Der Mandant Trailer und Filmkritik
Originaltitel: The Lincoln Lawyer | Mit: Matthew McConaughey, Marisa Tomei
FSK Film: 12 | FSK Trailer: 12 | Länge: 118 Min | Kinostart: 23.06.2011 | Release: 02.12.2011 (DVD&BD)
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Schauspieler:Matthew McConaughey, Marisa Tomei, John Leguizamo, Ryan Phillippe, Michaela Conlin, Shea Whigham, William H. Macy, Katherine Moennig, Margarita Levieva, Michael Pena, Michael Paré, Frances Fisher, Natalina Maggio, Pell James, Laurence Mason
Regie:Brad Furman
Die Story:Mick Haller macht seine Geschäfte auf dem Rücksitz seines Lincoln Continental. Er ist Strafverteidiger in Los Angeles und hat kein richtiges Büro. Sein Fahrer bringt ihn zu den Gerichten, wo Mick sein Geld mit dem Verteidigen von Dealern, Prostituierten und ähnlichen Klienten verdient. Mick hat eine kleine Tochter, aber sein Privatleben hat bereits gelitten unter seinem Job. Er ist geschieden und muss stetig neue Fälle an die Angel holen. Als es einen Sohn reicher Eltern aus Beverly Hills zu verteidigen gibt, der wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt wurde, klingt das für Mick nach leicht verdientem Geld. Jedoch entpuppt sich der Fall als kompliziert und gefährlich, sodass es bald um mehr als den rechtlichen Beistand geht...
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Eure Meinung zu "Der Mandant"

♥: stylische Inszenierung, hohes Tempo, komplexe Hauptfigur
−: juristische Grundkenntnisse helfen, etliche Thrillerklischees.
Auch wenn aus Deutschland die besten Autos der Welt kommen - die autoverrückteste Nation der Welt sind zweifellos die USA. Hier wurden schon Drive-In-Restaurants und Drive-In-Kinos erfunden, selbst kürzeste Strecken werden auf vier Rädern absolviert, etliche Orte haben noch nicht mal Fußwege. Und wenn man Hollywood glauben darf, wurde die Hälfte der Bevölkerung auf dem Rücksitz eines Cadillacs gezeugt. Und trotzdem ist es auch in den USA nicht normal, dass ein Anwalt sein Auto zum Büro umfunktioniert. Aber genau das tut der Anwalt Mick Haller. Nicht aus Geldmangel (er hat sogar einen Chauffeur und auch ein "echtes" Büro), sondern um Zeit zu sparen. Im Original heißt der Film darum "The Lincoln Lawyer", in Deutschland bekam der Film den nichtssagenden Titel "Der Mandant" verpasst. Damit sollen wohl die Fans der Grisham-Verfilmungen wie "Die Akte", Die Jury", "Das Urteil" und "Die Firma" angelockt werden. Und die dürften hier tatsächlich auf ihre Kosten kommen. Zur Entschuldigung der Übersetzer muß man allerdings sagen, dass die Idee der rollenden Kanzlei nur zu Beginn des Films eine Rolle spielt.
Das permanente Mobilität prägt den Charakter von Mick Haller (Matthew McConaughey).
Ruhelos hetzt er in L.A. von einem Gerichtstermin zum nächsten, immer unter Zeitdruck. Für aufwändige Verhandlungen ist da kaum Zeit, Mick regelt seine Fälle lieber außergerichtlich. Er ist ein Experte darin, alle um den Finger zu wickeln, Gerichtsdiener, Richter, Polizisten. Mick spielt mit dem Justizsystem wie auf einem Instrument. Seine Mandanten sind vor allem Prostituierte, Drogendealer und andere Barzahler. Ob sie schuldig sind oder nicht, ist weniger wichtig. Keiner käme auf die Idee, Mick als respektabel zu bezeichnen. Geld ist aber trotzdem immer etwas knapp -
Das ändert sich, als ein wohlhabender Klient ihn ausdrücklich anfordert. Millionenerbe Louis Roulet (Ryan Philippe) soll eine Frau überfallen und mißhandelt haben. Ein verlockendes Angebot, daß Haller die Tür zu lukrativeren Fällen öffnen könnte - und nach einem leichten Fall aussieht. Haller´s Helfer, der Privatdetektiv Frank Levin (wie immer sehenswert: William H. Macy mit schrecklicher Vokuhila-Perücke) stößt ziemlich schnell auf entlastende Beweise. Das Opfer war eine Prostituierte, die Roulet offenbar gezielt in einer Bar abgeschleppt hatte. Ist das also nur eine Falle, um Roulets Familie zu erpressen ?
Natürlich bleibt der Fall nicht so simpel. Schnell wird klar, dass Roulet tatsächlich eine Leiche im Keller hat. Und langsam begreift Mick Haller auch, warum er den Fall bekommen hat. Vor Jahren hat er einen Klienten mit einem seiner windigen Deals vor der Todeszelle bewahrt. Was damals wie ein Erfolg aussah, könnte ein riesiger Fehler gewesen sein, denn vielleicht sitzt ein Unschuldiger wegen ihm seit Jahren im Gefängnis.
Aber wie kann Haller seinen neuen Mandanten der gerechten Strafe zuführen ? Schließlich gilt für den Anwalt absoulte Schweigepflicht, selbst wenn sein Mandant ein Verbrechen gesteht. Eigentlich nimmt er es ja mit den Regeln nicht so genau, aber ein Bruch seines Anwaltseids könnte ihn seine Zulassung kosten. Vor allem aber entpuppt der aalglatte Roulet sich als kleverer Psychopath, der zu allem fähig ist...
Angesichts von dutzenden Serien über das US-Justizsystem stellt sich die Frage, ob man da noch einen Film darüber braucht. Aber die ausgefeilte Optik, die hochklassige Darstellerriege und der verzwickte Plot liegen weit über TV-Niveau. Und ein Stück weit überschreitet "Der Mandant" auch wohltuend die engen Genregrenzen und wird zumindest ein bißchen zum Charakterdrama, in dem Mike Haller sein gesamtes bisheriges Dasein und dessen Konsequenzen überdenken muss. Auch wenn Matthew McConaughey zuletzt fast nur banale Komödien gespielt hat: Hier kann er beweisen, dass er noch Talent hat. Sein Mick Haller wandelt gekonnt und augenzwinkernd auf dem schmalen Grat zwischen sympathischen Schlitzohr und schmierigem Strippenzieher, zwielichtig aber charmant und nie simpel gestrickt. Als Anwalt hatte McConaughey schon Riesenerfolg in der Grisham-Verfilmung "Die Jury". Da macht es Sinn, dass nochmal zu versuchen, auch wenn er dafür drauf verzichten muß, sein Sixpack zu zeigen. "Der Mandant" hat trotzdem einiges fürs Auge zu bieten. Die Optik ist leicht körnig und verblichen und weckt zusammen mit dem stylischen Splitscreen-Intro Erinnerungen an Filme aus den Siebziger, dazu passt auch der soullastige Soundtrack.
Die Macher haben allesamt einschlägige Erfahrungen mit Justizthrillern gesammelt. Der Autor der Romanvorlage, Michael Conelly, lieferte auch die Vorlage für den Eastwood-Krimi "Blood Work" . Bei einem Baseballspiel hatte er einen Anwalt getroffen, der wie Haller aus seinem Auto heraus arbeitet - und fing gleich an, die Idee zum Buch zu verarbeiten. Produzent Tom Rosenberg war früher selbst Strafverteidiger, sein Kollege Gary Lucchesi drehte zu Beginn seiner Karriere den Gerichtsklassiker "Im Zwielicht" mit Edward Norton und Richard Gere. Drehbuchautor John Romano hat schon an einigen Gerichtsserien wie "L.A.Law" mitgearbeitet, vor allem aber am der Anwaltskomödie "Ein unmöglicher Härtefall" mit George Clooney und Catherine Zeta-Jones. Auch wenn "Der Mandant" keine Komödie ist, ziehen sich kleine Gags durch die Story und besonders Mick Haller ist immer für einen coolen Spruch gut.
Regisseur Brad Furman hat bisher nur den (allerdings gelungenen) Thriller "The Take" in seinem Lebenslauf vorzuweisen. Aber seine Eltern und Großeltern waren Anwälte, so daß die Welt der Gerichte und Prozesse ihm sehr vertraut ist. Und er ist derzeit auch der Mann, der Arnold Schwarzeneggers geplantes Comeback "Cry Macho" betreuen soll. Da sollte man schon mal einen Blick riskieren.
Klischeefrei ist sein zweiter Spielfilm leider nicht. Natürlich ist Haller geschieden, und seine Exfrau (Marisa Tomei) ist als Staatsanwältin auch noch eine seiner regelmäßigen Gegnerinnen, natürlich gerät seine Familie im Laufe der Geschichte in Gefahr, natürlich sterben liebgewonnene Nebenfiguren den Opfertod, natürlich helfen einige der anfangs vorgestellten Klienten bei der Lösung des Falls. Ärgerlich ist jedoch nur, dass am Ende auch ein gewiefter Anwalt wie Haller nicht ohne Waffengewalt auskommt. Außerdem gibts auch einige Logiklücken. So würde garantiert kein Millionenerbe sich vor Gericht von nur einem einzigen Anwalt vertreten lassen. Da wird garantiert immer eine ganze Manschaft in die Schlacht geschickt. Das haut dem Justizthema ein wenig die Beine weg. Und trotzdem kann man sagen "Im Zweifel für den Angeklagten".
Matthew McConaugheys erster seriöser Film seit Ewigkeiten lieferte spannende,stylische Unterhaltung mit einem sehenswerten Darstellerensemble. Nur Zuschauer ohne Ahnung von Anwaltsserien könnten manchmal den Durchblick verlieren. "Der Mandant" ist ein lupenreiner, stylischer und temporeicher Justizthriller, eine spannende Schnitzeljagd voller falscher Fährten, kleiner und großer Lügen und Winkelzüge.
