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Fasten Auf Italienisch Trailer und Filmkritik

FSK Film: 0 | FSK Trailer: 0 | Länge: 102 Min | Kinostart: 13.01.2011 | Release: 19.08.2011 (DVD)
© Arsenalfilm | Genre: Comedy | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

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Schauspieler:Kad Merad, Valérie Benguigui, Roland Giraud, Philippe Lefèbvre, Guillaume Gallienne, Farida Ouchani, Nathalie Lévy-Lang, Karim Belkhadra, Alain Doutey, Arielle Semenoff, Guy Lecluyse

Die Story:Dinos Leben scheint perfekt: Traumfrau, Traumjob, alle lieben den lebenslustigen Italiener. Einziger Haken: Er ist gar keiner. Dino Fabrizzi heißt in Wirklichkeit Mourad Ben Saoud. Weder sein Chef noch seine Freundin Hélène ahnen etwas von seinem Doppelleben. Seiner arabischen Familie in Marseille gaukelt Dino wiederum vor, in Italien Karriere zu machen. Als sein erkrankter Vater ihn bittet, den Ramadan an seiner Stelle zu begehen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Denn für Mourad, den Araber, ist Fasten ja kein Problem. Für Dino, den Italiener, aber sehr wohl ...

Hintergrund:FASTEN AUF ITALIENISCH ist eine erfrischende, leichte Komödie mit dem französischen Superstar Kad Merad, berühmt aus Willkommen Bei Den Sch'tis, Die Kinder Des Monsieur Mathieu und Der Kleine Nick. Das humorvolle Verwechslungsspiel zeigt mit lockerer Hand, wohin Vorurteile führen können … Regisseur Olivier Baroux (Safari) versteht es, die Integrationsprobleme, mit denen sich nicht nur Frankreich beschäftigen muss, auf gleichermaßen unterhaltsame wie auch eindringliche Weise zu zeigen.




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♥: überzeugender Hauptdarsteller, sonnige Südfrankreich-Atmosphäre, lässiger Humor.
−: überraschend ernster dritter Akt, mit unangenehm biederer Schlußpointe

Wenn man in der Pizzeria mit italienischem Akzent begrüßt wird, schmeckt die Pasta gleich noch besser. Egal ob Döner "mit alles" oder "a zünftige Brotzeit" - der ethnisch korrekte Service verbessert das Erlebnis. Klar, dass sich auch italienische Traumautos besser verkaufen, wenn der Händler das südliche Lebensgefühl gleich mitliefert. Mit der Masche fährt Dino (Kad Merad) schon seit Jahren gut. Mit seinem Temperament und ein paar italienischen Floskeln werden ihm die Autos fast aus der Hand gerissen. Im Job ist er nur noch eine Beförderung vom Chefsessel entfernt. Was niemand ahnt: Dino heißt eigentlich Murat. Irgendwann legte er sich eine neue Identität zu, weil es für Araber auch in Frankreich schwer ist überhaupt eine Wohnung zu kriegen. Aber dass ist nicht seine einzige Lüge. Seine Familie ahnt nichts von seinem Doppelleben. Ein schwieriger Spagat, der aber erst so richtig schmerzhaft wird, als Murat seinem Vater verspricht, die Ramadan-Regeln einzuhalten. Im islamischen Fastenmonat darf ein Moslem tagsüber weder essen noch trinken - und auch zwischen den Laken ist Pause angesagt. Wie soll er das bloss seiner französischen Geliebten erklären ?


"Fasten auf italienisch" startet als wirklich gute, temporeiche Komödie über kulturelle Unterschiede. Dabei könnte man die Geschichte auch ohne Abstriche in Deutschland erzählen. Kad Merad verkörpert den sympathischen Betrüger mit viel Charme, ohne die ethnischen Klischees zu übertreiben (und damit um Klassen besser als Hilmi Sözer den Italiener in Tom Gerhardts "Die Superbullen" spielt.). Auch ernste Themen wie der alltägliche Rassismus werden mit leichter Hand thematisiert - zumindest bis zum letzten Akt des Films.

Dass der notorische Lügner am Ende für sein Doppelleben bezahlen muss, ist klar.
Allerdings fällt die Lektion hier doch übertrieben hart und ernst aus. Da kippt die Komödie komplett in ein hochmoralisches Melodrama. Dino/Murat verliert den Job, die Freundin und landet auch noch im Gefängnis. Da ist dann Schluß mit lustig, Murat kommt als geläuterter Moslem aus dem Knast. Noch ärgerlicher ist, dass einem suggeriert wird, dass Murats größter Fehler nicht das Belügen von Familie und Freunden sondern das Verleugnen seiner Religion war.
Auf eine derartige Holzhammerlektion hätte man gerne verzichten können.

 



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht

Interview mit Regisseur Olivier Baroux

Der auf der sozialen Wirklichkeit basierende FASTEN AUF ITALIENISCH ist eine für Ihr bisheriges Schaffen eher ungewöhnliche Produktion.
Kad und ich hatten bereits seit langem Lust, eine Komödie zu einem etwas hintergründigeren Thema zu machen. Wir wollten nicht gleich eine gesellschaftskritische Komödie drehen, aber wir träumten davon, in einem Film etwas mehr zeigen zu können, ohne den Humor zu verlieren, der schon immer unser wichtigster Lebensgrund war. Wir haben beide gesucht, bis wir das Drehbuch von Nicolas Boukhrief und Eric Besnard über die Schwierigkeiten, die auch heute noch bedeutet, ein Franzose mit Migrationshintergrund zu sein, entdeckt haben.

Ihre ursprüngliche Version der Geschichte war sehr anders, eher realistisch, oder?
Nicolas Boukhrief kommt nicht von der komödiantischen Seite, und mit Eric Besnard hatten glücklicherweise jemanden, der sich vorstellen konnte, dass wir dem Thema eine leichtere Handschrift verpassen könnten.

Wie war der Prozess des Umschreibens?
Zuerst einmal hatte ich das Bedürfnis, das Essentielle herauszuarbeiten, um mich gefühlsmäßig dem Film annähern zu können: Die Hauptperson sollte keinen perfekten Italiener spielen, sondern sollte als perfekter Franzose, fast schon als Karikatur davon, durchgehen. Zweifellos zu bemüht, da er ja sogar, um vor seinen Kollegen das Gesicht nicht zu verlieren, ihre rassistische Haltung übernimmt. Der Film würde nicht für jeden lustig werden. Um mir ganz sicher zu sein, gab ich das überarbeitete Script Kad, und er meinte: Unmöglich. Schließlich geht es auch ums Geld! (lacht). Das ist der Vorteil, wenn man sich gut kennt! Ich habe mich also noch mal an die Arbeit gemacht und das Drehbuch mit Kads Vorschlägen verbessert.

Inwieweit ähnelt die Hauptfigur Kad Merad, bevor er berühmt wurde?
Ich glaube, dass Kad weniger als sein Vater unter diesen kleinen, alltäglichen Diskriminierungen zu leiden hatte, denen Migranten aus dem Maghreb und Afrika ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu Dino im Film entschied Kad, dass er seinen Vornamen nicht ändern müsse, um seine Herkunft zu verschleiern. Er hat eine Silbe fallen lassen, was eine kleine Anpassung an die gesellschaftliche Realität bedeutet, die ich aber eher interessant finde. Dennoch hat er sich nie auf eine Rolle festlegen lassen. Als Kad mir erzählte, dass und warum sein Vater sich sein ganzes Leben Rémi nannte, fand ich das unglaublich. Wenn man da ein wenig genauer hinsieht, entdeckt man, dass viele Männer dieser Generation dasselbe gemacht haben, beispielsweise für ein Vorstellungsgespräch einen französischen Vornamen wählten.

Das ist genau die Haltung, die Dino im Film innehat.
Ja, weil er nicht die beruflichen Möglichkeiten verpassen wollte, die ihm deshalb angeboten wurden. Und er zieht es durch: Er erfindet nicht nur einen italienischen Vornamen, sondern gleich eine ganze Familie dazu! Er versinkt in einer endlosen Identitätslüge, vor allem in den Augen seiner Freundin. Genau da gleitet das Thema ins Komödienhafte ab.

Der Film unterstreicht die Bedeutung von Religion, da Dino sich entschließt, den Regeln des Koran zu folgen, um seinem Vater einen Gefallen zu tun. Wie haben Sie diesen Aspekt herausgearbeitet?
Stéphane Ben Lahcene hat uns geholfen, die Szenen so korrekt und glaubwürdig wie möglich zu gestalten, in denen Dino betet und versucht, die Regeln des Ramadan zu befolgen.

Die Gebetsszenen strahlen eine schöne Feierlichkeit aus und bieten Kad einige Momente reiner Emotionalität. Wie führt man Kad Merad bei starken Gefühlen?
Ganz einfach. Um so mehr, als diese Szenen für Kad selbst eine besondere Bedeutung hatten, die er mit einem Coach erarbeitete, um sie protokollarisch richtig zu gestalten. Das hat uns echte Streitereien eingebracht, da ich ein Gebet auf der Terrasse drehen wollte, mit Sonnenaufgang und er dazu meinte: Auf keinen Fall. Das Gebet ist drinnen. Ich bat ihn, für die Schönheit der Aufnahme einen kleinen Verstoß gegen die orthodoxen Regeln zu begehen. Und schlussendlich machten wir die Ausnahme.

Sind Sie gläubig?
Weder gläubig noch praktizierend, was mich nicht davon abhält, großen Respekt vor Religion im allgemeinen zu haben, die von den meisten mit einer großen Toleranz praktiziert wird. Die Szenen, in denen Dino einen Imam konsultiert und einen Fundamentalisten trifft, haben wir so gedreht, wie wir es mit einem christlichen Pfarrer gemacht hätten.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass wir in einer multiethnischen Gesellschaft leben?
Eigentlich ziemlich spät! Ich wurde in den 1970ern in der Normandie groß, und vor Kad hatte ich keine maghrebinischen Freunde. (lacht) Wenn ich richtig nachdenke, fällt mir ein, dass ich einen afrikanischer Freund hatte, aber das war auf einer Privatschule in Caen, sein Vater war Diplomat … Also nicht wirklich repräsentativ! Also sehr spät, als ich Anfang der 80er in Paris ankam, entdeckte ich, dass verschiedenen Nationalitäten ganze Stadtteile besiedelten.

Wie fanden die anderen Darsteller ihren Platz zwischen Kad und Ihnen?
Kad ist letztlich derjenige, mit dem ich am wenigsten diskutiere. Wir haben uns davor schon so viel ausgetauscht (das dauert jetzt immerhin schon 20 Jahre), das es beim Drehen immer sehr schnell geht. Ich verbringe mit den anderen Darstellern wesentlich mehr Zeit.

Ist der Film Ihr Beitrag zur gegenwärtigen Identitätsdebatte?
Nein, ich habe eine Komödie mit einem sozialen Hintergrund gemacht, mit der ich am besten meine Position zu dieser Fragestellung darstellen konnte. Aber wenn FASTEN AUF ITALIENISCH das Publikum auch nur ein klein wenig zur Reflexion über dieses Thema anregt – um so besser. FASTEN AUF ITALIENISCH ist ein Film, der Kad und mir ähnelt, in dem was wir lieben und können: die Menschen zum Lachen bringen und sie rühren.