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Alles Koscher Trailer und Filmkritik

Originaltitel: The Infidel   |   Mit: Omid Djalili, Richard Schiff

FSK Film: 12 | FSK Trailer: 0 | Länge: 105 Min | Kinostart: 02.12.2011
© Senator | Genre: Comedy | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

TRAILER-TIPPS

 

Alles Koscher: Mehr zu diesem Film

Links & Infos

 

Schauspieler:Omid Djalili, Richard Schiff, Archie Panjabi, Amit Shah, Matt Lucas

Regie:Josh Appignanesi

Produktion:Arvind Ethan David, Uzma Hasan, Stewart Le Marechal, David Baddiel

Die Story:Mahmud hat eine Frau, Kinder und ist überzeugter Moslem. Als seine Mutter stirbt, findet er seine Geburtsurkunde und stellt fest, daß er erstens adoptiert wurde und zweitens ein Jude ist. Sein leiblicher Vater soll noch leben, allerdings in einem Altersheim. Und er will ihn nur sehen, wenn er als überzeugter Jude auftritt. Also muss er irgendwie konvertieren oder sich zumindest sehr gut mit dem Glauben auskennen.




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♥: grandioser Hauptdarsteller, vielseitiger, intelligenter Humor
−: zu absurdes Finale, etwas zu harmlos

Seit Jahrzehnten hält der Konflikt zwischen Juden und Moslems die Weltpolitik in Atem. Nirdgendwo sonst auf der Welt stehen sich zwei Gruppen so ausdauernd feindselig gegenüber. Im Kino wird der Konflikt oft aufgearbeitet - in Thrillern wie "München", in Kriegsdramen wie "Libanon", selbst in Trickfilmen wie "Waltz with Bashir". Dem Konflikt mit Humor zu begegnen, hat sich bisher aber kaum jemand getraut, wenn man von Adam Sandlers Blödel-Klmamotte "Leg dich nicht mit Zohan an" absieht. "Alles koscher" schlägt da zum Glück ganz andere Töne an.


Mahmud Nasir (Omid Djalili) ist so eine Art Gelegenheitsmoslem. In die Moschee verirrt er sich eher selten, aber wenn ihn was aufregt, fühlt er sich trotzdem schnell von vermeintlichen Islamfeinden umringt und wenn´s gerade passt, kann er auch ganz schnell ein paar antisemitische Vorurteile aufbieten - zum Beispiel wenn ihm der jüdische Taxifahrer von gegenüber den Parkplatz wegschnappt. Aber Mahmud ist alles andere als ein Radikaler. Statt Hassprediger hört er lieber Synthiepop und auch das ein oder andere Ale ist ihm auch schon durch die Kehle geflossen. Seine bunte Identität war für ihn nie ein Grund für Selbstzweifel. Aber das ändert sich nach dem Tod seiner Mutter. Aus alten Unterlagen erfährt er, dass er als Baby adoptiert wurde - und e wirklichen Eltern Juden waren. Sein wahrer Name ist danach Solly Shimshillewitz. Das darf natürlich keiner in seinem Umfeld erfahren.
Dabei wollte Mahmud sich gerade jetzt als Mustermoslem beweisen. Denn sein Sohn Rashid (Amit Shah) will die Tochter des radikalen Islamisten Arshad El-Masri (Yigal Naor) heiraten. Und da kommt nur ein strenggläubiger Moslem in Frage.
Mahmud will jedoch gleichzeit mehr über seine Wurzeln und seine ursprüngliche Familie wissen. So erfährt er, dass sein wahrer Vater noch lebt. Den schwerkranken Rabbi könnte es allerdings umbringen, dass sein Sohn Moslem ist. Also muss Mahmud vor einem Besuch einen Schnellkurs in Sachen Jüdisch-Sein absolvieren. Der einzige Jude, den er kennt ist allerdings der Taxifahrer Lenny (Richard Schiff, "Ray", "Jurassic Park 2", "We want Sex"). Der ist nach anfänglichem Mißtrauen schnell bereit Mahmud Nachhilfe in Sachen Judentum zu geben. Schließlich ist Mahmud/Solly jetzt irgendwie ein Glaubensbruder - und die Situation einfach zu komisch um sie zu ignorieren.
Mahmuds Identitätskrise bleibt seinem Umfeld natürlich nicht verborgen. Seine Frau vermutet hinter seinem merkwürdigen Verhalten die obligatorische Midlifecrisis und eventuell eine Geliebte, was sein Leben nicht gerade entspannter macht.

Omid Djalili ist in Großbritannien ein bekannter Standup-Comedian. Und so ganz nebenbei war er auch schon in Dutzenden Hollywoodblockbustern wie "Die Mumie","Flucht der Karibik - Am Ende der Welt", "Spy Game", oder "Gladiator"zu sehen - meist als der Parade-Araber. Die Rolle in "Alles koscher" ist ihm somit auch auf den Leib geschrieben. Es wäre zu hoffen, dass er mit diesem Film endlich etwas mehr Anerkennung bekommt. Durch sein komödiantisches Timing trägt er den Film praktisch ganz allein und dabei basiert längst nicht jeder Gag auf religiösen Stereotypen.
So wird Mahmud Nasir vor seinem Haus fast von einem Auto überfahren. Als sich danach ein leichte Brise regt, meint er fast, den Atem Gottes zu spüren - bis er sieht, dass hinter ihm jemand mit einem Laubbläser langschlurft. Das ist nicht nur bezeichnend für Mahmuds zwiespältiges Verhältnis zur Religion, sondern auch ein Gag, der komplett ohne Worte allein durchs Timing und die pointierte Mimik von Djalili funktioniert. Da macht es kaum etwas, dass der Verlauf der Story weitgehend vorhersehbar ist und die Macher einiges an Potential ungenutzt lassen, weil sie nicht jeden Gag schrill auf die Spitze treiben. Eigentlich erwartet man, dass Mahmuds plötzliche Geheimnistuerei und sein Interesse an Juden ihn zwangsläufig zum Terrorverdächtigen machen. Das wäre den Schreibern aber wohl zu platt gewesen. Die Pointen, die serviert werden sitzen jedoch. Und selbst wenn Djalili wie ein wandelndes Klischee aussieht, wird er doch nie zur völligen Witzfigur sondern bleibt ein sympathischer Trottel, mit dem man in seiner Zwangslage mitfühlt. Und das gilt besonders, als er schließlich seiner Familie die Wahrheit nicht mehr verhemlichen kann. Besonders als sein Sohn ihn fragt "wo ist mein wahrer Vater", da wird Mahmud klar, dass seine Identität längst nicht mehr von seiner Vergangenheit oder seinen wahren oder vermeintlichen Wurzeln definiert wird, sondern von seiner realen, aktuellen, Familie.
Da unterscheidet sich "Alles koscher" deutlich vom sarkastischen Ton der Terrorkomödie "Four Lions". Die pflegte einen erheblich bissigeren und absurderen Humor.
"Alles koscher" ist da vom Ton eher vergleichbar mit der Komödie "Fasten auf italienisch" mit Kad Merad (Willkommen bei den Sch´tis"), in der ein Moslem sich zwischen seiner wahren Idenität und dem Doppelleben als Latin Lover verstrickte. Die mutierte am Ende leider zur bitteren Morallektion ab. Ganz überzeugend ist das Finale von "Alles Koscher" allerdings auch nicht. Natürlich gibt es am Ende eine Botschaft von Versöhnung und Verständnis, aber der Weg dahin ist etwas zu konstruiert und der Showdown in einem öffentlichen verbalen Schlagabtausch zwischen Mahmud dem Fundi Marshad zu plakativ. Dass Mahmud seinen Gegenspieler durch neugewonnene "jüdische" Eigenschaften, nämlich die ausführliche Kenntnis seltener Krankheiten als Scharlatan enttarnen kann, wird zwar logisch aus der Story heraus entwickelt, ist aber doch etwas zu bequem.
Trotzdem ist "Alles Koscher" eine durchweg witzige Abrechnung mit religiösen und ethnischen Klischees, die vor allem durch den sympathischen Hauptdarsteller viel Spaß macht.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht