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Gefährten Trailer und Filmkritik

Originaltitel: War Horse   |   Mit: Jeremy Irvine, Emily Watson

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FSK Film: 12 | Länge: 147 Min | Kinostart: 16.02.2012 | | DVD/BD: 30.08.2012 | Infos & Links | Eure Meinung zum Film
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86%

episches und emotionales Kriegsmelodram





Die Meinung zum Film - von

Seit Jahrzehnten plündert Spielberg die Filmerlebnisse seiner Kindheit und bringt sie in zeitgemäßer Form neu ins Kino. In “Indiana Jones” waren es die Abenteuer-Serials der 30er, in “Krieg der Welten” die B-Movie-Science-Fiction-Welle der Fünfziger, und in “Gefährten” erweist er sich als Kenner und Liebhaber der opulenten Technicolor-Melodramen aus Hollywoods Glanzzeit. Die Hommage an “Vom Winde verweht” werden auch weniger versierte Filmfans überdeutlich erkennen.

Seit Jahrtausenden haben die Menschen Pferde im Krieg eingesetzt. Lange Zeit waren sie eine überlegene Waffe, die Kavallerie war eine Elitetruppe. Im Ersten Weltkrieg begann sich das zu ändern. Mit der zunehmenden Motorisierung wurden die Pferde aber leider nicht vom Kriegsdienst verschont sondern zu Lasttieren und mobilem Proviant degradiert.

Kurz vor Beginn des 1 Weltkriegs kauft der englische Farmer Ted Narracott (Peter Mullan, „Tyrannosaur") ein Pferd, dass für seine Verhältnisse eigentlich zu teuer und als Arbeitstier auch ungeeignet ist. Sein Sohn Albert ist jedoch völlig in das Tier vernarrt und bald sind er und "Joey" unzertrennlich. Aber trotz ihres aufopferungsvollen Einsatz scheitern die Bemühungen, die Farm zu retten. Notgedrungen verkauft Narracott das Pferd an die Armee. Ted würde sich ja sofort freiwillig melden um seinen besten Freund zu begleiten, ist aber zu jung. Doch seine Chance wird noch kommen. Vorerst jedoch wird der Offizier Captain Nicholls (Tom Hiddleston) der neue Besitzer. Immerhin ist auch der ein ausgesprochener Tierfreund. Aber was bedeutet das schon im Krieg ? Die Kavallerie erweist sich als militärisch hoffnungslos veraltet. Die gesamte Einheit gerät in einen tödlichen Hinterhalt, aus dem kaum jemand entkommt. Nicht Menschen und Tiere, sondern Maschinen entscheiden über Leben und Tod.

Im Krieg wechselt Joey unfreiwillig mehrfach die Fronten. Die episodenhafte Struktur vermittelt zwar den Eindruck dass im Krieg nichts von Dauer ist, aber den einzelnen Episoden fehlt es oft an Tiefgang, zu eilig gallopiert die Erzählung durch die opulent inszenierten Kriegspanoramen. So sind es eher einzelne ergreifende Moment die einen packen, die Rahmenstory lahmt dagegen etwas, da neben dem tapferen Pferde alle menschlichen Schauspieler zu Nebendarstellern werden.

„Dieses Pferd kann alles schaffen"

Von der britischen Kavallerie führt Joeys Odyssey hinter deutsche Linien, von dort zu französischen Zivilisten und endet schließlich beinahe im ebenso tödlichen wie symbolträchtigen Niemandsland zwischen den Linien. So berührt das Pferd für kurze Zeit alle, die unter dem Krieg leiden. Joey verkörpert so nicht nur das Leid des sinnlosen Gemetzels, sondern auch die Hoffnung, irgendwie aus dieser Hölle zu entkommen. Und besser als mit den oft so traurig wirkenden Pferdeaugen kann man den gesehenen Horror kaum auf den Punkt bringen.
Als Joey gerettet wird, ist kurz darauf auch der Krieg zu Ende. Aber hier wird kein militärischer Sieg errungen, das Ende wird schlicht verkündet, ohne dass ein Sieger auszumachen ist. Gewonnen haben höchsten alle, die überlebt haben. Im Schlachtengetümmel erspart uns Spielberg zwar blutige Details, aber die unmenschliche Schinderei und die Hoffnungslosigkeit vermittelt er mit erdrückender Konsequenz. Aber er wäre nicht Spielberg, wenn nicht im Finale auf fast magische Weise alles gut würde.

„Der Krieg hat sich alles geholt - und jeden einzelnen"

Erfreulich ist, dass Spielberg auf eine Amerikanisierung der Geschichte verzichtet. Die Vorlage ist ein britisches Buch, und auch im Film sind die Briten in der Überzahl, in den Hauptrollen weniger bekannte wie Toby Kebell ("Prince Of Persia") und Tom Hiddleston ("Thor") oder Newcomer wie Jeremy Irvine, in den Nebenrollen solide Charakterdarsteller wie Eddie Marsan ("London Boulevard"), David Thewlis ("Anonymus") und Emily Watson ("Mitten Im Sturm").
In kaum einem Hollywood-Film waren wohl je so viele deutsche Schauspieler zu sehen, darunter David Kross ("Der Vorleser"), Hinnerk Schönemann ("Das Leben Der Anderen") Rainer Bock ("Das Weiße Band") , Hannes Wegener ("Die drei Musketiere"), Michael Krantz ("Inglourious Basterds"), Maximilian Brückner ("Resturlaub"), Peter Benedict ("Yella"). Allerdings muß man bei einigen schon gut aufpassen um sie zu erkennen, da etliche Auftritte sehr kurz und die Darsteller in Uniform schwer zu erkennen sind. Dafür spielen die meisten aber immerhin positive Charaktere, keine eindimensionalen Schurken.
So ganz hat Spielberg die alten Schützengräber aber nicht zugeschüttet. Zwar leiden Pferde im Krieg auf beiden Seiten, und in jedem Lager gibt es auch Pferdefreunde aber auf englischer Seite werden die Tiere heldenhaft in die Schlacht geführt, und anschließend zum Chirurgen gebracht, auf deutscher Seite werden sie als Lasttiere geschunden und erschossen. Und der fiese Pferdeschlachter, der Joey zu Leibe rücken will ist Franzose, während die zerlumpten englischen Soldaten ihre letzten Pennies geben um das Pferd zu retten.

„Wo immer du bist - ich werde dich finden."

Steven Spielberg inszeniert sein Kriegsmelodram als Hommage an die glorreiche Technicolor-Ära, mit der Opulenz von Dramen wie "Lawrence von Arabien" und einer kräftigen Dosis Sentimentalität aus klassischer Tierabenteuern wie "Lassie" oder "Ruf der Wildnis". Großen Anteil haben daran Spielbergs Stamm-Kameramann Janusz Kaminski ("Der Soldat James Ryan), der für ebenso bombastische wie sorgfältig inszenierten Bilder sorgt, sowie der Soundtrack von Spielbergs Leib-und-Magen-Komponisten John Williams ("Star Wars", „Indiana Jones", „Jurassic Park"), der die Emotionen wuchtig unterstreicht. Aber mit gewaltigem Aufwand rekonstruiert Spielberg auch die tödliche Materialschlacht des Krieges.

Der harmlose deutsche Titel wird dem Film überhaupt nicht gerecht. Der verspricht ein spannendes Abenteuer über die Freundschaft von Mensch und Tier, das besonders Abonnenten von Pferdepostillen wie "Wendy" oder "Lissy" oder alte Freunde von "Fury" und "Black Beauty" anlocken dürfte. Die werden sich wundern! Der englische Originalname "War Horse" trifft den Ton des Film nämlich deutlich besser. Daher ist "Gefährten" als Familienfilm nur sehr begrenzt geeignet. Dazu ist er trotz versöhnlicher Zwischentöne und Happy-End doch zu brachial. Für alle anderen ist es dagegen ein im besten Sinne altmodisches, mitreißendes Filmepos über Freundschaft und Hoffnung.

Marcus Fliegel© Marcus Fliegel | Filmkritiken Übersicht
 

Infos & Links

Infos zu "Gefährten Trailer und Filmkritik"

Die Story:Der Film beginnt mit der besonderen Freundschaft zwischen einem Pferd namens Joey und Albert (Jeremy Irvine), einem Jungen, der ihn zähmt und trainiert. Als die beiden gewaltsam getrennt werden, folgt der Film der außergewöhnlichen Reise des Pferdes auf seinem Weg durch den Krieg und zeigt, wie es die Leben zahlreicher Menschen inspiriert und verändert, denen es unterwegs begegnet – britischer Kavallerie, deutscher Soldaten und eines französischen Bauern und seiner Enkelin – bevor die Geschichte im Niemandsland zwischen den Fronten ihren bewegenden Höhepunkt erreicht.

Schauspieler:Jeremy Irvine, Peter Mullan, Emily Watson, David Kross, Rainer Bock

Regie:Steven Spielberg

Produktion:Steven Spielberg und Kathleen Kennedy

Drehbuch:Lee Hall und Richard Curtis nach dem Roman von Michael Morpurgo und nach dem Theaterstück von Nick Stafford

Hintergrund:Der erste Weltkrieg wird durch die Reise dieses Pferdes erzählt – eine Odyssee aus Freude und Leid, bewegenden Emotionen und großem Abenteuer. GEFÄHRTEN ist eine außergewöhnliche Geschichte über Freundschaft und Krieg – der Roman war ein Welterfolg, der zu einem ebenso international erfolgreichen Theaterstück wurde und nun von einem der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart für die Leinwand adaptiert wurde.





Eure Meinung zu "Gefährten"


Weitere Kommentare zu "Gefährten":

Diane Ich fand den Film trots Krieg Einlagen sehr gefühlvoll und mit Herz gemacht. Ich stand bei manchen Szenen sehr nah am Wasser gebaut, aber für Kinder ist er nur die ersten 45 Minuten ca, danach hab ich meine Tochter auch ins Bett gelegt (trots gemotze) weil sie weiter schauen wollte. Schaue ihn jederzeit wieder!!!

Smily HAMMER DIESER FILM!

ines Der soll gut sein!!!!!!!!!

adf Endlich mal wieder ein Erster-Weltkrieg-Film. Hat ja gedauert!