Der Freischütz Kino Film Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 141 Min | Kinostart: 23.12.2010
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Schauspieler:Franz Grundheber, Benno Schollum, Juliane Banse, Regula Mühlemann, Michael Volle, Michael König, René Pape, Olaf Bär
Die Story:Der junge Jäger Max (Michael König) liebt Agathe (Juliane Banse), die Tochter des Erbförsters Kuno (Benno Schollum). Allerdings muss er bei einem Probeschuss erst seine Eignung als Erbe und Schwiegersohn unter Beweis stellen. So will es ein alter Brauch. Doch das Jägerglück hat Max verlassen, er trifft mit keinem Schuss mehr. In seiner Not lässt er sich von seinem zwielichtigen Kameraden Kaspar (Michael Volle) überzeugen, dass nur noch schwarze Magie und dunkle Mächte ihm helfen können. Er verabredet sich mit ihm um zur Mitternachtsstunde in der unheimlichen Wolfsschlucht treffsichere Freikugeln zu gießen. Doch werden die Freikugeln ihn retten oder wird er Agathe verlieren?
Hintergrund:Zu Weihnachten präsentiert die Constantin ein beeindruckendes musikalisches Kinohighlight: DER FREISCHÜTZ, eine der beliebtesten und schönsten deutschen Opern überhaupt. Erstklassig besetzt und an Originalschauplätzen in Sachsen gedreht, entführt DER FREISCHÜTZ in die romantische und phantastische Welt des Komponisten Carl Maria von Weber. Das brillante Sängerensemble wird angeführt von Klassikstars wie Juliane Banse, Franz Grundheber, René Pape, Michael König und Michael Volle. Regisseur Jens Neubert ist es gelungen für Webers romantische Oper opulente, märchenhafte Bilder zu finden, die jenseits des modernen Regietheaters den Geist der deutschen Romantik zu einem sinnlich erlebbaren Vergnügen machen. Einen weiteren Glücksfall stellt nicht nur die Verpflichtung des Dirigenten Daniel Harding dar, der die Musik in den legendären Abbey Road Studios mit dem London Symphony Orchestra eingespielt hat, sondern auch der Rundfunkchor Berlin, einer der innovativsten und renommiertesten Chöre der Welt. Der Rundfunkchor Berlin steht unter der Leitung von Simon Halsey.
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CARL MARIA VON WEBER - Der Deutsche Komponist der Frühromantik
von Alfred Haack, Mitglied der Carl Maria von Weber Gesellschaft
Carl Maria von Weber erblickte am 18. November 1786 in der holsteinischen Residenzstadt Eutin das Licht der Welt. Seine Mutter, Genofeva Weber geb. Brenner, war Sängerin, sein Vater Franz Anton zu der Zeit Stadtmusikus am Eutiner Hof. Schon ein halbes Jahr nach Carls Geburt ließ sich sein Vater vom Hofe auszahlen und gründete eine Wanderbühne, die halb Europa bereiste. So kam der kleine Carl schon frühzeitig mit dem Theater und Musiktheater in Berührung, spielte kleinere Rollen mit und bekam Klavierunterricht bei seinem Stiefbruder Fridolin. In Hildburghausen erhielt er 1796 bei seinem Musiklehrer Johann Peter Heuschkel ersten geregelten Klavierunterricht. Weitere Lehrer Webers waren 1797 in Salzburg Michael Haydn, dem damals angesehensten Vertreter der »süddeutschen Klassik« und Abbé Vogler, in Wien 1803 und in Darmstadt 1810, hier studierte er zusammen mit Johann Gänsbacher und Giacomo Meyerbeer.
Durch Abbé Voglers Vermittlung bekam der talentierte junge Weber eine erste Anstellung als Operndirektor 1804 in Breslau. Dort schrieb er an seiner Oper „Rübezahl“, von der heute nur noch die Ouvertüre „Beherrscher der Geister“ existiert. Eine spritzige, geisterhafte Musik, die Weber schon als „Schöpfer“ des Freischütz‘ erahnen lässt.
Eine weitere Station nach Breslau war der Ort Carlsruhe in Schlesien, heute Pokój Bezirk Opole, Polen, wo er seine beiden einzigen Sinfonien komponierte.
Weber verdiente als Pianist und Lehrer seinen Unterhalt, bevor er sich gänzlich der Oper zuwandte. Ihm schwebte die Oper als ein Gesamtkunstwerk aus Dichtkunst, Musik, Malerei und Bildhauerei vor. Viele Neuerungen, die noch heute Usus sind, gehen auf ihn zurück. Er setzte eine neue Sitzordnung des Orchesters durch, führte die Generalprobe oder auch den Taktstock ein. Webers „Klangmalerei“ war der erste Höhepunkt in der Orchestersprache der Frühromantik und wurde von allen nachfolgenden Komponisten aufgegriffen und erweitert.
In Frankfurt kam 1810 seine Oper „Silvana“ auf die Bühne. Bei den Proben lernte er seine spätere Frau Caroline geb. Brandt kennen, die dort die Titelrolle spielte. 1811 kam seine einaktige Türkenoper „Abu Hassan“ mit Erfolg zur Aufführung. 1813 wurde Weber Direktor an der deutschen Oper in Prag, wo er bis 1816 blieb. In dieser Zeit kam ihm, wie er schrieb, keine neue Oper „unter die Fäuste“.
1810 begegnete Weber „Der Freischütz“, eine Geschichte von Heinrich Apel, die er in einem von Apel und Laun herausgegebenen Gespensterbuch vorfand, das erste Mal. Erst nach einer Anstellung als „Königlich-Sächsischer-Kapellmeister“ 1817 in Dresden, fand er in dem Advokaten Friedrich Kind einen Meister, der ihm aus der Apelschen Novelle einen Operntext schrieb: „Die Jägersbraut“. Weber begann mit der Komposition.
Carl Graf Brühl, Intendant der königlichen Schauspiele in Berlin, hörte von dem Vorhaben in Dresden und konnte Weber dazu bewegen, diese Oper in Berlin und nicht in Dresden als „Der Freischütz“ zur Uraufführung zu bringen. Durch Brand und Neubau des Opernhauses in Berlin erheblich verzögert, konnte „Der Freischütz“ dann endlich am 18. Juni 1821 aufgeführt werden. Die Uraufführung wurde ein tosender Erfolg und Weber gelang damit der Durchbruch zur Weltberühmtheit als Opernkomponist. „Der Freischütz“ wurde zu einem Welterfolg und gilt bis heute als der Inbegriff der deutschen romantischen Oper. Die berühmte Wolfsschlucht-Szene kann in ihrer ambivalenten Ausrichtung zwischen dem Teufel und einem Hoffen auf Gott, als Quintessenz der geistigen Welt der deutschen Romantik gelten.
Erste Anfänge einer eigenständigen deutschen Oper wurden zwar u. a. schon von E.T.A. Hoffmann mit seiner Zauberoper „Undine“ gemacht, aber den Durchbruch zu einer echten deutschen Oper schaffte erst Carl Maria von Weber 1821 mit „Der Freischütz“. Das einfache Landvolk, den deutschen Wald, die Jäger und den Fürstenhof beschreibend, Liebe und Neid, und über allem die schützende Hand Gottes, verkörpert durch den Eremiten, all das waren zentrale Themen der deutschen Romantik. Hinzu kam die dämonische Handlung mit der bis dahin nie da gewesenen Musik der Wolfsschluchtszene, in der sogar Samiel, der Satan, in Person auftrat. Dies alles war etwas unerhört Neues und verfehlte seine Wirkung beim Zuhörer und Zuschauer nicht. Hier kam Webers, schon in den frühen Kinderjahren entwickeltes Gespür für theatralische Wirkung zur vollen Entfaltung. Webers Freischütz wirkte auch auf viele andere Opernkomponisten und deren Nationalmusiken, wie z. B. in Russland bei Michail Glinka in „Ruslan und Ludmila“ 1842 oder Smetanas „Die Verkaufte Braut“ 1866 in Tschechien.
Die charakteristische Behandlung der einzelnen Instrumente bzw. Instrumentgruppen sind von nachfolgenden Komponisten aufgegriffen und weiter vervollkommnet worden. In Deutschland waren dies Marschner, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Liszt, Richard Wagner. Die Liste ließe sich bis zu den heutigen Filmmusikkomponisten weiter fortführen. Der erste Schnellwalzer, auf den Lanner und Strauß-Vater in Wien aufbauten, war Webers „Aufforderung zum Tanz“. Die großen Pianisten, wie Frederik Chopin und Franz Liszt, trugen Webers Klaviernoten in ihrem Gepäck mit sich.
Es folgten 1823 die Uraufführung von Webers „Euryanthe“ in Wien und 1826 im Londoner Covent Garden „Oberon“. Beides herausragende Werke, die allerdings nicht an den großen Erfolg von „Der Freischütz“ anknüpfen konnten. Beides jedoch Zeugnisse für Webers einzigartige, reiche musikalische Sprachwelt, die viele nachfolgende Komponisten wesentlich beeinflusst hat. Weber starb, erst 39jährig, nach zwölf Aufführungen seiner Märchenoper „Oberon“ am 5. Juni 1826 in London an Schwindsucht. Seine sterblichen Überreste wurden 1844 nach Dresden überführt. Er fand seine Ruhestätte auf dem Alten katholischen Friedhof, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und maßgeblichen Bemühungen Richard Wagners zur Rückführung von Webers Sarg aus London. Weber war und blieb Wagners größtes musikalisches Vorbild.
Weber, der auch als Musikschriftsteller wirkte, galt als einer der umfassend gebildeten Musiker seiner Zeit. Seine, an musikalischen Ideen reiche Musik, schnörkellos, farbig, spritzig, mit eingehenden Melodien hat Carl Maria von Weber unsterblich gemacht. In seiner Geburtsstadt werden alljährlich die Opernfestspiele und die Eutiner-Weber-Tage zu Ehren des größten Sohnes der Stadt Eutin gegeben.
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Historischer Hintergrund zu DER FREISCHÜTZ, von Jens Neubert
Stoff und Zeit
Die romantische Oper „Der Freischütz“ wurde von Carl Maria von Weber (1786 - 1826) in den Jahren 1810 bis 1821 komponiert. Den Großteil der Oper beendete Weber in Dresden und in seinem Landhaus in Hosterwitz, unweit von Dresden. Carl Maria von Weber begeisterte sich schon 1810 für den Stoff. Er hatte ihn in einer Sammlung von Gespenstergeschichten des Autors Johann August Apel entdeckt. Lange Zeit blieb Webers Oper unter dem Titel “Die Jägersbraut” ein Entwurf. Weber beginnt das Werk gegen Ende der napoleonischen Kriege, unterbricht es zu Zeiten des Wiener Kongresses und vollendet es erst zwischen 1817 bis 1821.
Im Freischütz finden sich viele Hinweise auf die damaligen Zeitläufe wieder. Carl Maria von Weber wirkte als sächsischer Kapellmeister an der Hofoper in Dresden. Sachsen stand während der gesamten napoleonischen Kriege auf Seiten des Kaisers. Eingegangen in die Entstehungszeit der Musik sind die Erlebnisse um Napoleon bis hin zur Besetzung und territorialen Zersplitterung Sachsens als Folge des Wiener Kongresses. Das Panorama sächsischer Geschichte in den Zeiten der Napoleonischen Kriege zeigt im Kontext der Oper FREISCHÜTZ den geistesgeschichtlichen Hintergrund des Werkes und verleiht der klassischen Oper eine neue, gesamteuropäische Perspektive.
Eine Gothic Novel
In Leipzig erschien 1797/98 die deutsche Übersetzung des berühmten, englischen Schauerromans “Der Mönch“ (The Monk, 1796) von Matthew Gregory Lewis. In diesem “Gothic Novel” (wegen der Spielorte in Kirchen und alten Schlössern als Gotischer Roman bezeichnet) wird ein Mönch zum Werkzeug des Teufels und dann vom Teufel selbst gerichtet. Dieses Modell ist im Freischütz wiederzuerkennen. Eine weitere Quelle ist ein Kriminalbericht.
In den “Unterredungen von dem Reiche der Geister” (Leipzig 1729) wird von einem Prozess gegen den Jungen Georg Schmid zu Anfang des 18. Jahrhunderts in einem Städtchen im Böhmerwald berichtet. Es handelte sich vermutlich um ein durch die Folter erpresstes Geständnis seiner unheimlichen, mitternächtlichen Erlebnisse auf einem Kreuzweg. Die Partitur entstand in der letzten Fassung zwischen 1817 bis 1821, zu einer Zeit also, als sich Beethoven mit der neunten Symphonie beschäftigte. In Webers ersten Entwürfen heißt die Oper “Die Jägersbraut”.
Überliefert ist ein unveröffentlichter Brief, in dem Weber am 26. August 1818 schreibt: “Den 12. (Januar 1817) musste ich nach Dresden ab. Hier erwarteten mich Verdruss und Geschäfte aller Art. (…)) Endlich riss ich mich los um meinem angestrengten Körper und Geist Ruhe zu gönnen, und auch meine Oper die Jägersbraut bearbeiten zu können. Ich erhielt Urlaub vom Staatsdienst auf 2 Monate, und zog d: 22. Juny hierher aufs Land.” Nach Hosterwitz rettete sich der sächsische Kapellmeister und Komponist Weber »aus dem Strudel auf eine kleine Zeitinsel«.
Die Fabel des Freischütz‘ nimmt die populärsten Strömungen der Literatur auf (Gothic Novel) und verbindet sie mit einer bekannten Kriminalgeschichte. Die Autoren des Freischütz arbeiteten ganz gezielt mit den Strategien der Unterhaltungskunst: Vertrautes wird mit Bekanntem, Modisches mit Erlebtem vermischt. Die Reizung der Sinne zielt auf Bekanntes, während der Klang der Musik neu war. Phantasie und Realität vermischten sich in dieser Geschichte zu einem unerhörten Substrat: Der Einzelne wurde sichtbar als Gefangener des Schicksals.
Das in die Zeit geworfen sein teilte das Publikum, alle, die von dieser Oper sahen und hörten. Alles Planen war fragwürdig geworden. Die Frage nach einem Gott, der das Elend verantwortete, wurde durch Weber mit dem Teufel beantwortet. Denn Gott schwieg. Der Teufel aber konnte sprechen und half in der Not. War es dieses Zeitempfinden, welches den Freischütz populär machte? Über alle europäischen Grenzen, von London bis Wien und Berlin bis Paris, pfiffen die Menschen diese teuflischen Melodien. Sie waren besessen, schrieb Heinrich Heine.
Zeitenwende
In den Jahren zwischen 1791 und 1813 avancierte Sachsen zum »unheimlichen« Zentrum Europas, gleichsam das Zünglein an der Waage zwischen Revolution und Restauration. Bereits im Juli 1807 weilte Kaiser Napoleon I. erstmals in der zu seinem Empfang phantastisch illuminierten Stadt Dresden, wo er die Schlösser Moritzburg und Pillnitz, die Gemäldegalerie, die Königliche Bibliothek sowie Konzert- und Opernaufführungen besuchte.
Über das Meissner Hochland führte sein Weg weiter nach Paris. Im Mai 1812 traf er seine Verbündeten, den österreichischen Kaiser Franz I. und König Friedrich August I. von Sachsen in Dresden, um von hier den Feldzug gegen Russland zu starten. Der Maler Wilhelm von Kügelgen konstatierte: Die »Anwesenheit vieler Kriegsheere erfüllt die Stadt mit kriegerischem Pomp; Glocken und Kanonen spielten beim Empfang der Fürsten auf, großartige Paraden und Manöver unterhielten sie, und bei Nacht erstrahlte die Stadt im Zauberglanze tausendfältiger Lampen.«
Am 14. Dezember des Jahres kehrte Napoleon als geschlagener Feldherr zurück, um mit dem sächsischen König zu konferieren. Ein Jahr später, am 28. Juni 1813, kam es im Brühl- Marcolini-Palais in der Dresdner Friedrichstadt zur Auseinandersetzung Napoleons mit dem österreichischen Kanzler Fürst Clemens Wenzel Lothar Graf von Metternich. Nach diesem Gespräch schloss sich die Donaumonarchie den antinapoleonischen Verbündeten an. Die Menschen sahen im Wechsel der Allianzen nicht zuerst den Beginn einer nationalen Erneuerung, sondern vor allem die Chance auf einen baldigen Frieden.
Viele sehnten sich in alte Zeiten zurück oder übten sich in regionalem Patriotismus. Die jungen Menschen standen mit ihren Idealen allein und ohne Zukunft neben den Siegern. Denn ihre Jugend war vorbei. Der Ausruf des Freischützen Max beschreibt die Verzweiflung einer Generation: »Lebt kein Gott?« Napoleon wurde verbannt. Sein Geist verbirgt sich in den Klängen des »Freischütz«. Max erschießt statt eines Adlers eine weiße Taube.
Im Kontext napoleonischer Schlachten erzählt Weber die Geschichte junger Menschen, deren Hoffnung im Krieg zerstört ist. Die Liebesgeschichte zwischen Max und Agathe beschreibt die Empfindung einer ganzen Generation, die das eigene Leben gegen größte Widerstände behaupten muss in Zeiten des Umbruchs.
Im Film lässt sich nicht nur die historische Situation genauestens aufzeigen, sondern mit vielfältigen Mitteln das romantische Denken der jungen Menschen, einer Generation, die in den Jahren nach 1789 geboren sein könnte. Das heißt, Max, Agathe, Kaspar und Ännchen sind im Film zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Jahre alt. Sie erleben in der kurzen Zeit ihrer Jugend nur Krieg und als Ende ihrer Jugend den Übergang in eine Zeit der Restauration. Sie sind die Mütter und Väter des Biedermeier. Ihr Aufbegehren ist der Kampf um ihre Liebe. Ihre heimlichen Treffen und nächtlichen Seancen, ihre Subkultur, sind Ausdruck einer Revolte im Privaten. Das ist modern.
Modern seit 190 Jahren
Wenn die Opernwelt der Gegenwart einen Wunsch frei hätte, so würde sie sich mit Sicherheit die Popularität und den Zuspruch wünschen, den sie zu Zeiten eines Carl Maria von Weber genoss. Seinerzeit war das Musiktheater äußerst populär und erreichte ein sehr großes Publikum. Gemessen an heutigen Verhältnissen kann man die Wirkung der Oper vor 200 Jahren nur mit der eines modernen Blockbusters vergleichen. Umso schöner ist es, dass mit „Der Freischütz“ am 23. Dezember endlich ein Opernjuwel vom Feinsten als Filmoper im Kino erlebbar gemacht wird - endlich entfällt der Dress-Code und man darf hemmungslos mit der Popkorntüte rascheln, ohne von Schlipsträgern strafend angeguckt zu werden.
Carl Maria von Weber - ein klassischer Popstar
Die Oper stellte in der vorindustriellen Zeit ein unvergleichbares Gesamtkunstwerk aus Dichtung, Musik, Malerei und Bildhauerei dar. Keine andere Kunstform vermochte soviel Pracht, soviel Glanz und soviel kreative Energie gleichzeitig freizusetzen und das Publikum in und vor den Opernhäusern so nachhaltig in seinen Bann zu ziehen.
Als am 18. Juni 1821 die letzten Töne des „Freischütz“ am Gendarmenmarkt durchs nächtliche Berlin verhallten, war die Welt der Oper eine andere geworden. Die Uraufführung wurde zu einem tosenden Erfolg und machte den Opernkomponisten Carl Maria von Weber zur Weltberühmtheit. Noch monatelang pfiffen die Menschen diese unerhört eindringlichen Melodien. Und nicht nur in Berlin: Über alle europäischen Grenzen hinweg, von London über Paris, von St. Petersburg bis Wien... Heinrich Heine erschienen seine Zeitgenossen plötzlich „wie besessen“ von den teuflisch guten Klängen des Herrn von Weber. „Der Freischütz“ wurde zu einem Welterfolg und gilt bis heute als der Inbegriff der deutschen romantischen Oper.
Seine an musikalischen Ideen reiche Musik, schnörkellos, farbig, rasant, mit eingehenden Melodien hatte von Weber schlagartig unsterblich gemacht. Darüber noch hinaus gehend, war es aber die Geschichte des „Freischütz“, die das Opernpublikum so unheimlich fesselte. Weder Götter noch Könige oder Fürsten, sondern zwei sich Liebende junge Menschen aus dem einfachen Volk sind die Helden der Handlung. Historisches mischt sich mit Phantastischem und Dämonen treten auf den Plan - genau diese Mischung aus Realität und Phantasie verzaubert damals wie heute das Publikum.
Posttraumatisches Belastungssyndrom goes Oper
Die großen, zeitlosen Themen Angst, Verzweiflung, Neid, Verführung und Liebe werden im „Freischütz“ verhandelt. Eine heute nicht minder aktuelle Situation steht am Beginn des Geschehens: Der junge Jäger Max kehrt aus dem Krieg nach Hause zurück. Obwohl äußerlich unversehrt, ist er in seinem Inneren schwer verletzt. Das Grauen des Erlebten hat ihn hart getroffen und völlig desillusioniert. Seine angeschlagene Seele interessiert seine Mitmenschen zu Hause nicht im Geringsten. Für sie ist die Welt in Ordnung, schließlich ist der Krieg weit weg und das Leben zu kurz, um es nicht ausgelassen zu feiern. Allein diese Konstellation gemahnt heute zwangsläufig an das Schicksal vieler aus Afghanistan heimkehrender Bundeswehrsoldaten.
Der einzige Hoffnungsschimmer in Max’ dunklem Dasein ist Agathe. Seine große Liebe hat auf ihn gewartet und sie sorgt sich um den Geliebten. Die beiden wollen heiraten, doch ein alter Brauch will es, dass nur derjenige Jäger um ihre Hand anhalten darf, der vorher einen schwierigen Probeschuss trifft. Doch ausgerechnet das macht Max Angst. Er verabscheut die Waffen, er trifft nicht mehr und versinkt in Hoffnungslosigkeit. Seine Verzweiflung weckt das heimtückische Interesse seines vermeintlichen Freundes Kaspar. Neidisch auf Max, da Agathe sich nicht für ihn interessiert, will Kaspar Max um jeden Preis Schaden zufügen und seinen schwächelnden Freund vernichten. Also treibt er den Freund in einen Bund mit dem Teufel. Ein hochdramatisches Finale steht bevor.

