Das Labyrinth Der Wörter Film Trailer
Länge: 82 Min | Kinostart: 06.01.2011 | Release: 27.05.2011 (DVD)
© Concorde | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? |
|
Trailer kaputt?
TRAILER-TIPPS
Links & Infos
Schauspieler:Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, Maurane, Patrick Bouchitey, Jean-François Stévenin, François-Xavier Demaison, Claire Maurier, Sophie Guillemin
Die Story:Eine Kleinstadt irgendwo in der französischen Provinz. Hier ist Germain geboren und aufgewachsen. Er geht verschiedenen Jobs nach und kultiviert mit Hingabe seinen Garten. Die Erträge verkauft er auf dem Wochenmarkt. Regelmäßig trifft sich Germain mit seiner jüngeren Freundin Annette, einer Busfahrerin, und er kümmert sich um seine Mutter, eine laute, streitsüchtige alte Frau, obwohl die es ihm zeitlebens nicht einfach gemacht hat. Germain ist zufrieden mit seinem bescheidenen Leben – er kennt nichts anderes. Die Arbeit, die Gespräche und Dart-Spiele mit den Kumpels im Bistro, der Garten, Holzschnitzereien zur Entspannung. Bis er eines Tages im Park Margueritte trifft, mit Doppel T, wie sie betont. Gemeinsam betrachten sie die Tauben, denen Germain Namen gegeben hat. Eine heißt wie sie, Margueritte. Eine zierliche, elegante, überaus gebildete alte Dame, neben der Germain in seinen karierten Hemden und Arbeitshosen wie ein ungehobelter, aber gutmütiger Elefant wirkt. Sie kommen ins Gespräch, und schließlich liest sie ihrem neuen Bekannten eine Passage aus Albert Camus Die Pest vor. Schlafen Sie?, fragt Margueritte irritiert. Doch Germain hat nur die Augen geschlossen, um dem Text intensiver lauschen zu können. Vor seinem inneren Auge läuft ein Film ab zu den Worten, die er hört. Ob er gerne lese, will Margueritte wissen, die das tiefe Interesse ihres Zuhörers spürt. Oh nein, antwortet Germain, er besitze keine Bücher. Tatsächlich ist er fast Analphabet geblieben, den bis zum heutigen Tag die Erinnerung an die Schule und den Lehrer schmerzt, der ihn regelmäßig vor versammelter Klasse lächerlich machte. Sie sind ein guter Leser, sagt ihm Margueritte. Lesen ist auch zuhören. Ganze Bücher liest die alte Dame dem jungen Mann, wie sie ihn nennt, bei ihren regelmäßigen Treffen auf der Parkbank vor. Bücher, die Germain eine neue Welt eröffnen, die er begierig in sich aufnimmt. Das macht sein Leben allerdings erheblich komplizierter. Die Kumpels im Bistro reagieren aggressiv, denn ihr Germain verändert sich. Er gebraucht Wörter, die sie nicht verstehen, hat neue Interessen und verbringt immer weniger Zeit mit ihnen. Dabei ist Germain so etwas wie die gute Seele der Kneipe, er schlichtet Streit, tröstet die Wirtin, als sie von ihrem jüngeren Mann verlassen wird, und kümmert sich um seinen Freund Landremont, als der mal wieder einen moralischen Durchhänger hat. Er besucht Margueritte in ihrem Zimmer im Altersheim und beschwert sich bei ihr: Sein Leben sei einfacher gewesen, bevor sie sich kannten. Bücher seien nun einmal nichts für Leute wie ihn, an denen die Versprechungen des Lebens vorbeigegangen seien. Es sei zu schmerzhaft, sagt er seiner alten Freundin, durch sie immer wieder daran erinnert zu werden, was das Schicksal ihm vorenthalten habe. Er gibt ihr das Geschenk zurück, das sie ihm gemacht hat: ein Wörterbuch, Le petit Robert, DAS Nachschlagewerk der französischen Sprache. Doch kaum hat sie angefangen, aus einem neuen Buch vorzulesen - bezeichnenderweise Luis Sepúlvedas Der Alte, der Liebesromane las - ist er wieder fasziniert und gefangen in dieser neuen Welt, die sich ihm erschließt. Margueritte, die seine Verzweiflung spürt, fragt behutsam nach seiner Vergangenheit, der Beziehung zu seiner Mutter. Schmerzhaft steigen die Bilder in Germain hoch: einen Vater gab es nicht, die Mutter betrachtete ihn als den Unfall einer Feier zum 14. Juli und behandelte ihn als unerwünschtes, lästiges Anhängsel. Aber er erinnert sich auch daran, dass die Mutter ihn einmal verteidigte, als einer ihrer Liebhaber ihn schlug, und den Mann mit der Mistgabel davonjagte. Auch für Margueritte ist das Leben, seit die beiden sich kennen, nicht einfacher geworden. Mit zunehmendem Alter verliert sie ihr Augenlicht und sie kündigt Germain an, dass sie ihm nicht mehr lange wird vorlesen können. Um ihr das Gehen zu erleichtern, schnitzt Germain ihr einen Stock. Vor allem aber übt er, von seiner Freundin ermutigt, laut und flüssig zu lesen. Schließlich nimmt er all seinen Mut zusammen, leiht aus der Bibliothek ein Buch aus und überrascht Margueritte bei einem ihrer Treffen auf der Parkbank damit, dass er ihr laut vorliest. Als seine Mutter überraschend stirbt, erbt Germain ihr Haus. Bisher hatte er in einem alten Campingwagen auf dem Grundstück logiert. Seine Mutter hat ihm ein Foto hinterlassen, auf dem sie als junge Frau mit seinem Vater zu sehen ist. Und wie im Leben manchmal einschneidende Erlebnisse unmittelbar aufeinander folgen, eröffnet ihm seine Freundin, dass sie schwanger sei. Germain ist glücklich. Und will sofort Margueritte davon erzählen. Doch die ist von ihrer an der belgischen Grenze lebenden Familie abgeholt worden. Sie hat dem bestürzten Germain ein Geschenk dagelassen: Le petit Robert, das Wörterbuch... Nun sitzt Germain allein auf seiner Bank und betrachtet die Tauben. Da kommt ihm eine Idee ... Mit dem Lieferwagen des Bistros macht er sich auf den Weg zu Marguerittes Familie. Doch der Neffe hat die Tante schon in ein schäbiges, billigeres Altersheim abgeschoben. Welche Freude, als Margueritte und Germain sich dann letzten Endes wiederfinden, er sie kurzerhand im Rollstuhl entführt und mit nach Hause nimmt. Endlich hat er ein Zuhause gefunden - und eine Familie.
- Pans Labyrinth Film Kino Trailer
User, die diesen Trailer sahen, besuchten auch diese Seiten:
Eure Meinung zu "Das Labyrinth Der Wörter"
Kommentar zu "Das Labyrinth Der Wörter" ohne einloggen abgeben:
Eure Kommentare zu "Das Labyrinth Der Wörter":
Patrick Erinnert mich ein wenig an Forest Gump! Aber der Trailer macht wirklich Lust auf mehr! gerard ist ein wirklich toller Schauspieler!
Interview mit Gérard Depardieu
Jean Becker war bereits bei ELISA Ihr Regisseur, Mitte der 90er Jahre. Aber wie lange kennen Sie beide sich schon?
Ich habe das Gefühl, wir kennen uns schon immer. Denn durch seine Herkunft ist Jean Teil einer Cineasten-Familie, deren Mitglieder mehr oder weniger alle für mich wie Väter sind: Seien es Schauspieler wie Gabin, Blier, Paul Meurisse, Pierre Brasseur oder Michel Simon, oder Autoren wie Michel Audiard mit seinem unvergleichlichen Gespür für Dialoge, für die französische Sprache generell – das ist etwas, das mehr und mehr verloren geht. Es ist kein Zufall, dass Jean, neben Claude Chabrol, einer der wenigen Filmemacher ist, der diesen Geist aufrecht erhält und zum Leben erweckt. Er repräsentiert diesen Typ des populären Kinos, das langsam verschwindet. Man muss nur seine Filme anschauen: Was ihn interessiert, sind die kleinen Details. Wie in DAS LABYRINTH DER WÖRTER das Zusammentreffen zwischen dieser alten Dame, wunderbar gespielt von Gisèle Casadesus, und meiner Figur – scheinbar, ich sage bewusst scheinbar – dem Einfaltspinsel des Ortes.
Hat sich Jean Becker sehr verändert seit ELISA?
Nein, außer dass er noch anspruchsvoller geworden ist. Weil er sich selbst misstraut. Jean ist davon besessen, Emotionen einzufangen. Er will, dass man die Wahrheit in seinen Filmen spürt. Kein Eskapismus! Die wahren Künstler sind die, deren Kunst sich nicht durch Worte ausdrückt.
Wie sind Sie bei DAS LABYRINTH DER WÖRTER ins Boot gekommen?
Bertrand de Labbey hat mir das Buch von Marie-Sabine Roger zu lesen gegeben. Gleich als ich es ausgelesen hatte, habe ich ihn angerufen um ihm zu sagen, dass Jean es wirklich versteht, großartige Bücher auszuwählen. Denn was braucht es sonst im Kino, wenn nicht eine schöne Geschichte wie diese? Ich hasse Effekte – die in Filmen immer mehr zum Einsatz kommen. Jean verweigert sich diesem Trend. Und der Roman, den er sich zur Adaption ausgesucht hat, ist einfach umwerfend, im wahrsten Sinne des Wortes. Also, um Germain Chazes zu spielen, muss man sich nur treiben lassen ...
Was sehen Sie in diesem Germain Chazes?
Er sieht nicht das Schlechte in den Dingen. Er hat seine Komplexe, aber man kann ihn nur schwer wütend machen. Er ist von einer ungewöhnlich positiven Grundstimmung, das ist das Schöne an ihm. Aber deshalb ist er noch lange kein Dummkopf. Dieser Germain, das hätte ich sein können. Jedenfalls ist er so, wie ich war, als ich jung war, in Châteauroux, bevor ich losgezogen bin, mit 13 Jahren. Wie er habe ich alles beobachtet, habe gesehen, was passiert ist. Es ist also jemand, den ich sehr gut kenne. Er hat viel Humor und viel Liebe in sich. Schaut man sich zum Beispiel die Beziehung zu seiner Mutter an. Auch wenn er von ihr keine Liebe bekommen hat, hat er sie nie verdammt. Und dann wird er von diesem jungen Mädchen geliebt, gespielt von Sophie Guillemin. Wenn man sie zusammen sieht, scheint der Altersunterschied gar nicht zu existieren, weil er so rein ist. Und im Gegensatz zu dem, was viele denken, ist Germain eine echte Figur unserer Zeit. Für mich repräsentiert er das, was erhalten bleibt, wenn man dem entkommt, was die Gesellschaft für uns vorsieht: Schulen, die unsere Kinder normieren und naturgemäß dabei ihre Träume zerstören. Germain ist ein Außenseiter, aber er glaubt an bestimmte Werte und liebt das Leben, auch wenn er von ihm herumgestoßen wurde.
Wenn Sie ihn so gut kennen, war es für Sie einfach, Germain Chazes zu werden?
Ja, wie ich sagte, es reichte, sich mitnehmen zu lassen von den Situationen und dem Text. Wenn ich spiele, versuche ich immer, so nah wie möglich an dem zu sein, was die Zuschauer sehen oder sehen könnten. Ich weiß nicht, was man sonst noch zu der gegebenen Situation beitragen könnte und zu den Worten, die zu sprechen sind. Vor allem sollte man nichts einstudieren. Einstudiertes stört empfindlich und führt zu einer Art von Stereotypen, die ich zu vermeiden suche.
War es ein Vergnügen, mit Giselè Casadesus zu spielen?
Ein großes Vergnügen, denn ich bin in solchen Momenten Zuschauer. Es ist beachtlich und ermutigend zu sehen, wie eine Frau ihres Alters ihren Text lernt und es schafft, sich auf den Punkt zu konzentrieren. Was mich aber wirklich angezogen hat, ist ihre immer noch unglaubliche Weiblichkeit, ihr Flirten, das ich als Resultat eines schönen Lebens und einer bestimmten Art Liebe sehe, einer Hoffnung oder eines Glaubens. Jemand, der an nichts glaubt, kann nicht so altern. Gisèle glaubt an die Vögel, an die Schönheit, den Kummer, die Traurigkeit ... nicht viele Menschen haben den Mut, sich heftigen Gefühlen wie Leid auszusetzen. Und wenn ich mit ihr spiele, sehe ich all das, alle ihre Erschütterungen. An ihrer Seite bin ich frei. Freiheit bedeutet, keine Angst vor irgendetwas zu haben, genauso stark wie das Leben zu sein. In dem Moment, wo man anfängt, Angst zu haben, ist es vorbei. Ich habe vor nichts Angst, vor allem nicht davor, zu existieren, im Gegensatz zu vielen Leuten, die im Angesicht des Alterns Schutz brauchen.
Giselè Casadesus vergleicht Sie mit einem Orkan, wenn Sie den Set betreten. Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung wieder?
Ja, weil ich so bin! Aber wenn ich das Wort „Action“ höre, bin ich sofort in der Szene drin. Woanders kann ich auch gut auf einem Stuhl einschlafen statt rumzuzappeln. Aber das einzige, was zählt, ist die Szene. Unwichtig, was vorher war. Wie Claude Zidi sagte: „So oder so, du musst es machen!“
Und haben Sie immer noch so viel Spaß dabei?
Aber ja! Weil ich so viele andere Dinge tue neben den Dreharbeiten, ist es letztendlich erholsam für mich, einen Film zu machen. Und auch wenn das Kino sich verändert hat, bleiben die Mannschaft und die Leute im Grunde dieselben. Ich habe viele amerikanische Produktionen erlebt, ausgestattet mit Mega-Budget und einer riesigen Schar von Assistenten. Mir ist das zu viel. Es gibt da keinen Platz mehr für das Spontane, Natürliche. Im Grunde bin ich so wie die Figur in DAS LABYRINTH DER WÖRTER: ich lebe in der Gegenwart. Denn: der Augenblick ist schon da. Man muss ihn nicht suchen. Ich zehre von der Permanenz des Gegenwärtigen, damit meine ich alles, was man erlebt: wenn man schläft, wenn man liebt, wenn du beobachtet. All das hinterlässt Spuren in deiner Erinnerung: Schmerzen, Gefühle, Töne, Farben und Gerüche, die dich nähren. Das ist der Grund, warum ich vor Beginn des Drehs überhaupt nicht an die Figur denke, die ich spielen werde, außer wenn der Regisseur mit mir darüber spricht. In DAS LABYRINTH DER WÖRTER musste ich mich nicht großartig auf Germain Chazes vorbereiten, weil das ganz einfach ein Mann ist, der die Menschen betrachtet und ihnen zuhört. Es reicht also für mich, zuzuschauen und zuzuhören, um er sein zu können.
