Transit Film
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Länge: 80 Min | Kinostart: 30.09.2010
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Die Story:Als im Mai 1968, in Westberlin die Studentenproteste toben, ist mein 21-jähriger Bruder Reinhard mittendrin. Er bekennt sich offen zum Sozialismus, auch aus Protest gegen den konservativen Vater, einem evangelischen Pfarrer. Reinhard beschließt, einen radikalen Schnitt zu machen und in die DDR überzusiedeln. Ein absoluter Eklat. Der Kontakt bricht ab. Acht Monate später, im Januar 1969, ist Reinhard tot. Sein Ausstieg aus dem Leben gibt neue Rätsel auf. Was hat ihn angetrieben, in die DDR zu gehen, und was ist ihm dort widerfahren? Knapp vier Jahrzehnte später begebe ich mich auf Spurensuche nach den möglichen Stationen seines kurzen Lebens in der DDR. Dabei begegne ich Menschen, die wie er gegen den Strom von West nach Ost gegangen sind. Da ist die Berliner Jüdin Salomea G., die im Exil in die KP eintritt und als IM für das andere System arbeitet. Und ich treffe Henriette S., die als Kind mit ihrer Mutter in die DDR kommt und 1974 mit ihrer Tochter in den Westen flüchtet. Später wird sie von der Stasi inhaftiert. Ausgehend von meiner Familiengeschichte und 20 Jahre nach dem Ende der DDR, stellt TRANSIT die Frage nach den Gründen für diese Entscheidungen und der Anziehungskraft des anderen Teils Deutschlands.
Hintergrund:Berlin, in den 60ern: Bilder in Schwarz-Weiß, blasse Agfa-Farben. Die Stadt im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftswunder-Aufschwung und Depression. Die Menschen im Westteil der Stadt leben in einem unwirklichen, politisch subventionierten Konstrukt. Die Berlinale bringt die große Welt in den grauen, arbeitsamen Alltag. Kurze Zeit vor dem Mauerbau sind Ingmar Bergman, François Truffaut und Jean-Luc Godard zu Gast in der Stadt. Mit der Errichtung der Mauer am 13. August bekommt West-Berlin ein schroffes, unwirtliches, aber zugleich auch unwiderstehliches Gesicht: Die kapitalistische Insel in der sturmgepeitschten sozialistischen See ist ein Faszinosum für Künstler, Wehrdienstverweigerer und Andersdenkende. Mit der zunehmenden Konsolidierung und durch die Wirtschaftsreform im Jahre 1963 wird die Deutsche Demokratische Republik in ihren sozialen und politischen Strukturen gestärkt. West-Berlin und die BRD werden Mitte der 1960er von den ersten Auswirkungen der Rockmusik und der Studentenbewegung erfasst, die Vereinigten Staaten von Amerika ziehen in den Vietnamkrieg, der 1965 die größte Anti-Kriegs- Bewegung mit unzähligen Demonstrationen und Teach-ins in ganz Nordamerika ausgelöst hat. in Bonn regiert eine große Koalition, der Sechstagekrieg findet statt, Truppen des Warschauer Pakts marschieren in Prag ein, der erste Mensch landet auf dem Mond, Woodstock...
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Die Regisseurin Angela Zumpe über den Film:
In meiner Erinnerung als West-Berlinerin war der TRANSIT verbunden mit Durchreisen durch die Deutsche Demokratische Republik, Schikanen bei der
Aus- und Einreise von und nach West-Berlin, Schlaglöchern auf der Autobahn, war verknüpft mit der Angst, sich auf der Durchreise zu verfahren und
von den Vopos angehalten zu werden. Es existierte immer ein Gefühl von Unsicherheit und Misstrauen diesem fremden Staat gegenüber.
Es war auch der Tanz auf dem Vulkan: Das damalige West-Berlin als Ansammlung von Aussteigern und Künstlern, Magnet für Maler, Filmemacher,
Performancekünstler aus vielen Ländern. So entstanden für mich Kontakte, die durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) förderlich
unterstützt wurden. Es herrschte Aufbruchstimmung bis weit in die 1980er Jahre hinein. Der besondere Status der Mauerstadt erzeugte aber
auch heftige Ablehnung bei den Westdeutschen, die die künstliche Beatmung der Stadt durch Subventionen und Sonderzuwendungen des Bundes
verurteilten. Die Berlin-Zulage nahm ich auf der Lohnabrechnung während meiner Arbeit beim Fernsehen nur beiläufig wahr. Das war nur eine der
Selbstverständlichkeiten, mit denen ich im damaligen West-Berlin gross wurde.
Später dann die ersten eigenständigen Reisen mit Passierschein in den Ostteil der Stadt. Ausstellungen von Malern der damaligen DDR-Szene,
Was bei mir eher oberflächlich haften geblieben ist und sich in flüchtigen Bildern manifestiert hat, habe ich bei meinen Protagonisten auf ganz
andere, substanzielle Art und Weise wiederentdeckt. Beispielsweise die Begeisterung von S. G. für die Weltjugendfestspiele (1951) 1973 in Ost-Berlin.
Die Schwärmerei für die sozialistische Idee, die sich ihrer Meinung nach damals in der DDR massenwirksam manifestierte.
Wichtig war mir beim Zuschauer eine Fährte (auch visuell) zu legen, so dass er sich in die damalige Zeit hinein versetzten kann, ein Gefühl für die
Grenzgänger entwickeln kann. Meine eigenen Eindrücke von damals habe ich mit den heutigen Erinnerungen der Protagonisten verknüpft, die sehr
verschiedenartige Lebensgeschichten vorweisen können. Die Recherche, die ich anhand von schriftlichen Dokumenten, Archivmaterial und Interviews,
aber auch eigenen Film- Videoaufnahmen begonnen hatte, führte mich an die sensible Nahtstelle der beiden Deutschen Staaten zur Zeit des
kalten Krieges. Es ist auch eine Reise in einen immer noch wenig ausgeleuchten Teil der deutsch-deutschen Geschichte.

