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Fair Game Film Trailer

FSK Film: 12 | Länge: 106 Min | Kinostart: 25.11.2010
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TRAILER-TIPPS

 

Links & Infos

 

Schauspieler:Naomi Watts, Sean Penn, Sam Shepard, Bruce McGill, David Andrews

Die Story:Valerie Plames Leben könnte nicht perfekter sein. Sie ist glücklich verheiratet mit Joe, einem ehemaligen Botschafter, und hat zwei entzückende Kinder. Nicht einmal ihre engsten Freunde ahnen: Valerie führt ein Doppelleben - sie arbeitet als hochrangige CIA-Agentin. Nur ihr Mann und ihre Eltern wissen von ihrer geheimen Identität. Im Frühjahr 2002 arbeiten die beiden an einem Undercover-Auftrag und fördern Erstaunliches zu Tage: Im Irak können überhaupt keine Atomwaffen existieren. Doch die Bush-Administration ignoriert die brandheiße Entdeckung und zieht in den Krieg gegen Saddam. Bestürzt folgt Joe seinem Gewissen und veröffentlicht seine Erkenntnisse. Die Folgen sind fatal: Valeries Tarnung wird durch eine gezielt lancierte Indiskretion aufgedeckt. Ihre Karriere ist zerstört, das Vertrauensverhältnis zu Joe erschüttert. Schlimmer noch: In der aufgeheizten Stimmung des Landes muss sie um ihr Leben und das ihrer Familie fürchten.

Hintergrund:Unglaublich, aber wahr: Die Geschichte der ehemaligen CIA-Agentin Valerie Plame lässt einem schier den Atem stocken. Die Bourne Identität-Regisseur Doug Liman machte aus dem realen Stoff, der vor wenigen Jahren um die Welt ging, einen mitreißenden, vor Spannung knisternden Thriller, in dem Naomi Watts (The InternationaL) und Oscar-Gewinner Sean Penn (Milk) eine Paradevorstellung als Ehepaar unter Beschuss abliefern. Gekonnt balanciert Fair Game Politisches mit Privatem und erlaubt einen packenden Blick hinter die dunklen Fassaden der politischen Macht. Fair Game feierte seine umjubelte Weltpremiere als einziger amerikanischer Wettbewerbsfilm im Rahmen des 63. Festivals in Cannes.




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♥: Oscarreife Schauspieler, vielschichtige Lektion über Medienmacht und Manipulation
−: Überdeutliche Parteinahme, politische Grundkenntnisse werden vorausgesetzt

Gerade erst ist die Autobiographie von George W.Bush erschienen, in der er seine Entscheidungen erwartungsgemäß verteidigt - auch den Einsatz von Folter. Und er erklärt, dass er selbst überrascht war, als im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Das war schließlich der offizielle Grund für den Krieg. Wie das damals wirklich war, erfährt man in "Fair Game", der auf der wahren Geschichte der CIA-Agentin Valerie Plame und ihres Mannes, des Ex-Diplomaten Joseph Wilson basiert.


Im Jahr 1 nach den Terroranschlägen von 9/11 sind die USA ein verändertes Land.Die US-Regierung bereitet sich auf den Krieg im Irak vor. Als Grund werden die dort vermuteten Massenvernichtungswaffen angegeben. Dafür fehlen allerdings noch Beweise. Saddam soll jedoch große Mengen Uranerz ("YellowCake") aus dem Niger importiert haben. Die CIA-Agentin Valerie Plame (Naomi Watts, "King Kong") schlägt vor, ihren Mann in die Region zu schicken. Joseph Wilson (Sean Penn, "Mystic River") hat dort jahrelang gelebt und war sogar US-Botschafter - mit besten Kontakten. Sein Urteil ist unmissverständlich: Unmöglich, dass der Irak sich dort Material zum Bombenbau beschafft hat.

Den Beratern von US-Präsident Bush passt diese Einschätzung gar nicht, sie lassen den Bericht erstmal verschwinden. Das ist nichts ungewöhnliches, auch wenn es Wilson stört, dass seine Meinung nicht anerkannt wird. So richtig regt er sich erst auf, als seine Aussagen stückweise und völlig verzerrt in die Öffentlichkeit gelangen. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Er wendet sich selbst an Presse und Fernsehen.
Mit seinen Interviews macht er sich mächtige Feinde. Die Hardliner in Washington überziehen ihn mit einer Hetzkampagne, ziehen seinen Ruf in Zweifel, machen ihn lächerlich und werfen seiner Frau Unfähigkeit und Korruption und vor, weil sie ihm den Auftrag der CIA verschafft hat. Und vor allem wird aus dem Umfeld des Präsidenten ihre Identität als Agentin enthüllt, was eigentlich eine Straftat ist. In der Folge werden alle ihre Geheimoperationen eingestellt. Informanten, denen sie Asyl in den USA versprochen hatte, verlieren dadurch ihren Schutz und verschwinden spurlos im Chaos des Irakkriegs. 

In der aufgeheizten Atmosphäre vor und während des Irakkriegs ist es jedoch schwer, in den USA eine vernünftige Debatte zu führen. Wer die Regierung oder gar den Präsidenten kritisiert, gilt schnell als unpatriotisch. Und auch Wilsons Unterstützer in den Medien werden immer zögerlicher. Doug Liman zeigt hier sehr eindringlich, wie Fakten in den Medien manipuliert oder verdreht werden können. Der Titel klingt nett, aber korrekt übersetzt, bedeutet er soviel wie "Freiwild", jemand der zum Abschuß freigegeben wurde.
Valerie Plame will die Sache auf sich beruhen lassen. Als CIA-Mitarbeiten hält sie es immer noch für ihre Pflicht, dem Land und dem Staat zu dienen. Ihr Mann erträgt die Demütigungen und Lügen jedoch nicht. Schließlich hatte er selbst sich noch im ersten Golfkrieg Saddam persönlch entgegengestellt und eine massenhafte Geiselnahme von Amerikaner verhindert. Damals wurde er als Held gefeiert, aber das ist nun alles nichts mehr wert. Für ihn geht es nicht nur um seinen Ruf, sondern um den Wert der Wahrheit und das Ansehen der USA. Das seine eigene Regierung so mit kritischen Bürgern umgeht, ist für ihn unerträglich. Die Affäre belastet jedoch längst auch seine Ehe. Ist es das wert ?

Vordergründig ist "Fair Game" ein Politthriller, der den Weg der USA in den Irakkrieg nachzeichnet, und die irrationale Atmosphäre zu Beginn des "Kriegs gegen den Terror". Aber es ist auch ein packendes Beziehungsdrama. Die Eheleute sind beileibe keine unbescholtenen Opfer. Sean Penn spielt einen mitunter jähzornigen Gerechtigkeitsfanatiker und Sturkopf, der schon am Wohnzimmertisch seine Gesprächspartner in der Luft zerreisst. Seine Frau ist als US-Agentin darauf spezialisiert, andere Menschen zu manipulieren, um an Informationen zu gelangen.

Dabei kann man ihre Motive durchaus nachvollziehen. Aber sie sind eben keine perfekten Gutmenschen, sondern realistische Figuren, die natürlich von den Schauspielern auch faszinierend verkörpert werden. Am beeindruckendsten ist dabei natürlich Sean Penn, er ist der aktivere, auch wenn sein wütender Kampf mitunter wie der von Don Quichotte wirkt. Eine Rolle wie gemacht für Penn. Die Parteinahme der Filmemacher ist dabei aber mitunter zu deutlich, die Strippenzieher des Bush-Lagers sind meist übergewichtig, feige und arrogant. Das hätte der Film eigentlich nicht nötig (es sein denn es stimmt).

"Fair Game" ist das intellektuelle Gegenstück zu "Green Zone". Wem bei Paul Greengrass die Aufarbeitung des Medienkriegs zu actionlastig war, bekommt nun von Doug Liman eine psychologisch vielschichtige Alternative. Es ist ein interessanter Zufall, dass beide Regisseure mit den Bourne-Thrillern berühmt wurden. Ein Vergleich wäre aber unsinnig, denn auch wenn die Themen von "Green Zone" und "Fair Game" sich berühren, sind die Filme doch grundverschieden und beide auf ihre Weise packend.Doug Liman hat es geschafft , Politik spannend zu inszenieren. Grundkenntnisse über die US-Politik sollten aber schon da sein, denn viele Aspekte und Akteure werden nur kurz angerissen.

"Fair Game" steht in der Tradition klassischer Polithriller wie "Die Unbestechlichen" über den Watergate-Skandal. Damals konnten die Journalisten Woodward und Bernstein mit ihren Recherchen den US-Präsidenten zum Rücktritt zwingen. Und Nixon hatte damals keinen Krieg begonnen, sondern "nur" politische Gegner abhören lassen. Dass die Medien heute ein solche Macht offenbar nicht mehr haben, und Bush sich der Verantwortung entziehen konnte ist eine der ernüchternden Lektionen des Film. Dieses Politdrama wird bei den Oscar eine gehörige Rolle mitspielen.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht

Weitere Infos zum Film:

Die Kaltgestellte Spionin
Valerie Plame führte ein Doppelleben, damals im Jahr 2001. Da gab es die private Valerie Plame, Ehefrau des ehemaligen Botschafters Joe Wilson und liebende Mutter ihrer Zwillinge. Aber es gab auch ein überaus geheimes Berufsleben, von dem mit Ausnahme ihres Mannes und ihrer Eltern außerhalb des Geheimdienstes niemand etwas wusste. Nicht einmal ihren besten und engsten Freunden war bewusst, dass Valerie eine der erfolgreichsten Agentinnen des CIA war. Als Leiterin der Joint Task Force im Irak hatte Valerie den Auftrag, Saddams Waffenprogramm zu infiltrieren – zu einer überaus entscheidenden Zeit an der Schwelle zum Irakkrieg. „Sicherlich war es politisch gesehen eine faszinierende Geschichte“, sagt FAIR GAME-Produzent Jerry Zucker. „Aber je mehr Valerie und Joe uns darüber erzählten, welche Folgen sie für ihre Ehe hatte, desto klarer wurde uns, dass wir es mit einem zutiefst persönlichen menschlichen Drama zu tun hatten.“

Die Geschichte der Wilsons spielte sich im Licht der Öffentlichkeit ab. Joe Wilson wurde von der U.S.-amerikanischen Regierung in den Niger geschickt, um eine Bestätigung für Berichte zu finden, dass die irakische Regierung dort große Mengen an Uran eingekauft hätte. Vor Ort kam er zu dem Schluss, dass die Gerüchte unwahr und frei erfunden waren. Die Bush-Regierung kehrte diese Entdeckung jedoch unter den Teppich. Dabei war der ehemalige Berater des Auswärtigen Amts, Joe Wilson, gewiss kein Anhänger von Saddam Hussein. Er war der letzte amerikanische Diplomat, der sich mit dem Diktator traf, nachdem der Irak im Jahr 1990 in Kuwait einmarschiert war, und verlangte persönlich den sofortigen Rückzug der irakischen Truppen. Er stellte sich auch gegen Hussein, als der irakische Präsident damit drohte, er könne nicht mehr für das Leben von Ausländern im Irak garantieren. Tausende von Amerikanern wurden von Wilson gerettet, bevor er selbst das Land verließ.

Vor allem aber fühlte sich Wilson stets der Wahrheit verpflichtet. Deshalb war er außer sich, als das Weiße Haus beschloss, den nachweislich erfundenen Urankauf als Beweis dafür heranzuziehen, der Irak stünde kurz davor, nukleare Waffen produzieren zu können. Kurz nachdem er einen Artikel in der New York Times veröffentlicht hatte, in dem er seine Version der Geschichte darlegte und beschrieb, was er im Niger gefunden, bzw. nicht gefunden hatte, wurde Valerie Plames Identität als Geheimagentin enttarnt. Die Wilsons, ihre Familie und zahlreiche Kollegen von ihr wurden willkürlich in Gefahr gebracht. Ganz offenkundig war die ungenannte Quelle ein hochrangiger Beamter der Bush-Administration. „Diese Geschichte hätte man nicht erfinden können“, sagt Produzentin Janet Zucker kopfschüttelnd.

Nachdem sie noch mehr über die Wilsons recherchiert hatten, wurde den Produzenten klar, dass die Geschichte tiefer ging und komplexer war, als die Schlagzeilen es zunächst hatten vermuten lassen. Joe und Valerie waren ein Paar, dessen ganzes Privatleben auf tragische Weise komplett auf den Kopf gestellt wurde. Beide reagierten völlig unterschiedlich auf den Feldzug, der gegen sie gestartet wurde. Joe feuerte zurück, mit allem, was in seiner Macht stand: Für ihn war die Enthüllung schlicht und einfach ein Verbrechen, das vor Gericht gebracht gehörte. Valerie, die einen großen Teil ihres Lebens im Verdeckten verbracht hatte, zog sich zurück: Sie wollte mit ihrer Geschichte nicht in die Öffentlichkeit. „Sie war eine Frau, die lange Zeit ein Doppelleben geführt hatte“, sagt Jerry Zucker. „Selbst ihre engsten Freunde dachten, sie sei eine Risikokapitalanlegerin. Mit einem Mal wird sie ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt und als Spionin enttarnt, mit einem Mal soll sie sich öffentlich rechtfertigen und ihr Leben verteidigen. Das war eine absolute Umkehrung dessen, was sie gewohnt war.“

Die Zuckers sicherten sich die Dienste des prämierten Drehbuchautors Jez Butterworth und dessen Bruders John-Henry Butterworth. Die beiden Briten hatten nicht den blassesten Schimmer, wer Valerie Plame war, als man sie für das Drehbuch gewinnen wollte. „Mit Ausnahme der gröbsten Grundzüge war uns nicht einmal das politische System in den Vereinigten Staaten vertraut“, gesteht Jez Butterworth freimütig. „Aber die Geschichte war so faszinierend, dass wir unbedingt mehr darüber in Erfahrung bringen wollten.“ Die Drehbuchautoren sahen großes filmisches Potenzial in den Figuren und dem zentralen Konflikt der Geschichte. Ihnen war schnell bewusst, wie sehr die Familie und Ehe der Wilsons nach dem Outing Valeries in ihren Grundfesten erschüttert wurde. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, wie man politische Szenen schreibt, auch wenn meine politischen Sympathien ganz klar auf der Seite der Wilsons liegen“, meint Jez Butterworth. „Aber Figuren, die beherrsche ich.“

Doch nachdem die Butterworth-Brüder den Auftrag angenommen hatten, das Drehbuch zu schreiben, sahen sie sich schnell mit Hindernissen konfrontiert wie noch nie zuvor in ihrer Karriere. Selbst von den zu dieser Zeit noch unveröffentlichten Memoiren von Valerie Plame hatten die beiden Autoren die Finger zu lassen, bis sie von der CIA freigegeben worden waren. „Unser ursprüngliches Interesse an FAIR GAME galt der Gelegenheit, die Geschichte zweier bemerkenswerter Figuren an einem entscheidenden Moment der Historie zu erzählen“, sagt Produzentin Janet Zucker.

„Als wir mit der Entwicklung des Projekts begannen, erkannten wir, dass unsere Absicht durch eine Reihe von Faktoren deutlich erschwert wurde, nicht zuletzt weil große Teile von Valeries Arbeit für die CIA auch heute noch streng geheim sind.“ Obwohl die Produzenten die Filmrechte an Valeries Buch besaßen und sich ihre Mitwirkung an dem Film als Beraterin gesichert hatten, konnte sie keinerlei Informationen weitergeben, die von der Regierung immer noch als geheim angesehen wurden. Den Autoren blieb nichts anderes übrig, als eigene Recherchen anzustellen. „Wir haben unendlich viel recherchiert“, stöhnt Jez Butterworth. „Erst über die amerikanische Regierung, dann über die CIA und schließlich über die Wilsons selbst.“ Und sein Bruder John-Henry merkt an: „Wir fanden die Nachforschungen fürchterlich aufregend. Es war eine richtige Nacht-und-Nebel-Aktion. Zunächst waren die Menschen zurückhaltend, uns etwas über Valerie zu erzählen, speziell wenn wir ihnen erzählten, dass wir an einem Film arbeiteten. In unserem Hotel hatten wir uns allen Ernstes als Bauleiter registriert.“

Aber Informationen aus erster Hand waren von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Unternehmung, weil es in der „Plame-Affäre“ längst so viele Presseberichte und Spekulationen gab, dass man nicht sicher sein konnte, was stimmte und was nicht. „Über den Fall war in den Zeitungen so viel geschrieben worden wie über eine Fußballbegegnung“, meint John Henry. „Jeder hatte eine Meinung. Aber wir wollten wissen, was wirklich vorgefallen war. Keiner, mit dem wir uns trafen, war besonders scharf auf ein Interview. Alle bestanden darauf, dass ihre Erklärungen absolut vertraulich seien. Aber nach den Zwischenwahlen im Jahr 2006 begann sich das politische Klima in Washington zu wandeln. Auf einmal erzählte man uns viel befreiter als zuvor.“ Die Brüder sprachen mit zahllosen Menschen, darunter ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes, Journalisten, Anwälte und Abgeordnete. Gemeinsam mit Janet Zucker besuchten die Butterworth-Brüder die Gerichtsverhandlung des früheren Stabschefs des damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis „Scooter“ Libby, das einzige Regierungsmitglied, das in der Sache Plame jemals vor Gericht gebracht wurde.

Schließlich durften die Autoren auch Valerie Plames Memoiren lesen, die allerdings vom Veröffentlichungsprüfungsprozess der CIA massiv eingeschwärzt worden waren. Je tiefer die Butterworth-Brüder gruben, desto zuversichtlicher waren sie, eine Geschichte an der Hand zu haben, in der das persönliche Schicksal schwerer wog als die politischen Aspekte. „Als wir die Wilsons kennenlernten, spürten wir sofort, dass wir es mit einem Mann und einer Frau zu tun zu haben, deren alltägliche Existenz komplett auf den Kopf gestellt worden war“, sagt Jez Butterworth. „Sie kämpften eine Schlacht, in der es um ihr Leben ging.“

Um diese höchst komplexe Geschichte in einem zweistündigen Film erzählen zu können, waren die Autoren gezwungen, einige Namen zu ändern und sich ein paar zusammengesetzte Figuren auszudenken. „Ein Beispiel: Dr. Zahraa und ihr Bruder, der Physiker, die Valerie im Film mit Informationen über das irakische Nuklearwaffenprogramm versorgen, wurden von uns erfunden“, erklärt Jerry Zucker. „Sie stehen repräsentativ für jene Quellen für Geheiminformationen, wie sie von Valerie tatsächlich angezapft wurden, als sie als Spionin arbeitete.“

Als das Projekt so weit war, dass man es vorzeigen konnte, wandten sich die Zuckers an Bill Pohlad und seine Firma River Road. River Road hat sich auf Projekte spezialisiert, die hohe Kommerzialität mit kreativem Anspruch verbinden, wie man in der Vergangenheit mit Filmen wie dem Oscar-Gewinner Brokeback Mountain (2005), ROBERT ALTMAN‘S LAST RADIO SHOW (A Prairie Home Companion, 2005) oder auch dem neuen Film von Terrence Malick, TREE OF LIFE (2010), bewies. „Ich las das Drehbuch und fand es ungemein packend“, erinnert sich Pohlad.

„Bei River Road lassen wir lieber die Hände von Geschichten, die zu sehr in ihrer Zeit verhaftet sind, wir suchen nach einem zeitlosen Element. Zunächst waren wir etwas besorgt, dass die Thematik womöglich zu sehr von den Schlagzeilen der Zeitungen beeinflusst sein könnte. Aber nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war mir klar, dass das absolut nicht zutraf. Was Valerie und Joe auf einer ganz privaten Ebene durchleben, ist völlig universell, für jedermann nachvollziehbar. Wir waren einer Meinung, dass der politische Aspekt zwar eine Bedeutung hatte, aber doch ein sekundäres Element war.“ Auch Pohlad gefiel der Ansatz, dass man bei der Erzählung immer so nah an der Wahrheit bleiben wollte, wie es im Rahmen eines Spielfilms nur möglich war. „Aber FAIR GAME ist weit davon entfernt, ein historisches Dokument oder gar ein politisches Lehrstück zu sein“, räumt der Produzent ein. „Vielmehr haben wir es mit einem emotionalen Porträt zu tun, einem Film über die Zivilcourage zweier außergewöhnlich mutiger und entschlossener Menschen, die vom Machtstrom der Politik mitgerissen werden und deren Ehe beinahe daran zerbrochen wäre.“

„Wir wollen nicht, dass das Publikum das Kino verlässt und darüber debattiert, wer jetzt im Recht war und wer nicht“, überlegt Pohlad. „Dies ist die Geschichte von Menschen, die ihre Stimme im Angesicht rücksichtslosem Machtmissbrauchs erheben und sich einmischen, anstatt die Dinge einfach nur an sich vorbei ziehen zu lassen.“ Pohlad war sich sicher, mit Doug Liman den absolut richtigen Mann für dieses Projekt gefunden zu haben. „Doug hat einige Erfahrung in der Inszenierung von Spionagethrillern und ein feines Gespür für Action und Bewegung. Gleichzeitig wussten wir auch, dass Doug den richtigen Ansatz hatte, um auch die Ereignisse im Privatleben von Joe und Valerie überzeugend zu inszenieren. Er fängt all die Elemente der Geschichte perfekt ein: Valeries Doppelleben, der Aufruhr, der entsteht, als ihre Identität öffentlich gemacht wird und wie sie mit all den Leuten umgeht, die dachten, sie würden sie kennen.“

Liman war schon vor FAIR GAME ein großer Fan der Arbeit der Butterworth-Brüder. „Sie hatten für mich ein bisschen an MR. & MRS. SMITH (2005) gefeilt“, sagt der Regisseur. „Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass sie meine bevorzugten Drehbuchautoren sind. Ich hatte davor bestimmt schon ein halbes Dutzend mal versucht, sie für einen meiner Stoffe zu begeistern – und jedes Mal einen Korb von ihnen bekommen. Als Janet und Jerry mir ihr Drehbuch vorlegten, ließ ich alles stehen und liegen.“ Liman empfand den Stoff als eine unmittelbare Fortsetzung seiner bisherigen fiktionalen Stoffe. „Dieses Mal erzähle ich die Geschichte der realen MR. & MRS. SMITH. Und doch fühlte sich die Geschichte anders an, weil es letztlich um eine Ehe auf dem Prüfstand geht und nicht um eine politische Belehrung. Diese Geschichte wäre auch vor hundert Jahren schon relevant gewesen und sie wird es auch in hundert Jahren noch sein. Bill Pohlad sagt immer, dass es sich um einen Kriegsfilm handele, der Krieg im Zentrum aber nicht der Irakkrieg sei, sondern vielmehr der Krieg im Haushalt der Wilsons. Diese Geschichte wollte ich unbedingt verfilmen.“

Schon vor seinem ersten Treffen mit den Wilsons fühlte Liman eine Seelenverwandtschaft mit Valerie und Joe. „Was mich für Stoffe begeistert, sind immer die Figuren und nicht Action oder Politik“, erklärt er. „Hier hatten wir es mit zwei außergewöhnlichen Menschen zu tun, die eine ungemein aufregende Geschichte zu erzählen haben. In der Öffentlichkeit bloßgestellt worden zu sein, erwies sich für Valerie Plame und ihre Familie als verzweifelte Angelegenheit, an der sie beinahe zerbrochen wären. Ich wollte einen Silberstreifen finden für all die unschuldigen Menschen, die in die Sache hereingezogen wurden.“ Liman fand heraus, dass Valerie Plame etwas war, was man „non-official covert operative“ oder „NOC“ nennt – eine nicht offizielle, verdeckt arbeitende Geheimagentin. „Ich fand das sehr reizvoll“, meint Liman. „NOCs sind die wahren James Bonds. Sie arbeiten so verdeckt und geheim, dass ein NOC nicht einmal einen anderen NOC benennen könnte. Sie sind die spannendsten Figuren, die man in der CIA finden kann.

Wenn man sich bereit erklärt, als verdeckter Agent für die CIA zu arbeiten, dann steht man mit seinem Leben dafür ein, dass niemals jemand auf der Welt davon erfährt, was man gemacht oder enttarnt hat. Trotzdem hat Valerie einen Mann geheiratet, der das genaue Gegenteil von ihr ist, der im Licht der Öffentlichkeit steht und keine Sekunde zögert, auf Konfrontationskurs zu gehen und seine Meinung zu äußern. Dabei zuzusehen, wie sich diese beiden Menschen mit ihren völlig unterschiedlichen Temperamenten gegen das mächtigste Weiße Haus in der Geschichte unseres Landes stellen, ist aufwühlend – ganz großes Drama.“

Liman betont, dass er bei der Inszenierung von FAIR GAME keine politische Agenda verfolgte. „Meine Priorität war es, immer den Blick auf die Geschichte zu richten und eben nicht die Politik in den Fokus zu rücken“, sagt er. „Die Politik war wie die Sirenen, die ständig von den felsigen Klippen am Ufer säuselten und mich umgarnten. Ich musste mir die Ohren zuhalten, wenn ich zum Dreh erschien, denn darum durfte es nicht zu allererst gehen.“

Die Wahre Geschichte
Die erste Klappe für FAIR GAME fiel im April 2009, mit Dreharbeiten an Originalschauplätzen in Washington D.C., New York City, dem Marshall Field Estate auf Long Island und Westchester County im Staat New York. Danach ging es weiter zu internationalen Drehorten in Kairo, Amman und Kuala Lumpur. Dort entstanden die Szenen, die Valerie Plame im Einsatz als Geheimagentin zeigen sowie Joes Reise in den Niger. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Militärs des Landes konnte Liman in Jordanien eine Szene in den Kasten bekommen, in der ein Black-Hawk-Hubschrauber im Tiefflug über die Hauptstraße von Amman gleitet. In Kairo musste der Dreh in der Universität verschoben werden, weil ausgerechnet an diesem Tag Präsident Obama dort seine mittlerweile legendäre Rede hielt, in der er sich an die muslimische Welt wandte.

Die größte Herausforderung für Doug Liman war jedoch der Dreh im Irak. „Wir waren die erste amerikanische Filmfirma, die jemals in Bagdad einen Spielfilm drehte“, sagt Liman. „Das ging ganz schön an die Nerven, aber es lag einfach im Wesen des Films, an einem derart hoch explosiven, turbulenten Ort zu drehen.“