Der Letzte Schöne Herbsttag Film Trailer
FSK Film: 0 | Länge: 89 Min | Kinostart: 11.11.2010 | Release: 20.05.2011 (DVD)
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Schauspieler:Felix Hellmann, Julia Koschitz, Mark-Alexander Solf, Walter Hess, Leopold Hornung, André Jung, Tom O'Malley, Katharina M. Schubert, Maik Solbach
Die Story:Claire liebt Leo. Und Leo liebt Claire. Seit zwei Jahren sind sie ein Paar und glücklich - meistens jedenfalls. Denn eigentlich passen sie gar nicht zusammen: Claire schreibt gerne romantische Endlos-SMS und will alles ausdiskutieren, Leo hasst SMS, statt über ihre Beziehung zu reden, genießt er lieber unbeschwert den letzten schönen Herbsttag. Sie hat Angst vor Krankheiten, er weniger, sie repariert ihr Fahrrad selbst, er sieht das gar nicht ein und geht lieber wandern. Claire hat das Gefühl, Leo ist nicht richtig bei ihr, er sieht durch sie hindurch, vergisst sie, sobald sie ihm aus dem Blickwinkel gerät. Leo hingegen ist überfordert, er hätte gerne eine Claire-Gebrauchsanweisung.
Hintergrund:Wie geht das eigentlich, zusammen glücklich sein? Im Erzählen über sich und den anderen, über hohe Ideale, eigene Sehnsüchte, kleine Schwächen und Alltagsschlamassel, über Streit und Versöhnung versuchen sie herauszufinden, ob ihre Liebe eine Zukunft hat.
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Eure Meinung zu "Der Letzte Schöne Herbsttag"

♥: Beziehungskomödie ohne Kitsch, mit glaubwürdigen Darstellern
−: kaum Story, wenig Romantik, optisch reizlos, steife Dialoge
Mit „Shoppen" gelang Ralf Westhoff 2007 ein Überraschungshit. Mit einem verblüffend simplen Konzept. Er hetzte einfach sechs Frauen und sechs Männer beim Speed-Dating aufeinander. Die verschiedenen Konstellationen, der Blender, die Quasselstrippe, der Naturbursche oder die Harte, waren hochkomisch - und entlarvend und das hohe Tempo täuschte darüber hinweg, dass es praktisch keine Geschichte gab und die symphatischen Darsteller vor allem Typen spielten. Dafür gabs ja knackige Sprüche aus den Grabenkämpfen des Geschlechterkampfs.
Jetzt kommt also sein zweiter Film „Der letzte schöne Herbsttag" und er hat viele Merkmale aus seinem Erstling beibehalten , als wenn es seine Handschrift werden sollte. Nur sind es diesmal kein gute Dutzend Menschen im Gefühlschaos, sondern nur zwei, also ein Paar, Claire (Julia Koschitz) und Leo (Felix Hellmann). Die reden zwar auch miteinander, aber am meisten doch mit dem Zuschauer. Als wäre man selbst der Dating-Partner, beste Freund oder Therapeut, sprechen die Schauspieler direkt in die Kamera und schütten ihr Herz aus über alles was in der Beziehung schief läuft. Und das ist ne ganz Menge. Wir werden zum Kummerkasten und seelischen Müllabladeplatz. Und wir können weder helfen, noch weghören. Bestimmt ein Drittel des Films geht für diese Doppelmonologe drauf.
Ziemlich schnell fragt man sich, was die beiden überhaupt aneinander finden, so unterschiedlich sind sie. Er ist Sport- und Outdoorfanatiker und dogmatischer Öko, sie dagegen ein sensibler Hypochonder, und möchte auch mal Sushi. Im Bett möchte sie viel öfter und er eigentlich eher selten. Trotzdem muss er zwischen den Laken ein echter Held sein denn dass ihre Schreie im ganzen Haus zu hören sind ist ihm regelmäßig peinlich. Und ständig geraten die beiden ständig über Nichtigkeiten und Alltägliches in Zoff. Eigentlich passiert gar nichts.
Irgendwie wirkt die Konstellation der beiden ziemlich künstlich, für den maximalen Kontrast auf Krawall gebürstet. Im wahren Leben währen die beiden gar nicht zusammen gekommen oder hätten sich schleunigst getrennt. So aber muss man dem Aufeinanderrumgehacke eine gute Stunde lang zugucken, bis es endgültig kracht und die beiden es mal wieder als Single versuchen. Bis dahin hat man so oft mitbekommen, dass die beiden nicht zusammenpassen, dass man es zweifelsfrei glaubt. Bis zur Trennung ist ein Handlung nicht auszumachen, nur ein willkürliche Folge alltäglicher Szenen. Man kocht gemeinsam, man wandert gemeinsam, man trifft die Eltern.
Ralf Westhoff hatte offenbar soviele knackige Sprüche vorbereitet, dass ihm eine Handlung unnötig vorkam. Hat ja bei Shoppen auch schon geklappt. Da gabs zur Abwechslung aber auch jede Menge verschiedener interessanter Typen zu entdecken. Hier sinds nur zwei. Die Hauptdarsteller hat Westhoff aus seinem ersten Film übernommen. „Der letzte schöne Herbsttag" ist aber kein Sequel. Julia Koschitz und Felix Hellmann spielen diesmal andere Figuren. Ihre beiden besten Freunde, Ivonne und Thomas. Katharina Marie Schubert Leopold Hornung waren ebenfalls schon bei „Shoppen" dabei und spielen sehenswert, sind aber nur selten zu sehen.
Aber selbst in den Momenten lassen sie die Hauptdarsteller blass aussehen, die es nicht schaffen den Film allein zu tragen. Dazu wirken sie schauspielerisch zu limitiert.
Julia Koschitz verzieht immer wieder das Gesicht und wechselt in eine wohl niedlich gedachte Mädchenstimme, die dem Gesagten die Schärfe nehmen sollen, und Felix Hellmann rutschen in jedem Monolog die Augen zur Seite, so daß man sich fragt ob links neben der Kamera sein Text hingeklebt hat.
Gut möglich , denn der Regisseur und Autor war sehr pingelig, was seine Dialoge angeht. Das hört man dem Gesagten aber auch an, das klingt nur selten natürlich. Viele Sprüche wirken wie aus einem Beziehungsratgeber abgeschrieben. Die Schauspieler so an die Leine zu legen, war keine gute Idee. So verpuffen etliche Gags nutzlos.
Normalerweise sind es die Frauen, die in einer Beziehung alles bereden wollen. Hier ist es der Regisseur. Der Film ist mehr eine Beziehungsstudie als eine Beziehungskomödie. Das ist streckenweise schon komisch, aber oft möchte man dem Pärchen zurufen „lasst es bleiben". Denen dann eine Stunde beim Zanken zuzusehen, macht keinen Spaß. Auch optisch gibt's wenig zu entdecken. Selbst wenn mal die Location wechselt, werden die Dialoge in ewiggleichen Schuß-Gegenschuß-Montagen abgehandelt. Das sieht nicht nach Kino aus, sondern wie das kleine Fernsehspiel im ZDF. Seinen Überraschungserfolg kann Ralf Westhoff nicht wiederholen. Dazu ist der Film zu konstruiert. Nicht so plump und schrill wie Leander Haussmanns „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können" und nicht so platt und durchgestylt wie Til Schweigers Keinohrhasen.

