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The Kings Speech Film Trailer und Filmkritik

FSK Film: 0 | FSK Trailer: 6 | Länge: 118 Min | Kinostart: 17.02.2011 | Release: 03.08.2011 (DVD&BD)
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Schauspieler:Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Derek Jacobi, Jennifer Ehle, Michael Gambon, Timothy Spall

Die Story:Als Sohn des britischen Königs George V. gehört es zu Berties (COLIN FIRTH) Pflichten, öffentlich zu sprechen. Für den zurückhaltend-besonnenen Mann eine Qual, denn seit seiner Jugend leidet er an einem schweren Stottern. Kein Arzt und kein Psychologe kann ihm helfen, weshalb sich Berties liebevoll sorgende Ehefrau Elizabeth (HELENA BONHAM CARTER) an den exzentrischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (GEOFFREY RUSH) wendet. Mit seinem forschen Auftreten und den unkonventionellen Behandlungsmethoden stößt er seinen adligen Patienten zunächst vor den Kopf. Bald aber zeigen sich erste Erfolge. Nach dem Tod seines Vaters und der Abdankung seines Bruders Edward VIII. (GUY PEARCE) wegen dessen Liebe zur geschiedenen Bürgerlichen Wallis Simpson wird Bertie unter dem Namen George VI. 1936 unerwartet zu Englands neuem König. Öffentliche Auftritte und Radioansprachen lassen sich fortan noch weniger umgehen als zuvor, und nicht zuletzt der drohende Krieg erhöht den Druck auf den schüchternen Regenten. Die Zusammenarbeit und wachsende Freundschaft mit Logue hilft Bertie dabei erheblich. Doch kurz vor der offiziellen Krönung stellt eine unerwartete Enthüllung das gegenseitige Vertrauen und damit auch Berties Kampf gegen das Stottern auf die Probe.

Hintergrund:Als Experten für aufwändige historische Stoffe wiesen den britischen Regisseur Tom Hooper (The Damned United) bereits preisgekrönten Fernsehproduktionen wie Elizabeth I. oder John Adams aus. Doch mit seinem zweiten Kinofilm THE KING’S SPEECH gelingt ihm nun ein Meisterwerk, wie man es im Kino nicht alle Tage zu sehen bekommt. Die bei den Festivals von Telluride, Toronto und London gefeierte und auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei höchst unterschiedlichen Männern brilliert dabei mit eleganten Bildern ebenso wie mit geschliffenen Dialogen, vor allem jedoch mit jeder Menge Witz und Menschlichkeit. Herausragend ist auch die Leistung von Hoopers illustrem Ensemble, allen voran Colin Firth (A Single Man) mit einer preiswürdigen Darstellung des Monarchen wider Willen. Oscar®-Gewinner Geoffrey Rush (Shakespeare in Love) liefert als sein eigensinniger Wegbegleiter erneut eine Glanzleistung ab, während Helena Bonham-Carter (Alice im Wunderland) als spätere Queen Mum überzeugt. Abgerundet wird die hochkarätige Besetzung durch Guy Pearce (Memento), Derek Jacobi (Eine zauberhafte Nanny) und Jennifer Ehle (Ein Hauch von Sonnenschein) sowie den Harry Potter-Stars Michael Gambon (Sleepy Hollow) und Timothy Spall (Verwünscht).



Detailierte Inhaltsbeschreibung:

1925 bittet der britische König George V., Regent über ein Viertel der Weltbevölkerung, seinen zweiten Sohn Albert, den Duke of York, die Abschlussrede für die Empire-Ausstellung im Wembley-Stadion in London zu halten. Bei der Veranstaltung, deren Ziel eine Stärkung des Verbundenheitsgefühls zwischen den 58 Ländern des britischen Reiches ist, handelt es sich um die größte Ausstellung der Welt – und entsprechend ist das riesige Stadion voll besetzt. Doch nicht nur das: Die Rede wird live mittels des immer wichtiger werdenden Mediums Radio in die ganze Nation und den Rest der Welt übertragen. Für Bertie, wie der Duke of York von seiner Familie genannt wird, ist es die erste Live-Ansprache überhaupt. Dass sie im Desaster endet, ist allerdings keine große Überraschung. Denn seit seiner Kindheit leidet er an einem schweren Stottern und bringt unter der Anspannung so gut wie keinen Ton heraus.

Auch zu Hause in der Piccadilly Street wird Bertie das Stottern nie vollkommen los, doch wenn er abends seinen beiden Töchtern Elizabeth und Margaret Gute-Nacht-Geschichten vorliest oder sich mit seiner Ehefrau Elizabeth ganz privat über die Beziehung seines großen Bruders David, des Prince of Wales, zu der verheirateten Amerikanerin Wallis Simpson macht, fällt ihm das Sprechen zumindest wesentlich leichter.

Mit zahllosen Experimenten und Therapieansätzen, zu denen in den Mund gestopfte Murmeln und andere Peinlichkeiten gehörten, haben die verschiedensten renommierten Ärzte versucht, Bertie zu heilen, doch alle Methoden blieben erfolglos. Frustriert und erniedrigt beschließt er, das Thema ad acta zu legen und keine weiteren Behandlungen über sich ergehen zu lassen. Doch hinter seinem Rücken nimmt Elizabeth die Sache in die Hand und besucht inkognito den Sprachtherapeuten Lionel Logue.

Logue ist ein energiegeladener, sehr direkter Australier, der sich in seiner Freizeit nur zu gerne an Amateur-Theatern als Shakespeare-Darsteller versuchen würde, auch wenn er immer wieder aufgrund seines Akzents und seines vermeintlich nicht ausreichend distinguierten Verhaltens nach Hause geschickt wird. Elizabeth entwaffnet er mit seiner zwanglos-lockeren Art sofort. Nachdem sie zu erkennen gibt, wer sie tatsächlich ist, zeigt er sich zwar überrascht und ein wenig ehrfürchtig, bleibt aber bei der festen Überzeugung, dass er dem Sohn des Königs helfen könne. Seine Bedingungen sind allerdings klar: Wie alle anderen Patienten auch muss Bertie für die Behandlung in Logues Büro in die Harley Street kommen, da macht er keine Ausnahme.

Als der Duke of York tatsächlich den Weg zu Logue findet, gibt er sich ebenso steif wie förmlich und kann mit der unkonventionellen und forschen Art, mit der der Therapeut ihm begegnet, wenig anfangen. Er weigert sich, mit Logue Einzelheiten aus seinem Privatleben zu besprechen und lässt sich nur mit Mühe überreden, eine Shakespeare-Passage vorzulesen, während er gleichzeitig über Kopfhörer mit Musik beschallt wird und Logue seine Worte auf einer Schallplatte aufnimmt. Irritiert und wenig überzeugt von dieser Herangehensweise nimmt Bertie die Aufzeichnung mit, doch beide Männer sind sich sicher, dass es sich bei ihrem Treffen um die erste und letzte Sitzung handelte.

Erst lange Zeit später hört sich Bertie – frustriert und verzweifelt angesichts der andauernden Demütigungen durch seinen Vater und das Verhältnis zwischen David und Wallis – Logues Schallplattenaufnahme tatsächlich an. Das Ergebnis erstaunt ihn ebenso wie Elizabeth: Ohne Zögern oder auffälliges Stottern liest er den Text vor. Nun doch überzeugt, dass Logues Methoden funktionieren können, kehrt er zurück in die Harley Street. Widerwillig erklärt sich der Sprachtherapeut bereit, sich auf Übungen und Techniken zu beschränken und alles Persönliche außen vor zu lassen. Es werden tägliche Sitzungen vereinbart, und auch wenn bei einer öffentlichen Rede vor Fabrikarbeitern das Stottern noch längst nicht verschwunden ist, zeigen sich bald erste positive Ergebnisse.

Als König George V. nach schwerer Krankheit stirbt und David auch als König Edward VIII. weiterhin seine Beziehung zu Wallis Simpson pflegt, bleibt es irgendwann auch nicht aus, dass Bertie Lionel Einblicke in sein Privatleben gibt. Er spricht mit ihm über seinen verstorbenen Vater und seinen großen Bruder, über die Misshandlungen durch sein früheres Kindermädchen und auch über seinen jüngeren Bruder Johnny, der als Kind an Epilepsie starb. Und wann immer das Stottern bei diesen sehr intimen und aufwühlenden Berichten zu stark wird, versucht er auf Logues Geheiß, sie singend zu Ende zu bringen, was die Sache überraschenderweise tatsächlich einfacher macht.

Doch auch wenn das Vertrauen zwischen den Männern wächst, bleibt ihre Zusammenarbeit nicht ohne Konflikte. Als Bertie nach einem unerfreulichen Aufeinandertreffen mit David, der unbedingt die bald geschiedene Wallis heiraten will, mit Lionel über die drohende Verfassungs- und Monarchiekrise spricht und der ihm nahe legt, vielleicht ein besserer König als sein Bruder zu sein, empfindet er das nicht als Ermutigung, sondern als Hochverrat. Wütend und im Streit gehen die beiden auseinander.

Unterdessen machen der Premierminister, Winston Churchill und sämtliche Berater Bertie unmissverständlich klar, dass er David nachfolgen müsse, wenn der weiterhin auf einer Beziehung mit Simpson bestehe und damit laut Verfassung zur Abdankung gezwungen sei. Tatsächlich lässt sein Bruder sich nicht umstimmen – und Bertie wird unter dem Namen George VI. zum neuen König des Britischen Reiches.

Doch kaum muss er sich seiner neuen Verantwortung stellen und den ungewohnten Pflichten und Veränderungen im Privatleben ins Auge blicken, kehrt sein Stottern mit voller Wucht zurück. Weil er keinen anderen Ausweg weiß, wendet er sich doch noch einmal an Logue und bittet ihn um Entschuldigung und Hilfe. Ohne zu zögern nimmt der Therapeut seine Arbeit wieder auf, und schnell knüpfen die beiden wieder dort an, wo sie aufgehört haben. Ausgerechnet als die von Bertie mit Angst erwartete öffentliche Krönung bevorsteht, eröffnet ihm Erzbischof Cosmo Lang einige unerwartete Neuigkeiten, die die Freundschaft zwischen ihm und Logue zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt auf eine schwere Probe stellt.


Eure Meinung zu "The Kings Speech"



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Eure Kommentare zu "The Kings Speech":

cuteashell HAT WAS!!!!

Patrick Woraus man alles einen Film machen kann! Schon fastzinierend!

Antje sieht gut aus!

Emil G. "Ich weiß es nicht, aber er scheint ein ziemlich guter Redner zu sein." LOL!

Stefan H. Sieht sehr interesant aus.

 




♥: Colin Firth auf Oscarkurs, exzellente Nebendarsteller. ErnstesThema, sensibel und mit Humor vermittelt, aufwändige Austattung
−: überraschungsarme, vorhersehbare Dramaturgie

Heutzutage füllt das britische Königshaus ganze Magazine mit Klatsch und Tratsch. Aber auch früher, als das britische Imperium noch den Großteil der Welt umspannte, gings bei den Royals ziemlich bunt zu.


In den 20er Jahren regiert König George V. (Michael Gambon) über das größte Imperium der Welt. Die Nachfolge soll einmal sein ältester Sohn Edward (Guy Pearce) antreten. Dessen jüngerer Bruder Albert (Colin Firth) führt darum ein unauffälligeres Leben im Schatten der Macht. Und das ist ihm auch ganz recht. Weil er stottert, fürchtet er sich vor öffentlichen Ansprachen und gesellschaftlichen Zusammenkünften. Kein Sprachtherapeut mit noch so ausgefeilten oder absurden Methoden kann ihm helfen. Nach einer besonders beschämenden Rede wagt seine Frau (Helena Bonham Carter) einen weiteren Vorstoß. Der australische Sprachlehrer Lionel Logue (Geoffrey Rush) ist ihre allerletzte Hoffnung. Albert erwartet sich nicht viel und fühlt sich schnell in seinen Erwartungen bestätigt. Aber irgendwann stellt Albert fest, dass die Methoden von Logue ihm tatsächlich helfen. Was aber noch wichtiger ist: er vertraut ihm und es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern. Und das braucht Albert noch mehr als Zungenbrecher und Lockerungsübungen. Tasächlich ist eine exaktive wissenschaftliche Methode bei Logues Praktiken gar nicht so leicht auszumachen. Die Gründe dafür werden aber erst später bekannt. Und so sind auch keine sensationellen Erfolge zu verzeichnen. Aber die Arbeit mit Lionel hilft Albert, gibt ihm mehr Selbstvertrauen. Und das kann er brauchen, besonders als er auf einmal doch auf den Thron steigen soll. Sein Bruder muss abdanken, weil er um jeden Preis seine Geliebte Wallis Simpson heiraten will. Und die ist nicht nur bürgerlich, sondern auch noch Amerikanerin, vor allem aber zweimal geschieden.
So wird aus Prinz Albert fast über Nacht König George VI. Und der muß natürlich noch mehr Reden halten. Durch die Verbreitung des Radios hören immer mehr Menschen zu und auch dieThemen werden immer wichtiger. In den Anfangsszenen inszeniert Tom Hooper eine banale Radioansage der altehrwürdigen BBC als fast schon religiösen Ritus. Eine bis ins kleinste Detail durchorganisierte Zeremonie, die die Bedeutung der menschlichen Stimme weit über das Normalmass hinaus aufpumpt. Selbst Alberts altmodischer Vater hatte sich damit arrangiert, Radioansprachen zu halten, die Millionen Menschen gleichzeitig hören können. Und Albert hat schon Hemmungen, wenn er mit einem einzelnen Menschen reden soll ! Dem Regisseur gelingt es genial, die Angst vor öffentlichen Auftritten in Bilder ( und Töne) zu packen. Schon im Trailer sieht man die Szene, in der Georg Grußworte seines Vaters auf einer Rennbahn übermitteln soll. Das gigantische Mikrophon wirkt schon für sich wie ein gefährlicher Apparat und verstärkt dann auch noch jedes Stocken, jeden Atmer tausendfach, und posaunt die Schwäche des Prinzen in die Welt hinaus, während der Redner - oder besser der Schweiger - in tausende verständnisloser oder peinlich berührter Gesichter guckt. In der Kinofassung ist die Szene noch erheblich länger und darum auch viel ungenehmer.
Ganz besonders hoch sind die Erwartungen an ihn, als England Deutschland den Krieg erklärt. Jetzt muß der Monarch das Volk aufrütteln und vereinen. Albert und Lionel steht die größte aller Prüfungen bevor. Eine klevere Fußnote ist dabei der Vergleich mit Hitler, der indirekt sein Gegenspieler war. Der galt als brillanter, mitreißender Redner, verführte die Massen mit seiner menschenverachtenden Ideologie und erhöhte damit unbewußt den Druck auf König Georg.

Weltbewegend neue Erkenntnisse über Ursachen und Heilungschancen von Sprachstörungen hat der Film nicht zu bieten. Und das macht den Film umso besser. The Kings Speech ist keine intellektuelle Rocky-Verfilmung, in der der verhinderte Held in einer dramatischen Wendung alle Schwierigkeiten überwindet. Die wichtige Rede, die König Georg VI zu Beginn des zweiten Weltkriegs hält, ist auch mit minutiöser Betreuung ein unmenschliche, verkrampfte Anstrengung. Umso mehr fiebert man mit, wie sich der gehemmte Monarch von Wort zu Wort tastet.
"The Kings Speech" ist jedoch mehr als nur ein Film über einen berühmten Stotterer. Ganz beiläufig wird hier die Leidensgeschichte vieler Menschen erzählt, die unter dem Druck einer autoritären , lieblosen Erziehung Hemmungen entwickeln, die sie ihr Leben lang beeinträchtigen.
Die Dramaturgie des Films folgt ziemlich geradlinig dem gängigen Schema klassicher Underdog-Dramen, auch wenn der geplagte Außenseiter hier ein Royal ist. Mit Colin Firth in der Hauptrolle hat er doch alles unsere Sympathien und unser Mitleid.
Den Golden Globe hat Colin Firth schon bekommen. Am Oscargewinn führt in diesem Jahr nichts mehr vorbei, nachdem er im letzten Jahr mit seiner Rolle in Tom Ford´s "A Single Man" nach Meinung vieler Kritiker ungerecht übergangen wurde. Dabei sind auch die Nebendarsteller herausragend. Geoffrey Rush ("Fluch der Karibik") hält virtuos die Balance zwischen Respekt vor dem Herrscher entwaffnender Hartnäckigkeit, abgemildert mit trockenem Humor. Helena Bonham Carter ("Harry Potter") spielt die heute noch in Großbritannien verehrte "Queen Mum", die Mutter von Königin Elisabeth, die nie ein Kind von Traurigkeit war als unkonventionelle anpackende Frau mit sehr modernem Durchsetzungsvermögen. Auch Guy Pearce ist als dandyhafter König Edward perfekt besetzt. Gnädig lässt der Film dessen spätere Rolle unter den Tisch fallen. Der Ex-Monarch hegte ganz offene Sympathien für die Nazis. Was wäre wohl passiert wenn der im krieg auf dem thron gesessen hätte ? Wer das historische Umfeld noch weiter erforschen will: Madonna bereitet gerade einen Film über König Georgs Bruder vor und in "Mein Kampf" (nach dem Theaterstück von George Tabori) kann man ab 26.3. Hitler (Tom Schilling) mit seinem (fiktiven) Rethoriktrainer (Götz George) sehen.

12 Oscarnominierungen entfielen auf "The King's Spech". Beeindruckend, aber längst kein Rekord. 25 Filme bekamen genausoviele oder sogar mehr Nominierungen. (den Rekord halten "Titanic" und "Alles über Eva" mit 14 Nominierungen). Aber auch von diesen hat längst nicht jeder am Ende die Auszeichnung als bester Film erhalten, so etwa "Aviator", "Der Soldat James Ryan" und "Sunset Boulevard". Und es gab auch schon Filme, die elf Nominierungen hatten, und trotzdem keinen Preis bekamen, wie "Die Farbe Lila". Das Schicksal wird "The King's Speech nicht erleiden.

Nur alle paar Jubeljahre kommt ein derart gelungenes und gleichzeitig unterhaltsames Drama auf die Leinwand. Trotz des ungewöhnlichen Themas wird die Geschichte nie eintönig, weil man nebenher doch viel Zeitgeschichte mitbekommt und so einige Interna der königlichen Familie. Und nicht zuletzt durchzieht trockener britischer Humor das Skript und die pointierten Dialoge. "The King's Specch" ist ein im besten Sinne altmodisches Drama und ein zukünftiger Klassiker.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht

Weitere Infos zum Film:

Die Geschichte dieses Films beginnt bereits in den 1940er Jahren, während des Zweiten Weltkriegs. Als Kind litt Drehbuchautor David Seidler an einem schweren Stottern. Doch als er die Reden des britischen Königs George VI. während und nach dem Krieg in der BBC hörte, war für ihn klar: wenn der Monarch einen Weg finden konnte, mit seinem Stottern umzugehen, würde ihm das auch gelingen. So wurde George VI., der stotternde König, der zum öffentlichen Sprechen gezwungen war, ein Kindheitsheld und Vorbild für David – und nicht zuletzt die Inspiration für THE KING’S SPEECH.

Schon während er die Universität besuchte, las Seidler Wheeler Bennets Biografie und begann seine Recherchen zu König George VI. Doch erst als er später für Francis Ford Coppola sein erstes Kinodrehbuch TUCKER („Tucker: The Man and His Dream“, 1988) geschrieben hatte, fand er das Selbstvertrauen, einen Film über das Thema zu Papier zu bringen, das ihm so sehr am Herzen lag. Erneut widmete er sich seinen Recherchen, wobei er erstmals auf den Namen Lionel Logue stieß. „Hier und da tauchte plötzlich dieser Name auf meinem Radar auf. In all den Biografien über den König war kaum etwas über ihn zu finden, aber ich roch eine Geschichte. Ich leistete in London ein wenig Detektivarbeit und kam schließlich an die Adresse eines seiner Söhne, der auch bereit war, mich zu treffen.“

Valentine Logue erzählte Seidler, dass er im Besitz einiger Papiere seines Vaters sei, doch er bat ihn, zunächst bei der Queen Mum nachzufragen. Die Witwe von George VI. antwortete ihm mit einem Brief, in dem sie darum bat, den Film nicht zu ihren Lebzeiten zu schreiben, weil die „Erinnerungen an die Ereignisse noch zu schmerzhaft“ seien. Aus Respekt zu ihr wartete Seidler tatsächlich.

2005 begann er schließlich mit dem Schreiben und brachte einen ersten Entwurf in Form eines Theaterstücks zu Papier, als Übung in Sachen Disziplin und um die Geschichte ganz auf die Charaktere zu fokussieren. Weil etliche Jahre ins Land gegangen waren, gelang es ihm allerdings nicht mehr, Kontakt zu Mitgliedern von Logues Familie herzustellen, so dass dessen Papiere ungelesen blieben. Daran, dass in London schnell Interesse an einer Theaterinszenierung aufkam, änderte das nichts. Doch dann schlug der Zufall zu.

Oscar®-Gewinner Geoffrey Rush fand das Stück unaufgefordert in seinem Briefkasten in Melbourne, geschickt von einem in London lebenden Assistenten, der zu Weihnachten in der australischen Heimat weilte. Trotz dieses ungewöhnlichen Vorgehens las Rush das Werk – und war begeistert. Doch er wusste sofort, dass er diese Geschichte lieber als Film denn als Theaterstück sehen würde.

Regisseur Tom Hooper bekam das Skript nicht zuletzt deswegen in die Hände, weil er zur Hälfte britischer, zur anderen Hälfte australischer Abstammung ist. Seine australische Mutter wurde von Freunden zu einer Lesung des noch unproduzierten Stückes „The King’s Speech“ in einem Theater am Rande Londons eingeladen. Noch nie war sie vorher bei einer solchen szenischen Lesung gewesen und das Stück beeindruckte sie sehr. Doch auch sie fand die Geschichte noch besser für einen Film geeignet und fragte Seidler, ob er den Text nicht ihrem Sohn Tom schicken wolle. Der Autor war bereits ein Fan von Hoopers Fernseharbeiten, also ließ er sich darauf ein – und der wiederum zeigte sich begeistert von Seidlers Werk.

In der Zwischenzeit sicherte sich der Produzent Gareth Unwin die Filmrechte an dem Stück und ging damit zu Iain Canning, der zuvor gerade mit HUNGER („Hunger“, 2008) und CONTROL („Control“, 2007) Erfolge gefeiert hatte, und Emile Sherman bei See-Saw Films, die als anglo-australische Produktionsfirma natürlich besonders geeignet für das Projekt schienen. Sherman, die mit Geoffrey Rush schon bei CANDY („Candy“, 2006) und $ 9.99 (2008) zusammengearbeitet hatte, war hoch erfreut, bei der ersten britischen Produktion der noch jungen Firma erneut mit dem Schauspieler zusammenarbeiten zu können.

Für die Rolle des Königs traf sich Hooper mit Colin Firth und war sofort von seiner Wahl überzeugt. „Alles, was ich über König George VI. gelesen hatte, zeigte mir deutlich, dass ihn im Kern eine unbedingte Liebenswürdigkeit auszeichnet. Bei Colin habe ich genau das gleiche Gefühl: Er hat diesen außergewöhnlichen moralischen Kompass, diese Bescheidenheit und Freundlichkeit, die ihn meiner Meinung nach zur Idealbesetzung für Bertie machen. Ganz abgesehen davon, dass ich schon seit seiner Rolle als physisch wie psychisch verwundeter Veteran des Falklandkriegs im Fernsehfilm „Der Dank des Vaterlandes“ („Tumbledown“, 1988) seine Fähigkeit bewundere, Verletzlichkeit derart eindrucksvoll darzustellen. Seine bemerkenswerte Intelligenz kam bei der Rolle natürlich auch zum Tragen, denn der historischen Komplexität der Geschichte nahm er sich mit spielerischer Leichtigkeit an.“

Die Produktion hatte obendrein das Glück, bei weiteren Recherchen doch noch Verwandtschaft von Lionel Logue zu entdecken. Sein Enkel Mark Logue lebte in London und besaß tatsächlich noch die Unterlagen seines Großvaters, die nie veröffentlicht und auch nicht von Historikern unter die Lupe genommen worden waren. Das Filmteam aber durfte alles lesen und entdeckte darin ein detailliertes Tagebuch über Logues Arbeit mit dem König, Fragmente einer Biografie und sogar ein Krankenbericht des Monarchen. Umgehend wurde natürlich das Drehbuch umgeschrieben, um all die neu gewonnenen Erkenntnisse und Einblicke aus den Tagebüchern einzuarbeiten.

Mit Hilfe dieser Fundgrube an neuen Informationen machten Hooper und Firth sich umgehend daran, das Stottern des Königs zu erforschen, wofür sie alles verfügbare Archivmaterial über den König sichteten und sich mit zahlreichen Sprachtherapeuten trafen.

„Viele Sprachprobleme haben ihren Ursprung in der Kindheit, weil Kinder das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Sie denken, dass sich niemand darum kümmert, was sie sagen, wodurch sie enorme Hemmungen entwickeln, überhaupt zu sprechen“, erklärt der Regisseur. „Bertie litt an seinem Stottern zu einer Zeit, als das als Zeichen geistiger Schwäche angesehen wurde. Er wuchs unter trostlosen Umständen auf. Sein Vater, König George V., betrachtete seine Söhne als aufsässige Kadetten und sich selbst als befehlshabenden Offizier. Es gab absolut keine emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern. Bertie wurde vom Links- zum Rechtshänder umerzogen und hatte krumme Beine, weswegen er jahrelang Metallschienen tragen musste. Ich bin mir sicher, dass in all dem der Ursprung für sein Stottern lag.“

„Unsere Geschichte handelt davon, wie dieser Mann all das überwand und zu einem großen König wurde. Und das, obwohl er vermutlich der widerwilligste Regent der Geschichte war“, fährt er fort. „Denn hier geht es ja nicht um jemanden, der an die Macht wollte, sondern um einen Mann, der alles dafür gegeben hätte, nicht König werden zu müssen. Aus der Tiefe seines Herzens will er diesen Job nicht haben, doch Lionel Logue ist derjenige, der ihm hilft, diese unglaubliche Angst vor der Verantwortung hinter sich zu lassen.“

Geoffrey Rush empfand die Beziehung zwischen dem König und Logue als inspirierend: „In den Filmaufnahmen von damals kann man deutlich sehen, wie sehr Prinz Albert sein öffentliches Leben zu schaffen machte, weil er keine wirkliche Kontrolle über seine Stimme hatte. Aber sobald er lächelt, spürt man sofort seine Wärme. In gewisser Hinsicht gewinnt unsere Geschichte über ihn geradezu Shakespearesche Züge, denn einerseits wird ein Blick auf die große weite Welt geworfen, andererseits geht es aber auch ganz konkret um das Innenleben eines einzelnen Mannes.“

Für Drehbuchautor Seidler geht es im Kern der Geschichte darum, eine Stimme zu haben und gehört zu werden: „Bertie ist der zweite Sohn in seiner Familie. Sein älterer Bruder David ist enorm populär, kann geschliffen reden und hervorragend mit dem Mikrofon umgehen, sieht gut aus, ist charmant und stilvoll. Er ist ein echter Prince Charming. Der arme Bertie dagegen ist schüchtern, stotterte und stammelte. Dafür ist er ein echter Familienmensch. Er liebt Elizabeth und seine beiden hübschen Töchter aus tiefstem Herzen und will einfach nur in Ruhe gelassen werden. Natürlich ist ihm klar, dass er hin und wieder ein paar öffentlichen Verpflichtungen nachgehen muss, die bei einem Mann von seinem Stand nun einmal dazugehören. Doch das sind gewöhnlich vollkommen unbedeutende Anlässe. Bis er eines Tages zum Abschluss der Empire-Ausstellung im Wembley Stadion sprechen muss. Er ist wie gelähmt und kriegt es einfach nicht hin, es ist herzzerreißend. Bertie musste aufs Nachdrücklichste erfahren, welchen Preis man für ein privilegiertes Leben zahlen muss. Churchill hat es meiner Meinung nach anlässlich von Berties Tod auf den Punkt gebracht. Er legte einen Blumenkranz nieder, auf dem nur ein einziges Wort stand: Tapferkeit.“

Hooper erklärt noch mehr zur Geschichte des Films: „Bertie war bei jedem renommierten Sprachtherapeuten und Arzt gewesen, doch es hatte zu nichts geführt. Lionel Logue war die letzte Anlaufstelle, der Querdenker. Was Bertie letztlich rettete, war vor allem die Freundschaft zu ihm, weniger die Behandlung als solche. Wenn er im Radio sprechen musste, war Logue mit ihm im Raum, so dass er seine Rede wie für einen Freund halten konnte. Deswegen ist THE KING’S SPEECH auch ein Film über Freundschaft.“

Ergänzend zu seiner Rolle fügt Rush hinzu: „Logue kam zur Sprachtherapie, als er viel mit Soldaten arbeitete, die von der Front in Europa nach Australien zurückkehrten und so sehr unter Schock standen, dass sie an sprachlichen Blockaden litten. Er verstand viel von Anatomie, Muskelkunde und Atemübungen. Mit seiner beinahe psychotherapeutischen Herangehensweise war er letztlich wegbereitend. Für ihn stand außer Frage, dass das Stottern nicht ein rein körperliches Problem war, sondern sich auf irgendein Trauma in der Kindheit, vermutlich im Alter von vier oder fünf Jahren, zurückführen ließ. Indem er versuchte, dem auf den Grund zu gehen, durchdrang Lionel bis zu einem gewissen Grad diese extrem förmliche königliche Fassade, die auf jahrhundertealten Traditionen basiert.“

Hooper ging es darum, die allseits bekannte Geschichte der Abdankung von Berties Bruder David aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu erzählen: „Einer der Gründe, warum mich dieses Projekt interessierte, war die Tatsache, dass Davids Abdankung mal ganz anders gezeigt wird. Unser Film widmet sich der B-Seite dieser Geschichte, wohingegen es sonst meist um die A-Seite, also um Wallis Simpson und die Abdankungskrise geht. Darüber weiß man fast alles, doch dass der Mann, der Bertie half, Australier war, ist beinahe unbekannt. Bei all dem wollte ich aber natürlich, dass der Film nicht muffig und bieder wirkt, sondern trotz aller historischen Aspekte modern ist.“

Als Halb-Australier war es für den Regisseur von großer Bedeutung, woher Logue stammte: „Die australische Kultur hat etwas sehr Demokratisches, sie ist letztlich anti-hierarchisch und hat nichts mit Klassen zu tun. Logue hat deswegen eine spezielle Lockerheit, mit der er all den Problemen, die Berties Herkunft und seine unglaublich strenge Jugend hervorgebracht haben, beikommen kann. Als Sohn eines englischen Vaters, der seinerseits nach dem Tod meines Großvaters im Alter von fünf Jahren ein Internat besuchte, und einer australischen Mutter, weiß ich aus meiner eigenen Jugend ein bisschen darüber, welchen Effekt jemand aus Australien auf jemanden mit einer schweren britischen Kindheit haben kann.“

„Die Beziehung zwischen Bertie und Lionel lebt nicht zuletzt davon, wie ungewöhnlich es überhaupt ist, dass sie sich begegnet sind“, ergänzt Rush. „Diese kulturelle und gesellschaftliche Kluft zwischen dem Monarchen und diesem unbekannten Normalsterblichen aus Perth, der irgendwie seinen Weg in die obersten Kreise des britischen Adels findet, ist wirklich faszinierend. Australien war für die meisten Briten in den Zwanziger und Dreißiger Jahren eine eher unbekannte Größe, auf die Australier blickte man damals mit einer Art imperialer Hochnäsigkeit. Deswegen widmet sich unser Film auch dem Unterschied zwischen diesen beiden Familien: Die Australier aus der unteren Mittelschicht sind geprägt von einer Offenheit und Leichtigkeit, die im Gegensatz steht zu dem Druck, den Bertie permanent spürt.“

Innerhalb von nur einem Jahr erlebte Prinz Albert 1936 den Tod seines Vaters, die Krise der britischen Monarchie (die dazu führte, dass sein Bruder abdankte, um die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten zu können) und seinen eigenen Aufstieg auf den Thron.

So nah wie in der Abdankungskrise kam die britische Monarchie ihrem Zusammenbruch im 20. Jahrhundert nie wieder. „Damals stand tatsächlich die Idee der Monarchie auf dem Spiel“, erklärt Hooper. „In ganz Europa brachen zwischen den Kriegen Königshäuser zusammen. Der Niedergang des britischen Empires, das Verschwinden der Vorstellung, dass Könige das natürliche Recht zum Herrschen haben, und eine Zeit, in der unglaubliche technische Neuerungen das Bild der Monarchie radikal veränderten, bilden den Hintergrund für unsere Geschichte.“

Auch die Geburt des Radios als Massenmedium fiel in die damalige Zeit. König George V. sendete seine erste Weihnachtsbotschaft 1932 und begann damit eine Tradition, die bis heute anhält. „George V. sagt im Film, dass die Königsfamilie zu Schauspielern geworden sei, was die Beziehung zwischen dem König und seinen Untertanen entscheidend verändert habe“, führt der Regisseur weiter aus. „Von nun an geht es um die Darstellung, darum mit einer großen Rede das gewünschte Bild von der Monarchie zu vermitteln.“ Es war Ironie des Schicksals, dass Bertie ausgerechnet zu jenem Moment König wurde, wo das Radio breitenwirksam wurde und es lediglich als Live-Medium funktionierte, es also noch keine Voraufzeichnungen gab, bei denen man sein Stottern hätte herausschneiden können.“

Die von Helena Bonham Carter gespielte Elizabeth Bowes-Lyon unterstützte ihren Ehemann Bertie mit allen Mitteln. „Alle sind sich darüber einig, dass niemand ihm so sehr den Rücken stärkte wie sie“, berichtet Firth. „Es gibt eine Fotografie, die Bände spricht, sowohl über seinen Zustand als auch über die Beziehung der beiden. Man sieht Bertie in voller Montur kurz vor einer Rede, irgendwann in den 1920ern im australischen Canberra. Sein Horror vor der Situation ist nicht zu übersehen, sowohl in seinem Gesicht als auch in seiner gesamten Körpersprache. Er starrt auf den Boden wie in einen Abgrund. Sie dagegen steht neben ihm – und alles an ihr scheint zu sagen: Alles wird gut, ich glaube an dich, du schaffst das. Sie war ihm hingebungsvoll zugetan und stand ihm bedingungslos zur Seite. Sie war es ja auch, die Logue auftrieb und an allen Sitzungen und Übungen teilnahm. Daran, dass er sein Problem in den Griff bekam, hatte sie also entscheidenden Anteil, und nicht nur deswegen verehrte er sie.“

In der Beschäftigung mit Fotografien aus der Zeit entdeckte Firth erhebliche Unterschiede zwischen den Aufnahmen von Bertie und seiner Familie sowie George V. und seinen Kindern. „Allein diese Bilder verdeutlichen eindrücklich den Generationsunterschied innerhalb der königlichen Familie. George V. und Königin Mary sind fürchterlich steif, man spürt keinerlei Wärme oder familiäre Innigkeit. George VI., Elizabeth und ihre beiden Töchter dagegen schauen sich an, berühren sich, und es ist nicht zu übersehen, wie liebevoll er auf seine Kinder und seine Frau blickt.“

„Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass er es ohne sie, ohne ihre Unterstützung und ihre Stärke nicht geschafft hätte, König zu sein“, führt Bonham Carter weiter aus. „Seine Persönlichkeit war für diesen Posten eigentlich nicht gemacht, was er auch ganz genau wusste. Da ging es nicht nur um das Stottern, er war auch unglaublich schüchtern und kein bisschen selbstbewusst. Auch körperlich war er nicht besonders stark, so dass er als öffentliches Vorbild und Verantwortungsträger kaum taugte. Sie dagegen kam aus einer sehr noblen schottischen Familie und hatte keinerlei Schwierigkeiten als Figur des öffentlichen Lebens. Deswegen schafften sie es zusammen. Bertie konnte von ihrer Stärke, ihrem Selbstvertrauen und ihrer Standhaftigkeit zehren. Sie hatten eine echte Partnerschaft und führten eine sehr gute Ehe.“

Für die Filmemacher war es wichtig, dass die historischen Fakten so korrekt wie möglich waren, wie Seidler erklärt: „Tom war diesbezüglich streng, deswegen recherchierte ich mit größtmöglicher Genauigkeit. Nur was zwischen Bertie und Lionel hinter den geschlossenen Türen des Behandlungszimmers stattfand, konnten wir nicht mit absoluter Gewissheit klären. Doch für diese Szenen verließ ich mich auf mein Wissen über Logues Methoden, seine Tagebucheinträge und die Techniken anderer Sprachtherapeuten jener Zeit.“ Außerdem kamen Seidlers eigene Erfahrungen zum Tragen, schließlich war es selbst in den vierziger und fünfziger Jahren immer wieder wegen seines Stotterns in Behandlung gewesen.

„In Hollywood ist es durchaus üblich, es mit historischen Tatsachen nicht so genau zu nehmen“, berichtet Hooper. „Aber die Geschichte unseres Films ist vergleichsweise frisch, es geht um den Vater der heutigen Königin, und genau wie sie leben auch viele andere seiner Zeitgenossen heute noch. Deswegen war es für mich keine Frage, dass wir so akkurat wie möglich sein mussten.“

Für genau diesen Zweck waren natürlich die unveröffentlichten Tagebücher Logues von unschätzbarem Wert. „Dass wir die entdeckt haben, war für den Film das größte Geschenk. Das kann man gar nicht genug betonen“, meint auch der Regisseur. „Diese Dokumente und Briefe, die zuvor ja alle unter Verschluss waren, erklärten so vieles über die Beziehung zwischen den beiden Männern. Wie so oft mussten wir bei der Recherche dann feststellen, dass die Wahrheit oft ungewöhnlicher ist als alles, was wir uns hätten ausdenken können. Das berühmte Foto etwa, auf dem Bertie in seiner Marine-Uniform samt Mikrofon am Schreibtisch in einem großen Raum sitzt, entpuppte sich als gestellt. Seine königlichen Radioansprachen fanden gar nicht in einem solchen Rahmen statt, sondern an einem altmodischen Stehpult in einem engen Zimmer, bei geöffneten Fenstern und abgelegtem Jackett. Das prunkvolle Foto dagegen wurde nur zu PR-Zwecken inszeniert, wie wir dank der Tagebücher wissen. Es ist wirklich spannend und erstaunlich, welche Einblicke man durch solche Entdeckungen jenseits der gängigen Geschichtsschreibung entdecken kann.“

Wie Geoffrey Rush betont, zeigte Mark Logue ihm und dem Team allerdings auch zahlreiche Fotos der Familie: „Darauf sah man die Logues sowohl in ihrem familiären Ambiente als auch gemeinsam mit der Königsfamilie, was uns sehr dabei half, ein Gespür für Lionel zu bekommen. Es war wirklich faszinierend, wie gewissenhaft die Recherche betrieben wurde, wo sich doch die meisten vergleichbaren Filme, ohne mit der Wimper zu zucken, viel mehr historische Freiheit beim Erzählen ihrer Geschichte erlauben. Doch diese besondere Geschichte und ihr Setting zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, also jener Zeit, in der Stalin und Hitler aufstiegen und die Monarchie vor dem Abgrund ihrer Existenz stand, sind schon per se derart spannend, dass wir das gar nicht brauchten. Wenn es eine Dialogzeile gab, die zwar dramaturgisch besser klang, aber historisch nicht akkurat erschien, bestand Tom immer darauf, sie zu streichen.“

Auch Colin Firth recherchierte beharrlich und lernte dabei, Berties Qualitäten als öffentlicher Redner zu schätzen. „Es gibt einige Archivaufnahmen und Audiomitschnitte von ihm und seinen Reden. Denen habe ich besondere Beachtung geschenkt, nicht um ihn zu imitieren, sondern um möglichst viel über ihn herauszuhören und mich ihm zu nähern. Mich interessierte gar nicht so sehr, wie sich das Stottern im Detail anhörte, sondern wie er damit rang und umging. Jedes Mal, wen er bei öffentlichen Reden blockierte, sieht oder hört man, wie er zögert und versucht, sich zu sammeln und zu beruhigen, während Tausende oder gar Millionen von Menschen an seinen Lippen hängen.“

„Auch das Lesen über die Zeit half beim Verständnis dafür, womit er es damals zu tun hatte und warum seine Angst so groß gewesen sein muss“, fährt der Hauptdarsteller fort. „Er hatte ja wirklich den Kürzeren gezogen hinsichtlich des Moments in der Geschichte, in den er hineingeboren wurde. Sein Vater war der erste König von England, der jemals live im Radio sprach. Niemand vor ihm musste sich über so etwas Sorgen machen – und alle Regenten nach ihm hatten die Sicherheit, sich auf Aufnahmetechniken und Schnitt verlassen zu können. Nur Bertie musste live in ein Mikrofon sprechen, während ihm das gesamte Empire zuhörte.“

Derweil hatte die Monarchie kaum mehr als symbolische Funktion, weswegen Firth Bertie allerdings erst recht als Helden sieht: „Er hatte keine verfassungsmäßige Macht, er konnte keine Steuern erheben, keinen Krieg erklären und keinen Minister ernennen. Seine einzige Aufgabe war es, zu repräsentieren und zu reden. Wenn er sprach, glaubte die Nation, dass er für sie sprach. Genau das machte den symbolischen Wert seiner Existenz aus. Wer in so einer Situation glaubt, nicht sprechen zu können, ist eigentlich nutzlos. Deswegen finde ich es heldenhaft, dass er seine Lage mit bemerkenswertem Mut anging, selbst wenn er niemals wirklich geheilt wurde. Denn vollkommen losgeworden ist er das Stottern schließlich nie. Trotzdem gelang es ihm, die Menschen zu erreichen. Sein Volk respektierte die Art und Weise, wie er zu ihnen sprach, denn sein Tonfall war ehrlich und man glaubte ihm, wenn er sagte, dass er zu ihnen spreche, als würde er zu ihnen ins Wohnzimmer treten und sich persönlich mit ihnen unterhalten. In einer Zeit, in der das Land sich im Krieg befindet, ist es wichtig, jemanden mit solchen Qualitäten an der Spitze zu haben. Seine Gegner waren die mächtigsten überhaupt, denn wenn von Rhetorik die Rede ist, kann schließlich kaum jemand mit Hitler oder Mussolini mithalten. Doch im Vergleich mit ihnen klingt es enorm überzeugend, wenn George VI. in seinem ihm eigenen Tonfall über diese sehr menschlichen Ideale spricht.“

Firth fährt fort: „In der Rede vom 3. September 1939, in der der Krieg erklärt wurde und die auch im Film zu hören ist, sagte er einiges sehr Bedeutsames über die Gründe, warum England in den Krieg zog. Über die Ideologie der Nazis sagte er, dass ihr nicht gestattet werden dürfe, sich zu etablieren, und dass sie unter all der Fassade und Rhetorik bloß eine primitive Machtdoktrin sei. Der Inhalt seiner Rede und die Art und Weise, wie er ihn vermittelte, stimmten vollkommen miteinander überein. Mit seiner stillen Menschlichkeit nahm er die Menschen für sich ein, auch wenn das nicht über Nacht passierte und es eine Weile dauerte, das Volk davon zu überzeugen, dass er eine würdige Alternative zu seinem Bruder war.“

Eine von Hoopers Stärken als Regisseur ist das Inszenieren von Schauspielern, von denen nicht wenige mit Preisen für ihre Zusammenarbeit mit ihm bedacht wurden. „Ich versuche immer, die bestmöglichen Schauspieler zu engagieren, und hatte dabei das Glück, in den vergangenen Jahren mit einigen ganz außergewöhnlichen zusammenzuarbeiten. Colin stellt da keine Ausnahme dar. Als Schauspieler ist er ein hochinteressantes Gesamtpaket. An den Text geht er mit enormer Sorgfalt heran. In unserer dreiwöchigen Probephase gab es keine einzige seiner Zeilen, die wir nicht diskutiert, analysiert und verbessert hätten. Als wir mit dem Dreh begannen, kannte er jede Facette seiner Rolle und der Geschichte. Die Detailgenauigkeit, mit der er seine Arbeit erledigt, ist erstaunlich: Berties Körpersprache, seine Art des Sprechens, sein Stottern – alles hatte er ganz genau studiert. Er hat sich der Herausforderung gestellt und sie mit Bravour gemeistert. Der Film steht und fällt damit, dass man wirklich mitfühlt mit dem Protagonisten und seinem Schicksal, und dank Colin tut man das.“

Hooper ging es nie um Imitationen der realen Personen: „Es war unglaublich wichtig, dass keine der Figuren wie eine Karikatur wirkt. Physische Ähnlichkeiten waren daher nur ein Teil des Ganzen. Viel bedeutsamer war es, die Essenz dieser Menschen greifbar zu machen.“

Für Produzent Iain Canning, der zuvor CONTROL und HUNGER als ausführender Produzent verantwortet hatte, war es entscheidend, einen Regisseur zu haben, dem die Balance zwischen historischen Fakten und einem wirklichen Gefühl fürs Geschichtenerzählen gelingt. „Was mich an Tom so beeindruckt, sind seine Energie und seine Herangehensweise“, sagt er. „In all seinen Arbeiten ist es ihm immer gelungen, Klischees zu vermeiden. Das schafft er durch ausführliche Recherchen und ganz viel Liebe zum Detail. So wirken seine Figuren wie echte Menschen statt wie Personen aus dem Geschichtsbuch.“

Helena Bonham Carter war Hoopers erste Wahl für die Rolle der späteren Königinmutter Elizabeth, doch sie war gerade mit den letzten beiden HARRY-POTTER-Filme beschäftigt und stand deswegen eigentlich nicht zur Verfügung. „Ich habe sie hartnäckig verfolgt“, berichtet der Regisseur. „Es war wirklich unglaublich, was mir alles in die Quere kam und ihre Besetzung beinahe unmöglich machte. Wir mussten den kompletten Drehplan umstellen und auch am Wochenende arbeiten, um es doch hinzukriegen. Aber wir taten alles in unserer Macht stehende, und ich freue mich wahnsinnig, dass es geklappt hat, denn sie ist in der Rolle einfach brillant. Man muss sich nur Aufnahmen der echten Queen Mum ansehen, um zu verstehen, wie präzise sie deren Geist einfängt. Helena ist fantastisch, wunderbar witzig und verschmitzt.“

Nicht zuletzt in Elizabeths Beziehung zum von Timothy Spall gespielten Winston Churchill kommen ihr Scharfsinn und ihre Charakterstärke zum Tragen. „Letztlich sind sie zwei politische Persönlichkeiten, die sich ein Duell des Verstandes liefern“, vertieft Bonham Carter diesen Aspekt. „Sie wusste alles über die Macht und war stets im Bilde darüber, was die Menschen um sie herum umtrieb. Churchill gegenüber war sie damals noch misstrauisch und dabei enorm gewitzt und schlagfertig. Im Grunde ist sie die archetypische Frau hinter einem großen Mann, doch die Rolle war enorm clever geschrieben und ihre hintergründige Intelligenz machte sie für mich interessant. Parallel drehte ich mal wieder einen HARRY-POTTER-Film, in dem ich als Hexe die ganze Zeit schreien und durchs Bild toben musste, deswegen war es eine große Freude, gleichzeitig auch das komplett andere Ende des Spektrums abzudecken.“

Auch die Dualität der Figur reizte Bonham Carter: „Es ist immer eine knifflige Angelegenheit, wenn man eine historische Persönlichkeit spielt, denn man trägt eine ganz andere Verantwortung und muss respektvoll und höflich sein. Elizabeth wirkte nach außen sehr süß, beinahe sanft, doch darunter steckte auch noch eine ganz andere Persönlichkeit. Wer in der Öffentlichkeit steht, muss immer eine gewisse Fassade errichten, um sich selbst zu schützen. Das war ein Aspekt, der mich sehr interessierte. Cecil Beaton beschrieb die Königinmutter mal als Marshmallow. Allerdings als eines, das mit einem Schweißgerät geformt wurde!“
Bonham Carter und Firth genossen ihre Zusammenarbeit, wobei ihre unterschiedlichen Herangehensweisen nie so sehr aufeinander prallten wie an jenem Tag, als sie zusammen im Fahrstuhl stecken blieben. „Ich kann niemandem empfehlen, mit Colin im Lift steckenzubleiben“, lacht Bonham Carter. „Ich wusste, dass er klaustrophobisch ist und konnte mit ihm mitfühlen.

Zumal es sich um einen wirklich kleinen Fahrstuhl handelte. Aber gleichzeitig dachte ich mir auch, wie praktisch diese Erfahrung doch sei, weil es beinahe war, als stünde ich dort mit Bertie, also einem leidenden, emotional verletzlichen Mann, den man beschützen musste.“

„Helena soll ja eigentlich jemanden spielen, der mir eine Stütze ist, doch leider schien ihr das sehr schwer zu fallen“, erwidert Firth genauso unernst. „Wann immer ich zu stottern anfing, konnte ich aus dem Augenwinkel sehen, wie sie gelangweilt auf ihre Uhr schaute oder gähnte. Immerhin sah sie wenigstens dann hilfreich und ermutigend aus, wenn die Kamera auf sie gerichtet war. Aber wenn es darum geht, mit jemandem in einem engen Fahrstuhl stecken zu bleiben, kann ich sie nur empfehlen. Sie ist amüsant, attraktiv – und nimmt definitiv nicht viel Platz weg.“

Geoffrey Rush war, wie bereits erwähnt, von Beginn des Projekts mit an Bord. „Letztlich ist er der Grund, warum es den Film überhaupt gibt, denn er hat ihn von Anfang an in jeder Hinsicht unterstützt“, berichtet Hooper. „Die Rolle ist perfekt für ihn, er ist wirklich die Idealbesetzung. Er hat sich immer mit viel Engagement für diese Geschichte eingesetzt und vieles, was letztlich im Film gelandet ist, stammt sogar aus seiner Feder. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal mit einem Schauspieler von solcher Ausdauer und beharrlichem Enthusiasmus gedreht zu haben.“

Firth lobt seinen Kollegen ebenfalls in den höchsten Tönen: „Er ist nicht zuletzt deswegen fantastisch, weil er alles Offensichtliche vermeidet. Für ihn sollte dies auf keinen Fall bloß die Geschichte eines steifen adligen Engländers und eines groben Australiers ohne Benehmen sein. Man hätte so etwas ohne Weiteres aus dem Stoff machen können, eine Art ‚Crocodile Dundee und der Duke of York’, doch daran hatte Geoffrey nicht das geringste Interesse. Er stattete Lionel mit viel mehr Tiefe aus, machte ihn verletzlich und komplex. Bei ihm wurde ein sehr liebenwerter Mann daraus, dem viel daran liegt, den Menschen in seiner Obhut zu helfen. Sein Lionel ist mit Leib und Seele bei der Sache und schließt Bertie wirklich in sein Herz. Wie in allen bedeutsamen Beziehungen geht es auch bei ihnen nicht reibungslos zu: Sie geraten in Konflikte miteinander, missverstehen und streiten sich, doch dann finden sie auch wieder zueinander. Geoffrey war dabei stets ein derart harter und gründlicher Arbeiter, dass ich gar nicht anders konnte als mich anstecken zu lassen.“

Auch jenseits der Hauptdarsteller versammelten Hooper und die Produzenten ein beeindruckendes Ensemble vor der Kamera, was vor allem der Regisseur genoss: „Es war besonders aufregend, mit einem Star der Chaplin-Filme, nämlich seiner Muse Claire Bloom zu arbeiten. Doch nicht nur das. Dass außerdem auch Michael Gambon, Derek Jacobi, Guy Pearce, Jennifer Ehle, Timothy Spall oder Anthony Andrews mit von der Partie waren, war genauso großartig. Ich bin selbst noch ganz begeistert, was für eine starke Besetzung ich für den Film gewinnen konnte. Für mich als Schauspieler-Regisseur gibt es nichts Schöneres!“

Sein Cast kann die Begeisterung nur zurückgeben. Rush etwa schätzte an Hooper nicht zuletzt dessen erfrischenden Blick auf die Dinge: „Er hat eine wunderbare neue Herangehensweise an diesen historischen Stoff, durch die wir nie auch nur in die Nähe der üblichen Fallen und Klischees kamen, in die man sonst bei solchen biografischen Geschichten tappen kann. Statt zu glorifizieren, will er diese sehr berühmten und sehr öffentlichen Menschen viel lieber als fehlerhaft und menschlich zeigen. Er wollte ein wirkliches Gefühl davon vermitteln, was diese Art von Ruhm und Führungsverantwortung damals bedeutete.“

Firth ergänzt: „Tom entscheidet sich nie für die einfache Lösung, deswegen ist das Ergebnis auf der Leinwand so komplex und frei von Klischees. Als Regisseur ist er enorm intelligent und einfallsreich, immer darum bemüht, jeder Schwierigkeit der Geschichte auf den Grund zu gehen. Er hört nie auf, nach immer noch interessanteren oder überraschenderen Aspekten und Details zu suchen und gleichzeitig zu überprüfen, ob irgendetwas Anderes überflüssig oder zu naheliegend ist. Dabei ist er alles Andere als schulmeisterlich. Er hat zwar eine starke Meinung und kann manchmal auch etwas dickköpfig sein, aber es geht ihm immer um die Zusammenarbeit. Ideen seiner Schauspieler weiß er jederzeit zu schätzen. Es ist sehr anregend, wenn man so sehr eingebunden wird, denn dadurch ist man mit vollem Herzen bei der Sache und ganz nah dran am Geschehen. Zumal man weiß, dass Tom keine Ruhe geben wird, bis die Sache so authentisch und interessant wie möglich ist.“

Insgesamt wurde THE KING’S SPEECH sieben Wochen lang in und um London gedreht. So nah an zu Hause arbeiten zu können, war für Hooper ein Genuss: „Es ist sieben Jahre her, dass ich hier gedreht habe. Ich habe London in Litauen, im US-Bundesstatt Virginia und in Budapest entstehen lassen, deswegen war es nun eine besondere Freude, dass endlich einmal London selbst als Kulisse für London dienen konnte.“

Beinahe alle Aufnahmen entstanden an echten Schauplätzen, mit der einzigen Ausnahme von Logues Wohnung, die in den Elstreet Studios gebaut wurde. „Dies ist wirklich ein echter London-Film“, freut sich Hooper. „Wir drehten in Lancaster House, Portland Place, Drapers Hall, der wunderbaren Guildhall und sogar im Green Park, gegenüber vom Buckingham Palace. Ich bin in London aufgewachsen und später jahrelang durch den Regents Park gelaufen, immer mit dem Gedanken im Kopf, wie ich dort wohl drehen würde. Das jetzt tatsächlich umsetzen zu können, war unglaublich.“

Für Rush ist die Stadt mit all ihren Eigenheiten sogar ein weiterer Hauptdarsteller des Films: „Ein Großteil der Geschichte spielt in geschlossenen Räumen, sehr vieles im Winter. Bei all dem ging es Tom aber immer um Authentizität. Besonders fasziniert war er, als er von den so genannten Waschküchen-Nebeln hörte. Sein 90 Jahre alter Nachbar erzählte ihm, dass der Nebel in den 1930er Jahren manchmal so dick sein konnte, dass Taxi-Passagiere aussteigen und vor dem Auto herlaufen mussten, weil der Fahrer keine zwei Meter weit sehen konnte. Genau diese trübsinnige Atmosphäre wollte er in den Außenaufnahmen des Films heraufbeschwören, quasi als Metapher für den Schwermut in Berties Leben.“

Gleichzeitig aber bestand der Regisseur zu jeder Zeit darauf, dass der Film auf keinen Fall trocken geraten dürfe, sondern durchzog ihn im Gegenteil mit jeder Menge Humor: „In der Tat ist der Film sehr witzig. Das Thema mag ernst sein, aber trotzdem erzählt es sich am besten humorvoll. Dass der Film derart amüsant ist, schließt allerdings nicht aus, dass er auch kraftvoll und bewegend ist. Im Gegenteil: Man rührt den Zuschauer am leichtesten, wenn wann ihn zunächst zum Lachen bringt. Dann entspannt er sich und öffnet so sein Herz für die Geschichte.“