Win Win Trailer und Filmkritik
FSK Film: 6 | FSK Trailer: 0 | Länge: 106 Min | Kinostart: 21.07.2011
© Twentieth Century Fox | Genre: Drama | DVD & BD leihen oder kaufen | Wo jetzt im Kino? |
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Schauspieler:Paul Giamatti, Amy Ryan, Melanie Lynskey, Jeffrey Tambor, Bobby Cannavale
Die Story:Mike Flaherty ist ein erfolgsloser Jurist und coached eine Ringer-Mannschaft. Um einen guten Deal zu machen, betreut er seinen Klienten Leo Poplar, der eigentlich ins Altersheim kommen soll. Leo bekommt Besuch von seinem Neffen Kyle, der nicht wieder zurück zur drogensüchtigen Mutter will. So nimmt Mike den Jungen bei sich, richtig lieb gewinnen kann er ihn zudem, weil Kyle sich als guter Ringer entpuppt. Kyles Mutter, die von einer Entziehungskur zurück ist, bringt jedoch einigen Ärger mit sich...
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Eure Meinung zu "Win Win"

♥: trockener Wortwitz, glaubwürdige Probleme, großartiges Ensemble
−: etwas zu behäbig erzählt.
Wer kennt nicht das Gefühl, dass die anderen immer das größere Stück Kuchen kriegen, das neuere Auto fahren, mehr verdienen oder besser aussehen ? Haben die das verdient ? Was muss man dafür tun, auch mal auf der Gewinnerseite zu stehen ? Die Fragen stellt und beantwortet "Win Win" auf intelligente und humorvolle Weise.
Paul Giamatti spielt Mike Flaherty, einen Kleinstadt-Anwalt mit chronisch leerer Kasse. Auch das Ringer-Team, das er in seiner Freizeit als Trainer betreut, ist eine Trümmertruppe. Erfolg ist für Mike offenbar generell ein fremdwort. Aber dann kriegt er einen lukrativen Tip von einem erfolgreichen Freund. Er lässt sich vom Gericht zum Vormund des alten Leo (Burt Young, der "Paulie" aus "Rocky") erklären. Aber während er der Richterin verspricht, sich selbst um den senilen Mann zu kümmern, bringt er ihn tatsächlich in einem Seniorenheim unter. Vielleicht nicht die feine Art, und auch nicht das was Leo will, aber schlecht gehts dem Senior dort nicht.
Die bequeme Lösung gerät aber in Gefahr, als Leos Enkel Kyle (Alex Shaffer) auftaucht.
Der ist vor seiner drogenbsüchtigen Mutter geflüchtet und wollte eigentlich bei seinem Opa wohnen - aber da der im Heim lebt geht das natürlich nicht. Mike will Kyle so schnell wie möglich loswerden, aber der denkt nicht daran zu verschwinden. Bevor die Behörden unangenehme Fragen stellen, bringt Mike ihn bei seiner Familie unter.
Er kann sein Glück kaum fassen, als er feststellt, das Kyle ein phänomenales Sporttalent ist. Tatsächlich hat er bereits etliche Titel im Ringen gewonnen, bevor er den Sport aus unbekannten Gründen aufgab. Mike nimmt Kyle mit zu seinem Team und tatsächlich findet der wieder Gefallen an seinem Sport und Mikes Team hat wieder Erfolge und ein Vorbild. Ende gut alles gut ? Von wegen.
Denn als Kyle´s Mutter Cindy (Melanie Lynskey) auftaucht, gerät Mikes wackelige Konstruktion in Wanken. Als Familienangehörige könnte sie Mike die Vormundschaft für Leo anknöpfen - und ihren Sohn aus seinem Ringer-Team abziehen. Mike ist klar, das Cindy es nur auf das Leo´s Geld abgesehen hat. Aber ist er selbst tatsächlich besser ? Seine kleine Erfolgsphase steht vor ihrem Ende - und seine kleinen unsauberen Tricks könnten ihn seine Zulassung kosten. Wie kann er sich aus der Affäre ziehen ? Und hat er das überhaupt verdient ?
Paul Giamatti hat schon oft Typen gespielt, denen vom Schicksal übel mitgespielt wird. Hier allerdings liefert er eine etwas andere Variante. Anfangs hadert er zwar mit seinem chronischen Mißerfolg. Aber dann nimmt er die Sache selbst in die Hand. Auch wenn ihm die Dinge immer mehr außer Kontrolle geraten. Das ist durchaus vergleichbar mit Giamatti´s gerade erst gestartenen Romanverfilmung "Barney´s Version", nur temporeicher, witziger und nicht so dramatisch.
So gekonnt Giamatti auch hier den Überlebenskünstler spielt, so hat er aber auch ein großartiges Ensemble an seiner Seite. Jeffrey Tambor und Bobby Canavale sind seine besten Freunde, die ebenso wie Mike um ein bißchen Erfolg und Anerkennung kämpfen. Sie spiegeln damit verschiedene Aspekte von Mikes Innenleben. Terry ist der dynamische, egoistische zupackende Macher der nicht erwachsen werden will, Stephen der zögernde Zweifler mit einem mächtigen Minderwertigkeitskomplex, der nur zu gut weiß, dass seine Zeit abläuft. Dazu kommt Amy Ryan als Mikes Frau Jackie, die sich plötzlich mit einem Teenager im eigenen Haus arrangieren muss, und Melanie Lynskey (Rose aus "Two and a half men") als berechnende, aber unberechenbare Mutter von Kyle. Alex Shaffer hat die undankbare Rolle, mit Kyle einen eher phlegmatischen Jugendlichen zu spielen, der nur beim Sport für ein paar Sekunden aufblüht. Das ist zwar realistisch für einen Teenager und solide gespielt aber nicht wirklich faszinierend. Aber seine Rolle ist auch mehr als Katalysator für Mikes Geschichte gedacht.
Thomas McCarthy ist ein erfolgreicher Schauspieler, bekannt aus so unterschiedlichen Filmen wie "Thomas Clayton" , "Duplicity", "Fair Game" und "2012". Aber richtig bekannt wurde er als Regisseur des Independent-Hits "Station Agent". Sein neuer Film ist nicht ganz so spröde, und erinnert an kleine Komödien wie "Little Miss Sunshine" oder "Please Give".
"Win Win" ist keine laute, platte, klamaukige Klamotte, und schon gar keine typisch amerikanische Erfolgsstory mit sportlicher Note. Sondern eine sehr menschliche und intelligente Komödie über Erfolg und Ehrgeiz. Hier wird nicht ein absurdes Szenario auf ein anderes getürmt. Ein bißchen mehr Tempo hätte allerdings gut getan, in der Mitte schleppt sich die Story ein wenig dahin. Die Probleme von Mike und seinen Freund sind aber immer realistisch und glaubwürdig, so daß man mit den Figuren mitleidet, selbst wenn sie oft selbst schuld an ihrem Schlamassel sind. Wer selbst gerne ein bißchen mehr Erfolg hätte, wer mal falsch geparkt oder bei der Steuer gemogelt hat, der kann sich sehr gut in die Nöte dieser Figuren einfühlen. Ohne zu belehren stellt der Film die Frage, ob Probleme so gelöst werden könne, dass alle glücklich sind, (die sogenannte "Win-Win"-Situation) oder ob immer einer verlieren muss, wenn andere gewinnen.
