Die Kinder Von Paris Trailer und Filmkritik
FSK Film: 12 | Länge: 115 Min | Kinostart: 10.02.2011 | Release: 01.09.2011 (DVD&BD)
© Constantin Film | Genre: Drama | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? |
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Schauspieler:Jean Reno, Mélanie Laurent, Gad Elmaleh, Raphaëlle Agogué, Anne Brochet, Thierry Fremont, Catherine Allegret, Denis Menochet, Isabelle Gelinas, Hugo Leverdez, Mathieu Di Concetto, Romain Di Concetto, Olivier Cywie, Adele Exarchopoulos, Rebecca Marder
Die Story:Paris 1942: Joseph (Hugo Leverdez) ist elf Jahre alt, ein aufgeweckter, blonder Bengel, der sich auf die Sommerferien freut - auch wenn an diesem Junimorgen vieles anders ist. Verwundert registriert der kleine Jo, dass er von einem Tag auf den anderen keinen Zutritt mehr zu Kinos, Jahrmärkten und öffentlichen Parks hat. Dennoch genießen er, seine Familie und Freunde die bescheidene Idylle auf der Butte Montmartre. Im Schatten des Sacré Coeur sind sie zu Hause, führen ein ganz alltägliches Leben und wähnen sich trotz deutscher Besatzung in Sicherheit - bis zum Morgen des 16. Juli 1942, als ihr fragiles Glück zerbricht...
Hintergrund:In einer einzigen Nacht verändert sich das ganze Leben: Erzählt wird die unglaubliche Geschichte des Joseph Weismann, in der zwischen Glück und Tragik, zwischen Leben und Tod stets nur ein Wimpernschlag liegt. Mit großer Anteilnahme und in bewegenden Bildern schildert Rose Bosch in DIE KINDER VON PARIS das authentische Schicksal von Joseph Weismann. An der Spitze eines wunderbaren Ensembles agiert Weltstar Jean Reno (22 Bullets, Im Rausch Der Tiefe) in einer ungewöhnlich sanften Rolle, während Inglourious Basterds-Entdeckung Mélanie Laurent als couragierte Rotkreuzschwester erneut fasziniert. Allein in Frankreich lockte der Film drei Millionen Zuschauer in die Kinos und stieß einen gesellschaftlichen Diskurs an, der Rose Bosch in ihrer Überzeugung bestätigte, dass diese Geschichte endlich erzählt werden musste. Als einer der Favoriten geht DIE KINDER VON PARIS am 25. Februar 2011 ins Rennen um die 36. Césars.
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Detailierte Inhaltsbeschreibung:
Paris im Frühsommer 1942. Der elfjährige Joseph Weismann (HUGO LEVERDEZ), ein aufgeweckter, hübscher Junge mit Blondschopf und schelmischem Lächeln, ist auf dem Weg zur Schule. Bei einem Karussell unterhalb der schneeweißen Basilika Sacré Coeur bleibt er stehen und schaut eine Weile verträumt zu, wie gleichaltrige Kinder auf den bunten Holzpferdchen ihre Runden drehen. Als er bemerkt, dass ein deutscher Soldat ihn filmt, setzt Jo schnell seinen Weg fort. Dabei streift sein Blick ein Schild, auf dem „Für Juden verboten“ steht.
Seit ein paar Tagen muss der kleine Jo einen Judenstern auf der Brust tragen. In vorauseilendem Gehorsam hat das Vichy-Regime unter Marschall Pétain nicht nur anti-jüdische Gesetze erlassen, die von der deutschen Besatzungsmacht wohlwollend registriert werden, sondern kürzlich sogar noch verschärft. Aber am Montmartre, dem dörflich anmutenden Arrondissement im Norden von Paris, ist wenig davon zu merken, dass die Rechte der jüdischen Bevölkerung immer weiter eingeschränkt werden. Die Menschen, die hier leben, sind freundlich und vorurteilsfrei. Nur die dicke Bäckersfrau an der Ecke schimpft Jo gern mal hinterher und findet die Judensterne praktisch, weil sie Jo und seine Kumpel jetzt leichter von den anderen frechen Bengeln im Viertel unterscheiden kann. Jo ist zu jung, um sich für die große Weltpolitik zu interessieren. Trotzdem spürt er, dass es falsch ist, was ihm und den Seinen widerfährt. Ein Schulfreund, den er wenig später trifft, versucht ihn aufzumuntern: Er solle sich nichts daraus machen, dass sie den gelben Stern tragen müssen, sie seien nun mal Juden – und stolz darauf!
Josephs Vater Schmuel (GAD ELMALEH), der für Frankreich gegen die Deutschen gekämpft hat, ist überzeugter Trotzkist und bringt seine Familie mit der Herstellung von kleinen Sacré- Coeur-Modellen aus Gips finanziell über die Runden. Die Weismanns wohnen in einem Mietshaus, in dem jüdische und nicht-jüdische Familien einträchtig zusammenleben. Im lauschigen Innenhof sitzen die Frauen häufig strickend zusammen, während die Männer bei der Arbeit sind, es wird getratscht, Radio gehört, den Kindern beim Spielen zugesehen – und als Jo an diesem Tag von der Schule heimkommt, freut sich seine Mutter Sura (RAPHAËLLE AGOGUÉ) über die Rationsmarken, die ihr Kleiner mitbringt.
In der Familie kabbelt man sich darüber, wie die aktuelle Situation zu beurteilen ist. Jos ältere Schwester Rachel (REBECCA MARDER) wirft ihrem Vater Untätigkeit vor und wünscht sich, sie wären alle längst nach Spanien geflüchtet. Mutter Sura, die für ein geringes Zubrot die Wäsche der reichen Nachbarsfamilie Traube bügelt, will davon nichts hören und wünscht sich, dass ihre Tochter aus „Vom Winde verweht“ vorliest; selbst wenn sie dann weinen müsse, sei das nicht schlimm, schließlich handele es sich um eine fiktive Geschichte. Während Jos jüngere Schwester Charlotte (CHARLOTTE DRIESEN) nur ans Ballettüben denkt und untröstlich ist, als man ihr die weitere Teilnahme am Unterricht im Konservatorium verbietet, sieht Schmuel keinen Grund zur Sorge. Rebecca gibt zu bedenken, dass immer mehr Juden mit Berufsverboten belegt würden, darunter auch Professor Traube, und dass man sie in Frankreich mittlerweile als „Unerwünschte“ bezeichne. Sich endlich aus dem Staub zu machen, sei die einzige Lösung, findet Rebecca. „Mit welchem Geld?“, fragt Schmuel zurück. Frankreich gelte in ihrem Herkunftsland Polen nicht umsonst als Zufluchtsort für die Juden und außerdem sei Pétain kein Kosake. Ende der Diskussion!
Doch unbemerkt von den Weismanns braut sich über ihren Köpfen ein politisches Gewitter zusammen, ziehen dunkle Wolken auf: Im engen Schulterschluss mit Pétains Stellvertreter Pierre Laval beschließen die deutschen Militärbefehlshaber, am 16. Juli eine Massenrazzia zu organisieren, bei der zunächst 28 000 Juden im Großraum Paris verhaftet und von Transitlagern aus in den Osten deportiert werden sollen. Die Operation „Frühlingswind“ wirft schon bald ihre Schatten voraus. Ein Gendarm, der mit der Concierge befreundet ist, die in Jos Wohnhaus nach dem Rechten sieht, berichtet ihr, dass die Behörden sich verdächtig intensiv mit der Judenkartei beschäftigen. Seine Befürchtung, dass eine große Verhaftungswelle bevorstehen könnte, veranlasst die Concierge (CATHERINE ALLÉGRET), mit der hochschwangeren Madame Zygler (SYLVIE TESTUD) ein Warnzeichen zu vereinbaren: Sollte Gefahr im Verzug sein, werde sie – auch mitten in der Nacht – im Innenhof nach ihrer Katze rufen, die es in Wahrheit gar nicht gibt.
Und tatsächlich: In den frühen Morgenstunden des 16. Juli 1942 beginnt eine perfekt organisierte Massenrazzia, in deren Verlauf 9000 französische Polizisten rund 13 000 Juden verhaften. Alleinstehende und kinderlose Ehepaare werden ins nördlich von Paris gelegene Transitlager Drancy gebracht, alle anderen werden im Vel’ d'Hiv’ genannten Winter-Velodrom, einem überdachten Radrennstadion in der Nähe des Eiffelturms, zusammengepfercht. Dort müssen 7000 Menschen – Männer, Frauen und kleine Kinder, Alte, Schwangere, Säuglinge und Kranke – fünf endlose Tage ohne Wasser, Nahrung und nennenswerte medizinische Versorgung verbringen. Während Dr. Sheinbaum (JEAN RENO), der selbst zu den Verhafteten gehört, angesichts des unvorstellbaren Leids sein Menschenmöglichstes leistet, erkennt die evangelische Rotkreuzschwester Annette Monod (Mélanie Laurent) entsetzt, zu welchen unmenschlichen Auswüchsen viele ihrer Landsleute und die Kollaborateure des Vichy-Regimes fähig sind. Soweit möglich unterstützt sie Jo, seine Familie und deren Freunde. Ihr Herz verliert sie allerdings an den mutterlosen kleinen Nono. Der jungen Anna Traube (ADÈLE EXARCHOPOULOS) verhilft sie sogar zur Flucht aus dem Vel’ d'Hiv’.
Als am fünften Tag der Weitertransport der 7000 Insassen in das Transitlager von Beaune-La- Rolande südlich von Paris angeordnet wird, entschließt sich Annette Monod, Jo und seine Familie, Dr. Sheinbaum sowie den kleinen Nono zu begleiten. Es wird eine Reise ins Ungewisse, auch wenn ein französischer Offizier Josephs Vater Schmuel Weismann auf Ehre und Gewissen schwört, dass die jüdischen Gefangenen auf keinen Fall außer Landes gebracht würden...
Eure Meinung zu "Die Kinder Von Paris"
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Eure Kommentare zu "Die Kinder Von Paris":
selos und noch ein Kriegsdrama im 2ten W.Krieg ... Gähn sagt mal ihr lebt gern in der Vergangenheit was?
@co Das ist ein französischer und kein amerikanischer Film
ko wie sich Amerika wohl fühlen würde wenn man jeden Monat einen Film rausbringen würde über den Abwurf der Atombombe,die Sklavenbefreiung oder das enteignen von Land der Indianer .. eben man will es nicht mehr sehn.

♥: aufwändig ausgestattet, überzeugende, zauberhafte Kinderdarsteller
−: sehr schematische Struktur, weichgezeichnete Dramaturgie, Tragödie light
Als kleiner Junge entkommt Josef Weismann mit knapper Not der Deportations ins KZ. 4000 andere Kinder aus Paris hatten nicht so viel Glück. Die Regisseurin Rose Bosch hatt schon jahrelang für einen Film über die Ermordung der jüdischen Kinder aus Paris recherchiert, bis sie auf Josef Weismann stieß - und ihn zum Mittelpunkt ihrer Geschichte machte. Eine wichtige Episode französischer Geschichte wird hier aufwändig und vielschichtig, aber auch ein bisschen zu oberflächlich und gefällig aufgearbeitet. Leichtverdauliche Geschichte für ein großes Publikum.
In Frankreich war "Die Kinder von Paris" im Kino ein großer Erfolg. Dort gab es aber auch noch nicht soviele Filme über die dunkleren Kapitel französischer Geschichte. Und die Deportation jüdischer Kinder aus Paris ist da sicher eins der schlimmsten und symbolträchtigsten.
Im Sommer 1942 will das Naziregime auch die Juden im besetzten Frankreich deportieren. Für die Durchführung ist die französische Polizei zuständig, die auch sehr bereitwillig mitmacht. Allein in Paris sollen 28.000 Juden verhaftet werden, Männer, Frauen und Kinder. Das betrifft auch die Familie Weisman. Bislang lebten sie friedlich im idyllischen Viertel Monmartre, aber durch die Rassengesetze wurde ihr Leben nach und nach eingeschränkt. Die unbeschwerten Kindertage sind für den kleinen Joseph (Hugo Leverdez) und seine Kumpels fast vorbei, überall tauchen neue Verbotsschilder auf. Noch wehrt sich Jo´s Vater Shmuel mit jüdischem Humor, mit der Überzeugung, dass er als Weltkriegsveteran Respekt genießt und die Deutschen schon wieder verschwinden werden. Aber dann kommt der Tag der großen Razzia.
Während etliche Franzosen ihrem Judenhass freien Lauf lassen, bemühen sich auch viele, ihre Nachbarn zu warnen oder zu verstecken. Tatsächlich können etwa 12.000 Juden entkommen.
Die anderen werden in behelfmäßige Internierungslager gesteckt, allein 7000 landen in einer riesigen Radsporthalle, dem "Velodrom d´Hiver", darunter auch die Familie Weismann.
Die Zustände für die zusammengepferchten Menschen sind unerträglich, aber wer flüchtet, auf den wird geschossen. Die junge Krankenschwester Annette Monod (Mélanie Laurent) kann kaum glauben was sie hier erlebt, aber zusammen mit dem jüdischen Arzt Dr. Sheinbaum (Jean Reno) macht sie es sich zur Aufgabe, den Gefangenen zu helfen so gut es geht. Und sie merkt, dass es den französischen Behörden völlig egal ist, was hier passiert.
Sie bleibt dagegen bei ihren Schützlingen, besonders bei dem fünfjährigen Nono (gespielt von den Zwillingen Mathieu und Romain Di Concerto), der im Chaos ihre Eltern verloren hat. Auch als alle in ein Konzentrationslager auf dem Land gebracht werden, verlässt sie die Kinder nicht.
Aus Solidarität isst sie selbst nur soviel, wie die Lagerinsassen und bricht fast zusammen. Als Französin genießt sie gegenüber den Bewachern besondere Autorität und kann etliche Erleichterungen durchsetzen. Aber das Lager in Beaune-La-Rolande ist auch nur eine Durchgangsstation. Annette will ihre Schützlinge auch auf der nächsten Etappe begleiten, aber die Wachen halten sie zurück, denn sie wissen, dass es eine Reise ohne Wiederkehr ist.
In Frankreich war die eigene Rolle beim Holocaust lange ein Tabuthema. Erst 1994 wurde ein Denkmal für die Opfer errichtet. Ein damals verantwortlicher Polizeipräfekt wurde 1979 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Aber der Prozess zog sich über 13 Jahre in die Länge und endete auch dann nicht einem Schuldspruch sondern durch den Tod des Angeklagten. Offenbar gab es kein starkes Interesse an einer öffentlichen Schuldzuweisung, die auch andere französische Amtsträger betroffen hätte. Frankreich war schließlich keine Täternation, sondern ein Volk von Opfern und Widerstandskämpfern.
Auch der Film musste gegen heftige und typische Vorwürfe ("olle Kamellen", das interessiert keinen mehr") durchgesetzt werden. Tatsächlich gab es vor "Die Kinder von Paris" keinen Film über das Thema der Juden-Deportation aus Frankreich. Dabei macht der Film es den Franzosen denkbar leicht, sich ihrer Geschichte zu stellen. Immerhin konnte fast die Hälfte der Juden der Verfolgung durch französische Hilfe entkommen, mehr als in jedem anderen besetzten Land. Und diese Hilfe wird auch immer wieder gezeigt, ebenso wie die gelungene Flucht etlicher Personen, bei der Razzia, aus dem Velodrom und dem Transitlager.
Viel Zeit verwendet der Film auf den Hintergrund der Deportation. Frankreich war zweigeteilt in einen besetzten Teil und einen auch nur pro forma freien Teil, in dem das Vichy-Regime.
Auf beiden Seiten bemühen sich Opportunisten und Karrieristen, die Wünsche der Deutsche zu erfüllen und den eigenen Hals zu retten. Die Juden sind da nur Manövriermasse. Ein wenig verzettelt sich der Film aber auch in logistischen Details der Deportation. Die dort verplemperte Zeit geht auf Kosten der Opfer, die jeweils nur kurz vorgestellt werden können. Hier stellt der Film im typischen Stil von TV-Eventmovies á la "Dresden", oder "Die Luftbrücke" ein ganzes Sammelsurium verschiedener Figuren mit ihren ganz eigenen Problemen vor. Als Identifikationsfigur wird vor allem die evangelische Krankenschwester Annette angeboten, die zeigt wie man in einer solchen Situation handeln sollte. Den bleibendsten Eindruck hinterlassen aber die beiden Darsteller des kleinen Nono, der mit großen Augen und kindlicher Naivität durch das Inferno irrt. Für eine Hauptfigur kann sich der Film jedoch nicht so recht entscheiden und hüpft immer von einem Charakter zum anderen, als hätten die Macher Angst, dass die Geschichte sonst zu langweilig wäre. Schon klar, hier soll die ganze Bandbreite des jüdischen Lebens in Paris vorgestellt werden , dass hier ausgelöscht wurde. Und bei der Darstellung des fast normalen Lebens im besetzten Paris kann der Film wirklich punkten und zeigt ein herrlich nostalgisches Bild des alten Frankreich. Ein bißchen fast heile Welt wie in "Die Kinder des Monsieur Mathieu", an den der deutsche Titel wohl auch erinnern soll. In Frankreich heißt der Film schlicht "Die Razzia".
Besonders stolz ist man offenbar auf die Rekonstruktion des Velodrom. Da das Original nicht mehr existiert, wurde ein riesiges Set gebaut, teils real, teils per Computer. So soll das Leid der 7000 Insassen angemessen bebildert werden, was man sieht wirkt aber eher wie Kraftmeierei der Tricktechniker, wie man sie aus den Anfangstagen der Computerbilder kennt, als man noch so richtig stolz auf sein neues Spielzeug war. Irgendwie beeindruckender sind die realen Wochenschauaufnahmen von Hitler aus Sightseeingtour in Paris, die den Film eröffnen. Den selbstgefälligen Eroberer und Massenmörder auf entvölkerten Straßen zu sehen, unterlegt mit einem melancholischen Edith-Piaf-Chanson, das zeigt wie schwer die Besetzung am Ego der Franzosen
Im Verlauf gönnt der Film seinem Publikum immer wieder eine Verschnaufpause, um sie nicht völlig in Verzweiflung zu stürzen. Da wirkt bei einer improvisierten Feier das Konzentrationslager beinahe idyllisch. Aber vor allem am Ende verspielt der Film viel seiner emotionalen Sprengkraft. Denn quasi alle liebgewonnenen Figuren überleben den Massenmord. Die Opfer bleiben anonym.
Die 3 Millionen Zuschauer von Frankreich werden "Die Kinder von Paris" in Deutschland nicht erleben. Die meisten werden sich wohl denken, dass sie bereits genug über das Thema wissen und nicht auch noch die Leidensgeschichte jedes besetzten Landes mit aufarbeiten müssen. oder glauben dass ihnen selbst als Nachkriegsgeneration immer noch Schuld untergeschoben werden soll. Also kommen als Zuschauer nur die in Frage, die die Verbrechen der Vergangenheit als dauerhafte Verantwortung wahrnehmen und jede Menge Schulklassen. Wer sich für Geschichte interessiert, dem wird hier ein weiteres Kapitel des Naziterrors aufwändig und bewegend näher gebracht. Mit den ganz großen Filmen zum Thema, wie "Schindlers Liste" oder "Der Pianist" kann "Die Kinder von Paris" sich allerdings nicht messen. Dafür wurde der Horror der Zeit zu sehr abgemildert um das Publikum nicht zu sehr zu schocken.
Historischer Hintergrund zum Film:
Am 16. Juli 1942 begannen französische Behörden im Großraum Paris mit einer gigantischen Massenrazzia, die bereits einen Tag später abgeschlossen wurde: Im Auftrag der Vichy- Regierung, die wiederum in enger Absprache mit der deutschen Besatzungsmacht handelte, verhafteten einheimische Polizisten – eigenen Unterlagen zufolge – 13.152 jüdische Männer, Frauen und Kinder.
Als „schwarzer Donnerstag“ ging dieser infame Tag in die kollektive jüdische Erinnerung ein, bei den Nazis firmierte die Razzia unter dem zynischen Begriff „Operation Frühlingswind“. Ihren Ursprung nahm die berühmt-berüchtigte Rafle du Vel' d'Hiv’ (Razzia des Winter-Velodroms) am 20. Januar 1942 in Berlin. Während der Wannsee-Konferenz einigten sich führende Nazi- Größen, darunter Reinhard Heydrich, Roland Freisler und Adolf Eichmann, in der so genannten Juden-Frage auf die „Endlösung“: Ihrem Plan zufolge sollte Europa von allen, sprich: rund elf Millionen Juden „befreit“ werden. Im Juni desselben Jahres reiften auch die Frankreich betreffenden Pläne: Insgesamt sollten jenseits des Rheins 100.000 Juden verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet werden.
Erstes Etappenziel war die Verhaftung von rund 28.000 Juden, die in der Hauptstadt und im Großraum Paris lebten. Ursprünglich sollte die Aktion am 13./14. Juli stattfinden. Als die Franzosen auf den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli hinwiesen (der freilich in der besetzten Zone nicht gefeiert werden durfte), wurde Aufschub gestattet. In der Vorbereitungsphase erkannten die deutschen Besatzer schon bald, dass die Operation ohne Unterstützung und aktive Mithilfe der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain nicht durchzuführen war. Ende Juni 1942 fanden erste Gespräche statt, bei denen die französische Seite aufgefordert wurde, eigene Vorschläge zur generalstabsmäßigen Verhaftung der vorgesehenen 28.000 Juden ohne französischen Pass zu unterbreiten. Nach anfänglichem Zögern und dem geäußerten Bedenken, dass eine solche Operation den Rahmen der bestehenden anti-jüdischen Gesetze in Frankreich sprengen würde, erklärte sich mit Pierre Laval schließlich ein ranghohes Regierungsmitglied bereit, Koordination, Ausführung und Verantwortung der „Operation Frühlingswind“ zu übernehmen.
Rund 9.000 französische Polizisten erhielten den Befehl, „so schnell, diskret und schweigsam wie möglich“ die anvisierten Juden zu verhaften, darunter auch schwangere Frauen und Kranke. Eine Differenzierung, hieß es, werde erst an den Orten möglich sein, an die die Juden zu bringen waren. Dabei handelte es sich um das Vélodrome d'hiver (Winter-Velodrom) im 15. Arrondissement nahe des Eiffelturms sowie das Lager von Drancy im Norden der Stadt. Da den Behörden letztlich „nur“ rund 13.000 Juden ins Netz gingen, ist davon auszugehen, dass die anderen 15.000 – rechtzeitig gewarnt von Nachbarn oder der Résistance – sich dank der Unterstützung durch mutige Franzosen verstecken konnten.
Rund 7.000 verhaftete Juden gelangten unter Polizeibewachung in das Radrennstadion, wo sie tagelang bei unerträglicher Hitze, ohne Nahrung und Trinkwasser und unter schlimmsten sanitären Verhältnissen ausharren mussten. Auf Flüchtende wurde sofort geschossen, rund hundert Gefangene begingen noch im Vel d'Hiv’ Selbstmord. Am fünften Tag wurden die Eingeschlossenen in die Konzentrationslager von Beaune-La-Rolande und Pithiviers im Département Loiret (südlich von Paris) gebracht. Von dort erfolgte schließlich die Deportation in die deutschen Vernichtungslager im Osten, in erster Linie nach Auschwitz. Von den 13.152 verhafteten Juden kehrten nach Kriegsende nur 25 Erwachsene zurück. Alle 4.051 Kinder starben.
Die Rafle du Vel' d'Hiv' gilt Historikern als das wohl größte französische Trauma aus den Jahren der Kollaboration mit den Nazis, zugleich wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg tabuisiert. Als am 17. Juli 1994 ein Denkmal zu Ehren der verhafteten und deportierten Juden vom 16./17. Juli 1942 in der Nähe des mittlerweile abgerissenen Vel' d'Hiv' eingeweiht wurde, hatte es in den 52 Jahren davor von offizieller Seite kein Schuldbekenntnis gegeben. Das erfolgte erst ein Jahr später, als der damalige Staatspräsident Jacques Chirac im Rahmen einer Zeremonie vor dem Denkmal die Verantwortung Frankreichs an der Shoah im Allgemeinen und an der Razzia im Besonderen einräumte. Er sagte unter anderem, „dass diese dunklen Stunden für immer die Geschichte Frankreichs beschmutzen. (...) Ja, der kriminelle Wahnsinn der Besatzungsmacht wurde von Franzosen und dem französischen Staat unterstützt. (...) An jenem Tag beging Frankreich, Heimat der Menschenrechte, einen nicht wieder gutzumachenden Schaden und lieferte seine Schützlinge an ihre Henker aus.“ 1979 wurde Jean Leguay, während der Besatzung zuständiger Pariser Präfekt für die Nationalpolizei, als erster Franzose überhaupt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er starb noch vor der Urteilssprechung im Jahr 1993.
Weitere Infos zum Film:
Die Idee, einen Film über die „Rafle du Vel' d'Hiv“ (Razzia des Winter-Velodroms) zu drehen, eines der dunkelsten Kapitel der französischen Geschichte, stammt von dem Produzenten Ilan Goldman („Die purpurnen Flüsse“, „La vie en rose“). Der Enkel russisch- und polnischstämmiger Juden wuchs in der jüdischen Gemeinde am Pariser Montmartre auf, dem Schauplatz der Anfangsszenen von DIE KINDER VON PARIS. Schon in jungen Jahren beschäftigte er sich mit der Massenrazzia und ihren Folgen – und musste zu seiner großen Verwunderung feststellen, dass ein so bedeutendes Ereignis wie die Verhaftung, die Deportation und der Tod von 13.000 Pariser Juden im Juli 1942 im französischen Kino der Nachkriegszeit wenn überhaupt nur eine periphere Rolle spielte.
Die Massenverhaftung ließ ihn viele Jahre nicht los und wuchs sich, wie er selbst sagt, zu einer Obsession aus, die schließlich auch seine nicht-jüdische Frau Rose Bosch zu teilen begann, eine ehemalige Journalistin, die 1992 für Ridley Scotts Kolumbus-Epos „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ ihr erstes Drehbuch schrieb. Für Bosch besteht die Schande, die Frankreich mit der Rafle du Vel d'Hiv' auf sich lud, nicht nur in den Dimensionen, die die Kollaboration im Kontext der „Lösung der Judenfrage“ erreichte, sondern vor allem in der Tatsache, dass Frankreich nach Kriegsende unfähig bzw. unwillig war, das tabuisierte Thema aufzuarbeiten und sich zu seiner Schuld zu bekennen. „Bei der Rafle du Vel d'Hiv’ handelt es sich um den größten Makel auf der weißen Weste der französischen Nation, und alle, restlos alle, haben versucht, ihn zu vertuschen.“ Was Bosch darüber hinaus schockierte, war der Umstand, dass es von der Massenrazzia keinerlei fotografische Beweise gibt – mit Ausnahme eines einzigen Fotos, das leere Busse vor dem Winter-Velodrom zeigt. In zahlreichen Gesprächen gab sie ihrem Mann zu verstehen, dass sie den Film nur dann drehen wollte, wenn es möglich war, ihn aus kindlicher Perspektive zu schildern – dass insgesamt 1,5 Millionen Kinder aus ganz Europa in den Vernichtungslagern der Nazis umkamen, war ausschlaggebend dafür, dass die zweifache Mutter den Film überhaupt in Angriff nahm. „Trotzdem dachte ich lange Zeit, dass es sich um ein unmögliches Unterfangen handelt.“
Schon früh war ihr klar, dass sie für ihre umfangreichen Recherchen, die schlussendlich drei Jahre dauern sollten, Hilfe benötigte. Mit dem Historiker und Rechtsanwalt Serge Klarsfeld konnte sich Rose Bosch die Unterstützung eines ausgewiesenen Fachmanns sichern: Klarsfeld, dessen Vater während einer Razzia in Nizza verhaftet und in Auschwitz ermordet wurde, gilt als einer der profiliertesten Nazijäger und hat es sich in den vergangenen 25 Jahren zur Aufgabe gemacht, jedes einzelne Opfer der Judenverfolgung in Frankreich zu dokumentieren. Rose Bosch wollte freilich Überlebende der Rafle du Vel' d'Hiv' in den Mittelpunkt ihres Films stellen. Überlebende zu finden, erwies sich aber schon nach kurzer Zeit als geradezu aussichtsloses Unterfangen.
Verbürgt war, dass von den 13.000 im Großraum Paris verhafteten Juden nur 25 Erwachsene aus den Vernichtungslagern heimkehrten; von den mehr als 4000 Kindern überlebte nicht ein einziges. Doch Rose Bosch gab nicht auf, durchforstete Archive, wälzte Akten und sah sich unzählige Dokumentationen an. Bis sie schließlich, als sie die Hoffnung fast schon aufgegeben hatte, auf eine 15 Jahre alte TV-Dokumentation stieß, in der ein gewisser Joseph Weismann berichtete, dass er am Montmartre aufwuchs, am 16. Juli 1942 zusammen mit seiner Familie verhaftet und in ein Transitlager in Beaune-La-Rolande gebracht wurde. Dort gelang dem Elfjährigen mit einem Freund die Flucht, während seine Eltern und beiden Schwestern deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden. Nachdem Bosch Kontakt zu Weismann aufgenommen und von ihm das Einverständnis erhalten hatte, wichtige Eckpunkte seiner Geschichte für ihr Drehbuch zu verwenden, entschied sie sich endgültig dafür, den kleinen Jo zur Hauptfigur ihres Films zu machen.
Obwohl Ilan Goldman mit der Edith-Piaf-Biografie „La vie en rose“ zuvor einen veritablen Welterfolg produziert hatte, der seiner Hauptdarstellerin Marion Cotillard sensationellerweise einen Oscar einbrachte, erwies sich die Finanzierung von DIE KINDER VON PARIS als äußerst problematisch. Nachdem er vergeblich mit mehreren potentiellen Co-Produzenten verhandelt hatte und sich häufiger anhören musste, dass sich für solche „ollen Kamellen“ „kein Mensch mehr interessiert“, fand sich mit Gaumont aber schließlich doch noch ein renommierter Produktionspartner, mit dem Goldman bei Filmen wie „Die purpurnen Flüsse“ und „Vatel“ bereits erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Auf 20 Millionen Euro belief sich das Budget des Films; einen Großteil davon verschlangen die extrem aufwendigen Kulissen des Winter-Velodroms und des Transitlagers in Beaune-La-Rolande, die mangels geeigneter Originalschauplätze von dem renommierten Szenenbilder Olivier Raoux („La vie en rose“) nachgebaut werden mussten. Die Kulisse des Winter-Velodroms gelang Raoux dabei so detailliert und täuschend echt, dass Joseph Weismann bei einem Besuch am Set in Budapest sofort von Erinnerungen an die Geschehnisse im echten Vel' d'Hiv' überwältigt wurde. Ins Geld gingen letztlich auch die mehr als 10.000 Statisten, die Goldman zufolge nötig waren, um das erschreckendes Ausmaß der Razzia überzeugend darstellen zu können.
Bevor die Dreharbeiten am 15. Mai 2009 in den engen Straßen von Montmartre begannen, mussten natürlich die passenden Schauspieler gefunden werden. Insbesondere die Suche nach den Kindern erwies sich als ebenso mühsame wie spannende Angelegenheit: Bei verschiedenen Castings sah sich Rose Bosch mehr als 300 Kandidaten an, die für die Rolle des kleinen Jo und der anderen Kinderrollen vorsprachen. Erst sechs Wochen vor Drehbeginn fand sie mit Hugo Leverdez einen Jungen, dem sie nicht nur großes schauspielerisches Talent attestierte, sondern auch „erstaunliche Reife und große Selbstdisziplin“ – Eigenschaften, die unentbehrlich waren für diese Rolle. Immerhin musste der Gymnasiast, der noch nie in einem Kinofilm mitgespielt hatte, anstrengende 40 Drehtage bewältigen.
Mit Mélanie Laurent engagierte Bosch für die Rolle der protestantischen Rotkreuzschwester Annette Monod eine mehrfach prämierte Nachwuchsschauspielerin („Keine Sorge, mir geht’s gut“), die ironischerweise kurz zuvor in Quentin Tarantinos Kriegssatire „Inglourious Basterds“ eine französische Jüdin gespielt hatte, die nach der Ermordung ihrer Familie durch die Nazis alles daran setzt, Hitler bei einem Attentat zu ermorden. Die damals 26-Jährige war Bosch in dem Film „La chambre des morts“ aufgefallen, und es war vor allem der Kontrast aus scheinbarer Zerbrechlichkeit und Stärke, der ihr imponierte. Erst später erfuhr Bosch, dass Mélanie Laurents jüdischer Großvater während des Zweiten Weltkriegs deportiert wurde, der Hölle von Auschwitz jedoch entkommen konnte. Emmanuelle Seigner, die Ehefrau von Roman Polanski, war für die Rolle von Josephs aus Polen stammender Mutter Sura Weismann engagiert worden. Doch drei Wochen vor Drehbeginn stieg sie wegen kreativer Differenzen wieder aus und wurde von der relativ unerfahrenen TV-Darstellerin Raphaëlle Agogué ersetzt, der Rose Bosch ihre bis dahin größte Aufgabe anvertraute.
Jean Reno und Gad Elmaleh, mit denen Rose Bosch seit langem befreundet ist, gehören zu ihren absoluten Lieblingsschauspielern. Trotzdem hatte sich trotz verschiedener Anläufe noch keine Zusammenarbeit ergeben. Diese Chance bot sich erst bei DIE KINDER VON PARIS, was mit Sicherheit auch dem Umstand zu verdanken war, dass sie ihnen anspruchsvolle Rollen im dramatischen Fach anbot, in dem sich weder Action-Star Reno („22 Bullets“) noch Komödien-As Elmaleh („Liebe um jeden Preis“) bis dahin besonders häufig hatten beweisen können. Als jüdischer Arzt Dr. Sheinbaum respektive als Josephs Vater Schmuel Weismann verleihen sie ihren Filmfiguren nicht nur tiefe Authentizität, sondern auch eine zum Mitfühlen zwingende Ernsthaftigkeit.
Als die Dreharbeiten am 13. August 2009 zu Ende gingen, hatte Rose Bosch allen Schwierigkeiten zum Trotz ihren Plan verwirklicht, einen Film „über das Leben zu drehen, nicht über den Tod“ – weil sie, wie sie sagt, mit DIE KINDER VON PARIS in die Zukunft weisen möchte, nicht in die Vergangenheit. Dazu musste sie den Bogen ihrer wahren Geschichte freilich von der trügerischen Idylle am Montmartre bis zum Grauen im Winter-Velodrom spannen, von Opfern und Henkern erzählen. Von denen, die alles organisierten. Von denen, die vertrauten. Von denen, die sich auflehnten. Und von denen, die starben. Rose Bosch wird nicht müde zu betonen, dass alle Personen ihres Films gelebt haben. Und dass alle Ereignisse, selbst die extremsten, sich im Juli 1942 genau so zutrugen: „Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

