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Country Strong Trailer und Filmkritik

FSK Film: 12 | FSK Trailer: 6 | Länge: 117 Min | Kinostart: 09.06.2011 | Release: 27.10.2011 (DVD&BD)
© Sony Pictures | Genre: Drama | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

TRAILER-TIPPS

 

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Schauspieler:Garrett Hedlund, Gwyneth Paltrow, Leighton Meester, Tim McGraw, Kayla Perkins, Sean Symons, Ed Bruce

Die Story:Kelly Center ist ein Ex-Country-Star und macht gerade einen Entzug durch. in der Klinik trifft sie Beau Hutton, einen talentierten Songschreiber und Sänger. Kelly bandelt mit ihm an und beide versuchen gemeinsam wieder durchzustarten. Es sieht auch ganz gut aus, bis sie zusammen mit Kellys Ehemann auf eine gemeinsame Tour gehen. Dort treffen sie auch noch auf Chiles Stanton, ein extrem gutaussehendes Nachwuchstalent. Die vier zusammen funktionieren anscheinend gar nicht als Team.

Hintergrund:Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow (Sylvia, Die Royal Tenenbaums) spielt die Hauptrolle in diesem Drama von Shana Feste. An ihrer Seite agieren Garrett Hedlund (Tron: Legacy, Troja), Tim McGrath (Blind Side – Die große Chance, Operation. Kingdom) und Leighton Meester (Gossip Girl, The Roommate).




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♥: Tolle Gesangseinlagen, gute Darsteller, überraschendes Ende
−: zu viele Zufälle, schlichte Dramaturgie, konstruierte Konflikte

Als versoffener Countrysänger im Karrieretief sahnte Jeff Bridges mit "Crazy Heart" 2010 einen längst überfälligen Oscar ab. Auf derselben Weide grast jetzt "Country Strong", nur dass diesmal die Hauptfigur eine Sängerin ist. Oscarverdächtig ist das Ergebnis allerdings in diesem Fall nicht. Denn die Geschichte der Kelly Canter ist trotz der ernsten Thematik eher ein kurzweiliges Wohlfühldrama. Macht nichts. Den Goldjungen hat Gwyneth Paltrow ja schon längst im Regal stehen, für ihre Rolle in "Shakespeare in Love".


In der Entzugsklinik kommt Countrystar Kelly Canter (Gwyneth Paltrow) langsam wieder auf die Beine. Dabei hilft ihr der Pfleger, Countrymusiker - und heimliche Lover - Beau Hutton (Garrett Hedlund). Aber noch bevor die Kur vorbei ist drängelt Kellys Manager und Ehemann Jack (Tim McGRaw) sie zum Abbruch. Eine lukrative Tournee mit drei Terminen ist fest geplant. Beau warnt vergeblich. Aber als Zugeständnis darf er immerhin mit auf Tour, um Kelly weiter zu betreuen und mit seiner Band im Vorprogramm aufzutreten. Allerdings muss er sich den Platz auf der Bühne mit der Ex-Schönheitskönigin Chiles (Leighton Meester) teilen, die ebenfalls von einer großen Gesangskarriere träumt.
Für Beau ist sie jedoch nur ein hohles Glamourgirl, ihre seichten Countrypopsongs sind ihm als Vertreter der Neo-Traditionalisten zuwider.
Auf der Tour kommt es wie es kommen muss, schon bei der ersten Show bricht Kelly zusammen. Die Veranstalter werden nervös, die Fans sind verunsichert, riesige Schadenersatzzahlungen drohen. Alles nicht gut für Kellys Nervenkostüm, die den Streß prompt mit Alkohol betäubt.
Und dabei stehen noch zwei weitere Konzerte an...

Das Sympathische an "Countyr Strong" ist, dass alle Hauptfiguren ihre Fehler haben. Auch wenn die Makel beim Manager James etwas stärker ausgeprägt sind, sind die anderen alles andere als perfekt. Kelly führt sich mal abgesehen von ihrem Alkoholproblem oft wie ein bockiges Kind auf, Beau ist mitunter ein selbstgerechter arroganter Kerl - und in seinen Affären reichlich sprunghaft, und Chiles ist ein naives, manipulatives Biest, dass für die Karriere alles tun würde. Richtig strahlende Helden sehen anders aus. Ein richtiges Charakterdrama ist "Country Strong" dadurch aber noch nicht. Dazu sind die Figuren doch noch zu klischeelastig, zu oberflächlich.

Wie sich Alkohol auf die Psyche, (und das Aussehen) auswirkt, kann man in "Crazy Heart" oder in der grandiosen Johnny-Cash Biographie "Walk the Line" gut sehen. Kelly Canters Exzesse beschränken sich dagegen auf hysterische Nervenzusammenbrüche und zwar peinliche, aber kaum lebensbedrohliche Sauftouren, die mehr an "Coyote Ugly" erinnern als an eine ernste Auseinandersetzung mit dem Thema darzustellen. Zumal ihr quasi als Entschuldigung für die Sucht noch ein traumatisches Erlebnis verpasst wird bis sie durch das Treffen mit einem krebskranken Jungen neu aufblüht. Das ist Soap-Kitsch pur.
Aber auch wenn sich alles im Film um Kelly Canter dreht, die eigentliche Hauptfigur ist Beau Hutton, aus dessen Sicht der Film erzählt wird . Wird er den Durchbruch schaffen ? Oder ist ihm der Preis für den Erfolg zu hoch ? Kann er Kellys Alkoholsucht bekämpfen und ihre Karriere retten ? Kann aus ihrer Affäre etwas Dauerhaftes werden ? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht so vorhersehbar, wie man zeitweise meint. Anfängs scheint es ganz natürlich, dass Kelly und Beau ein Paar werden, und der ehrgeizige Jack sich mit der ebenso zielstrebigen Chiles tröstet. Aber es kommt ganz anders...

Kernstück des Films sind aber die Musikeinlagen, mal intime Akustiknummern, mal das ganz große Besteck vor zehntausenden Zuschauern. Wenn man die weglassen würde, wäre der Film wohl nur eine Stunde lang. Klar dass da wenig Zeit bleibt für ausgefeilte psychologische Porträts.
Die Musik ist dabei längst nicht nur was für Fans von Truck Stop oder Johnny Cash. Viele der Songs sind eher dem Country-Pop zuzurechnen und kaum von gängigen Chartproduktionen zu unterscheiden. Selbst die Outfits entsprechen nur selten Hillbilly-Klischees. Hoch geschlitzte Bühnenoutfits würden auch bei Konzerten von Aguilera oder Celine Dion nicht negativ auffallen.

Die Gesangsleistung von Gwyneth Paltrow ("Iron Man 1&2") wird immer wieder lobend erwähnt. Darauf muss man allerdings lange warten, sie betritt erst im Finale die Bühne. Dabei beweist sie allerdings echte Performerqualitäten. Und dass sie singen kann, hat die Frau von Coldplay-Sänger Chris Martin auch früher schon gezeigt, in "Traumpaare" und der TV-Serie "Glee".
Ihre Costars sind gesanglich allerdings mindestens genauso begabt. Garrett Hedlund ("Tron: Legacy")zeigt als bodenständiger Musiker (ja, sowas gibts !) im Flanellhemd ganz neue Seiten, eine echte bärige Stimme und wird die weiblichen Zuschauer reihenweise begeistern. Dabei hat er das Singen und Gitarre spielen eigens für den Film gelernt, ist also eigentlich ein Neuling.
Leighton Meester ("Gossip Girl") hat sogar schon ein eigenes Album veröffentlicht und beweist sich als echtes Stimmwunder - auch wenn das Drehbuch sie zum seichten Dummchen stempelt.
Kurioserweise ist Countrystar Tim McGraw, der Gwyneths Manager/Ehemann spielt, der einzige der im Film nicht singt.
Countrymusic ist in den USA ein Milliardengeschäft. Die Stars der Branche verkaufen mehr Platten als selbst Madonna oder Michael Jackson. "Country Strong" wirft ein entlarvenden Blick hinter die Kulissen der Branche. Die Musik ist nur noch in Spurenelementen traditionell, vergleichbar zu den volkstümlichen Schlagern in Deutschland. Wobei auch leidenschaftlchen Fans klar sein dürfte, dass man Stadienkonzerte nicht nur mit einer Westerngitarre im Arm bestreiten kann. Dahinter steht eine riesige Business- und Marketingmaschinerie, die sich vom gängen Cartfutter nur noch durch gelegentlich auftauchende Cowboyhüte unterscheidet. Allerdings versteht sich "Country Strong" auch nicht so sehr als Kritik an der Musikindustrie und vermittelt durchaus den Spaß, den Fans dabei haben und die Ernsthaftigkeit, mit der viele Künstler hinter ihrer Arbeit stehen.

Country Strong ist ein bißchen so wie die im Film kritisierten Country-Popsongs: Ein solides Fundament, aber zuviel Glitter obendrauf, und insgesamt trotz ernster Themen etwas zu oberflächlich, aber nie langweilig. Kurzweilige Unterhaltung vor allem aber längst nicht nur für Countryfans.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht