An Einem Samstag Trailer und Filmkritik
FSK Film: 12 | FSK Trailer: 6 | Länge: 99 Min | Kinostart: 21.04.2011 | Release: 08.03.2012 (DVD)
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Schauspieler:Anton Shagin, Svetlana Smirnova-Marcinkevich, Stanislav Rjadinskij, Vasilij Guzov, Aleksej Demidov, Vjacheslav Petkun, Sergej Gromov, Uljana Fomicheva, Aleksej Shljamin, Aleksej Galushko, Georgij Volynskij
Die Story:An einem Samstag im April 1986 explodierte ein Reaktorblock in Tschernobyl, die Parteileitung schweigt, die Bevölkerung ist ahnungslos. Valerij ist Musiker in einer Band und zugleich ein junger Parteifunktionär. Er versucht mit Vera, seiner Freundin, vor der unsichtbaren Gefahr zu fliehen, doch das Leben an einem Samstag lässt ihn nicht los. Der Film beschreibt die Schwierigkeiten einer Flucht, wenn die Panik im Volk ausbleibt...
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Eure Meinung zu "An Einem Samstag"

♥: Einige atmosphärische Bilder, groteske Innenansicht der Sowjetunion
−: nervige Handkamera, aufdringliche Nahaufnahmen, dilettantische Musik, schleppende Dramaturgie
Der Film startet pünktlich zum 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl in den Kinos. Wegen des Vorfalls in Fukushima wurde der Start für Sondervorführungen jedoch vorgezogen. Denn auch in Schulen soll er eingesetzt werden. Liebe Lehrer ! erspart das euren Schülern ! Über die Katastrophe und die Gefahren der Atomkraft erfahren sie hier nichts. Liebe Schüler ! Wenn eure Lehrer euch in den Film schleppen wollen: protestiert ! Schlagt lieber die Teilnahme an einer beliebigen Demo vor. Das ist sinnvoller verbrachte Zeit.
Er rennt und rennt und rennt - und kommt doch nicht wirklich von der Stelle. Der kleine Parteifunktionär Valerij (Anton Shagin) ist einer der wenigen, die am 26. April 1986 von der Reaktorkatstrophe in Tschernobyl wissen. Die Ingenieure in der Reaktor-Zentrale neben der qualmenden Ruine sind ratlos, die korrupte, feige Parteileitung verdonnert alle zum Schweigen. Und auch wenn es absurd wirkt, seinen Eid auf das Parteibuch abzulegen: bei den Mitgliedern war das damals wohl noch was wert. So darf Valerij zwar nicht reden, aber rennen. Möglichst weit weg, Am besten mit seiner Freundin Vera (Svetlana Smirnova), die er in der nahen Siedlung Pripjat einsammelt. Und obwohl er ihr die Wahrheit verrät, ist sie hin und hergerissen zwischen Panik und Unglaube. Das kann schließlich gar nicht wahr sein. Trotzdem lässt sie sich erstmal von Valerijs Hektik anstecken. Aber den einzigen Zug, der die Stadt heute verlässt, erreichen sie nicht rechtzeitig. Als Vera sich beim Hindernislauf durch die idyllsische Stadt einen Absatz bricht, ist es mit ihrem Engagement vorbei. Sie probiert erst mal in Seelenruhe im nächsten Laden neue Schuhe („gerade aus Rumänien eingetroffen") an, nicht eins, nicht zwei, nicht drei , nein , vier Paar Schuhe. Und wir sind hautnah dabei. Da würde jeder Mann die Flucht ergreifen, und genau das macht Valerij. Aber der LKW auf den er aufspringt, fährt leider in die falsche Richtung. Und auch Valerijs scheint irgendwann zu glauben, dass es wichtigeres gibt, als zu überleben. Oder er resigniert einfach Während die Strahlung ungehindert eindringen kann, ist es Valerij irgendwie unmöglich, die Stadt zu verlassen. Je länger sich die verhinderte Flucht hinzieht, desto mehr kommt ihnen in die Quere.
Vera braucht unbedingt ihren Ausweis, und als sie dabei ihre Bandkollegen trifft, fällt ihr spontan ein, dass ein bißchen Geld für Flucht nicht schadet. Warum also nicht noch einen letzten Auftritt absolvieren ? Und da Valerij früher der Drummer der Band war, hilft er auch gleich aus, weil der eigentliche Drummer sturzbetrunken ist. Dabei sind seine früheren Musikerkumpels eigentlich stinksauer auf ihn, weil sie ihn als Parteimitglied für einen Verräter halten. Sollen sie mit ihm spielen oder ihn verprügeln ? Der Gig ist erstmal wichtiger. Valerij trommelt und trommelt und trommelt, egal ob schrammeliger Russenrock, alte Volksweisen oder Sauflieder. Gefühlte Stunden hängen wir auf der Hochzeit fest, erleben wie die Leute sich besaufen, sich prügeln und versöhnen, tanzen und fressen. Zufällig spielt die Band auf der Hochzeit von Valerijs bestem Freund. Aber der will sich vom Gau keinesfalls den schönsten Tag seines Lebens versauen lassen. Erst als ihm klar wird, was das für sein ungeborenes Kind bedeutet, wird er etwas panisch....
Bis auf ein paar sehr atmosphärische Bilder von der brennenden oder rauchenden Reaktorruine spielt Tschernobyl aber kaum eine Rolle. Strahlung kann man natürlich nicht sehen. Aber auch die Hintergründe der Katastrophe kann man im Film nicht sehen. Wie viele Menschen betroffen waren und flüchten mussten, wie der GAU passierte, und selbst was aus den Filmfiguren wurde, erfährt man nicht. „An einem Samstag" ist eben doch nicht „der Film über den GAU". Er nutzt das zum 25.Jahrestag mal wieder aktuelle Thema nur um ein sehr zugespitztes Psychogramm der Menschen in einem totalitären System kurz vor dem Untergang zu zeigen.Die tiefere Bedeutung des Films ist genauso unsichtbar wie die Radioaktivität. In der "Zeit" meinte ein Kritiker, die Diskrepanz zwischen Normalität und dem drohenden Horror im Film sei kaum auszuhalten. Was tatsächlich nicht auszuhalten ist, das ist die penetrant eingesetzte Handkamera, neben der „Blair Witch Projekt" wie ein Stillleben wirkt, sowie die ständigen Großaufnahmen ausdrucksloser Gesichter. Vielleicht sollen sie Fatalismus oder stille Wut oder Verzweiflung ausdrücken. Zunächst mal nerven und desorientieren sie aber nur. Ebenso wie die extrem langen Musikeinlagen einer lausigen Dorfcombo mit endlosen Soli oder so erbaulichen Klassikern wie dem Pfannkuchenlied: „Ach heissassa, leckere Pfannkuchen". Auch hier stürzt sich die wackelige Kamera mit ins Geschehen und feiert mit den besoffenen Ukrainern mit. Das macht aber kaum Spaß, wenn man stocknüchtern im Kinosaal sitzt. Und falls doch schon einen in der Krone hat, wird einem von dem Geschaukel eher schlecht. Da vergisst man selbst auch glatt den Reaktorunfall und möchte trotzdem selbst nur noch rennen, rennen, rennen. Beim ganzen Rennen, Trommeln, Tanzen und Saufen wird viel Energie freigesetzt. Allerdings wird die wie bei der Reaktorkatastrophe nicht nützlich verwendet sondern verpufft eher und sorgt für Übelkeit.„An einem Samstag" ist das typische Produkt der gängigen Förderpolitik. Zuschüsse gabs nämlich reichlich für den Film. Die russische und die deutsche Filmförderung mischte mit, arte und der mdr ebenso. Kein Wunder. Welcher Filmredakteur hätte da schon widerstehen können ? Das Reizthema Tschernobyl, der 25. Jahrestag der Katastrophe, dazu ein bißchen Entwicklungshilfe für die ukrainische Filmbranche, ein ausgezeichneter Kameramann (Oleg Mutu „4 Monate, 3 Wochen, zwei Tage"), ein herrliches verkopftes Konzept und das Versprechen des Regisseur, sich vom Mainstream fernzuhalten. Kein Wunder dass der Film auch den Weg in den Wettbewerb der Berlinale fand.
Regisseur Alexander Mindadze wollte keinen Katastrophenthriller drehen und keine Doku.
Ihm schwebte eine „filmische Metapher" vor. Er wollte zeigen, wie und warum die Menschen vor nicht vor dem Gau geflüchtet sind. Er entwirft dabei eher ein verallgemeinerndes Psychoprofil der Ukrainer und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem maroden Sowjetregime, indem sie 1986 lebten. Der kaputte Reaktor wird zum Symbol des kaputten Systems. Aber beide, das AKW und die UdSSR tauchen nur am Rande auf. So gerät der Störfall eher zum Störfaktor im Film.
Stell dir vor es ist Gau, und keinen interessierts.

