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The Fighter Film Trailer und Filmkritik

FSK Film: 12 | Länge: 117 Min | Kinostart: 07.04.2011
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Schauspieler:Christian Bale, Mark Wahlberg, Amy Adams, Melissa Leo, Robert Wahlberg, Dendrie Taylor, Jack McGee, Jenna Lamia, Salvatore Santone, Chanty Sok, Bianca Hunter, Sean Patrick Doherty, James Shalkoski Jr., Barry Ace, Caitlin Dwyer, Jeremiah Kissel, Erica McDermott, Hunter Wilichoski

Die Story:Auf der Siegerstrasse des Lebens befindet sich Micky Ward (Mark Wahlberg) sicher nicht. Aus dem wenig glamourösen Städtchen Lowell hat es der Sohn einer großen Arbeiterfamilie nie herausgeschafft, die Beziehung zur Mutter seiner Tochter ist längst gescheitert und für den Lebensunterhalt pflastert er Straßen. Selbst im Boxring, dem einzigen Ort, an dem Micky noch auf den ganz großen Erfolg hoffen kann, läuft es trotz harter Arbeit und vollem Körpereinsatz nicht rund. Sein älterer Halbbruder Dicky (Christian Bale), früher selbst ein gefeierter Boxer, ist für das Training zuständig, hat allerdings selbst mit seiner Drogensucht zu kämpfen. Alice (Melissa Leo), die gemeinsame Mutter der beiden, bemüht sich derweil als Managerin mehr schlecht als recht, für Micky hochkarätige Kämpfe an Land zu ziehen. Als seine neue Freundin Charlene (Amy Adams) ihn davon zu überzeugen versucht, dass seine Familie bei der sportlichen Karriere eher ein Klotz am Bein ist, will er davon zunächst nichts wissen. Doch als Dicky schließlich sogar im Gefängnis landet, ergreift Micky seine letzte Chance und setzt auf eigene Faust alles daran, die Box-Handschuhe nicht dauerhaft an den Nagel hängen zu müssen. Tatsächlich geht es sportlich aufwärts, aber seine ebenso wütende wie enttäuschte Familie stellt er damit vor eine Zerreißprobe. Erst als Dicky aus dem Gefängnis entlassen wird und Micky tatsächlich die Chance bekommt, um die Weltmeisterschaft zu boxen, erkennen alle, dass man sowohl im Ring wie auch im Leben nur gemeinsam unschlagbar ist...




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♥: authentische Boxkämpfe, großartige Schauspielleistungen, allen voran Christian Bale , lebensnahe Milieuschilderung
−: manchmal nur knapp an der Grenze zum Klischee. Typische Underdogstory mit garantiertem Happyend

Aus den Slums ganz nach oben allein mit zwei Fäusten. Diese uramerikanische Erfolgsstory wurde in "Rocky" genial umgesetzt. Der Erfolg war gigantisch, selbst einen Oscar gabs dafür. Dabei lachen sich Boxexperten über die Kämpfe im film schlapp. Realistischer kam da schon Robert De Niro mit "Wie ein wilder Stier" daher. Ebenfalls ein überschwenglich gefeiertes Meisterwerk, das aber vielen Zuschauer wohl zu ernst war.
"The Fighter" vereint die besten Elemente beider Filme und ist trotzdem kein uninspirierter Remix sondern eine eigenständige, glaubwürdige, inspirierende Underdog-Saga. Für satte sieben Oscars wurde der Film nominiert, für die Regie, den Schnitt, das Drehbuch, die Nebendarsteller Christian Bale, Amy Adams und Melissa Leo sowie als bester Film.


Ende der 90er Jahre ist Micky Ward (Mark Wahlberg) ein Semi-Profiboxer, dessen Karriere mehr schlecht als recht läuft. Und mit Anfang 30 läuft ihm langsam die Zeit weg. Aber mit seinem bisherigen Team sind die Aussichten nicht rosig. Das Management regelt seine Mutter (Melissa Leo) , eine aufgetakelte Kunstblondine mit mehr Temperament als Ahnung, das Training organisiert sein cracksüchtiger älterer Bruder Dicky (Christian Bale), der mit größter Zuverlässigkeit die Übungszeiten verpennt. Kein Wunder dass Micky in seinen letzten Kämpfen immer häufiger Prügel bezieht. Aber beim nächsten Fight wird´s garantiert besser, wird ihm immer versprochen ! Von wegen ! Statt des angepeilten Gegners, für den er sich vorbereitet hat, wird ihm ein zehn Kilo schwerer Ersatzmann in den Ring gestellt, der Micky nach Strich und Faden vermöbelt.
Als dann auch noch Dicky wegen krummer Geschäfte im Knast landet, reicht es selbst dem ausgeglichenen Micky. Mit Hilfe seiner neuen Freundin (Amy Adams) wagt er es, sich von seiner besitzergreifenden Familie abzunabeln. Mit neuem Trainer und neuem Manager geht es tatsächlich langsam bergauf. Micky gewinnt einen Kampf nach dem anderen.
In einem besonders spektakulären Match sichert er sich sogar einen Titelkampf. Mittlerweile ist Dicky wieder in Freiheit und offenbar von den Drogen weg. Jetzt will er seinen Platz an der Ringseite wieder einnehmen, genauso wie seine Mutter. Was nun ? Durch die Aussöhnung mit seiner Familie riskiert Micky die Beziehung zu seiner Freundin - und auch sein neues Team will hinschmeissen. Das wird der härteste Kampf, den Micky wohl zu bestehen hat.

Wer Boxkämpfe für barbarisch hält, wird sich mit diesem Film kaum anfreunden. Denn die Kämpfe, die hier geboten werden, sind blut- und schweißtriefende, wüste Ringschlachten. Was auffällt ist, dass bei den Fights keine Film- sondern Videobilder gezeigt werden , wie bei einer echten TV-Übertragung. Nicht schön, aber authentisch. Der Schlagabtausch wirkt auf den ersten Blick übertrieben, mit fast pausenlosem Faustgewitter. Tatsächlich sahen Ward´s Kämpfe aber genauso aus, denn der boxte nicht im Schwergewicht , sondern im Halbweltergewicht, in dem es erheblich hektischer zugeht. Drei Jahre hintereinander wurde eine von Wards Fights zum Kampf des Jahres gewählt. Man sieht hier also keine unrealistischen "Rocky"-Fights, in denen die Boxer ohne Deckung und Taktik aufeinander losgehen und ständig voll auf die Zwölf hauen. Getroffen wird hier auch, und das nicht zu knapp, aber O´Russell inszeniert glaubwürdige, realistische und trotzdem packende Kämpfe.
Aber gleichzeitig ist "The Fighter" auch ein ebenso emotionales wie unterhaltsames Familiendrama.
Wo Rocky ein einsilbiger Einzelgänger war, ist Micky ein ebenso einsilbiger Familienmensch. Notgedrungen. Denn sein Clan ist eine wahre Landplage. Besonders Wards trashige Schwestern wirken wie enge Verwandte der Familie Flodder. Da schrammt der Film manchmal nur knapp an der Karikatur vorbei - also genau wie das wahre Leben. Die simpel gestrickten Familienmitglieder und Freunde verleihen dem Filme neben Bodenhaftung auch ein bisschen wohltuenden Humor.
Ob Ward´s echte Schwestern mit ihrem Porträt zufrieden sind, ist unbekannt. Die heruntergekommene, aber lebensfrohe Nachbarschaft und Micks ebenso quirlige Familie wirken manchmal als würde hier Armut beschönigt. Das wird sie jedoch nicht. Sie zeigt nur, dass die Menschen nicht in jedem Moment an ihrer mickrigen Existenz verzweifeln, sondern einen ganz eigenen Stolz haben, und eine Würde, die Regiseur Russell herausarbeitet.

Amy Adams hat keine Probleme, sich in dieses Milieu einzufügen und beweist hier wieder ihre Wandlungsfähigkeit. Dabei geht sie subtiler vor als Christian Bale. Der scheint als hyperaktiver Junkie völlig zu übertreiben - bis man am Ende Aufnahmen des echten Dicky sieht. Da klappt einem dann die Kinnlade runter, wenn man sieht wie genau Bale seine Rolle beim Original abgeguckt hat. Eine echte Meisterleistung. Zwangsläufig wirkt Mark Wahlberg daneben etwas blass. Aber genauso war auch der echte Micky Ward. Ein fast schüchterner Kerl, der nur im Ring explodierte. Und dafür hat Mark Wahlberg (der den Film auch koproduzierte) sich nochmal ein paar Muskeln mehr zugelegt. Eine Leistung die allerdings verblasst neben der Hungerkur, die Christian Bale absolvierte, um sich zum ausgemergelten Junkie verwandeln.

David O. Russell hatte 1999 mit der grandiosen Kriegssatire "Three Kings" Eindruck gemacht. Dann legte er mit der verqueren Komödie "I heart huckabees" eine Bauchlandung hin, die mehr durch Russells Ausraster am Set für Aufsehen sorgte. Das war 2004 sein bis dato letzter Spielfilm. Jetzt scheint er mit "The Fighter" einen ähnliches Comeback hinzulegen wie Darren Aronofsky mit "The Wrestler". In seinem Film beweist er sich als als fähiger und unterhaltsamer Geschichtenerzähler, der aus seien Darstellern Höchstleistungen herauskitzelt und dabei auch ein Händchen für feine daramtische Zwischentöne zeigt.
Der Soundtrack der Geschichte besteht aus Rockklassikern der 70er, 80er und 90er, von Led Zeppelin (Good Times, Bad Times ertönt zu einer Montage von Hoch und Tiefpunkten des Privatlebens) über Whitesnake (Micky´s Einmarschmusik) bis zu den Red Hot Chili Peppers reicht.
Ein ziemlich wildes Mixtape, dass dem Film aber viel Energie verleiht.

Im Grunde ist "The Fighter" eine Underdog-Story wie hunderte davor. Ein klassisches US-Erfolgsmärchen, das ausnahmsweise wahr wurde. Auch von denen gibt es allerdings bereits einige Filme. Die wahre Geschichte, die hervorragenden Darsteller und die extrem unterhaltsame, unpathetische Inszenierung machen diese Boxerbiographie zu einem echten Champion.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht