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Barneys Version Trailer und Filmkritik

FSK Film: 12 | FSK Trailer: 6 | Länge: 134 Min | Kinostart: 14.07.2011 | Release: 17.11.2011 (DVD&BD)
© Universal Pictures | Genre: Drama | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

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Schauspieler:Dustin Hoffman, Rosamund Pike, Paul Giamatti, Minnie Driver, Rachelle Lefevre, Bruce Greenwood, Scott Speedman, Mark Addy, Saul Rubinek, Jake Hoffman, Clé Bennett, Marina Eva, Harvey Atkin, Anna Hopkins

Regie:Richard J. Lewis

Produktion:Robert Lantos

Drehbuch:Michael Konyves

Die Story:Fernsehproduzent Barney Panofsky (Paul Giamatti) ist ein scheinbar durchschnittlicher Mann, der ein ganz außergewöhnliches Leben führt. Und nun will er uns davon erzählen. Aber warum jetzt? Auslöser für seine offenherzige, pikante Lebensbeichte - die vier Jahrzehnte, drei Ehen, zwei Kontinente und eine große Liebe umfasst - ist die Veröffentlichung der Memoiren seines Erzfeindes. Der offenbart darin einige der dunkelsten Kapitel aus Barneys Leben: die vielen, oft undurchsichtigen Geschäfte, die zu Barneys Erfolg geführt haben, Barneys drei Ehen, die allesamt scheiterten, und - besonders problematisch - das mysteriöse, noch ungeklärte Verschwinden von Barneys bestem Freund Boogie (Scott Speedman). In diesem ungelösten Fall, möglicherweise ein Mord, gilt Barney noch immer als Hauptverdächtiger. Barney sieht sich vollkommen bloßgestellt und sogar als vermeintlicher Mörder in Verruf gebracht. Also entscheidet er sich, nun seine Version der Geschichte zu erzählen. Zumindest soweit er sich erinnern kann...

Hintergrund:Zigarren, Whiskeys und mindestens eine Ehe zu viel. Frei nach Mordecai Richlers preisgekrönter satirischer Romanvorlage Barney’s Version (Wie Barney es sieht) - seinem letzten (1997) und unumstritten auch bestem Werk - wird nun auch das Kinopublikum auf eine Funken sprühende Achterbahnfahrt durch das Leben von Barney Panofsky mitgenommen - inklusive schamloser Abstürze, schlagfertiger Steilkurven und ungenierter Liebesloopings. Barney’s Version mit Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike und Minnie Driver u.a. ist ein mitreißender Mix aus Art-House-Drama und schwarzer Komödie. Spritzig, subversiv mit herrlich-jüdischem Wortwitz - oder, wie Barney erfrischend zynisch meint: Die wahre Geschichte meines verschwendeten Lebens. Doch sein schonungsloser Humor ist nur eine grandiose raue Schale, denn hinter Barneys zügellosem Mundwerk verbirgt sich mindestens genauso viel Herz wie Biss. Paul Giamattis superbe Performance gehört zum Besten was man im Kino im Fach Charakterdarsteller zu sehen bekommt. Und Achtung: Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Anschauen von Barney’s Version den IQ um mindestens 20 Punkte erhöhen kann...




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♥: Großartiges Ensemble, sensibel gespielt voll bitterem Humor.
−: Zeitsprünge mitunter verwirrend, zu sentimentales Ende

Barney (Paul Giamatti) ist ein alternder Fernsehproduzent, der sich nach der Scheidung nur durch Tabletten, Alkohol und gehässige Anrufe beim "Neuen" seiner Ex aufrecht hält. Und auch an seinem Job bei einer dauerlaufenden Soapserie hat er längst keinen Spaß mehr. Ein Enthüllungsbuch über seine Vergangenheit hat ihm gerade noch gefehlt. Darin beschuldigt ihn ein verbitterter Ex-Polizist (Mark Addy), vor 30 Jahren einen Freund ermordet zu haben. Hat Barney oder hat er nicht ? Das weiß er leider selbst nicht so genau. Grund genug, sich an die vergangene Zeiten zu erinnern - und an die Fehler, die er in seinem Leben gemacht hat. Ein Krimi ist "Barneys Version" dadurch allerdings nicht, sondern eine bittersüße Biographie.


Barney erinnert sich an die drei Frauen in seinem Leben, die ihn zu dem gemacht haben. Und daran wie er es trotz bester Absichten mit allen vermasselt hat.
Frau Nummer 1 war eine eher unsolide und instabile Künstlermuse, die Barney eher überhastet heiratet, nachdem er sie angeblich geschwängert hat. Und obwohl sie ihn ausnutzt, belastet ihn ihr Selbstmord noch Jahre später, obwohl selbst sein Schwiegervater meint, er solle sich nicht die Schuld geben. Auch wenn Barney sich manchmal wie ein Schwein aufführt - im Kern ist er doch ein guter Kerl.
Obwohl die Heirat mit Ehefrau Nummer 2 nicht ganz uneigennützig ist. (Minnie Driver) ist eine Tochter aus bestem jüdischem Geldadel. Gebildet, aber oberflächlich. Für ihn ist es eine Zweckehe, während sie ihn ehrlich liebt - oder auch nur eine vorbildliche Ehe führen will, wie es alle von ihr erwarten.
Aber ausgerechnet auf der eigenen Hochzeit trifft Barney seine Traumfrau ? Er ist sicher, das Miriam (Rosmaund Pike) die Liebe seines Lebens ist.
Aber die lässt den frisch verheirateten (und heftig angetrunkenen) Barney erstmal abblitzen. Doch der lässt nicht locker. Um mit ihr zusammenzukommen, lässt er sich sogar scheiden. Mit Miriam gründet er eine richtige Familie, hat Kinder und lebt jahrelang glücklich. Doch auch das Glück mit ihr ist nicht von Dauer. Und dafür gibt es einen Grund - neben Barneys Alkholismus: Mißtrauen. Denn so entschlossen er Miriam umworben hat, so ist er sich ihrer Liebe doch nie sicher.
Der Film basiert auf einem Buch des in Kanada berühmten Autors Mordecai Richler. Er hat unter anderem die Vorlage für die Jim Carrey-Komödie "Dick & Jane" (oder besser das Original "Das Geld liegt auf der Straße" von 1977) geliefert.
Da Richler bei uns kaum eher unbekannt ist (die meisten seiner Bücher sind vergriffen) können die meisten bei uns den Film unvoreigenommen von der Buchfassung sehen.
Das erstaunliche am Film sind aber die Macher. Regisseur Richard J.Lewis arbeitet vor allem fürs Fernsehen, wenn auch für renommierte Serien wie CSI. Und Drehbuchschreiber Michael Konyves hat solche TV-Event-Perlen wie "Earth Storm - Wenn der Mond auf die Erde stürzt " und "Solar Attack - Der Himmel brennt" verzapft. Nicht nur daran gemessen ist "Barneys Version" ein kleines Wunder.
Man spürt den reichen Background der Literaturvorlage in den komplexen Figuren, auch wenn für den Film vieles ausgedünnt, verändert oder ganz weggelassen wurde. Geblieben sind die komplexen Hauptfiguren und die scharfen Dialoge. Und eine Story die mehr als 40 Jahre umspannt. Dank ordentlicher Austattung und grandioser Maskenbilder nimmt man Paul Giamatti die Zeitreise aber komplett ab. Er überzeugt als quirliger Jungkünstler genauso wie als grummeliger Misanthrop. Er darf und kann hier seine ganze Bandbreite zeigen. In seiner Alterklasse ist er immer noch einer der vielseitigsten - und unterschätztesten Darsteller. Rachelle Lefevre, Minnie Driver und Rosamund Pike überzeugen als Barneys Frauen, Scott Speedman spielt seinen besten Freund, der unter mysteriösen (und später kurios aufgeklärten Umständen) verschwundet. Aber alle werden doch blass neben Dustin Hoffman als Barneys Vater Izzy. Er stielt allen die Show und spielt mit mehr Lust und Tiefgang als man vom ihm seit Jahren gewohnt ist. Wo war er bloss so lange ?
Die erste Hälte des Films geht dabei ziemlich rasant vorbei, ein guter Einstieg, während später das Tempo ab- und die emotionale Wucht zunimmt. Und das könnte ungeduldigen Zuschauer bei deutlich über zwei Stunden Länge etwas zu heftig sein.
Obwohl das Schicksal Barney heftig beutelt - und er sich gern auch selbst ein Bein stellt, ist sein Leben dennoch über weite Strecken eine bitter-süße Erfahrung und nie langweilig
Ein bewegende Literaturverfilmung, gediegen ausgestattet, prominent besetzt, exzellent gespielt.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht