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Howl Das Geheule Trailer

FSK Film: 12 | Länge: 90 Min | Kinostart: 06.01.2011 | Release: 08.07.2011 (DVD)
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Schauspieler:James Franco, David Strathairn, Jon Hamm, Bob Balaban, Alessandro Nivola, Treat Williams, Mary-Louise Parker, Jeff Daniels

Die Story:1957 steht in San Francisco ein amerikanisches Meisterwerk vor Gericht. Angeklagt ist Howl, das Gedicht von Allen Ginsberg (James Franco), das seinen Autor schlagartig bekannt gemacht hat. Gerade erschienen, wird die ohnehin kleine Auflage von der Polizei beschlagnahmt und der Verleger muss sich wegen Verbreitung obszönen Schrifttums vor Gericht verantworten. Das überraschende und leidenschaftliche Urteil gilt bis heute als Geburtsstunde der Beat-Generation und der amerikanischen Gegenkultur. Die juristische Verhandlung des Vorwurfs literarischer Obszönität im prüden Amerika der 50er Jahre, die Offenbarungen eines avantgardistischen Künstlers, der auf der Suche nach Liebe und Erlösung Mauern einreißt und ein fantastisch animierter Trip durch ein prophetisches Meisterwerk, das für den Aufruhr einer ganzen Generation sorgte: Drei ineinander verwobene Ebenen verdichten sich in Robert Epsteins und Jeffrey Friedmans HOWL zu einem facettenreichen, genreübergreifenden Porträt. HOWL - ein Geheul, das in der ganzen Welt gehört wurde.

Hintergrund:1957 wurde in San Francisco einem amerikanischen Meisterwerk der Prozess gemacht. HOWL ist ein dokumentarischer Spielfilm über diesen entscheidenden Moment in der Entstehung der Gegenkultur. Die Geschichte wird hauptsächlich durch drei ineinander verwobene Stränge erzählt: Die Gerichtsverhandlung, Spielszenen mit dem jungen Allen Ginsberg (James Franco) und das Gedicht selbst, von Zeichner und Ginsberg-Mitarbeiter Eric Drooker als Beat-Fantasie animiert und vom Komponisten Carter Burwell vertont. Die genreübergreifende Form des Films spiegelt die faszinierende Originalität des Gedichts wider. Die nachgespielte Gerichtsverhandlung ist einer der Erzählstränge des Films und setzt sich mit Themen auseinander, deren Bedeutung bis heute nachklingt: Definitionen des Begriffs Obszönität, die Grenzen der freien Meinungsäußerung und das Wesen der Kunst. Der Verteidiger ist Jake Ehrlich (Jon Hamm), ein damals prominenter Bürgerrechtsanwalt. Staatsanwalt Ralph McIntosh (David Strathairn) versucht nachzuweisen, dass das Werk obszön ist, während er sich erfolglos bemüht es zu verstehen. Zeugen der Anklage sind eine Englischlehrerin (Marie-Louise Parker), die das Gedicht obszön findet und ein Professor (Jeff Daniels), der eine sehr ausschließliche Vorstellung davon hat, was gutes Schreiben ist und was nicht. Die Verteidigung hat Intellektuelle (Treat Williams, Alessandro Nivola) vorladen lassen, die die kulturellen und künstlerischen Meriten des Werks hervorheben. Der konservative Richter Clayton Horn (Bob Balaban) kommt schließlich zu einem überraschend leidenschaftlichen Urteil. In einem erdachten Interview sinniert der junge Ginsberg in Rückblenden über seinen eigenen kreativen Prozess und den persönlichen Kampf und die Befreiungsversuche, die er durchleben musste. Und das Gedicht selbst wird zu einer lebhaften Animation – eine imaginierte Reise durch den Geist des Künstlers.




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♥: Interessanter Streit über Kunst und Schund, solide Darsteller, optisch abwechslungsreich, faszinierende Animationsszenen
−: nur für Kulturfreaks. Wiederholungen und eintönige Intonation machen das Gedicht zur Geduldsprobe

Das Gedicht "Howl" von Allen Ginsberg gilt als eins der wichtigsten Werke der Nachkriegsliteratur in den USA. Der Dichter gehörte damals in den 50ern zur sogenannten Beat-Generation (obwohl eigentlich Jazz gehört wurde) und war ein enger Freund von Jack Kerouac. Gemeinsam mit anderen zählten sie zu den Begründern der Gegenkultur , die sich lange vor den Hippies vom Mainstream bewusst absetzte, mit Konventionen brach und sich für freie Sexualität, gegen Kriege und Materialismus einsetzte.


Klar, dass die Vertreter der Szene immer wieder mit der Mehrheit der Gesellschaft und dem Establishment kollidierten. In seinem Gedicht "Howl" beschreibt Ginsberg in einem scheinbar endlosen, surrealen Wortschwall seine Sicht der USA, das Leiden von Menschen am Rande der Gesellschaft und seine eigenen Erlebnisse als Homosexueller, als Künstler, Insasse einer Irrenanstalt, bei zahlreichen sexuellen Abenteuern und meist unglücklichen Liebesgeschichten.
So wurde Ginsbergs Gedicht zum Fall für die Gerichte. Wegen seiner drastischen sexuellen Anspielungen wurde das Buch in den USA verboten. In einem Prozeß in Kalifornien sollte schließlich entschieden werden, ob das Werk nun obszön ist oder als wertvolles Stück Literatur von der Verfassung und der darin garantierten Meinungsfreiheit geschützt wird.

Der Film erzählt einerseits diesen Prozeß nach, in dem David Strathairn ("Good Night & Good Luck") als engstirniger Staatsanwalt mal wieder in einer historische Rolle der 50er Jahre schlüpft.
Seinen Gegenspieler als Verteidiger spielt Jon Hamm, der in der Serie "Mad Men" auch schon gezeigt hat, wie gut er sich in einer 50er-Jahre-Kulisse macht. Als Zeugen und Literaturexperten treten unter anderem Treat Williams ("127 Hours") , Jeff Daniels (ebenfalls "Good Night, and Good Luck") und Marie-Louise Parker ("Weeds") auf.
Einen weiteren Teil des Film macht ein Interview mit Allen Ginsberg aus, der von James Franco verkörpert wird. Als Dichter monologisiert er vor einem unsichtbaren Reporter über seine Vergangenheit und die Entstehung seines Gedichts. Dabei ist sein Redeschwall ähnlich endlos wie bei der Rezitation - wahrscheinlich authentisch, aber nicht gerade leicht verständlich.

Den größten und beeindruckendsten Abschnitt des Films bestimmen aber surreale Animationssequenzen, die das (ziemlich lange) Gedicht bebildern.
Das ist einerseits hilfreich, denn das surreale Gedicht selbst ist zumindest beim einmaligen Hören ziemlich unverständlich. Andererseits wird einem hier natürlich die Interpretation vorgegeben, was eigenen Assoziationen im Weg steht.
Aber der Film gibt einem mehr als eine Gelegenheit in das wirre Werk einzusteigen. Neben den Animationen sehen wir auch Ginsberg (James Franco) bei einer Lesung seines Gedichts in einem Club vor begeisterten Literaturfans und auch vor Gericht werden etliche Passagen nochmal durchgekaut. So werden etliche Teile von "Howl" mehrfach zur Gehör gebracht.
Durch den ständigen Wechsel der Handlungsebenen bekommt man es aber nie am Stück zugemutet.
Die Pausen tun zwar gut, erschweren allerdings das Verständnis zusätzlich.
Der Film ist hier genauso sprunghaft wie das Gedicht.

"Howl" ist also definitiv schwere Kost, aber dennoch ein wichtiger Film. Einerseits bebildert er die Entstehung einer Gegenkultur und die intolerante Atmosphäre der 50er-Jahre in den USA - die erschreckend große Ähnlichkeit mit der Gegenwart erkennen lässt.
Außerdem wird hier ein ewig aktueller Disput über Kunst ausgetragen, der auch ohne die Zuspitzung zur Zensurdebatte interessant ist. Was ist gute Literatur ? Was ist überhaupt Literatur ?
Ganz beiläufig wird dabei allerdings auch die literarische Bedeutung von Howl angekratzt. Wurde das Gedicht vielleicht erst durch den Prozeß so berühmt ? Immerhin blieb es bis zum Tod von Allen Ginsberg 1997 sein bekanntestes Werk.

Die Regisseure von "Howl", Rob Epstein und Jeffrey Friedman arbeiten schon lange zusammen, vor allem bei Dokus, die sich mit der Schwulenbewegung in den USA befassen, wie einer Doku über Harvey Milk, den ersten offen schwulen Stadtrat in den USA. Zur langen Liste der "Howl-Produzenten gehört auch Gus Van Sant ("Good Will Hunting") der auch den Spielfilm "Milk" mit Sean Penn gedreht hat.
"Howl" ist in gewisser Weise auch ein Biopic über Allen Ginsberg, aber doch in der Struktur und optischen Verspieltheit sehr unkonventionell. Wer Filme wie "Infamous" über Truman Capote, Gaspar Noe´s "Enter the Void" oder das Bob-Dylan-Biopic "I´m not there" mochte sitzt hier richtig. Dylan ist übrigens in der letzten Szene des Films zu hören. Da singt der echte Allen Ginsberg, der mit dem Musiker eng befreundet war, den Song "This wheel´s on fire".

Von Kritikern in den USA ist " Howl" mit reichlich Vorschußlorbeeren bedacht worden. Der Kritikerverband verlieh dem Film den "Freedom of expression award", also einen Preis für die Förderung der Meinungsfreiheit.

 

 



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht

Über die Filmemacher von Howl - Das Geheul

Rob Epstein und Jeffrey Friedman (Regie, Buch und Produktion) gehören zu den höchstdekorierten Filmemachern des nicht-fiktionalen Films und durften bis heute zwei Oscars, diverse Emmy-Awards, drei Peabody Awards und ein Guggenheim Stipendium unter sich aufteilen. Ihre Arbeit an HOWL konnten sie u.a. durch ein Rockefeller Stipendium und Zuwendungen aus dem Sundance Documentary Fund Grant finanzieren.

Als Partner in der 1987 gemeinsam gegründeten Produktionsgesellschaft Telling Pictures haben sie zahlreiche Programmstunden sowie kurze Programme für TV-Sender wie HBO, NBC, MSNBC und PBS produziert und inszeniert. Bekannter dürften ihre international ausgezeichneten abendfüllenden Dokumentarfilme sein, darunter PARAGRAPH 175 (2000) über die Verfolgung Homosexueller durch die Nationalsozialisten, kommentiert von Rupert Everett, (Documentary Jury Prize for Directing in Sundance, FIPRESCI-Preis der Berlinale), THE CELLULOID CLOSET („Gefangen in der Traumfabrik“,1995), eine hundertjährige Geschichte schwuler und lesbischer Rollen in Hollywood-Filmen mit Interviews mit Tom Hanks, Susan Sarandon, Whoopi Goldberg, Shirley MacLaine, Tony Curtis, Gore Vidal, Arthur Laurents, Paul Rudnick, John Schlesinger u.a. , kommentiert von Lily Tomlin, (Emmy Award für Regie, Peabody Award, Freedom of Expression Award u.v.a.), COMMON THREADS: STORIES FROM THE QUILT (1989) über das erste Jahrzehnt der AIDSEpidemie in den USA und das Versagen der Regierung adäquat damit umzugehen, kommentiert von Dustin Hoffman. Der Film hatte seine Premiere auf der Berlinale und wurde u.a. mit dem Academy Award als Bester Dokumentarfilm, dem Peabody Award und einem Emmy für den Original Score von Bobby McFerrin ausgezeichnet.

Vor der Gründung von Telling Pictures drehte Rob Epstein THE TIMES OF HARVEY MILK („Wer war Harvey Milk“, 1984, TV-Titel) über das Attentat auf den ersten bekennenden Schwulen, der in Kalifornien in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Auch diese Arbeit wurde mit einem Academy Award für den Besten Dokumentarfilm und drei Emmys ausgezeichnet. Rob Epstein begann seine Karriere als Co-Regisseur von WORD IS OUT, dem Gayfilm- Klassiker aus dem Jahr 1977. Von der International Documentary Association wurde Epstein 2008 mit dem Pioneer Award for Career Achievement ausgezeichnet. Er unterrichtete an der Tisch School of the Arts an der New York University und lehrt derzeit am California College of the Arts.

Jeffrey Friedman startete seine Filmkarriere am Schneidetisch von Meisterwerken wie RAGING BULL („Wie ein wilder Stier“, 1980) oder THE EXORCIST („Der Exorzist“, 1973). Er war Dozent an der Stanford University und am California College of the Arts. Beide sind Mitglied der Directors Guild und der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, in deren Vorstand Rob kürzlich gewählt wurde.

Ihrem gemeinsamen Werk wurden gerade Retrospektiven am Institute of Contemporary Art in London und beim Taipei International Film Festival in Taiwan gewidmet.