In Der Welt Habt Ihr Angst Trailer
FSK Film: 12 | Länge: 112 Min | Kinostart: 03.03.2011 | Release: 31.12.2011 (DVD)
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Schauspieler:Anna Maria Mühe, Max von Thun, Axel Prahl, Hanns Zischler, Kirsten Block, Johannes Allmayer
Die Story:Die bewegende Liebesgeschichte zwischen der Studentin Eva und dem Musiker Jo ist überschattet von dem Versuch der beiden, ihre Drogenabhängigkeit durch kalten Entzug zu überwinden. Sie wollen in Neuseeland neu anfangen, doch für den Flug benötigen sie Geld. Als der Überfall auf ein Antiquariat fehl schlägt und Jo verhaftet wird, nistet sich die schwangere Eva unter Waffengewalt bei dem braven Lateinlehrer Paul ein...
Hintergrund:Hans W. Geißendörfer, vielfach preisgekrönter Regisseur, Autor, Produzent und Vater der „Lindenstraße“, der im April 2011 seinen 70. Geburtstag feiern wird, erzählt in seinem berührenden Spielfilm IN DER WELT HABT IHR ANGST von einer Liebe, die Berge versetzen kann. Bei der Verfilmung seines eigenen Drehbuchs schlägt er geschickt leise Töne an und vertraut völlig zu Recht auf das spannungsreiche, mitreißende Spiel seiner drei Hauptakteure. Dank ihrer nuancenreichen Darstellungen und der umsichtigen Regie entsteht das kluge Psychogramm einer intensiven, leidenschaftlichen Liebe sowie einer komplexen Vater-Tochter-Beziehung. IN DER WELT HABT IHR ANGST ist Melodram und Love-Story zugleich: Ein unverstellter, unerbittlicher Blick auf die Abgründe eines Drogenentzugs, der durch die versöhnende Kraft der Musik und der Hoffnung gemildert wird.
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Detailierte Inhaltsbeschreibung:
Im Leben von Eva (ANNA MARIA MÜHE) und Jo (MAX VON THUN) existieren nur noch sie beide – und das Heroin. Alle Kontakte zu Familie oder Bekannten, zu Evas Vater (HANNS ZISCHLER) ebenso wie zu ihrem gutmütigen, ehemaligen Geliebten Zimmernachbarn Tom (JOHANNES ALLMAYER) sind längst zerbrochen.
Als Eva erfährt, dass sie schwanger ist, beschließen sie und Jo gemeinsam, dass sich ihr Leben nun radikal ändern muss. Sie gehen auf kalten Entzug und weit weg von der provinziellen Enge und der malerischen, gutbürgerlichen Idylle der Stadt Bamberg wollen die Liebenden in Neuseeland einen Neuanfang wagen.
Doch die Versuche, sich Geld für die Reise zu beschaffen, scheitern. Evas Vater, ein disziplinierter Kantor, weist seiner Tochter die Tür, als er sie dabei erwischt, wie sie sich heimlich einen Scheck ausstellen will. Verzweifelt bettelt Eva wieder einmal Tom, ihren Zimmernachbarn im Wohnheim, an. Doch auch der verweigert sich diesmal.
Jo und Eva kommen auf die naive Idee, einen Jo bekannten Antiquar in der Nähe zu überfallen. Sie soll den Mann ablenken und nach einem Buch fragen, während Jo indessen die Kasse plündert. Doch der Plan geht schief. Das unter massiven Entzugserscheinungen leidende Pärchen verhält sich auffällig und unbeholfen. Der aufgebrachte Buchhändler bedroht die beiden mit einer Pistole und alarmiert die Polizei, bevor Eva ihn mit einer im Laden herumstehenden Büste niederschlägt. Tief erschrocken über ihre Tat versucht sie für den Verletzten Hilfe zu rufen und erst als die Polizeisirenen bereits laut zu hören sind, verlassen beide den Laden und versuchen linkisch zu fliehen. Jo wird sofort gefasst. Eva greift nach der Pistole des Ladenbesitzers, bedroht die Polizisten und verspricht Jo verzweifelt, ihn aus dem Knast zu befreien. Dann flieht sie und kann ihre Verfolger in den engen Gassen von Bambergs Altstadt tatsächlich abschütteln.
Gepeinigt von heftigsten Entzugserscheinungen und vollkommen am Ende ihrer Kräfte versteckt sich Eva in einem Hauseingang. In der Nacht bekommt sie einen lautstark ausgetragenen Ehekrach zwischen Paul (AXEL PRAHL) und Gisela (KIRSTEN BLOCK) mit, die in diesem Haus wohnen. Als der Lateinlehrer Paul am nächsten Morgen die nachts im Frust geleerten Weinflaschen in den Altglascontainer im Hof trägt, schlüpft Eva geschwind in seine Wohnung. Zitternd, mit der Pistole in der Hand, nötigt sie Paul dazu, sich selbst an einen Stuhl zu fesseln. Paul gehorcht, spürt er doch instinktiv sofort, welche Gefahr von dieser unberechenbaren, schwitzenden, von Schmerzen geplagten jungen Frau ausgeht.
Im Laufe der nächsten quälenden Stunden beginnt Eva, Paul von ihrem Leben und ihren Plänen zu erzählen und obwohl Jo weit weg im Gefängnis seinen Entzug durchzustehen versucht, kann Eva durch die Kraft ihrer Liebe mit ihm kommunizieren und sogar musizieren. Eine zaghafte, väterliche Beziehung bahnt sich zwischen dem genau beobachtenden Studienrat und Eva an. Doch als Pauls Frau Gisela, die nach dem Streit verzweifelt wütend das Haus verlassen hat und zu ihrem Geliebten eilte, überraschend wieder die Wohnung betritt, spitzt sich die Situation gefährlich zu. Gisela gelingt es schließlich, die Polizei zu verständigen. Diese umstellt sofort das Haus. Evas Vater hämmert an die Wohnungstür und fleht seine Tochter an, sich zu ergeben. Doch auf einmal überschlagen sich die Ereignisse.
Eure Meinung zu "In Der Welt Habt Ihr Angst"

♥: Streckenweise berührende Darstellung von Anna Maria Mühe
−: thematisch überladen, gesellschaftspolitisch zu simpel, emotional unausgegoren
Eva (Anna Maria Mühe) und Jo (Max von Thun) können nicht ohne einander leben - und auch nicht ohne Heroin.
Aber so kann es nicht weitergehen. Für den Entzug brauchen sie jedoch Geld - viel Geld. Denn den wollen sie in Neuseeland durchziehen. Sie wollen raus aus ihrer alten Umwelt, die sie zu erdrücken scheint. Aber weder Eva´s strenger Vater, der Kirchenmusiker Johannes Baumann (Hanns Zischler) noch ihr aufdringlicher Verehrer Tom (Johannes Allmayer) wollen ihnen helfen - oder wenn, dann nur ihr, und nur wenn sie sich von Jo trennt.
So sieht das Paar sich gezwungen, das Geld bei einem Raubüberfall zu beschaffen. Der Coup geht aber ganz fatal daneben. Eva erschlägt den Ladenbesitzer, Jo wird von der Polizei geschnappt während sie fliehen kann. Kurzentschlossen nistet sie sich bei dem Lehrer Paul Krämer (Axel Prahl) ein und nimmt ihn als Geisel. In seiner Wohnung will sie ihre nächsten Schritte planen. Wie kann sie der Polizei entkommen ? Wie kann sie Jo aus dem Gefängnis befreien ? Wie bekommt sie das Geld zusammen für den rettenden Trip ans andere Ende der Welt ? Auch wenn Krämer versucht, Eva ins Gewissen zu reden, kann er ihre Nöte doch nachempfinden. Er selbst ist mit seinem Dasein höchst unzufrieden, spätestens seit er seine Frau beim Seitensprung erwischt hat. So wird er allmählich von der Geisel zum Verbündeten. Ihre Annäherung zieht den Film aber in die Länge . Während Jo im Gefängnis den kalten Entzug erlebt, ist die Wohnung des Altphilologen ist eine andere Art Gefängnis im größeren Gefängnis namens Bamberg.
Geißendörfer hat den Film in seiner eigenen Heimatstadt Bamberg angesiedelt und sie zu einem spießbürgerlichen Museum erstarren lassen. Immer wieder schwenkt die Kamera über die trostlose bleierne Skyline. Die Stadt wird beherrscht von maroden Altbauten, bigotten Kirchgängern und allgegenwärtigen Kruzifixen, während die Handlungsweise der Einwohner alles andere als christlich ist. Bei den Dreharbeiten waren die Eiwohner begeistert dabei. Ob sie noch so angetan sind, wenn sie sehen, wie ihre Stadt hier porträtiert wird ? Die plumpe Gesellschaftskritik wäre Anfang der 60er Jahre vielleicht zeitgemäß gewesen. Da hat Herr Geißendörfer wohl den Anschluß an die Gegenwart verloren. Seine Angst vor Heroin fusst auf seiner Sorge für die eigenen Töchter. Die sind aber inzwischen längst erwachsen (Geißendörfer ist mittlerweile 70). Das Thema Heroin wäre vielleicht vor 30 Jahren relevant gewesen. Heute gibt es einfach andere Probleme, die Zahl der Toten durch illegale Drogen ist erheblich kleiner als die der Alkoholtoten und zudem jährlich rückläufig.
Mit Anna-Maria Mühe und Max von Thun hat der Film ein starkes Darstellerpaar - das im Film aber meist getrennt ist. Mit ihrem Geliebten kann Eva von da an nur noch über eine Art telepathischer Verbindung kommunizieren. Ein ungelenkes Mysteryelement, dass auf plakative Weise die Macht der Liebe bebildern soll und die spätere religiöse Überhöhung des Liebespaars vorwegnimmt, aber überhaupt nicht in den Rest des Films passt.
Das Drehbuch ist hoffnungslos überfrachtet und ziemlich willkürlich zusamengepuzzelt.
Da hätte man drei Filme draus machen können. Und das wäre auch besser gewesen. Es wirkt als hätte der Autor und Regisseur Hans W.Geißendörfer hier jede Menge Altlasten verwurstet.
In seinen Augen sind die Junkies vor allem Nonkonformisten die sich von der bürgerlichen Welt mit ihren Regeln und besonders von der fränkischen Kleinstadt mit ihren omnipräsenten Kruzifixen erdrückt fühlen. Da sind die muffigen Feindbilder des Alt-68-ers Geißendörfer überdeutlich und seine morbide Romantisierung der Drogensucht mehr als ärgerlich. Der einfühlsame Gitarrist (Max von Thun steuerte einige Stücke für den Soundtrack bei) und die talentierte Pianistin führen das klischeehafte Leben armer Poeten. Eva hat sich sogar freiwillig und nicht als Zeichen der Schwäche in die Drogensucht gestürzt, um ihrem Geliebten näher zu sein. Auch wenn beim kalten Entzug viel geflucht und gekotzt wird - die realen Umstände und Folgen der Drogensucht sieht man hier nicht. Und schon gar nicht die Qualen die die Angehörigen und Freunde von Junkies durchmachen. Wo ist der körperliche Verfall, wo der Verlust der geistigen Fähigkeiten, wo die allgegenwärtige Beschaffungskriminalität inklusive Straßenstrich, wo die offene Drogenszene ? Und auch dass eine Schwangerschaft mit Blick auf die Gesundheit des Kindes für Junkies keine so tolle Idee ist, sollte man eigentlich erwähnen. Bei Anna Maria Mühe beschränken sich die Folgen der Drogensucht auf fettige Haare und gelegentliche Temperamentsausbrüche. Mit Leichtigkeit wird aus dem versifften Wrack ein völlig anderer Mensch. Ein Bad und ein Businessoutfit reichen, und schon kann sie als seriöse Geschäftsfrau auftreten. Zitternde Hände ? Glasige Augen ? Nichts davon zu sehen. Wenn das so einfach wäre.
Gerne verdrängt der Film auch warum Jo im Knast sitzt. Die beiden haben einen alten Mann getötet. Aber von Reue keine Spur. Sich zu stellen, und ihre Schuld einzugestehen, fällt Eva nicht ein. "Strafe macht nur Sinn, wenn man etwas wiedergutmachen kann" doziert sie. Wenn das die Sicht des Autors ist, dann kann man sich ja Mordurteile in Zukunft sparen.
Im Finale deutet Geißendörfer seine tragischen Helden glatt zu einer alternativen Version von Maria und Joseph um, die passenderweise zur Weihnachtszeit, mit ihrem Baby auf der Flucht in einer heruntergekommenen Hütte Unterschlupf finden. Da ist Geißendörfer seine religiöse Metaphorik völlig aus dem ruder gelaufen. Die drogenabhängigen Kriminellen zu den eigentlichen Opfern zu erklären ist eine peinliche Plattitüde selbsternannter Sozialarbeiter. Mit einer glaubwürdigeren Handlung hätte diese Liebesdrama durchaus Charme. Aber das Potential wird unter platter Gesellschaftskritik und peinlichen Mysteryelementen verschüttet.
Mehrmals hat Geißendörfer versucht, Fördergelder für seinen Film einzutreiben - und blitzte ab. Bei aller berechtigten Kritik am Subventionsmoloch der deutschen Filmwirtschaft: da hatten die Pfründeverwalter mal Recht. Wenn man schon ein Thema wie Drogensucht anpackt, sollte man es ernster nehmen.
Die Darsteller über den Film:
“Das Besondere an der Figur Eva ist unter anderem ihr Lebenswille, ihre grenzenlose Liebe zu Jo und ihre Stärke, mit der sie diese schwierige Zeit zu überstehen versucht. Es war eine große Herausforderung, fast die ganze Zeit den Entzug mitzuspielen und es war etwas völlig Neues, meinen Körper so intensiv zu spüren, mit jedem Schritt, den ich tat. Ich habe versucht, einer heroinsüchtigen Figur gerecht zu werden. Dafür hatte ich in der Vorbereitungszeit tolle Hilfe von „Synanon“ aus Berlin bekommen, die mir mit ihrem Rat sehr zu Seite standen.“ Anna Maria Mühe
„Rollen, die eine drastische, körperliche Veränderung voraussetzen, sind immer eine besondere Herausforderung. Wenn dann auch noch ein gutes Drehbuch und ein Regisseur mit ausgeprägter Vision, Kampfbereitschaft und derartiger Beharrlichkeit hinzukommen, kann man sich als Schauspieler nur freuen, wenn man dabei sein darf.“ Max von Thun
„Als ich das Drehbuch zu IN DER WELT HABT IHR ANGST las, dachte ich: Was für ein wunderbarer Titel, und legte das Buch, bis ich die letzte Seite gelesen hatte, auch nicht mehr aus der Hand. Und dass man mir die Rolle des Alt- Philologen Paul Krämer antrug, war für mich durchaus eine Herausforderung. Bisher war ich nur selten in den Genuss gekommen, einen Intellektuellen darstellen zu dürfen. Erst als ich das Buch, in der festen Absicht, für die Rolle zuzusagen, aus der Hand legte, wurde ich gewahr, dass es sich hier um ein Drehbuch von Hans W. Geißendörfer handelte. Die Ehre haben zu dürfen, mit einer solchen Lichtgestalt des deutschen Films zu arbeiten und das wunderbare Erlebnis den wirklich großartigen MENSCHEN Geißendörfer kennen zu lernen, gehört in die Reihe der schönsten Begebenheiten, die mir mein Berufsleben bis dato bescherte." Axel Prahl
„Nachdenkenswert fand ich die Rolle eines (pastoralen & autoritären) Vaters, dessen traditionelle erzieherische Mittel nichts mehr taugen. Dadurch erlebt er einen für ihn ungewohnten und fast beängstigenden Zustand der Hilflosigkeit, in dem Spuren einer wahrhaftigen Liebe zu seinem Kind zutage treten.“ Hanns Zischler
„Für mich war es immer ein Film über die Liebe. Und ich fand es reizvoll, den Kampf einer Frau um die Liebe ihres Mannes zu zeigen.“ Kirsten Block
„Warum zerstöre ich das, was ich am meisten liebe? Dieser Frage nachzugehen und dabei die innere Zerrissenheit von Tom glaubhaft zu verkörpern, war die große und äußerst reizvolle Aufgabe bei der Arbeit an "In der Welt habt Ihr Angst". Hans W. Geißendörfer hat mir bei diesem Vorhaben leidenschaftlich geholfen und mich beim Suchen nach der Antwort liebevoll geführt." Johannes Allmayer

