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Plein Sud - Auf Dem Weg Nach Süden Film Trailer

FSK Film: 16 | Länge: 87 Min | Kinostart: 16.12.2010
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Schauspieler:Yannick Rénier, Léa Seydoux, Théo Frilet, Pierre Perrier, Nicole Garcia, Gerard Watkins, Samuel Vittoz, Micheline Presle, Marie Matheron, Ludo Harley, Roman Scheiner, Quentin Gonzalez, Anne Duverneuil, Luis Hostalot

Die Story:Von Anfang an liegt bei dieser Reisegruppe Spannung in der Luft. Das Geschwisterpaar Léa und Mathieu ist auf der Flucht und hält Léas Schwangerschaft geheim. Beide flirten mit dem Fremden, der sie in seinem Auto mitnimmt: Sam, der nichts über sich erzählt, eine Pistole in einer Plastiktüte mit sich herumträgt und auf dem Weg nach Süden ist. Als Léa in einer Shopping Mall den jungen Macho Jeremie aufgabelt und ihn auch noch in Sams Ford Mustang verfrachtet, nimmt die Konstellation Züge einer Teenie-Soap an: Jeremie will Léa, Léa will Sam, Mathieu will Sam auch – nur Sam will niemanden. In Rückblenden wird fragmentarisch nach und nach Sams Geschichte erzählt. Als Kind hat er mit ansehen müssen, wie sich der geliebte Vater im Streit mit der Mutter das Leben nahm. Wie seine Mutter mehr und mehr in den Wahnsinn abdriftete, Sam und seinen Bruder Alex bedrohte, sich schließlich in psychologische Behandlung begeben und ihre Kinder zur Adoption freigeben musste. Nach über zwanzig Jahren ist sie wieder da, führt in Spanien ein neues Leben und will ihren ältesten Sohn sehen, der sich von diesem Familientrauma noch nicht befreit hat. Sam nimmt die Waffe seines Vaters und macht sich auf den Weg, nach Süden. Der schweigsame Einzelgänger lässt sich schließlich doch von der lauten Gruppe flirtender Teenies ablenken. Nach einer unbeschwerten Nacht mir Mathieu vermag er sich sogar einem Menschen zu öffnen und ihm seine Geschichte zu erzählen. Zuende bringen muss er sie aber doch allein – und die Begegnung mit der Mutter verläuft schließlich anders als erwartet.

Hintergrund:Sébastien Lifshitzs dritter Kinospielfilm nach SOMMER WIE WINTER... (PRESQUE RIEN 2000) und WILD SIDE (2004), ist ein Roadmovie im klassischen Sinn. Es spielt mit Elementen des US-amerikanischen Western- Genres (vor allem dem ‚Lonesome Cowboy’ nach Vorbild der Rolle von Clint Eastwood in THE OUTLAW JOSEY WALES) und vermeidet es, den Handlungen seiner Figuren eine sozialrealistische Dimension zu geben. Das Durchfahren der Landschaft, die in Bewegung gebrachten Konstellationen ersetzen die Psychologie, die Auseinandersetzung mit den Lebensverhältnissen der einzelnen Figuren. In den Hauptrollen präsentiert der Film vier Shooting Stars des französischen Kinos: Yannick Renier (NUE PROPRIETE), Léa Seydoux (Lourdes), Théo Frilet und Pierre Perrier. In prominenten Nebenrollen sind Nicole Garcia und Micheline Presle zu sehen. Wie üblich schrieb Lifshitz das Drehbuch gemeinsam mit Stéphane Bouquet und vertraute den Schnitt Stéphanie Mahet an.




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Interview mit Sebastien Lifshitz zum Film

Diese linear erzählte Reise in den Süden, die immer wieder gewaltsam unterbrochen wird durch Erinnerungen in Form von Rückblenden - war diese Struktur schon in Ihrem Drehbuch angelegt?
Der Film hält sich da ziemlich genau an das Drehbuch, das aus zwölf Kapiteln bestand, bezogen auf die zwölf „Stationen“, an denen Sam hält. Die Geschichte führt uns von der Normandie aus (wo Sam lebt) nach Spanien, und jedes Kapitel beginnt mit einer oder mehreren kurzen Erinnerungen, bevor die Geschichte in der Roadmovie- Form weitergeht.

Aber anders als in den meisten Roadmovies haben fast alle Begegnungen schon stattgefunden, bevor der Film beginnt...
Ja, die Gruppe hat sich bereits gefunden. Mit Ausnahme der kurzen Szene mit Jeremie geht es in diesem Film nicht darum, die Figuren zusammenzuführen. Und bei Jeremie ist ja von der ersten Einstellung an klar, dass er zur Gruppe gehören wird, die Frage ist ja nur, wie Léa ihn dazu verführt, mitzukommen.

Das Ziel der Reise bleibt ja lange Zeit im Dunkeln. Es enthüllt sich nur bruchstückhaft.
Der Film spielt mit den Codes des Westerns. Er ist um eine verschlossene, verhärtete Hauptfigur herum gebaut, die nicht spricht und auf einem Rachefeldzug ist. Ob diese Mission gut für ihn ist, weiß man nicht - je weiter er kommt, desto mehr wird er von Erinnerungen heimgesucht. Sie überfallen ihn und drängen ihn in eine Ecke. Uns wiederum erzählen sie, wo er herkommt und was sein Ziel ist. Ähnlich einem Western-Helden ist Sam ein Einzelgänger und Heimatloser, dessen Leben ihn gebrochen hat. Die Art von Mann, dessen Gesicht zur Maske geworden ist, kalt und teilnahmslos, dessen Schönheit aber alle Menschen anzieht, die ihm begegnen, Männer wie Frauen. Als ich Yannick Renier traf, fiel mir seine Ähnlichkeit mit dem jungen Clint Eastwood auf, mit seinem angespannten Körper und den stechenden Augen. Ich mochte die Idee, einen Gegensatz zu inszenieren zwischen dem erwachsenen Sam, einer emotionslosen Figur, und seinen Kindheitserinnerungen, die ihn verletzlich zeigen und die uns rühren. Ich entwickelte seinen Charakter aus zwei verschiedenen Zeiten, die nicht zusammenpassen - wie eine Collage. Er verkörpert die Gegenwart in einer gewalttätigen Weise, während er als Kind und Jugendlicher wie durchsichtig wirkt, zerbrechlich, ein Opfer.

Dass er ein amerikanisches Auto fährt - verweist das auch auf den Western?
Ja, das ist das Pferd. Ein klarer Bezug zur amerikanischen Ästhetik. Der Film ist alles andere als in der sozialen Wirklichkeit verankert. Die äußere Welt, alle Fragen, die mit Geld zu tun haben - wie sie leben, von was sie leben - werden gar nicht gestellt. Trotzdem ist eine Figur wie Sam glaubwürdig, jemand ohne Geld, der eine Klapperkiste fährt, das gibt es im Norden, dort fahren Menschen noch solche Autos. Auch sind diese alten Wagen im Innern oft dunkel verkleidet und lassen die Haut der Fahrer hell und bleich erscheinen. Das entwickelt sich alles aus dem Filmischen. Natürlich haben wir eine französische Geschichte, französische Charaktere und französische Landschaften, aber wir sehen sie in Cinemascope und ich arbeite die Schönheiten von Gesichtern, Körpern, eines alten Fords, eines Revolvers heraus, verwende - fast auf naive Art und Weise - die Codes des USamerikanischen Kinos. Ich wollte eine hybride Form, eine unwahrscheinliche Begegnung von französischer Erzählung und einer tradierten amerikanischen Ästhetik. Das französische Kino bevorzugt ja meistens das Reden über etwas, einen Text, der von Schauspielern transportiert wird. Diese sind im Wesentlichen Sprechende, keine Körper. Mich interessierte das Gegenteil - die Präsenz von Körpern und Gesichtern, ich habe sie erotisiert, um die Formen der Sehnsucht zu erörtern, auch meiner eigenen Sehnsucht ihnen gegenüber.

Die Welt ist aus dieser Geschichte vertrieben, wie auch die Gruppe keine Gemeinschaft ist, sondern nur ein paar Einzelgänger, die zusammen unterwegs sind - ein Auto voller frustrierter Sehnsüchte.
Die Gruppe gibt es, um die Hauptfigur mit dem zu konfrontieren, was sie nicht ist. Diese jungen Menschen haben eine Freiheit, eine anmaßende Offenheit, eine Lebenslust, die Sam verloren hat. Sam ist ein Gefangener seiner eigenen Geschichte. Er lebt wie ein Einsiedler in der Vergangenheit, unfähig, sich anderen gegenüber zu öffnen. Am Ende bringt ihn dieses Trio - diese Tramper, die er niemals hätte mitnehmen dürfen - dazu, seine laufende Selbstzerstörung abzuwenden.

Sam lässt sie ja sehr unsanft fallen. Es darf keine Alternativen geben zur Umsetzung seines Plans geben...
Ja, das ist eine Opferszene. Er schlägt die Möglichkeit des Glücks aus, den Ausstieg aus dem Todesdrift, wie in der kurzen paradiesischen Strandszene, in der Mathieu ihn zurück ins Leben, zur Liebe bringen will, um die Mission weiterzuführen, die ihn abwärts treibt. Als er die jungen Menschen trifft, lebt er eigentlich gar nicht. Er ist unfähig zu leben.

Nach welchen Kriterien ist diese Gruppe zusammengestellt?
Der Körper jeder Figur sollte auf Anhieb zum Ausdruck bringen, wen oder was sie darstellt - eine Art offensichtlicher Verkörperung. Yannick Renier ist ein sehr charismatischer Typ, seine Physis vermittelt Schönheit und Brutalität gleichermaßen, das war ideal für die Rolle. Léa Seydoux hat wie ihre Figur eine Nervosität und Anspannung, wie eine Lolita, was wir mit den Kostümen und ihren Schauspielstil unterstrichen haben. Théo Frilet evoziert mit seinem Engelsgesicht Saint-Exupérys « Kleinen Prinzen », er verkörpert auf Anhieb den romantischen Aspekt seiner Figur. Pierre Perrier ist der geerdete Typ, gut gebaut, der Surfer-Typ. Sie alle repräsentieren Klischees der heutigen Jugend. Aber nach und nach werden sie in den Film zu Individuen, enthüllen tieferliegende Schichten der Persönlichkeit ihrer Figuren. In meinem vorhergehenden Film WILD SIDE war das genauso. Zunächst erschienen die Hauptfiguren wie drei archetypische Außenseiter - eine transsexuelle Prostituierte, ein illegaler russischer Immigrant, ein nordafrikanischer Junkie -, um im Verlauf des Films zu vielschichtigen Persönlichkeiten zu werden: drei Porträtstudien, von sozialen Referenzen losgelöst.

Viele Themen dieses Films scheinen immer wiederkehrende Obsessionen von Ihnen zu sein...
Ja sicher, ich hänge daran, sie lassen mich nicht los. Zum Beispiel die Vergangenheit, die in die Gegenwart eindringt, oder das Thema der zerstörten Familie. Neu war für mich allerdings, dass ich mich von den Rändern der Gesellschaft wegbewegt habe, die mich in OFFENE HERZEN und WILD SIDE so beschäftigt hatten. Diese Gruppe ist viel ‚normaler’, man könnte auch sagen banaler. Auch hier dreht sich alles um die Frage, wie man Dinge vergessen bzw. überwinden und sich befreien kann - das betrifft ja jeden von uns. Auch wenn gerade dieser Punkt in meiner morbiden und gewalttätigen Hauptfigur zugespitzt ist, so stellt sich das Problem dieses Mal nicht wie in meinen früheren Filmen vor der Folie einer gesellschaftlichen Stigmatisierung.