Dieser Inhalt ist von uns empfohlen ab 12 Jahre

Mr Nice Trailer und Filmkritik

Originaltitel: Mr. Nice   |   Mit: Rhys Ifans, Chloë Sevigny

FSK Film: 12 | FSK Trailer: 12 | Länge: 120 Min | Kinostart: 23.06.2011 | Release: 25.11.2011 (DVD&BD)
© Koch Media | Genre: Comedy | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? | Trailer kaputt?

 

TRAILER-TIPPS

 

Mr Nice: Mehr zu diesem Film

Links & Infos

 

Schauspieler:Rhys Ifans, Chloë Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Elsa Pataky, Luis Tosar, Crispin Glover, Christian McKay

Regie:Bernard Rose

Produktion:Luc Roeg, Eine Produktion von Independent in Koproduktion mit Prescience, Wales Creative IP Fund, Lipsync Productions LLP and Kanzaman S.L

Die Story:43 Decknamen, 89 Telefonanschlüsse, 25 Firmen, Kontakte zu Mafia und Geheimdiensten und über eine Million verkaufte Bücher: kaum einer spielte mit dem Feuer des Verbrechens so ungeniert wie der Mann, der einst mit Hilfe der IRA und des britischen Geheimdienstes den Drogenhandel globalisierte. Howard Marks war hochbegabter Oxford-Zögling, bevor er sich zum internationalen Drogenboss entwickelte, zum charmanten Staatsfeind und Herrscher über die Titelseiten. Alles begann in den 70er Jahren, als der Joint Symbol einer besseren Welt war: Howard will Lehrer werden, bis er Vertretungsweise mit einer Ladung Drogen quer durch Europa rast – ein buch- stäblich bewusstseinserweiternder Trip! Kurz darauf erobert sich Howard mit Hilfe eines IRA-Anführers den amerikanischen Markt und wird als Agent des MI6 angeworben – sehr zum Verdruss der internationalen Drogenpolizei. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit hält MR. NICE ein ganzes Justizsystem zum Narren, ist mal unberechenbarer Geheimagent, mal schäbiger Geldwäscher, und genießt ein Leben zwischen Cannabis, Cadillacs und viel viel Cash. Howard bleibt nicht zu fassen, wird zum Helden der Legalisierungsbewegung. Aber Craig Lovato von der US-Drogenbehörde hat genug von dem Katz-und-Maus-Spiel. Er setzt alles daran, den begnadeten Trickser endlich dingfest zu machen. Doch der bleibt vor allem eins: Verbrecher – und stolz darauf. MR. NICE ist die kongeniale Verfilmung der gleichnamigen, legendären Autobiographie von Howard Marks. Bernard Rose inszenierte die wahre Geschichte dieses charismatischen Outlaws als pointen- und wendungsreiche Komödie voller Dialogwitz und satirischer Seitenhiebe.

Hintergrund:Biopic-Komödie nach dem Bestseller von Howard Marks.




Eure Meinung zu "Mr Nice"



Kommentar zu "Mr Nice" ohne einloggen abgeben:

 



Bisher gibt es keine Kommentare zu "Mr Nice".

 




♥: interessante Biographie, abwechslungsreiche Story mit dezent absurdem Humor
−: oberflächliche Charaktere, billige Inszenierung, schlampige Tricks

Howard Marks war in den 70er- und 80er Jahren einer der meistgesuchten Männer Großbritanniens.
Nach US-Schätzungen war er zeitweise für 10 Prozent des weltweiten Haschisch- und Marihuana-Handels verantwortlich. Aber nicht nur das Ausmaß seiner Geschäfte machten ihn zu einem außergewöhnlichen Gangster, dessen Leben in "Mr. Nice" nacherzählt wird.


Schon als Schüler war Howard Marks (Rhys Ifans) ein cleveres Kerlchen - auch wenn er mit seinen guten Noten bei den Mitschülern schnell zum Außenseiter wurde. Dafür schaffte er es als einziger aus seiner rückständigen Heimat Wales an die renommierte Elite-Uni in Oxford, eine der traditionsreichsten Institutionen des Königreichs. Aber die Studenten sind auf einem ganz anderen Trip. Zum erstenmal kommt Howard hier in Kontakt mit Drogen. Der Einfall, beim ersten Joint von Schwarz-Weiß auf Farbfilm umzuschwenken ist zwar plump, aber noch einer der besseren Tricks des Films. Ein übler Absturz mit LSD beendet Howards Drogenkarriere schnell wieder. Ganz knapp entgeht er dem Rausschmiß an der Uni, macht seinen Abschluß, heiratet und nimmt einen soliden Lehrerjob an. So scheint sein Weg bis zur Rente vorgezeichnet zu sein. Aber es kommt ganz anders.
Ein alter Freund wurde beim Drogenschmuggel erwischt und sitzt nun in Deutschland im Knast. Da ihn seine Frau gerade verlassen hat, hat Howard nichts gegen die Abwechslung und wird quasi über Nacht zum Drogenkurier. Da weicht der Film schonmal deutlich von Marks´eigener Version ab - obwohl er im wesentlichen auf seiner Autobiographie basiert. Danach vollzog sich der Wandel viel langsamer. Für Details hat der knapp zweistündige Filme aber kaum Zeit, weil sich jetzt die Ereignisse überschlagen und zu viele Stationen abgehakt werden müssen.
Obwohl Howard einen großen Teil seiner Ware selbst konsumiert hat er doch einen wachen Verstand und überzeugt seine Partner durch Geschäftssinn und Zuverlässigkeit. Das Geld beginnt zu sprudeln - und in so einem Fall stellen selbst ehrwürdige britische Banker unangenehmen Fragen. Um das Drogengeld zu waschen baut Howard Tarnfirmen auf, um die Drogen ins Land zu bringen knüpft er Kontakte zum IRA-Aktivisten Jim McCann (David Thewlis) und um für Nachschub zu sorgen, besucht er kurzerhand die Produzenten in Afghanistan. Und selbst für die Eroberung des US-Markts hat er eine geniale Idee. Die Ware wird im Equipment von britischen Rockbands wie Pink Floyd und Genesis versteckt, die auf US-Tournee gehen. Erstaunlicherweise wird ausgerechnet deren Ausrüstung vom US-Zoll nicht durchsucht. Trotzdem kommen die Behörden Howard irgendwann auf die Schliche. Vor Gericht kommt er aber ungeschoren davon, weil er nebenbei als Informant des britischen Geheimdienstes MI6 gearbeitet hat. Sofort nach seiner Freilassung taucht er unter, verschafft sich eine neue Identität und steigt wieder ins Business ein. So wird aus Howard Marks "Mr.Nice".

Wer der Mann hinter dem Decknamen wirklich war außer einem fröhlichen Kiffer mit Geschäftssinn, dass erfährt man nur andeutungsweise. Auch wenn Rhys Ifans seinem Rollenvorbild erstaunlich ähnlich sieht und generell gut spielt, gibt das Drehbuch ihm kaum ordentliche Entfaltungsmöglichkeiten. Als Charakterporträt überzeugt der Film jedenfalls nicht. Irgendwie fallen die Chancen dem globalen Schmuggler fast in den Schoß, alles ergibt sich fast wie von selbst, Gefahren werden bestenfalls angedeutet. Das ist auf Dauer doch etwas oberflächlich und auch kaum spannend. Schwer vorzustellen, dass man so ein weltweites Drogenimperium aufbaut.
Chloe Sevigny ist als Howards Frau sträflich unterfordert und hat kaum mehr zu tun als Kinder zu kriegen, besorgt zu gucken und Bedenken zu äußern. Echte Chemie zwischen den beiden entsteht nicht.

Auch optisch kann der Film nicht überzeugen. Das erste Problem ist schon Rhys Ifans, der Howard Marks über einen Zeitraum von 20 Jahren spielt, ohne sich, mal abgesehen von schlecht sitzenden Perücken, irgendwie zu verändern. Um der Story viel 60er und 70er-Patina zu verpassen, wurde außerdem exzessiv Archivmaterial aus der Zeit verwendet, in das die Darsteller ziemlich plump hineinkopiert wurden. Das sieht aus wie Forrest Gump in der Heimvideoversion und lenkt mehr ab, als dass es für Atmosphäre sorgt. Der Afghanistan-Trip wurde sichtbar in Spanien gefilmt und bei Howards Ausflug nach Deutschland sehen wir Ortsschilder wie "Lorrach" und an Garagen steht die mysteriöse Aufforderung "Nicht draußen bleiben". "Mr.Nice" ist sichtbar mit begrenztem Budget gedreht worden - aber auch einfach ziemlich schlampig inszeniert. Vielleicht ging beim Dreh ja auch der ein oder andere Joint herum.

Regisseur Bernard Rose hat sein Drehbuch im Wesentlichen auf der Autobiographie von Howard Marks aufgebaut. Klar, dass dadurch die Sichtweise etwas einseitig gerät. Marks hat nach eigenen Angaben nie Gewalt verwendet. Drogenbehörden sind hier nur nervige, unfähige Bürokraten und Spielverderber. Gefahren und Nebenwirkungen von Drogen im Allgemeinen und dem Drogenhandel im Besonderen werden dagegen schlicht vergessen und auch die Terrorgruppe IRA wirkt mehr wie ein chaotischer Heimatverein. Trotzdem ist die launige Biographie keine der albernen Stonerkomödien die sich mit voller Absicht bei einem Teenagerpublikum anbiedern. "Mr.Nice" ist irgendwo zwischen Gangster-Bio und Gaunerkomödie angesiedelt. Der Film setzt dem Dopeschmuggler ein Denkmal - basierend auf dessen eigenen Aussagen. Hier soll trotz ernster Anklänge vor allem der Mythos um "Mr.Nice" befeuert werden, der für Kiffer eine Art Robin Hood oder Till Eulenspiegel war. In der Rolle sieht Howard Marks sich selbst gerne, wenn er heute als Aktivist für die Legalisierung weicher Drogen durch die Welt reist. Er dürfte ziemlich zufrieden mit dem Film über sein Leben sein.

Aus Großbritannien kommen immer wieder großartige Krimidramen, wie "Layer Cake", "Bank Job", "Gangster No.1.", "Die Krays" und die frühen Filme von Guy Ritchie "Bube, Dame, König, Gras" oder"Snatch". "Mr.Nice" ist in diesem Umfeld leider keine Glanzleistung. Auch in den USA wurden aus den Biographien von realen Gangstern packende, vielschichtige und auch unterhaltsame Dramen, wie "Blow" (mit Johnny Depp und Franka Potente), "American Gangster" (mit Denzel Washington und Russell Crowe) oder "Goodfellas"( mit Ray Liotta und Robert DeNiro). Von denen ist "Mr.Nice" allerdings viel weiter entfernt als Großbritannien von den USA.



© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht