren, weil´s „nur" ein Familiendrama über arme Leute ist. Aber die verpassen was. Auch andere Filme haben sich mit den unbekannteren Seiten der USA befasst, aber kaum einer kommt so ungekünstelt und gleichzeitig spannend daher.
Wer Darren Aronofskys "The Wrestler" mit Mickey Rourke mochte, Eastwoods „Gran Torino", oder den letztjährigen Oscar-Hit „Precious", der sollte "Winter's Bone" nicht verpassen.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht