Stone Film DVD Trailer und Filmkritik
FSK Film: 16 | Länge: 105 Min | Kinostart: 15.03.2011 (DVD & BD) | Release: 21.02.2011 (DVD)
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Schauspieler:Robert De Niro, Edward Norton, Milla Jovovich, Frances Conroy
Die Story:Das Gutachten über den Totschläger und Brandstifter Gerald Stone Creeson ist kein einfacher Fall. Die Sitzungen mit dem redegewandten und verdammt schlauen Häftling sind nicht gerade das, was man sich als Bewährungsbeamter kurz vor der Pensionierung wünschen würde. Für Jack Mabry wird der Fall zu einer letzten großen Prüfung, denn Stone setzt alle Hebel in Bewegung, um seine vorzeitige Entlassung zu erreichen - einschließlich seiner höchst verführerischen Frau. Die äußere Schale des Beamten wird immer rissiger und die inneren Dämonen des Jack Mabry heben ihre Köpfe ...
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Eure Meinung zu "Stone Film DVD"

♥: exzellente Darsteller, schlüssig durchkonstruiertes Skript, anspruchsvoll, vielschichtig
−: unspektakuläre Optik, gemächliches Tempo, religiöse Thesen zu wenig subtil
Langsam wirds zur Gewohnheit: Filme mit Edward Norton schaffen es bei uns nicht ins Kino, sondern kommen gleich auf DVD raus. So war´s bei "The Illusionist", bei "Der bunte Schleier" , " bei "Leaves of grass" und jetzt auch bei "Stone". Immerhin gab´s da aber auch noch "Der unglaubliche Hulk" und "Das Gesetz der Ehre". Also sollte man sich keine Sorgen um seine Karriere machen und sich einfach freuen, dass man Edward Norton bequem vom Sofa aus zuschauen kann.
Der Schein trügt. Das gilt nicht für die Handlung, die einen manchmal auf die falsche Fährte lockt, sondern auf für den Film insgesamt. Auf den ersten Blick wirkt "Stone" wie ein Gangsterthriller mit Erotiktouch. Da sieht man Edward Norton als toughen Knacki Stone mit ghettotauglicher Cornrow-Frisur , Robert DeNiro als abgebrühten Bewährungshelfer Jack Mabry und Milla Jovovic als Femme Fatale Lucetta zwischen den beiden. Und wenn man dem Trailer glaubt, soll die Milla den Robert umgarnen, damit der dem Edward bei der vorzeitigen Entlassung aus dem Knast hilft. Im Prinzip findet das auch im Film statt. Aber eigentlich ist "Stone" kein Thriller sondern ein Charakterdrama über Schuld und Sühne, über Sünde und Vergebung und den Sinn des Lebens insgesamt.
Der ist Jack abhanden gekommen. Sein älterer Bruder, sein Idol ist gerade gestorben. Da fragt man sich schon, was ihm das vorbildliche Leben gebracht hat. Ist das etwa gerecht ?
Und da Robert beruflich selbst vor der Pensionierung steht, fragt er sich natürlich ob das nun alles gewesen sein soll ? Welchen Sinn hat sein Leben noch ? Die Tochter ist erwachsen, mit seiner spröden, tiefreligiösen Frau wechselt er kaum noch ein Wort.
Um so verbissener kümmert er sich um seine letzten Fälle. Aber alle Beteuerungen der Insassen , dass sie sie geändert haben, dass sie bereuen oder Gotte gefunden haben, hat er schon tausendmal gehört. Alles Floskeln, die er schon längst nicht glaubt. Der undurchsichtige Stone ist jedoch etwas anders. Der sitzt seit acht Jahren, weil er bei einem tödlichen Raubüberfall auf seine eigenen Großeltern beteiligt war. Bei einer günstigen Sozialprognose könnte er aber nun frei kommen und ist darum auf Jack angewiesen. Seine Frau Lucetta soll da ein bisschen nachhelfen. Erst lehnt Jack noch jeden außerdienstlichen Kontakt ab, aber nach und nach bröckelt die Abwehr des privat angeschlagenen Staatsdieners. Schließlich ist er nicht aus Stone, äh, Stein. Er beginnt eine Affäre mit der aufgedrehten Frau des Häftlings und riskiert damit alles: seine Ehe, seine Rente und seine Gesundheit. Denn wie wird wohl Stone reagieren , wenn er erfährt wie nahe sich Jack und Lucetta gekommen sind ?
Aber so vorhersehbar wie es erst scheint, verläuft die Handlung dann doch nicht. Denn im Gefängnis hat Stone sich offenbar verändert. Er scheint nicht mehr der harte Typ zu sein, der er mal war. Oder ist das nur eine Masche um Jack zu täuschen ? Zuerst jedoch wird seine Frau mißtrauisch. Ihre verzweifelte Liebe gilt nur dem unberechenbaren Stone, nicht der neuen soften Ausgabe. Ein Mann der Schwäche zeigt, macht sie nicht an.
Wie eine Dreiecksgeschichte erscheint "Stone", aber letztlich ist jede der drei Hauptfiguren nur auf der Suche nach dem eigenen Glück. Für Stone wäre das die Freiheit, für Jack der Ausbruch aus seinem trostlosen Dasein, für Lucetta die Rückkehr zu ihrem alten Leben.
Milla Jovovic ist wie ein radikales Element, das einer ohnehin explosiven Situation begefügt wird. Ihre Figur der leicht prolligen Trailerparkschönheit ist allerdings ein bißchen unglaubwürdig. Warum hat sie ihren Mann auch nach acht Jahren Knast nicht verlassen ? Wie verrückt sie nach all den Jahren noch nach Stone ist, das wirkt übertrieben, eher wie die selbstzerstörerischen Beziehungen in "Wild at Heart" oder "Natural Born Killers" das sind aber eher surreale Kunsterwerke, keine realistischen Thriller.
"Stone" ist trotz ähnlicher Konstellation jedoch ein ganz anderer Film. Auch hier stehen sich DeNiro und Norton in einem Psychoduell gegenüber, in dem sie ihr Gegenüber nur schwer einschätzen können. Beide Figuren wollen sich gegenüber dem anderen durchsetzen, aber dem Film geht es nicht darum, sie aufeinander zu hetzen, sondern zu beobachten, wer seine eigenen Probleme besser bewältigt. Dabei schlagen sie höchst unterschiedliche Wege ein. Während Stone überraschenderweise tatsächlich ein Wandlung durchmacht, ist Jack zunehmend auf die äußeren Faktoren fixiert, die ihn stören - seine Frau, Stones Frau oder auch Stone selbst. Während er von Stone erwartet, die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, kann er sich seiner eigenen Schuld nicht stellen.
Regisseur John Curran, mit dem Norton zuletzt auch das opulente Historiendrama "Der farbige Schleier" drehte, hat seinem neuen Film eine unspektakuläre Optik verpast. Das ländliche Michigan, in dem die Handlung spielt ist ein unwirtlicher Ort, in dem die Omnipräsenz christlicher
Bezüge das Leben erdrückt. Praktisch allgegenwärtig sind religiöse Radiosendungen. Die moralischen Belehrungen der Talkmaster überlagen nahezu jede Szene und wirken fast wie ein zugeschalteter Audio-Kommentar. Eine etwas plumpe Methode, den Subtext des Films zu vermitteln. "Die Sünde ist uns angeboren" ist eine der dabei zu hörenden Thesen. Auch Stone hat sein ganz eigenes religiöses Erweckungserlebnis, allerdings anders als erwartet. Jack selbst bringt die religiöse Lebenshilfe nichts, die Standardantworten des Priesters helfen ihm in seiner Lage auch nicht. In seinem Job ist er dagegen selbst sowas wie Gott oder zumindest ein Beichtvater - er entscheidet, ob Sünden vergeben werden.
Über allem schwebt die Frage, ob Menschen sich tatsächlich ändern können, oder ob alles vorbestimmt ist, da der Mensch von Geburt an ein Sünder ist. Eigentlich machen jedoch alle Personen im Film eine Veränderung durch - und die Frage ist dann, wie das Umfeld damit klarkommt, ob andere die Veränderung akzeptieren.
"Stone" ist ein vieldeutiges Charakterdrama auf religiösem Treibsand. Kein Thriller, kein Gangsterfilm, schon gar kein Feelgood-Movie. Wer auf vordergründige Spannung aus ist, wird enttäuscht sein. Wer zwei exzellente Darsteller in einem hintergründigen Exkurs über Religion, Sünde und Vergebung sehen möchte, bekommt hier viel Denkfutter geliefert. Schwere Kost, die durch die beiden Ausnahmedarsteller aber absolut sehenswert ist.

