Another Year Trailer
FSK Film: 0 | Länge: 129 Min | Kinostart: 27.01.2011 | Release: 23.06.2010 (DVD&BD)
© Prokino | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? |
Trailer kaputt?
TRAILER-TIPPS
Links & Infos
Schauspieler:Jim Broadbent, Lesley Manville, Ruth Sheen, Peter Wight, Oliver Maltman, David Bradley
Die Story:Frühling, Sommer, Herbst, Winter … Ein Jahr im Leben von Tom und Gerri. Beide um die sechzig und seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Ein Jahr voller Alltag und Gartenarbeit, Abendessen, Grillpartys, Freundes- und Familienkrisen. Mit Charme und Herzenswärme und seinem besonderen Gespür für die Komik und Tragik des Alltäglichen lässt Mike Leigh den Vorruhestand optimistische Funken schlagen und zeigt seine beiden Helden als Paradebeispiel für eine ganze Generation unternehmungslustiger und tatkräftiger Menschen in fortgeschrittenen Jahren. Berührend und gleichzeitig humorvoll feiert ANOTHER YEAR das kleine Glück einer intakten Familie in der tiefsten englischen Vorstadttristesse.
Hintergrund:Nach Happy-Go-Lucky lief Mike Leighs neue Komödie mit großem Erfolg im diesjährigen Wettbewerbsprogramm in Cannes und galt lange Zeit als Favorit im Rennen um die Goldene Palme. Mike Leighs neuestes Werk ist prominent besetzt mit Leighs Stammpersonal: Oscar-Gewinner Jim Broadbent (Iris, Moulin Rouge), Ruth Sheen (Lügen und Geheimnisse), Lesley Manville (Vera Drake), Philip Davis (Tagebuch eines Skandals) und Imelda Staunton (Harry Potter). Statt sich gepflegter Langeweile und zermürbenden Krankheiten und Gebrechen hinzugeben, legen die Senioren bei Mike Leigh einen unverdrossenen Optimismus an den Tag, der auch die Nöte ihrer Freunde und Familienmitglieder überstrahlt und allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder hoffnungsvolle und komische Wendungen zeigt.
- Die Eiserne Lady Trailer und Filmkritik
- Arthur Weihnachtsmann Trailer und Filmkritik
- Vanity Fair Film Trailer
- Harry Potter Und Die Heiligtümer Des Todes - Teil 2 Trailer und Filmkritik
- Harry Potter Und Der Halbblutprinz Film Trailer 2
- Tintenherz US-Film Trailer
- Tintenherz Film Trailer
- Harry Potter Und Der Halbblutprinz Film Trailer
- Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels Film Trailer 2
- Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels Film Trailer
User, die diesen Trailer sahen, besuchten auch diese Seiten:
Ausführliche Inhaltsbeschreibung:
Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) sind ein über die Jahre harmonisch und liebevoll zusammengewachsenes Paar. Sie arbeitet als Therapeutin im Gesundheitsamt, er untersucht als Geologe die Bodenbedingungen für zukünftige Bauprojekte. Ihr Leben verläuft im Rhythmus der Natur, die ihnen die Aufgaben auf ihrem Schrebergartengrundstück vorgibt. Durch ihre Herzenswärme, Gastfreundschaft und Gutmütigkeit wird ihr kleines Londoner Häuschen im Lauf des Jahres zur Zuflucht für Freunde und Familienmitglieder, denen das Schicksal nicht ganz so wohlgesonnen ist wie ihnen. Mit ihrer Menschlichkeit, aber auch mit ihrem typisch britischen Sinn für Humor finden sie auch in scheinbar aussichtlosen Situationen neuen Lebensmut.
Im Frühling wecken Tom und Gerri ihren Garten aus dem Winterschlaf. Eines Abends bieten sie Mary (Lesley Manville), einer alleinstehenden Arbeitskollegin von Gerri, ein bisschen Nestwärme und eine liebevoll zubereitete Mahlzeit. Im Laufe des Beisammenseins und unter wachsendem Alkoholeinfluss verliert sich Mary zunehmend in Selbstmitleid über ihr verkorkstes Leben. Dabei tritt vor allem ihre Sehnsucht nach einem Mann an ihrer Seite offen zutage, was Tom und Gerri abends im Bett nachsichtig und mitfühlend kommentieren. Die betrunkene Mary bleibt über Nacht und begegnet am nächsten Morgen verkatert Joe (Oliver Maltman), dem dreißigjährigen Sohn ihrer Gastgeber, für den sie sich ein kleines bisschen zu stark interessiert. Zu seinen Eltern hat der Pflichtanwalt ein offensichtlich freundschaftliches Verhältnis. Auf die behutsame Nachfrage seiner Mutter bekundet er, dass sich bei ihm in Liebesdingen noch keine Neuigkeiten ergeben haben, anders, als es bei seinen Freunden der Fall ist.
Im Sommer unternimmt Ken (Peter Wight), der im Arbeitsamt von Hull arbeitet, einen Ausflug nach London, um ein Wochenende mit seinem Jugendfreund Tom und dessen Frau zu verbringen. So wie Mary im Frühling löst auch ihm der Alkohol in einer langen Sommernacht nach einem guten Essen die Zunge, auch er ergießt sich in Selbstmitleid über die Tragik seines Lebens, auch er erhält liebevollen Zuspruch von Tom und Gerri. Am nächsten Tag verbringt Gerri die Sonnenstunden im Schrebergarten, während Tom, Ken, Joe und ein Nachbar eine Golfpartie unter Männern genießen. Zur anschließenden Grillparty erscheint Mary völlig aufgelöst mit dreistündiger Verspätung, sprudelnd vor Glück, aber auch offensichtlich überfordert von ihrem frisch erworbenen roten Gebrauchtwagen und völlig blind und taub für andere Menschen. Während sich Ken in rührender Vergeblichkeit um Marys Aufmerksamkeit bemüht, gilt deren ganzes Interesse dem erheblich jüngeren Joe, woraus sich einige verzweifelt komische Situationen ergeben.
Im Herbst ist Erntezeit im Schrebergarten. Als Tom und Gerri erschöpft und zufrieden zu Hause ankommen, wartet ihr Sohn Joe mit einer freudigen Überraschung: Hinter der Tür hat er seine neue Freundin Katie (Karina Fernandez) versteckt, die ähnlich wie Gerri als Therapeutin arbeitet und die Herzen des Elternpaares mit ihrer natürlichen Herzlichkeit im Sturm erobert. Misstöne und Unruhe kommen in den friedlichen Familiennachmittag, als Mary wie verabredet zum Tee erscheint und ausgesprochen eifersüchtig und offen feindselig auf Katie reagiert. Das Verständnis, das Tom und Gerri für Marys Nöte hegen, gerät spürbar an ihre Grenzen, als diese zur Bedrohung für den Familienfrieden wird. Nach der Verabschiedung bleibt im Heim der gutmütigen Eheleute ein schlechter Nachgeschmack zurück.
Im Winter fahren Gerri, Tom und Joe nach Derby, um Toms älterem Bruder Ronny (David Bradley) bei der Beerdigung seiner plötzlich verstorbenen Frau Linda beizustehen. Ihr entfremdeter Sohn Carl (Martin Savage) erscheint erst im Krematorium, als die Zeremonie gerade zu Ende ist. Nach der Rückkehr der kleinen Trauergesellschaft in Ronnys Haus attackiert der hereinstürmende Carl seinen trauernden Vater mit wüsten Tiraden und treibt Lindas Nachbarn und Arbeitskollegen zum übereilten Rückzug. Wie schon so oft haben Tom und Gerri auch jetzt ein offenes Herz für Freunde und Familie in Not, sie nehmen Ronnie für ein paar Tage mit zu sich nach London. Während sie ihren Garten winterfest machen, taucht Mary unangekündigt und in desolatem Zustand vor ihrem Haus auf und überzeugt den zunächst widerwilligen Ronnie, sie einzulassen. Bei einer Tasse heißem Tee und einer Zigarette im Vorgarten knüpft die verletzlich und kleinlaut wirkende Mary zarte Bande zu dem wortkargen Witwer. Als Tom und Gerri von der Gartenarbeit zurückkehren, können sie ihren Unmut über das unangekündigte Auftauchen der in Ungnade gefallenen Mary nur mühsam unterdrücken, zumal sie auch Joe und Katie erwarten. Nach einer rührenden Entschuldigung bringen sie es jedoch nicht übers Herz, die offensichtlich bekümmerte Frau vor die Tür zu setzen. Mary wird also wieder in den Kreis der Familie aufgenommen. Beim anschließenden gemeinsamen Essen erinnern sich Gerri und Tom an ihre Jugendzeit als Rucksackweltreisende, während Katie und Joe die Vorfreude auf ihre anstehende Parisreise schüren und Ronnie und Mary zurückhaltend lauschen. Einer langsamen Kamerafahrt über die Gesichter aller am Tisch Versammelten schließt sich ein langer Blick auf Mary an, deren Gesicht eine ungeheure Verletzlichkeit spiegelt, aber auch den Schimmer eines sanft erwachenden Lebensmutes zeigt.
Eure Meinung zu "Another Year Trailer"
Kommentar zu "Another Year Trailer" ohne einloggen abgeben:
Bisher gibt es keine Kommentare zu "Another Year Trailer".
Zum gewandelten Bild älterer Generationen im Kino
Wenn man sich das Alter jenseits des siebzigsten Lebensjahres vorstellt, denkt man in der Regel an Menschen mit gebeugtem Gang, röchelndem Atem und müdem Blick. An Menschen in unförmigen Kleidungsstücken, die sich in dunklen Wohnungen verkriechen. Doch das Bild der Alten erlebt derzeit einen kräftigen Wandel. Immer häufiger kann man auf der Leinwand dabei zusehen, wie sich verhuschte graue Großmütter in begehrte Frauen verwandeln, wie ein Funkeln in ihre Augen zurückkehrt und ein Glanz auf ihre Wangen: etwa in Filmen wie „Die Mutter – The Mother“ („The Mother“, 2003) und „Wolke 9“ (2008), um nur wenige zu nennen. Statt sich zu verstecken, treten die modernen Alten in gleißendem Rampenlicht auf die Bühne, und statt sich den Mund verbieten zu lassen, singen sie aus vollem Halse, so wie die britische Rentnerband „The Zimmers“, die gerade ihr erstes Album aufgenommen hat. Oder wie der 1982 gegründete Seniorenchor „Young@Heart“, dem nach vielen Auftritten in Amerika und Europa ein gleichnamiger Dokumentarfilm gewidmet wurde. Man könnte, analog zur Studentenbewegung der Jungen, von einem „Aufstand der Alten“ reden, und tatsächlich bekommen Songs wie „Should I Stay or Should I Go?“, „Forever Young“, „Staying Alive“ oder „I Feel Good!“ eine ganz neue Bedeutung, wenn sie nicht von feurigen Rockstars, sondern von betagten Chorsängern intoniert werden. Statt ein jugendliches Lebensgefühl zu beschwören, mobilisieren sie die Rebellion gegen Krankheit und Siechtum, gegen Gebrechlichkeit und Tod.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass das Alter eine eher trübsinnige Angelegenheit war, vor allem im amerikanischen Kino mit seiner Leidenschaft für makellose Schönheit und unbefleckte Jugend. Mit fortschreitendem Alter schwinden die Energien, der Ehrgeiz, die Eitelkeit, die Ansprüche – jedenfalls meinte man das noch bis vor Kurzem. Doch inzwischen regt sich etwas in den festgefahrenen Bildern von der älteren Generation. Das hat vor allem damit zu tun, dass die heutigen Alten bewusster leben, dass sie aktiver und sportlicher sind und deshalb auch attraktiver. Vor zwanzig Jahren bedeutete es noch etwas ganz anderes als heute, vierzig, fünfzig, sechzig oder gar achtzig zu sein. Entsprechend dauert das Alter auch viel zu lang, um es achtlos vergehen zu lassen. Auf fade Vergnügungen wie Kaffeekränzchen und Butterfahrt wollen sich die modernen Senioren jedenfalls nicht länger beschränken, sie wollen die Welt nicht mehr nur vom Fenster oder von der Parkbank aus sehen.
Das Pensionsalter ist heutzutage kein Grund mehr, sich unförmig zu kleiden, triste Kittelschürzen zu tragen und sich in abgedunkelten Räumen zu verstecken, um dort auf einen Gnadenbesuch der Kinder oder in der Kneipe nebenan auf den nächsten Weinbrand zu warten. Resignation und Langeweile sind out, die neuen Alten wagen Experimente, sie verlieben sich, sie ziehen in die Welt hinaus, erkunden und genießen ihre Wunder. So beispielweise Jack Nicholson, der sich in Alexander Paynes „About Schmidt“ (2002) im Wohnmobil auf eine Art Initiationsreise quer durch Amerika begibt, oder Horst Krause in „Schultze Gets the Blues“ (2003), der sich in einer schlaflosen Nacht von ungewohnten Zydeco-Klängen zu einer Reise in den amerikanischen Süden verlocken lässt. Oder Fritz Wepper, der sich in Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ (2008) zu einem Aufbruch nach Japan entschließt. Hollywood hat die Best Ager entdeckt und zeigt sie so, wie sie sind: Voller Lebensund Liebeslust, aktiv, attraktiv, selbstbewusst und selbstbestimmt. Alternde Schauspieler wie Clint Eastwood oder Jack Nicholson setzen sich geradezu systematisch und durchaus augenzwinkernd mit ihrer eigenen Vergänglichkeit auseinander. In Filmen wie „Besser geht’s nicht“ („As Good as It Gets“, 1997),, „Was das Herz begehrt“ („Something's Gotta Give“, 2003), „About Schmidt“ (2002) und „Das Beste kommt zum Schluss“ („The Bucket List“, 2007) oder „Erbarmungslos“ („Unforgiven“, 1992), „Space Cowboys“ (2000) oder „Blood Work“ (2002) loten sie mit selbstironischer Komik nicht nur die Tücken, sondern vor allem die Möglichkeiten des Alters aus. So spielt Jack Nicholson in „Was das Herz begehrt“ einen alten Schürzenjäger mit schnell wechselnden, hyperjungen Liebschaften, der nach einem Herzinfarkt Unterschlupf im Haus der Mutter seines aktuellen Liebchens findet.
Während sein junger Arzt (Keanu Reeves) ein Auge auf die attraktive Schriftstellerin in den Sechzigern wirft, entdeckt auch der betagte Casanova zunehmend ihr erotisches Potenzial. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur alternden Männern blutjunge Liebschaften gestattet waren, längst dürfen auch reife Frauen wie Meryl Streep und Diane Keaton solche Vergnügungen genießen, und zwar nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im echten Leben. So wie Demi Moore es uns vorlebt, die mit dem sehr viel jüngeren und sehr attraktiven Ashton Kutcher langfristiges Glück teilt. Und immer häufiger zeigen auch reife Damen wie Diane Keaton oder Charlotte Rampling – beide Jahrgang 1946 –, dass sie sich auch ohne Rundumerneuerungen, wie eine Cher es bevorzugt, durchaus hüllenlos sehen lassen können. Das beweisen sie in „Was das Herz begehrt“ oder der französischen Boulevardkomödie „Wir verstehen uns wunderbar“ („Désaccord parfait“, 2006), wo sie so schön und erotisch, so sexy und verführerisch sein dürfen, dass sie mühelos neue und verflossene Eroberungen gleichermaßen aus der Ruhe bringen. Und die betagte Hausfrau und Witwe, die Marianne Faithful in „Irina Palm“ (2007) spielt, stürzt sich in ein ganz neues Leben im Rotlichtbezirk von London und trotzt den Widrigkeiten ihres neuen Jobs mit demselben anpackenden Pragmatismus, mit dem sie als Hausfrau daheim in der Küche waltet. Der neue Job, den sie angenommen hat, um ihrem Enkel eine lebensrettende Operation zu ermöglichen, mag anrüchig sein, doch er verleiht ihr bald ein bisher noch nie erfahrenes Selbstbewusstsein. Die graue Maggie aus der öden Vorstadt verwandelt sich in die aufregende Irina Palm der schillernden Metropole, das unscheinbare Aschenputtel in eine stolze Königin der Nacht, und dieses Selbstbewusstsein können ihr weder die scheinheiligen Dorfbewohner noch der prüde Sohn wieder nehmen, und wenn sie sie noch so sehr als Hure beschimpfen.
All die mutigen, abenteuerlustigen, neugierigen, sinnlichen Damen und Herren dieser Filme verbreiten eine geradezu ansteckende Lebenslust. Und dabei eröffnen sie tröstliche Aussichten auf die Zeit nach der Pensionierung: Nach und nach verliert das Alter seinen bitteren Nachgeschmack, statt Sackgassen eröffnen sich unzählige Möglichkeiten. Das gilt auf sehr irdische und reale Weise auch für die Helden von Mike Leighs neuem Film ANOTHER YEAR, für das kleine Glück, das sich das Ehepaar in seinem Londoner Häuschen gebaut hat, egal ob es aktiv in seinem Schrebergarten werkelt oder Grillpartys und Dinnergesellschaften für Familie und Freunde ausrichtet. Und wenn die beiden am Ende von den Reisen ihrer Jugendjahre erzählen, kann man sich gut vorstellen, dass sie sich bald wieder gemeinsam auf den Weg machen. Versauern werden sie jedenfalls nicht.
MIKE LEIGH (Regie & Drehbuch)
Der Brite Mike Leigh zählt zu den angesehensten Filmregisseuren unserer Zeit, bekannt für seinen ebenso ungeschönt realistischen wie zärtlichen und humorvollen Blick auf die Nöte einfacher Menschen. Dabei dreht er in der Regel ohne ausgearbeitetes Skript. Stattdessen begeben sich Schauspieler und Team in einem ausgedehnten Probenprozess auf die Suche nach ihrer Geschichte.
Der am 20. Februar 1943 geborene Mike Leigh begann seine Karriere als Schauspieler. Nach einer Ausbildung an der Londoner Royal Academy of Art und an der London Film School wirkte er zunächst in einigen Bühnenproduktionen mit, bevor er im Alter von neunundzwanzig Jahren mit „Freudlose Augenblicke“ („Bleak Moments“, 1971) seinen ersten Kinofilm drehte, eine Adaption des gleichnamigen Theaterstücks, in dem er zuvor als Darsteller zu sehen war. Da der Film trotz begeisterter Kritiken finanziell floppte, wandte sich Leigh enttäuscht dem Fernsehen zu und realisierte unter anderem die erfolgreichen TV-Filme „Meantime“ (1984) und „Four Days in July“ (1985). Erst 1988 kehrte er mit „Hohe Erwartungen“ („High Hopes“) zum Kino zurück. Der Film, der das Lebensgefühl im England der späten 1980er Jahre einfängt, wurde auf dem Filmfestival von Venedig mit dem Kritiker- Preis ausgezeichnet. An diesen Erfolg konnte er ein Jahr später mit „Das Leben ist süß“ („Life Is Sweet“) anschließen, der einfühlsam erzählten Lebensgeschichte einer ängstlichen und von Selbstzweifeln geplagten Frau. Der endgültige Durchbruch als Regisseur gelang Leigh 1993 mit dem Film „Nackt“ („Naked“), der auf dem Filmfest in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme ausgezeichnet wurde; darüber hinaus ging eine Goldene Palme an die Beste Regie und eine an David Thewlis als Besten Hauptdarsteller.
1996 erzählte Leigh in der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Tragikomödie „Lügen und Geheimnisse“ („Secrets & Lies“) die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die sich nach dem Tod ihrer Adoptiveltern auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht. Es folgten „Karriere Girls“ („Carrier Girls“, 1997) und die Musicalkomödie „Topsy-Turvy – Auf den Kopf gestellt“ (1999), die sich im England des späten 19. Jahrhunderts der Lebensgeschichte des Komponistenduos Gilbert und Sullivan widmet. Der opulent ausgestattete Film wurde bei den 72. Academy Awards im Frühjahr 2000 mit zwei Oscars® für die Besten Kostüme und das Beste Make-up ausgezeichnet. In „All or Nothing“ (2002) umkreiste Leigh den tristen Alltag einer Familie in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlung am Rande Londons. Leighs nächster Film „Vera Drake“ (2004) spielte im vom Weltkrieg gezeichneten London der 1950er Jahre, wo die einfache Hausfrau Vera neben der harten Arbeit als Haushälterin der Reichen heimlich als ‚Engelmacherin‘ illegale Abtreibungen vornimmt. Für ihre berührende Darstellung der Titelrolle wurde Imelda Staunton unter anderem für den Oscar® als Beste Hauptdarstellerin nominiert. Mit der farbenfrohen und beschwingten Komödie „Happy-Go-Lucky“ schlug Mike Leigh nach vier Jahren Pause ungewohnt optimistische Töne an und begeisterte auf der Berlinale Publikum und Kritiker gleichermaßen. In der Zwischenzeit entdeckte er die hinreißend charmante und eigenwillige Komikerin Sally Hawkins fürs Kino. Sein jüngster Film ANOTHER YEAR feierte seine Premiere auf dem Filmfestival in Cannes. Für ANOTHER YEAR ist Mike Leigh als Bester Regisseur für den British Independent Film Award nominiert.

