Dieser Inhalt ist von uns empfohlen ab 12 Jahre

The Way Back Trailer und Filmkritik

Originaltitel: The Way Back

FSK Film: 12 | FSK Trailer: 12 | Länge: 130 Min | Kinostart: 30.06.2011 | Release: 11.11.2011 (DVD&BD)
© Splendid Entertainment | Genre: Drama | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

TRAILER-TIPPS

 

Links & Infos

 

Schauspieler:Colin Farrell, Dejan Angelov, Yordan Bikov, Dragos Bucur, Sattar Dikambayev, Sally Edwards, Valentin Ganev, Igor Gnezdilov, Mariy Grigorov, Ed Harris, Meglena Karalambova, Irinei Konstantinov, Ruslan Kupenov

Regie:Peter Weir

Produktion:Peter Weir

Die Story:Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt der Film von Peter Weirs vom langen Weg in die Freiheit. Die Flucht von sieben Kriegsgefangenen aus einem sibirischen Arbeitslager am Ende des 2. Weltkrieges.

Hintergrund:Der 6-fach Oscar®-Nominierte Regisseur, Autor und Produzent Peter Weir konnte für sein neues, bildgewaltiges und dramatisches Epos THE WAY BACK – DER LANGE WEG mit dem mehrfach für einen Oscar®-Nominierten Ed Harris, dem Golden Globe Gewinner Colin Farrell, dem talentierten Jungschauspieler Jim Sturgess und der jungen, bereits für einen Oscar®-Nominierten Saoirse Ronan ein eindrucksvolles Ensemble gewinnen.




Eure Meinung zu "The Way Back"



Kommentar zu "The Way Back" ohne einloggen abgeben:

 



Eure Kommentare zu "The Way Back":

nun ja nicht schon wieder weltkriegs, sibirien gedöns...

Joey Bin begeistert! XD

 




♥: großartige Landschaften, authentisches Survival-Feeling
−: emotionsarme Erzählweise, sprunghafter Verlauf

In den 50er Jahren war die Serie "Soweit die Füsse tragen" der erste Straßenfeger des noch recht neuen Fernsehens: die abenteuerliche Geschichte eines deutschen Kriegsgefangenen, der quer durch Sibirien flüchtet, um nach Hause zu kommen. Der gleichnamige Roman von 1955 basiert auf den angeblich wahren Erlebnissen des Wehrmachtssoldaten, Cornelius Rost. 2001 verarbeitete Regisseur Hardy Martins das Buch zu einem gleichnamigen Kinofilm. Weder die Serie noch der Film erhielten allerdings im Ausland größere Aufmerksamkeit. Ein Wehrmachtssoldat als Held war wohl schwer zu vermitteln. Außerdem gab es da noch eine Geschichte, die 1956 von einem ähnlichen Abenteuer erzählte, in der ein polnischer Gefangener durch Sibirien reiste. Das Buch war weltweit ein Erfolg. Da erhebliche Zweifel an der Echtheit der Geschichte bestehen, orirentiert sich Peter Weir mit senem Film aber nur an den Eckdaten und erzählt ansonsten seine ganze eigene Version.


"The Way Back" entstand ohne großes Studio im Hintergrund. Mehrere kleine Produktionesfirmen waren stattdessen beteiligt, darunter auch "National Geographic", sonst eher für aufwändige Naturdokus bekannte. Das erklärt allerdings auch, warum der Film mit vergleichsweise wenig P.R. auskommen musste und im Kino weltweit unterging trotz des Rufs von Peter Weir.

1939 überfallen Deutschland und die Sowjetunion Polen und teilen das Land auf. Der junge Pole Janusz (Jim Sturgess) lebt im russisch besetzen Teil. Dort wird er von einem Militärtribunal als angeblicher Gegner der Kommunisten zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt - vor allem auf Grund der unter Folter erpressten Aussage seiner eigenen Frau.

Janusz landet in einem Arbeitslager in Sibirien. "Sibirien ist euer Gefängnis" sagt der Lagerkommandant und macht damit klar - eine Flucht wäre Selbstmord. Tausende Kilometer unwirtlicher Landschaft - und Ureinwohner, die für jeden gefangenen Flüchtling ein Kopfgeld bekommen. Janusz wagt es dennoch. Denn auch das Leben im Lager kann schnell tödlich enden. Unter den Männer herrscht ein gnadenloser Überlebenskampf um warme Kleidung und das knappe Essen. Mitten in einem Schneesturm wagt er den Ausbruch, begleitet von ein paar Freunden aus dem Lager, von dem mysteriösen Amerikaner Mr.Smith (Ed Harris) und dem unberechenbaren Kriminellen Volka (Colin Farrell). Ihn abzuweisen, wäre wahrscheinlich gefährlicher gewesen, als ihn mitzunehmen. Und er hat als einziger ein Messer.
Tatsächlich scheint die Flucht zu gelingen. Im Schneetreiben sind ihre Spuren nicht zu sehen und in der Eiseskälte machen sich auch keine Suchtrupps auf den Weg. Dafür droht den Flüchtlingen ständig der Tod durch Erfrieren oder Verhungern. Doch das ist erst der Anfang ihrer zermürbenden Odyssee. Der Plan ist es, sich nach Süden durchzuschlagen und China zu erreichen. Tasächlich erreichen sie eines Tages die Grenze - treffen dort aber auf ganz neue, unerwartete Probleme und müssen sich eine neue Route überlegen. Aber ohne Karten ist es schwer einzuschätzen wie weit sie es geschafft haben und ob sie überhaupt auf dem richtigen Weg sind. Aus Angst vor Verrat wagen sie es auch nicht, sich an irgendwelche Einwohner zu wenden - wenn sie denn überhaupt jemand in der menschenleeren Einöde treffen.
Bei Irena (Saoirse Ronan) ist das etwas anders. Sie ist selbst aus einem Lager geflohen und sucht den Schutz der Männer. Die sorgen sich anfangs nur um ihre knappen Nahrungsvorräte und befürchten, ein Mädchen könnte ihren Marsch verlangsamen - aber bald sind dennoch fast froh über die Begleitung und entwickeln brüderliche oder väterliche Gefühle.
Dennoch ist die Odyssee dadurch längst noch kein Picknick. Nach dem sibirischen Frost müssen sie sich durch mückenverseuchte Sümpfe und staubtrockene Wüsten kämpfen. Mit der Gesundheit der Männer geht es dabei ständig bergab und schon eine falsche Entscheidung könnte den Tod bedeuten.

Peter Weir beweist echten Mut mit seinem Film, denn er verweigert sich gängigen Hollywood-Konventionen. Der monumentale Fußmarsch wird von ihm beinahe dokumentarisch inszeniert
Von dem Tempo und der Dramatik des Trailers ist im Film selbst nichts mehr zu sehen.
Er verzichtet nahezu auf alle Möglichkeiten, die Story zum rasanten Abenteuer zu machen. Schon die Flucht aus dem Gulag wirkt gehetzt, überstürzt und auch viel zu einfach. Nach einer Minute ist alles überstanden. Auch später gibt es keine Verfolgungsjagden mit grimmigen Rotarmisten, keinen Showdown mit schießwütigen Tartaren - und keine Machtkämpfe innerhalb der Gruppe. Dabei rechnet man ständig damit, dass der eher sanftmütige Janusz und der jähzornige Valka sich irgendwann an die Gurgel gehen. Stattdessen verabschiedet sich der russische Gangster sang- und klanglos, als die Gruppe sich anschickt, Russland zu verlassen. Das wirkt fast, als hätte Colin Farrell nur für einige Drehtage unterschrieben. Auch der zweite große Name, Ed Harris schlägt einfach irgendwann eine andere Richtung ein - und weg ist er. Kein tränenreicher Abschied, nachdem man sich monatelang zum Durchhalten motiviert hat. Daran muß man sich erstmal gewöhnen. Übrig bleibt Jim Sturgess ("Heartless"), der einen zwar sympathischen, mitfühlenden, aber auch etwas blassen Helden spielt. Denn auch die großartige Saoirse Ronan ("Wer ist Hanna ?"), die während der Dreharbeiten ihren 16. Geburtstag feierte, verlässt die Gruppe unter ausnahmsweise mal etwas dramatischeren Umständen.
"No Way Back" ist ein toller Reisebericht und ein Mahnmal menschlicher Belastbarkeit , wirkt aber selbst unter der brennenden Wüstensonne emotional sehr unterkühlt. Das war zwar von Peter Weir beabsichtigt, ist beim Zuschauen aber doch irritierend. Denn eine Dokumentation ist "No Way Back" schließlich nicht. Dazu trägt auch der oft sehr sprunghafte Wechsel der Locations bei. In einem Moment sind alle kurz davor zu erfrieren, im nächsten sitzen sie in einer trockenen Höhle in einer schneefreien Waldlandschaft. So zerfällt der Spielfilm in einzelne, nur notdürftig verknüpfte Episoden. Gedreht wurde übrigens gar nicht in Sibirien, sondern in Bulgarien, Marokko und Indien. Dem exzelenten optischen Eindruck schadet das nicht, und auch die oscarnominierten Maskenbilder haben Großartiges geleistet um die Strapazen der Reise in den Gesichter der Darsteller sichtbar zu machen - was beim zerfurchten Ed Harris sicher etwas einfacher war. Am Ende sieht der so ausgemergelt aus, dass man sich tatsächlich sorgen um ihn macht.
Weir behauptet nicht, dass er eine bis ins Detail wahre Geschichte erzählt. Er ist sich allerdings sicher, dass irgendjemand irgendwann diese Reise unternommen hat. Dafür gibt es auch starke Indizien. Aber alle Erzähler, die sich selbst damit brüsten, konnten bisher mit ziemlicher Sicherheit als Lügner enttarnt werden, sei es der Autor des Buches "The Long Walk", Slawomir Rawicz, oder der Pole Witold Glinski, der behauptete, Rawicz habe seine Geschichte geklaut. Darum hat Peter die Story fiktionalisiert. Das heißt, so wichtig war ihm die Wahrheit nicht. Im Film ist der Held Jnusz verheiratet und flüchtet, um seiner Frau für ihren Verrat vergeben zu können. Der (mutmaßliche) eigentliche Held Glinski war bei seiner Deportation dagegen erst 17 Jahre alt. Und sein Fluchtmotiv war der Wunsch gegen die verhassten Russen zu kämpfen und als Bomberpilot den Kreml in Schutt und Asche zu legen. Aber Rache als Motivation seines Helden war Weir wohl zu düster. Stattdessen verpasst er seiner Geschichte ein zwar tragisches aber auch sentimentales Ende, in dem er einen Bogen zur Gegenwart schlägt.
Wer die unglaubliche Reise lieber im Stil eines Abenteuers sehen möchte, der wird mit "Soweit die Füsse tragen" sicher glücklicher. Die Geschichte ist zwar vermutlich auch nie so passiert, aber deutlich spannender inszeniert.

Vom Regisseur von "Master & Commander", "Die Truman-Show", "Der Club der toten Dichter" und "Mosquito Coast" ist man exzellente Dramen über Menschen in Ausnahmesituationen gewohnt. An diese Tradition kann "The Way Back" nur teilweise anknüpfen. Das Survival-Abenteuer überlässt der rauen Natur die Hauptrolle, gibt den Schauspielern zu wenig zu tun und fesselt dadurch nicht so wie man es von Peter Weir erwarten darf.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht