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Hochzeitspolka Film Trailer

FSK Film: 6 | Länge: 98 Min | Kinostart: 30.09.2010
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Schauspieler:Christian Ulmen, Katarzyna Maciag, Fabian Hinrichs, Waldemar Kobus, Lucas Gregorowicz, Jens Münchow, Alexandra Schalaudek

Die Story:Frieder Schulz hat als Sänger der Band Heide Hurricane mit seinen Kumpels einst jeden Saal zum Kochen gebracht. Bis ihn ein aussichtsreicher Job als Geschäftsführer in die polnische Provinz verschlagen hat. Nur drei Jahre später ist aus dem coolsten Typen von Heide schon fast ein Spießer mit Häuschen und Karriere geworden. Als er gerade die Hochzeit mit seiner Liebsten, der Polin Gosia, vorbereitet, tauchen überraschend seine alten Band-Kumpels auf. Sie wollen die guten, alten Zeiten mit Party, Rock und Bommerlunder so richtig aufleben lassen. Doch Jonas, Paul, Knack und Manni passen weder in Frieders neues Leben noch in das polnische Dorf. Klischees und Missverständnisse sorgen für allerlei Turbulenzen nicht nur zwischen den Freunden, Braut und Bräutigam, sondern auch zwischen Polen und Deutschen...

Hintergrund:Was bleibt von coolen Typen, wenn sie die Dreißig erreicht haben? Muss sich ein Mann daran messen lassen, wovon er in der Jugend geträumt hat? Auch wenn er seine schärfste Waffe, die Gitarre, längst gegen einen dreiteiligen Anzug eingetauscht hat? Kann so einer sich selbst treu geblieben sein? Regisseur Lars Jessen (AM TAG, ALS BOBBY EWING STARB, DORFPUNKS) schöpft in HOCHZEITSPOLKA mit knappen, pointierten Dialogen, derbem Humor und liebevoll-witzigen Details das komische Potenzial von Männer-Macho-Freundschaften voll aus, spielt mit Klischees, alten Wunden und neuen Missverständnissen zwischen zwei Völkern, die sich wohl ähnlicher sind, als beide voneinander annehmen. Dabei kann er sich auf ein hervorragendes Darstellerensemble verlassen, das mit Witz, großer Spiellust und komödiantischem Talent agiert. So ist in den Hauptrollen neben Christian Ulmen (HERR LEHMANN, MARIA, IHM SCHMECKT'S NICHT) Katarzyna Maciag zu sehen, die in ihrer Heimat Polen längst ein großer Star ist. In weiteren Rollen spielen u.a. Fabian Hinrichs, Waldemar Kobus, Lucas Gregorowicz, Jens Münchow, Alexandra Schalaudek, Klaudiusz Kaufmann und Waldemar Obloza.




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steven lol

 




♥: Eine bissige Revue deutsch-polnischer Klischees
−: Holprige Handlung, unsympathische Figuren, eher zynisch als lustig

Der Vergleich drängt sich auf: In seinem letzten Film "Maria, ihm schmeckts nichts" lernte Christian Ulmen als Verlobter einer Italienerin die Eigenheiten ihrer Verwandtschaft kennen. Eine launige, turbulente Komödie über kulturelle Unterschiede, in der etliche Klischees über Deutsche und Italiener durch den Wolf gedreht wurden. In „Hochzeitspolka" steht nun wieder eine Heirat für Ulmen an - diesmal in der polnischen Provinz. Und auch hier werden jede Menge Klischees vorgeführt. Und trotzdem ist "Hochzeitspolka" ein ganz anderer Film.


Seit drei Jahren ist Frieder (Christian Ulmen) Geschäftsführer einer kleinen Fabrik im polnischen Osten. Sein Sprachkenntnisse sind noch etwas holprig, aber mit seiner polnischen Verlobten Malgorzata (Katarzyna Maciag) plant er bereits eine gemeinsame Zukunft, und auch das Einfamilienhaus ist schon im Bau. Pünktlich zur anstehenden Hochzeit holt ihn aber seine Vergangenheit ein. Einerseits kommen seine Eltern zu Besuch - die hatten ihn anfangs eindringlich vor dem "wilden Land" Polen gewarnt. Und dann tauchen auch noch seine Kumpels auf, die Mitglieder seiner früheren Band "Heide Hurricane". Die wollen mit ihrem Ex-Sänger nochmal richtig einen draufmachen. Frieder sind seine Jugendfreunde aber nur noch peinlich.Die geben sich aber auch alle Mühe seine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen und führen sich vor den Polen auf wie die Axt im Wald. Auch wenn man sich gegenseitig aufgrund der Sprachbarriere kaum versteht: Für Beleidigungen und Missverständnisse reicht es allemal.

Die Macher wollen hier lustvoll mit Klischees spielen. Tatsächlich werden hier sämtliche üblen Vorurteile von Deutschen über Polen und umgekehrt durchgekaut. Nur lustig ist das leider selten. Denn neue Aspekte gewinnen die Filmemacher dem Thema nicht ab. In einem unangenehm beissenden Ton geraten hier die verschiedenen Nationalitäten aneinander. Die Deutschen müssen sich ständig Sprüche über die Nazivergangenheit anhören, einer der Deutschen (Fabian Hinrichs) tritt (leicht angetrunken) in fiesester Herrenmenschenmanier auf.

Dabei ist er nicht der einzige, der unsympathisch wirkt. Spätestens wenn ein mit Fackeln bestückter Mob die Deutschen durchs Dorf jagt, bleibt einem jedes Lachen im Hals stecken. Den Rest erledigt die planlose , unspannende Handlung, die auch nur aus Klischees besteht. Frieders Fabrik soll noch weiter nach Osten verlegt werden - seine neuen Mitbürger wären damit alle arbeitslos. Bislang ist er der einzige, der das weiß, aber vor seiner Hochzeit will er die Bombe nicht gerade platzen lassen.   

Aber Hochzeitspolka will nicht nur die Kollision von zwei Kulturen zeigen sondern auch eine Geschichte übers Erwachsenwerden erzählen. Leider ist die Freundschaft der früheren Bandkollegen überhaupt nicht glaubwürdig und auch Frieders Wandel vom Rocker zum Spießer passiert über Nacht ohne nähere Erklärung. Die ganze Zeit über fragt man sich, was seine Braut Malgorzata bloß an dem Jammerlappen findet.
Denn dass er mal in einer Band war, hat er ihr nie erzählt. Trotzdem hält sie ihn aus unerfindlichen Gründen laut Skript für echt cool. Als der Pfarrer die beiden fragt, was sie am jeweils anderen lieben herrscht bezeichnenderweise Wortlosigkeit. Frieder würde sich gerne im polnischen Dorf integrieren. Außer einem Sprachkurs fällt ihm dazu aber nichts ein. Einen polnischen Freund hat er nicht - diese Rolle muss sein Firmendolmetscher übernehmen. Auch in seiner Firma glänzt er eher durch Opportunismus und Unfähigkeit. Bei einem so erbärmlich antriebslosen, mitleiderregenden Dasein ist es kein Wunder, dass ihm die Ereignisse um die Ohren fliegen. Am Ende kann er bei einem tränenreichen Nervenzusammenbruch nur sein eigenes Versagen zugeben. Daraufhin vergibt ihm seine Braut auf der Stelle, denn so arme Würstchen beeindrucken Frauen ja immer. 
Ärgerlich ist aber auch die Leistung von Christian Ulmen - was zumindest teilweise auf Kosten des Drehbuchs geht. Anfangs verlässt er sich völlig auf seine patentierte Comedy-Routine, jeden Satz nur halb zu Ende.... . Weil man ja auch schon weiss.... Also ich meine... könnte er da nicht mal ?.... oder , oder nicht ....?

Besonders neben dem thematisch ähnlichen "Maria ihm schmeckts nicht" fällt auf, wie unausgegoren und wenig unterhaltsam der Film geworden ist. Als würde man eine Diskussion mit der Vertriebenenpräsidentin Steinbach verfolgen. Regisseur Lars Jessen („Dorfpunks") hat sich die Arbeit am Film mit seinem polnischen Kollegen Przemyslaw Nowakowski geteilt. Ein harmonisches Ganzes ist dabei nicht entstanden. Als Bestandsaufnahme der deutsch-polnischen Beziehungen ist der Film mitunter schmerzhaft treffend. Wieviel wissen Deutsche und Polen tatsächlich voneinander ? Und wie gerne füllt man die Lücken mit Vorurteilen ? Das sind legitime, relevante  Fragen. Als Komödie ist „Hochzeitspolka" allerdings weitgehend unlustig.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht